Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3029 (5.8.1927)
- Date
- 1927-08-05
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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IIIHISCHF WFI T *3 v/ M**ß 10 w I M LJ VV LJ Lj M (MITTEILUNGEN DES ZIONISTISCHEN LANDESKOMITEES FÜR ÖSTERREICH) ERSCHEINT JEDEN FREITAG IN DER „WIENER MORGENZEITUNG“ 5. AUGUST 1927 NUMMER 7 7. AB 5687 WWWWWM Sie Wahlen mm xv. NoMen- D(e Wahl r der österreichischen Koikgreßd^cgicrken findet DienAtüg, den 9. August, in -er Zelt Machen 6 imh 9 Uhr abends statt. ' Die Hauptwnhiwmmiss:Mt Hai folgende ftstgesetzt: 1. Beziv?:. Karutnvvstraßc 28 (-Zion-sstischSS Brrvsm); - 2. Gezwkr ZiMSgasse 86- (Zionistische Sektion Leopoldstadt), Prater, 2. Bezirk, Jungstraße 6; 3. Bezirk: Löwengasse 36, Cafe Lovrana (Souterrain); 4. und 5. Bezirk: 5. Bezirk, Mrrgaretenplatz 4, Tcrmfsen-Cose; 6. bis 8. Bezirk: 8. Bezirk, Pemiypt-atz E. Zionistrsth« Sektion; 9. Bezirk: 'Berggasse 33, Cafe Metropole (Souterrain); 10. und 14. Bezirk: 10. Bezirk, Huttvbo-Idtgasse 26, Win-tev-Tentpel; 12. bis 15. Bezirk: w. Be» zivk, Herklotzgasse 21, Emigvantercheim; 16. und 17. Bezirk: '' 1ö. Bezirk,' Brunuengasie 34, 'Cafe Dubl-iirsky; 18. Bezirk: .9. Bezirk, Wähviugergürbel 104 a, Ca!fe Jubiläum (Lilubzimmer); ' 19i Bezirk: 46. Bezirk, Peter-Jordan^Gasse 10, Souterrain; 20. Bezirk: Jägc-rstraße 30, Ziomsbisthe Be-zirkSsektion, Zrvischeubrückeu, Leystraße 63. — Die Wähler des 21. Bezirkes sowie der Provinzorte, welche kein eigenes Wahllokal haben, üben ihr Wahlrecht brieflich aus an das Wahlhauptb-ureau, 1. Bezirk, Kärntue'rftraße28. — Graz, Grieskai 56. — Sa 5 z Du rg, Purtfchellerstmße 22. —Mödling, Glisabethstraße 6. Iie WahlvorschlSge. In alphabetischer Reihenfolge geordnet. 1. Hitachduth: Dr. Chaim TartaTower, Beamter, Wien, 10. -Bez., SMergasse 23; Saul Weinreb, Beamter, Wien, 2. Bez., Lassallestraße 28; Erna ■ H a b e r, Lehrerin, Wien, 2. Bcz., AuZstellunMraße 45; Jehuda Mei len, Lehrer, Men, 2. Bez., Wolfgaug-'Schmälzl-Gasse 10. , 2. Klub radikaler Zionisten: Dr. Leo Goldhammer, Rechtsanwalt, Wien, 9, Bez., Roßauerläud« 23; Dr. Israel Wa I d ma nu, Rechtsanwalt, Wien, 1. Bez., Doblhoffgasse 7; Hans Kan dl, Beamter, Wien, 1. Bez., Wissingerstraße 6; Zwi Wieselberg, Student, Wien, 9. Bez., Währinaerstraße 152. , 3. Misrachi: Dr. Samue-l Nappa p-o r t, Großgrundbesitzer, Wien, 4. Bez., Lambrechtgasse 9; Abraham Löw, Fabrikant, Wien, 8. Bez., Pfeilgasse 20; Moses Groß, Verleger, Wien, 2. Bez., Heniesiraße 16; Viktor Bauminger, Kaufmann, Wien, 7. Bez., Kirchengasse 44. 4. Poale Zion: Abraham Perelmatter, Siedler, Gjn Charod (Palästina), zurzeit Wien, 9. Bez., Mavktgasse 6; Aharon Z - sl j ng, Steinarbeiter, Jerusalem, zurzeit Warschau, Orla 11. 5. Pro Jenüsh Agency — Präsident Weizmann: Dr. Isidor Schalit, Zahnarzt, Wien, 9. Bez., Währingerstraße 3; Karl Sch w a r z- Kaufmann, Graz; Dr. Z. F. F i n k e X ft e i n, RechtsaMvalt, Wien, 8. Bez., Mserstraße 50. 