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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-05 · Heft 3029 (5.8.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3029 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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®lufe * wtöl^ {fCctuiO durch die reichen Jtrden erfolgen würde? Plötzlich soll das alles nicht mehr gelten.? Man darf gestern dies und heute ganz anderes behaupten, wenn nur der Kreis von zioni- Wchen Politikern der gleiche bleibt, der dies tut. Man nehme unsere ä u s; e r e Politik. Seit Jahren fordert die '^Position die Aktivierung tmferer Politik tut» die aktive Unterstützung Englands. Die Revisionisten haben sich eine zeit lang geradezu Aktivisten genannt, weil diese Forderung ihnen so jvcsentlich lvar. Unsere radikale Gruppe hat auf mehreren Kongressen die neutrale Haltung Englands und die dauernde Zufriedenheit mit der englifcktcn Politik, die unsere Exekutive zur Schau trägt, kritisiert. Was erwidert man uns? Gelten denn von Dr. Weizmanns Reden inrmer rmr diejenigen, die er in den letzten zwei Wochen gehalten hat? Mit welchem Hohn und mir welch' ,.staatsmännischer" Ironie hat Dr. Weizmann in Karlsbad urrd irr Wien alle diese politischen Forderungen abgclchnt und beiseite geschoben. Mit welchem tiefen „staatsmänitischen" Instinkt hat ec uns nachgowiesen, daß England überhaupt keine realen Interessen in Palästina habe. — die Bestätigung dafür erfolgte durch die Ernennung des Feldmarschalls Lord Plumer zum High- Commissionar — daß alle solche Forderungen nur auf eine antienglische Politik herauslaufen, daß das Maximum dessen, was wir zu verlangen hätten, in dem Gcwährenlasten seitens der englischen Verwaltung bestehe; und hat «r nicht vorn Oelberg irr Jerusalem aus der Bewegung die Parole ausgegeben: Entpolitisiert euch! Hat er nicht jede Emzelfordcrung nach einer aktiver: Unterstützung durch England strikt abgoiviesc». als illusionistisch, als utopisch, als Demagogie? Und heute? Heute erklärt Dr. Weidmann, daß die Aktivierung der englischen Politik von jeher seine Forderung gewesen sei, heute rodet mtd schreibt die Majorität in denselben Gedankcngängen und vertritt dieselben Forderungen, die sic gestern noch als Forderung der Oppositiotr in der heftigsten Weise bekämpft hat. und niemand wird rot, und niemand empfindet, daß das eine unmögliche Situation ist. In beiden Fällen das gleiche Bild. Gedanken von gestern werden heute verleugnet; Forderungen, die man gefferrt bekämpfte, werden heute übernommen; die Hauptsache W, daß der Führer bleibt, der gleiche Kreis bleibt; nur kerne Aendecung und nur kein Zugeständnis an die Oppo- Won. Das ist — werden cs einmal Zionisten verstehen? — Mlf die Dauer ein Zustand, der die Bewegung ruinieren tnrch. Gibt es keine Verantwortung mehr für Forderungen, die man gestern no<H vertrat; gibt es keine Kontinuität und Konsequenz mehr bei der Gruppenbildung; darf man, wie & das linke Zentrum besonders in dm wirtschaftlichen Fratzen tut, die heiligsten Grundsätze, die man seit vielen Jahren verdat, heute preisgeöen und dabei noch behaupten, die Aekche Gruppe zu sein — dann hört Zionismus auf, eine -Mtrsche Bewegung zu sein, in der politische Divergenzen und Gruppen miteinander ringen, sondern dann werden J»c cm Notabcln*Komitee Me die meisten anderen jüdischen Organisationen, wo der Kreis der sogenannten Führer entscheidet, aber nicht das Programm einer bestimmten Richtung und wo, wenn eine Gruppenbildung sich überchaupt vollzieht, das nur nach der persönlichen Beziehung zu diesem oder jenem Führer erfolgt. Da aber noch manches von der guten Tradition und dem politischen Gewissen des Zionismus der früheren Jahre in manchen Wortführern der offiziellen Richtung lebmdig geblieben ist, bemüht man sich um eine ideologische und programmatische Begründung der Divergenzen und holt wieder den allen Ladenhüter heraus von der „palastinozentrischen" Einstellung