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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-06 · Heft 3030 (6.8.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3030 (6.8.1927)
Date
1927-08-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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SK. 8030 Wien, Samstag Wiener Morgenzeitung —.-C - - 5 nd einem reizvollen Erker, war das ganze Spiel mit seinem ionisch hohen Anspruch abgerungen. So schnürte sich denn die Handlung psychologisch feinst zusammen, was aber nicht verhindern konnte, daß etwas Kalle und Starrheit auf die Darstellung abfiel. Heinrich George führte als Macbeth ein grausiges Crescendo vor, war aber nicht vibrationsfähig .genug, Lucie H ö f l i ch bet als Lady Macbeth ein Meisterstück triebmätziger Hingabe. — Am Nachmittag vor der Aufführung sprach Wilhelm v. Scholz, der Präsident der Dichterfektion der Preußischen Akademie der Künste in der Universität über das „Theater Äs Fest". Ausgehend von der Entartung des auf Saisonwirkung abzielenden Theaters und an den festlichen Ursprung des antiken Theaters erirmeoch' desstn Spur sich durch die Jahrhunderte bis zum „Faust" verfolgen läßt, gelangte er zur Maurung einer stärkeren Berücksichtigung der zeitgenössischen Dichtkunst, deren Bestes sich int Festspiel, vom Alltag losgel^t, herausheben wird. Die Frage der Auswahl wird zur ZukunsisfragÄ der Festspiele. Dr. S-d-echh-am XrtmtMje BeMvenhekt ist Bayreuth. Bevumüich tM Heuer der berühmte Mische Opernsänger Friedrich Sch« xx, Dlcha einer Lemberger KanwoenfaMüe, bei den BatzventH^r FeMpieken als Wotan int ^Ring der Nrbelungen" mit. Das geht dem „DRKfchen Beobachter" nahe und er seuM: „Daß aber nmttneyr sogar an dieser geweihten StLrte ein Jude den obersten der german rächen GÄbter gibt, mag ein guter Treppenwitz d-er Weltgeschichte sein, die uns damit zy verstehen geben mag, daß eben der Jude heute die Welt re g i e rt. Nicht zuletzt die deutsch-germanische, in der nur Deutsche, gerade noch a!S Ameitstierie, geduldet werden." — Tatsächlich eine jüdische Dreistheit dieses Baritoutsten Scharr, den Wotan so schön und ergreifend zu singe», daß . man unter sämtlichen Darstellern dieser Rolle sirst diesen Inden für Bayreuth „kirren" mutzte. Da strü- Men die reinrassigsten Wagnerianer yetber zum Bühnenwechesttel, aber in das Mechorn der Freude Mengt sich ein Bitterer Trapsen: Der jüdische Wotan gemahnt die Bayreuthpilger, daß sie das Judentum gerade noch als Arbeitstier leben läßt. Wegen einer OxxorLhose acht Tage Arrest. Seltsamen Anstand nahm die Ko nstanti Kopier Polize-i an einem jungen Manne, der eines jener sackartigen Beinkleider trug, die aW Charleston- oder Oxforlchosen bekannt sind. Das Pollzeigericht verurteMe den jungen Mann zu acht Dagen Arrest mit der Begründung, ferne Hofe erinnere au die Tracht der Apachen und ebenso an die berüchtigte aufgelSfle freiwirliL-e Feuerwehr Von Konstaniinopel. Der Verurteilte legte gegen dieses unmoderne Urteil Berufung ein, deren Ausgang sämtliche Träger van Marlestanhosen, zumindest in Krmstantinopel, mit begrerf- 'ichem Interesseentgegensehen dürften. Au» den Theatern. Th-e-ateran'der Wien. Der Tenor Harry Pay^r wurde für die nächste Saison verpflichtet und tritt heutt zuM erstenmal in der Operette „Die Königin" auf. Theater in der JosefstaD't. MN nächste Premiere gelangt daS Lustspiel „Der schlafende Gatte" von Best SWenes zur Aufführung. Die Premiere findet Mittwoch,/den 10. d. M., ftttt. Saitzburger Festspiele. An Stelle des plötzlich er-, krankten Generalmusikdirektors Waller wird StaatSopernkapelkmeister Robert Heger die erste Festaufführrmg von MlMrtS „Figaros Hochzerr" am 7. August dirigieren. Franz Schalk übernirmnt die musikalische Leitung der „Don Jwan"!