6. Zionisten'Revisionisten: Wladimir Jabot i ns kh, Schriftsteller, Paris, 4 Rae Marie Dany; Dr. Wolfgang Weisl, Schriftsteller, Jerusailem, Pasteur-Institut; Michael Gourary, Kaufmann, Wien, I. Bez., Reichsratsstraße 13; Siegfried Graubart, Kaufmann, Wien, 1. Bez., Petersplatz 4. Auszug aus der Instruktion für die Delegiertenwahlen znm 13. Zioniftcn-Kongreß. Die W a h l i st geheim und erfolgt auf Grund der von der Hauplwahlkommiffion angelegten Wählerlisten. Wahlberechtigt, find alle Mitglieder der Zionistischen Woltorganisation,. die den Schekel für das Jahr 5667 durch die österreichische Landesschekelkommission ordnungsmäßig entrichtet «nd das 16.. L e b e n 3 j a h r v o l >l ende t haben. Das passive Wahlrecht ist überdies an das erreichte 24. Lebensjahr sowie an den Nachweis der Erfüllung der Verpflichtung gegenüber dein Kexen Hajessod gebunden. Die Wahl muß pe rsöulich ausgeübt werden, und z!>var in dem nach der Adresse des Wählers für i^.t zuständigen Wahllokals. Der Wähler nennt der Wahlkommission seine» Namen und seine Adresse und gibt seinen Stimmzettel in das chm vom Wahlleiter eingehändigte Wahlkouvevt. Die erforderliche Legltinrierung kann ausnahmsweise entfallen, »vemr der Wähler von den Mitgliedern der Wahlkommission als ihnen persönlich bekannt agnosziert wird. Wähler, die am Wahltag, von ihrem Wahlort abwesend sind, und solche Wähler, an deren Wohnsitz keine Wah lko mMission errichtet wird, können d rieflich per Post wählen. Der Stimmzettel ist diesfalls in einem ge-, schlossenen Kuvert mit einem Begleitschreiben, in welchem unter Beischluß des - Schekels die Mitteilung, daß der Wähler am Wahltage ortsabwesend ist, sowie Namen und ständige Adresse des Wählers enthalten sind, in ein zweites Kuvert zu geben, welches an die Hauplwahlkommissiou, Wien, 1. Bez., Kärntnerata Wa Hk tag oder am dem Diesem vorhergehenden Tage erfolgen. Zur Berücksichtigung im Gkrutinium gelangen nur solche briefliche Stimmabgaben, die längstens am dritten Tage nach der Wahl bei 'der Hauptwahlkommission einlangen. Der Stimmzette.. muß die Ordnungsimmmer des Wcchlvorschlages oder den Namen des Listenführers oder der Gruppe»bezeichnung einer kundgemachten Wahbvorschloges angeben. Stimmzettel, die diesen Bedingungen nicht entsprechen, find ungültig. Aendevangen m der Lifte find unzulässig. Streichungen einzelner Kandidatennamen gelten als -nicht vorgenommen. Befinden sich in einem WahVkuvert. mehrere Stimmzettel der gleichen Liste, so ist nur einer hievon gültig, befinden sich jedoch in einem WahKuvert Stimmzettel verschiedener Listen, so.sind sämtliche ungültig. Wahlproteste müssen schriftlich iu Exemplaren (eines an die Hauptwahlkommrssion, eines an die Exekutive gerichtet) eingebracht werden und von mindestens 20 Wählern unterzeichnet sein. Sie haben die genaue Bezeichnung des Wahlortes, bzjw. Wahlkreises, die Angabe der angefochterren Tatsachen so/se die Angabe von Beweismitteln, bzw. schriftlichen, eigenhändig gezeichneten Zeugenaussagen zu enthalten und müssen bis Mtüstens 15. August an ihrem Bestimm-'i"g§ort kintref.se». Die Hauptwahlk-ommisiicm erklärt, daß die Bestimmung, wonach die Wahlen nach dem P r op o r t i o nal -Wah lsystem der Wiener Israelitischen K u.'l tusge me in de zu erfolgen haben, sich nur auf die Ermittlung der Mandatsverteilung bezieht, daß jedoch Wahlkoppelungen im Sinne -des Beschlusses der tzauptwaWommiffi-on vom 28. Juni u n zulässig find. b\V Zn letzter Stunde. z« den Seleglettenwahlen für den xv. zionistenkongretz. Bon Dr. Nahmn Goldmann. In letzter Strmde, unmittelbar bevor die Zionisten durch ihr Votum ihren Teil, an der