der Weizmann-Anhänger und der indifferentm Beziehungen zu Palästina in den Kreisen der radikalen Gruppe. Braucht man noch zu beweisen, daß in dieser Formulierung dieser Gegensatz absurd ist, urrd daß man damit wieder die frühere, oft geübte, oberlehrerhafte Methode der Zensurierung des Palästinawillms der Zionisten betreibt, die Unterscheidung von guten und schlechten Zionisten? So gefaßt, ist diese Unterscheidung sinnlos. ^Alle Zionisten, und. deshalb ist man ebm Zionist, erwarten die Lösung der Judenfrage und die Erneuerung des jüdische,! Lebens von einem jüdischen Palästina. Aber ein anderer Unterschied besteht, der ganz anders sich answirkt. Für uns radikale Zionisten ist Zionismus die Bewegung der Renaissance des jüdischen Lebens auf allen Gebieten mit der Krönung in dem Aufbau eines jüdischen Palästina. Und die entscheidende Signatur des Zionismus, wie ihn Dr. Weizmann und seine Anhänger sehen, ist seine Konzentrierung und Verengung auf die Aufbauarbeit in Palästina. Wir Hallen diese Tendenz für falsch und für die letzte Ursache >er Krise des Zionismus. ES gibt ein lebendes jüdisches Volk, dessen vttake Interessen man nicht teilet: kann in Galuth-Jrtteressen «nd Palästina-Interessen. Dieses Voll, sofern es sich national bewußt ist und den Willen zu seiner natiotialert Regeneration hat, muß diesen Regenerationsprozeß auf a l I e n Gebieten seines Lebens durchführen, im Galuth und im Aufbau des jüdischen Palästina. Nur eine Bewegung, die diesen Regenerationsprozeß nach allen Seiten hin vertritt und leitet, kann bcn Anspruch erheben, Repräsentant des sich erneuernden jüdischen Volles zu sein. Will man den Zionismus begrenzen auf reine Palästina-Arbeit, dann führt dies notwendigerweise zu sei- , ner Abdankung ans affen anderen Gebieten jüdisch«: Lebens im Galuth. 5. Amgüft'MS? Skr. SSSS I Wir sind überzeugt, daß ein solcher minimalisierter Zioniss mus seine zentrale Bedeutung im jüdischen Leben auf die Dauer cinbüßcn tnuß, und daß das jüdische Volk sich anderen Parteien zuwcnden wird, die seine vitalen Interessen stärker und konsequenter vertrete!,, als eS ein solcher Zionismus könnte. Und gerade wenn man weiß, daß der Auflmu Palästinas Zell erfordert, daß das Tempo nicht künstlich' übersteigert werden kann, wenn matt weiß, daß man waricn muß —- und heute hat doch auch Dr. Weizmann das gelernt — dann begreift man, wie absurd die Koi^eption eines Zionismus ist. der sich nur auf Palästina-Arbeit beschranken wollte. Zionismus ist keine messianische Bewegung. Unter der Wirkung religiöser Hingabe kann man vielleicht eine Zell lang ein Voll dazu bringen, auf «seine realen Interessen und Bedürfnisse zu verzichten und sich nur der Verlvirklichuttg eines ZuknnftidealS hinzugeben. Eine politische Bewegung begeht Selbstmord, wenn sie es tut. Sie kann nur verwurzelt sein in der Wirklichkett ihres Volles. Und auch wenn sie diese Wirklichkeit entscheidend umgestallen will, mutz sie dem Voll eüte Antwort geben auf alle entscheidenden Fragen dieser Wirklichkeit. Das ist der integrale Zionismus, wie wir ihn sehen, im Gegensatz zum offiziellen ZionLsmuS von heute. Alles weitere ist nur Konsequenz aus dieser Grundeinstellung. Beschränkt sich der Zionismus auf ökonomische Aufbauarbeit in Palästina, dann allerdings kann er jene Friedenspolitik betreiben, zu der ihn Dr. Weizmann seit Jahren verführt: Abbau aller kämpferischen Positionen, Verzicht auf den Versuch, die realen Machtpositionen im jüdischeti Leben einzunehmen, ein Sichabfinden mit den Zuständett im Judentum, wie sie heute sind und der definitive Friedensschluß mit dem antizionistischen Judentum. Gin Zionismus dagegeit, der den Befreiungs- und Regenerai tionsprozcß des jüdischen Volles auf allen Gebieten jüdischen LebenS führt, mutz eben in allen entscheidenden konkreten poltischen Fragen den Kampf durchführen gegen die Leugner und Gegner dieser nationalen Politik eines regenerierten Judentums. ' So ist Zionismus in der ganzen