-AnMhrung am 10. August. Bered«. BortrSge und Versammlungen. Berbmid der Ziouisten-Renisionisten. Montag, Cafe Metvopül, 9. Bez., Berggasse 33, 8 Uhr abends, WäHlerver-!s-ammlung. Redner: Michael Gourary, Siegfried Graubart, M. A. Tenenblatt. — Klub der radikalen Zionisten. MoMag, den 8. >d. M., 8 Uhr abends, im SaaLe der jüdischen Volksküche, Wien, 20. Bez., Kluokygasse, zionistische Wählerversammlmw. Thema: ,Mas wird uns der 15. Zionistcnkongretz bringen?" Referenten die Herren Dr. Israel Wal d mann und Hans Kan dl. (17. Fortsetzung), '»pjrrighfcfby Dr. Mar Präger, B. L&wit Verlag, Wien. AMERIKA. Ein Roman von Sdialom Asdi. .Meir war mit beni Vetter straßauf, straßab gelänfen, Mfe zu suchen. Mle Landsleute wußten schon von dem schweren Schlag, der ihn getroffen hatte. Man wies ihn an die Reaktionen der jüdischen Zeitungen, an verschiedene Gesellschaften. Die Gesellschaften schickten ihn zu allerhand Rechtsanwälten — doch keiner konnte etwas tun. Endlich entschloß sich Meir, allein nach East Island zu gehen, um wenigstens die Seinen zut seheniAIuf East Island, dem Tor, durch das alle ins „goldene Land" einziehen, zog sich eine endlose Menschenkette vom Hasen bis zu dem großen vierstöckigen Hause, das' Äle passieren mußten. Ujn fünf eisernen Barrieren standen Beamte und verlangten von jedem der Vorbeiziehenden, daß sie ihnen das-vorgeschriebene Minimum an Bargeld und ihre gesunden, arbeitsstarken lArm« zeigten. Die lebendige Kx-tte hörte nicht auf, immer neue Schisse sichren ein und warfen Menschenmassen aus, Junge Und Mitte, Männer und Frauen aller Böller und ^Sprachen, in hundert bunten Trachten. Und nimmer, nimmer hört die lebendige Kette auf, immer vorwärtsstvebend, immer neu sich 'ergänzend, und sie zieht sich noch immer bis auf diesen Dag und in dieser Mininte, durch das große Haus. Mngst und Bangen liegt 'auf den Gesichtern der Menschen, die durch dieses Tor ins „goldene Land" einziehen. Man sieht, wie ihra Herzen klopfen, wie ihre Hände zittern; jeder ruft seinen 'Gott in seiner Sprache an und fleht ihn an um Hils-e - - un" 'seder fühlt sich dem anderen nah, der vor und hinter ihm.grht. Zmn ersten Male hören sie die fremde Sprffcho^und doch Mt,inan, wie die. .emtz-grpMrWM äffe GRATIS! DUMAS’ WERKE netifegeaßeJhasgabe von den Werken Alexander Dumas. — Wir haben noiBcntsrhfoMcy einegroße A«wtM dieser prachtvollen Romane unentgdökh. abzagdbearmd jeder Leser dieses BJattes, derden unten angefugten Couponjrmerhalb 10 Xa«n an unsen Basgftr lbntw^dnsddcSl^ediSlt^iafis^efa voP^mBges^Bgn^atateetec^ftu^berMait ALEXAMDER DOMAS* MMLM in.^SO'Bänden, ithaitend^etoa^350Ct.Seiten. sondei pxmm WeiflBetatnx; habavstefiseit ihrem ersten ErseheincnJä ^sfaai^aUe Spachen dEE W^öberaetzi-worden, und haben. Twm ^fentW.—fciodr Leute ist ihre Zanberkraft gggwnindril', poch ekhfichc Phantasie und Barm. — Aus der fast in ihren bleibenden Wett bcsHzcn. erscheinen schön VOR oasovui » »wer ,jn/u. juwumaw a wyw <M»". JZaptän Eamphik“* vonJava“y JCfobddm_ ifarwFijJXe Abenteuer des33ocaaf% JDenetf^ge Sarfe*> JÖk tkaae taH ntinbUan#** „Der lebende UkdBxaxiS^^ JDss <fes. t, fC&aweSn", „Die Studenten■mm-iBotcign^JDer CHRTSXEKISSEI^^QO. wmbi; fhurtRalc 0<MKP<)®T —- 89 Unterzeichneter WjhitCtCfi Empfaneabestätigiu^.utidVNad^^Qbatdm^ZetsaQdeiheten Name: Stand: W-ohnort: — (Straße) i i 4 Poststation 1 t