Mitbestimmung des Schicksals der zionistischen Bewegung für die nächsten Jahre auf sich nehmen, sei es mir erlaubt,. noch einmal die Lage der Bewegung, wie sie sich heute darstellt, einer kritischen Betrachtung zu unterziehen; weniger vom Staridpunkt dieser oder jener Gruppe und ohne jede Absicht, eine Polemik über Einzelfragen fortzusetzen, sondern vom Standpunkt eines Zionisten, der sich die. einfache und entscheidende Frage vorlegt, wie es um den Zionismus heute bestellt ist. Wie ist denn, die Lage? . . ' Seit Jahren gleitet die Bewegung ans einer Krise in die andere, tvird das Gefüge der Organisation schwächer, wird unsere Popularität im jüdischen Leben geringer, geht die Zahl der Schekalim zurückverlieren wir an Autorität im jüdischen Leven. Seit Jahren auch Vleivt die politische Lage in Palästiira in gleicher Weife unbefriedigend, hört man, wenn man nach Palästimr kommt, aus allen Kreisen des Jffchuw nur em-e Stimme der Unzufriedenheit, der. Entrüstung, der Empörung über die Haltung der. englischen Admmistration und . vieler ihrer uraßgevendston Beamten, erfahren wir auch nicht die geringste aktive Urrterstützung von seiten der errglischen Berivaltung. Dazu ist in diesen letzten zwei Jahren die ökonomische Lage eines Teiles un/seres Siedlungswerkes in Palästina außerordentlich kritisch geworden, die finanzielle Situation mancher unserer Institutionen außerordentlich gefährdet, hat unsere Exeklttive in Palästina ihre Bedeutung als zentrale Leitung des Aufbaues nahezu eingebüßt. Krise in der Organisation, Krise in Palästina, das sind in großen' Zusanmrenhängen gesehen, sozusagen vom Standpunkt des gesunden . Menschenverstandes eines einfachen Zionisten, die Ergebnisse der Richtung und der PolMk, die seit dem Kriege ununterbrochen in der Bewegung herrschend ist. Ich weiß, daß für jeden dieser Mißerfolge im einzelnen zahllose Sondergründe angeführt werden können, denn alles in der Welt hat seine Ursache; aber bei Kongretzlvahlen und Kongreßentfcheidungen handelt es sich vor allem um Verteilung von Verantwortung und Schuld, um Korrekturen begangener Fehler, um Aenderung dessen, Ivas sich ändern läßt, auch 'wenn alle objektiven Bedingungen die gleichen bleiben. Politik machen hat doch nur einm Sinn Mter der Boransfetzung, daß es in'unserer Hand liegt, sie Vesser oder schlechter zu führen, die Dinge und die Nmstänbe entscheidend uurzWestatten« Ohne diese Voraussetzung ist es doch sinnlos, Kongresse zu vevanstaltm und zu Kongressen zu wählen. Und unter Beiseitoschiebung aller objektiven Faktoren, die an der schwierige« Lage -der Bewegung zweifellos auch mit Schuld tragen, bleibt die große und im Zusammenhang ^der Kongretzentscheidungen einzig wichtige Verantwortung übrig, die -die herrschende Richtung in der Bewegung und ihr maßgeblichster Repräsentant. Dr. Weizmann, für die Zustände, wie sie geworden find, trägt. Es will einem allerdings manchmal nahezu überhaupt als nutzlos erscheinen, für Prinzipien, für eine üestinrmte Gestaltung der Politik, für bestimmte Forderungen und straßeW, zu adressieren ist. Die Aus.gabe'rur Post m-ußihre Durchsetzung im Zionismus zu kämpfen, wenn man konstatieren rrmh» wie wenig bei uns sachliche GefichtspunÜe entscheiden gegenüber perfönl-ichen (pro oder contra Weizmann), wie wenig wir es noch gelernt