Welt entstanden; und ivcnn alle darüber klagen, daß der Zionismus in Amerika noch nicht die Reife und Tiefe des europäischen ZionisnurS besitzt, so liegt doch das nicht an den Qualitäten der einzelnen amerikanischen Zionisten» sondern an dem falschen Kurs zionistischer Politik in Amerika, den Dr. Weizmartn inauguriert hat, an dem Kurs der Kompromisse und des Friedens mit den Antizionisten in Atnerika, an der Verhinderung jeder wirklichen Auseinandersetzung mit ihnen, wie dies gerade erst im letzten Jahre die unselige Politik Dr. Weizmanns tat, der bcn leise begonnenen Kampf der Zionisten um die Priorität Palästinas in der Angelegenheit der Krim-Kolonisation sofort unterbunden hat. Hier liegt die entscheidende Ursache unserer Opposition gegen das heutige Regime. Wir machen es verantwortlich für den Niedergang der Bewegung in den letzten Jahren. Nie hat »er Zionismus solche Chancen gehabt, wie in den Jahre« nach der Balfour-Deklaration, und nie hat eine schwächere Leitung große Gelegenheiten starke« verpaßt, als es die Leitung der Zionistischen Organi, sation in all den letztet: Jahren getmr hat. Wir glauben nicht, daß durch die Fortsetzung dieses KurstzA auch beim besten subjektiven Willen ihrer Aithänger Entscheidendes gebessert wenden kann. Hier kann nur eine radikale Aendenmg des Kurses und der ihm zugrunde liegenden Prinzipien helfen, vertreten und realisiert durch eine radikale Aendecung des Kreises der leitenden Persönlichkeiten, die berufen sind, die Geschicke der Bewegung zu bestimmen. Werden die Zionisten und insbesondere die mitteleuropäischen Zionisten, die stets den Ruhm hatten, die ideologisch durchgebildetsten Zionisten zu sein, endlich lernen, die Streitfragen innerhalb der Bewegung nach den prinzipiellen Gegensätzen zu beurteilen und zu entscheiden? Vor dem Baseler Kongreß Das Kongreßvrogramm der amerikanischen Nonisten- Söuls AM auf der Konferenz von Atlantic City. In seiner Ansprache aus der Konferenz der amernamschen Zionisten in Atlantic City führte der Präsident der Zionistischen Organisation in den Vereinigten Staaten, Louis Lip'sky, n.a. a«s: In einigen Wochen wird der Zionistische Kongreß in Basel staüsinden. Unsere Aufgabe wird es sein, einen Rückblick über unsere' Arbeit während der letzten zwei Jahre zu geben und das Programm für die nächste Zukunft. auszuarbeiten. Es ist unnötig zu betonen, was für ein wichtiger Faktor deramerikanischeZionismusin unserer Arbeit im Laufe der letzten sechs Jahre war. Es ist aber dartrm unsere Pflicht, unser Aufbanwerk sitr die Vergangenheit krftifch und für die Znkunst mit wachsamem Auge zu betrachten. Sett 1928 trägt Dr. Weizmann mit außergewöhnlicher Ergebenheit und Fähigkett die Verantwortung für das Schicksal unseres Werkes. Wir haben unter seiner Leitung das Maximum an uns möglichen polttischen Erfolgen bei der Mandatarmacht wie auch beim Böllerbund erreicht. Wir haben volles Vertrauen zu der Führerschaft Dr. Weizmanns und zollen ihm unsere tiefste Anerkennung für seine Arbeit und Leistungen. Um aber unser Werk auf den Weg normaler Entwicklung zu bringen, müssen wir eine radikale Revision unserer Methoden vornehmen. Sett 1929 kämpft die amerikanische Delegation aus den Kongressen für eine . Reform der Administration und ihres Systems. Es war aber unmöglich, .die nötigen Reformen durchzuführen, solange es.die Realttät nicht bewiesen hatte, daß die alten Wege untauglich sind. In der letzten Zeit wird in der zionistischen Welt eine interessante Diskussion über unsere Leistungen und Aufgaben für die Zukunft geführt. Einerseits gibt es eine Strömung im Zionismus, die vom Geist des Defizits und d e r E n t t ä u s ch u n g gespeist wird. Jeder Zionist, in dem der alte zionistische Geist noch lebt, wird solche Tendenzen entschieden zurückweisen. Die Zionistische Organisation wird mit Erbitterung jeden Versuch unterdrücken, den organisierten Willen des jüdischen Volkes zu erschüttern. Manche wollen den Geist des