i Herzen all der tausendfältig verschiedenen Menschen vereinigt, die die lebendige Kette bilden . . s ’ . Meir stieg hinunter. Sein -Herz war Voll vvn Erbitterung und sein '-Mjnnh fest geschlossen. In seinem: Geiste legte er sich eine ^lange Rede zurecht, -die er vor ihnen, vor,/dliestn Amerikanern", halten wollte. Hat >main je so etwas gehört? Ern Kind soll man seinem Vater entreißen? Mchi einnral in Sodvm konnte solches geschehen, schreit es in seinem Innern auf. Was^soll er tun? Soll er sein Kind ins Wasser werfen? „Zurückschicken?" Bei diesem Worte erfaßte ihn Entsetzen: Er hatte lMrgst, weiter darüber nachzudenken. Mer es wollte ihm nicht aus dem Sinn. Ein kleines- Kind allein übers -Meer, über das große Meer? Er lief zum jüdischen Rechtsberstand, der die Interessen der jüdischen Eintoanderer zu vertreten hatte. In der Hemd yvelt er einen'Brief von irgendeiner Gesellschaft. ,Mles werde ich ihm sagen. Hat man etwas Aehnliches je gehört? Und das ist Mmerika, das freie Amerika!" . . . Beim Rechtsbeistand angekommen, sah er, daß er nicht allein da tuar, — um "den großen Tisch herum standen einige galizische Juden und überschrien einander: „Verflucht sei dieses Amerika, dieser Kolumbus und sein Land!" . .. . Eine Frau heulte in einer Ecke: Man ließe ihre Töchter nicht herein- Irgendein junger Mann Hatto Klage zu führen wegen seiner Braut, die zurückgeschickt lvcrden sollte. Und alle zuscnnmeic schrien auf den jungen Rechtsbeistand ein, er solle ihre Familien, ihre ^gehörigen einlasseir. Der Rechtsbeistand saß ruhig da, hörte gleichgültig das Schreien der Len.te an mrd trug von Zeit zu Zeit etwas in sein Buch ein. AAan nierkte ihn: an, daß er an solche Szenen gewöhnt tvar. Endlich gelang es Meir, sich bis zu ihnr durchtzuschlagen und ihm den Brief zu überreichen. Der junge Mcnnt durchflog ruhig den Brief — Meir zitterten Hände und Beine — WR.Gr MMM von der Rase, blinzäte mit^enlAIugen und zuckte die Achseln: „Da bann ich nichts,,inachen." ,Mber ein Kind, ein''Kind, ein Kind!" stieß Meir hervor, während sich seine Zähne aufeinander preßten. Wieder zuckte der-junge Mann die LVchseln. „Man kann eine Berufung nach Washington schicken," sagte er. - ■ . Meir hörte nicht auf seine Worte. „Mer wir wollen uns doch sehen, sehen, sehen!" kam es gepreßt zwischen seinen Zähnen hervor. „Das wohl,", sagte der Rechtsbeisiand, stand auf und ging mit Meir weiter. Meir folgte ihnr über einige Treppen, bis sie in ein Zimmer gelangten, wo er warten mußte. Bald führte man auch Hannah Lea herein. Eine Sekunde lang erkannten sie eirrander nicht. Dannaber rief die Frau plMich mit so herzzerreißender Stinrme „Meir!" und verfiel sofort in einen solchen Weinkrampf, daß ihnr das Herz stille stand. Mlrfänglich lvar er erbittert geiveseir gegerr sie nno ihr Mißgeschick. >Aber jetzt packte ihn ein solches Mitgefühl mit der ureglücklichen Frau, daß er, ohne ein Wovt -zui sprechen, an sie herantrat und.-mit der Hand über ihr verweintes Gesicht, das zerzauste Haar und das Kleid fuhr, wobei er die ZälM zusanmrenbiß. Und siehe, Harrrrah Lea staub da und nahm die Zärtlich-, keiten ihres Mannes entgegen, die sie nie, nie vorher gekannt hatte, und ihr Herz ging in Tränen ans. „Ich bin schuld, 'ich bin schuld," brachte sie endllch unter Tränen hervor. „Mein bitteres Schicksal, nrein Mißgeschick ist es," wiederholte sie und schlug sich die Hände vors Gesicht. „Wieso bist du schuld, törichte Frau, tvas ist btzd«; Schuld?" sagte Merr Und bpdeckbe die lAWen E bewWndM -

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