haben, politische Persönlichkeiten nur als Vertreter ein^r bestimmten Politst und nicht als sakrosänte Wunderrabbis zu betmchten; lvenn'man immer wieder konstatieren muß, wie die gleichen Führer Forderungen, die sie gestern bekämpft haben, * weil sie inzwischen populär gewprden sind, heute sich zu eigen machen, wie ganze Gruppen Anschauungen, die sie vor einem Jahre verketzert haben, heute als ihre ureigenste Erfindungen der Welt präsentieren und dies noch immer mit einem Pathos der Ueberzeugung und einem-Pochen auf ihr Werantwortungsbowußtsein tun, als ob sie in der Tgt seit Jahren die Pächter der einzigen Wahrheit im Zionismus seien, und alle anderen oppositimrellen Gruppen — wie lautet doch' das hübsche Sprüchlein — nur Gesinnungs- Politik ihrer eigenen Veräntwortungspoliti-k treiben, oder aus Agitatoren bestehen, im Gegensatz zu ihren eigenen „Staatsmännern". Will man Beispiele? Beim kilrzen Gedächtnis unserer Organisation ist es notwendig, einige zu erwähnen. Wie begründete man viele Jahre hindurch die Erweiterung der Jowish Agency? Wir können nicht warten; wir müssen sofort Geld bekommen; Marshall und feine'Freunde sind so gute Zionisten, lvie die besten von. uns; sie sind bereit, mit uns die fimmzielle Last des Aufbaues, zu teilen, nehmen wir sie auf, und eure Quelle ungeahnten finanziellen Segens wird sich eröffnen. Und heute? Wer spricht noch vom Nichtwarten können?. Noch vor vier Jahren durste es Weizmann -wagen, unter dem brausenden Beifall des Karlsbader Kongresses Gvünbamn und die radikale Opposition mit dieser berühmt gewordenen Antithese abzufertigen: „Sie können -warten, ich kaM nichtivarten." Was tut Dr. Weizmann seit zwei Jahren anderes, als Gchuld, und -die Tugend des Wartenkönnens zu predigen? Und warum ist diese Parole, wenn sie ein -Manu wie G r'ü n b a u m ausgibt, der ziver Jahre früher als der Präsident der Bewegung erkannt hat, daß das Tempo der Kolonisation in den nächsten Jahren nicht' künstlich/gesteigert werden kann, ein Hochvermt am Zionis-- mus, urifo warum wird dieselbe Parole plötzlich der Inbegriff zionistischer „verantwortungsbewußter Staatsmannkunst", ivenn sie Dr. Chain: Weizmann sich aneignet. Und der gute Zionismus von Marshall und seiner Gruppe, die nur darauf wartet, wie wem es uns jahrelang sagte, zum Aufbau Palästinas zugelassen zu iverden — iver spricht noch davon? Vorsichtig erklärt man heute, man müsse alle Chancen' ausnützen, man müsse auch diesen Kreisen Gelegenheit .geben, mitz-uwirken. Wer ivar je dagegen? Und warum kctmr diese Mitwick-ung nur durch ihre Einbeziehung in die Jiwish Agency erfolgen? Auf einmal hat auch Dr. Vilefki .(ln der „Jüd. Rundschau") entdeckt, daß „die ErweitevMg der Agency als ein Unternehmen von Geisteskranken anzusprechen -wäre", wenn durch sie die antinationalen Juden zur Leituilg der nationalen Politik des jMschen Volkes nntbernfen ivüvden. Ja, sind sie es denn nicht, wenn sie in der Agency sitzen? Ist Wkarshall etwa kein'antinafionaler'Jude, und ist die Ageuct) nicht berufen, die nationale Politik des jüdischen Volkes, die Politik deS nationalen Heimes zu leiten? Hat man uns nicht Jahre hindurch geradezu als ein Hauptargument darauf hmgewiesen, daß eme^Versrärkung unserer politischen Situation j gerade durch -die Mitübernahme der Leitung unserer PolW. j