Haffes unter die verschiedenen Gruppierungen der Organisation säen. Auch solche Tendenzen müssen von den Zionisten bekämpft werden: denn wir erinnern uns mit dem Ausdruck voller Dankbarkeit an die Opferwilligkeit unserer Chaluzim während der letzten Jahre. Auf der cmberejt Seite hören wir, daß es Zeit sei, sich von den zionistischen Traditionen zu befreien und den Aufbau Erez Israels auf trockene Kalkulationen zu basieren. Wir werden am schärfsten jeden Versuch zurückweifen, die Zionistische Organisation zu einer PhilantrvPischen Hilfsbewegung herabzudrücken. Der Ziomsmus ist und wird immer die Idee der nationalen Befreiung des jüdischen Volles bleiben. Ente der wichtigsten Aufgaben des nächstett Kongresses wird es sein, 'den ^on* greß von den B u d g e t v e r h a n d l u n g e n zu befreien. Die Aenderurtgett uttd Komplikationeit in der Budgetfrage sind so zahlreich, daß es umnüglich ist, in 14 Tagen für zwei Jahve im, voraus ein Budget zu bestimmen. Deswegen soll die Kontrolle des Budgets vom Zionisttschen Kongreß auf die Zionistische Exekutive mit den Bestimmungen und Richtlinien des Kongresses übertragen werden. ' Auch die Kolonisationsmethoden der Zionistischen Organisation müssen revidiert werden. Wir müssen vom Kongreß verlangen, daß die wettere Kolonisation nicht autorisiert werde, solange die Gutachten der Experten- Kommission nicht vorliegen. Cs tnüssen Schritte unternommen werden, um die Konsolidierung und die Liquidation unserer Verpflichtungen den bestehenden Kolonien gegenüber zu regeln, damit wir, wenn der neue Plan vorliegt, rseie Hand in unserer Arbett haben. Es ist unsere Pflicht, Agenturen, die die Entwicktmrg privatkapitalistischer und individueller Unternehmungen I erleichtern, zu fördern. Wir müssen den Pioniergeist, den die jüdische Jnttiative besitzt, und der in eine ökonomische Macht in Handel und Industrie und Landwirtschaft verwandelt werden kann, anerkennen und fördern. Me Wahlplattsorm der Revisionisten Die Zionistew-Revisioiristen veröffentlichen anläßlich der Kottgreßwahlen einen Wahlaufruf an die Zionisten, in welchem die Grundsätze und Forderungen des Revisionismus skizziert werden« Betreffend die innerjüdische Politik des Zionismus wird unter anderem seftgcftellt, daß die sogenannte Erweiterung der Jewish Agency weder im § 4 des Mandats vorgesehen noch von der englischen Regierung jemals verlangt worden ist; daß diese Politik bis heute völlig resnlt a t l v s geblieben ist und trotz der angeblichen Bereitschaft gewisser jüdischer Kreise keinerlei Mittel von diesen zur Verfügung gestellt wurden; daß die von der ziomstischen Leitwtg — nicht von der Marshall-Gruppe — veranlaßt« Entsendung eurer sogenannten Expertenkommission offenbar dazu bestimmt ist, den vollständigen Mißerfolg der offiziellen Politik zu verschleiern und die Angelegenheit weiter zu verschleppen; daß diese Politik schwere Gefahren iu sich birgt, da sie die zionistische Weltorganisation ihrer wichtigsten Funktion beraubt und damit den Verfall dieser Organisation iherbeisühren müßte; daß sie schon jetzt in Amerika zu einer schweren moralischen Niederlage des Zionismus geführt hat. Daher wird gefordert: a) die Liquidierung dieser undurchdachten, gefährlichen Politik, b) die Aufstellung neuer, b«tt tatsächlichen Verhältnissen im Judentum entsprechender Pläne, welche die Mitwirkung aller jüdischen Kreise am Aufbau Palästina-, vornehmlich auf wirtschaftlichem Gebiete, gemäß dem wirklichen Text des § 4 des Mandates und entsprechend den Wünschen aller Zionisten ermöglichen. In der Wirtschaftspolitik des Zionismus fordern die Revisionisten, daß ein« neue Leitung «in völlig anderer Wi'l, Hilfsfonds für die Opfer des Erd« beben* in Palästina* IV. Spendenausweis, Plnchas Sorokin 8 30.—; Bernhard Grünhut 8. 5.—; Katharina Braun 8. 5.—; M. L. Kornstreicher 8. 1.50. Zusammen S 41.50 Bisher ausgewiesen 8 140330 Zusammen 8 I443w—

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