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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-05 · Heft 3029 (5.8.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3029 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3029 : 'Lien, Freitag ' Wiettör Ms-gMjM««- Schwere Wetterkataftrophen in Tirol und Salzburg. Sie SaAeiner Ache auraetteten. — Sinsturz der TobelbrüSe am Arlberg. — SerftSmngen in Pinzgau. Innsbruck, 4. August. Wie die „Innsbrucker Nachrichten" melden, wurde die Groß e Tob elv rücke auf der Arlbergstraße zwischen K l ö st e r l e und Langen infolge eineS Gewitterregens wegge rissen und die Straße selbst vielfach mit Steingcröll verlegt, so daß der Berkeßr auf vier Tage unterbrochen werden mußte. Auf derselben Straße wurde Dienstag ein Automobil bei Klösterle von einer Mure verschüttet. Die Insassen des Automobils hatten, da sich auf dem Verghange in der Richtung zum Spullersee ein drohendes Geräusch bemerkbar machte, angeh alten und das Fahrzeug verlassen. In demselben Augenblick stürzte die Mure auf das Automobil und verschüttete es vollkommen. Die Ausgestiegenen blieben unverletzt Schweres Unwetter im Mnzgan. Gestern abends ging über den südlichen Teil des Pinzgau es ein furchtbares Unwetter nieder, durch das nrrter anderem die zum Stubächwerk führende Straße bei Uttendorf t e i l w e i s c z c r st ö r t lvurde. Der Verkehr wird durch etwa vierzehn Tage unterbrochen sein. Die Gebirgsbäche traten aus den Ufern und vermurten Straßen und Felder. Brücken wurden beschädigt. Der Bahnverkehr war einige Stunden unterbrochen. In ähnlicher Weise hat daS Unwetter auch in L e n d- und D orf Ga st ein gewütet. Die Salzach ist gleichfalls aus den Ufern getreten und hat mehrere Mühlen h i n w e g g e s ch w e m m t. An der Brücke bei L e n d wurden vier Pfeiler zerstört und die Straßen auf dreißig Meter Länge ein bis zwei Meter hoch verschüttet. Der Eisenbahnverkehr war §urch fünf Stunden unterbrochen. Auch bei Lend ist die G a ft e i n c r Straße teilweise z-e r stört worden. Bei den Aufräumungsarbeiten explodierte ein Azethlenkeffel, wodurch dem Arbeiter Franz R e i U samer, Vater von fünf Kindern, der Kopf w.e g g erissenwurde. . . In S chwarzach - St. Veit schlug der Blitz in Las „Huttcrhaus" ein. Aus einer Weide bei Goldegg wurden vier Küh e/vo m Blitz g e tö t e t. In Z c lI a ist See ist der Schaden geringer, dagegen wird aus Niedersill gemeldet, daß dort die BundeSstraßc m a n n Shoch verschüttet wurde, aber bald wieder sreigemacht werden konnte. Im Gebiete von Raurisist der Bach aus den Ufern getreten und hat die Straße auf 500 Meter Länge überschwemmt. In Neunkirchen im Pinzgau schlug der Blitz während eines schrecklichen Gewitters in das Anwesen des Bauern Johann K a s e r e r ein, das eingeäschert wurde. Auch im I n n v i c r t c l sind große Verwüstungen ängcrichtet worden. \ . Sine Steininwine. Aus T a n n h e i m wird gemeldet: Die mächtige Steinlawine, die von der Hohe des K u g e l h o r n s mit donnerähnlichem Getöse niederging, hatte auch zahlreiche Fremde alarmiert, die sich in Bilsalpsee befanden und mit Ferngläsern die Sturzlinie der Lawiile gut verfolgen konnten. Durch das Glas war auch die Flucht der aufgescheuchteu Gemsen gut zu beobachten, die in Rudeln von 40 bis 60 Stück in tollen Sprüngen auf die linke Seite des Berges wechselten. Die Staubwolke war eine halbe Stunde lang sichtbar. Sie dalmatinische Ernte vernichtet. Graz, 3. August. Die „Tagespost" meldet aus Belgrad : Ju D a l m a t i e n ftnö durch die herrschende Dürre sämtliche Felds rüchte vernichtet. Gestern nachmittags ging über ganz Dalmatien ein fürchterliches U ww e t t e r nieder, wobei durch Hagelschlag hie noch übrige'.: Saaten vollkommen vernichtet wurden. In der Umgebung von S e b e n i k o macht sich ein immer größer werdender Wassermangel bemerkbar. Gestern nachinittags entstand bei einem Brunnen, zu dem die Bauern st u n d e n w e i t ko m m cn müssen, wegen der Wasserentnahme ein S t r e i t, bei dem 10 P c rs o n e n ziemlich s ch w e r verletzt wurden. Schließlich mußte die Gendarmerie einschreiten, tvobei sie fünfzehn Personen verhaftete. Graz, 4. Augrst. Die „Tagespost" meldet aus E s s e g: In ganz Slawonien herrscht seit einigen Tagen große H i tz e. Gestern nachmittags betrug die Temperatur nn Schatten 43 Grad Celsius. Durch die herrschende Dürre sind die Feld fruchte fast zur Hälfte vernichtet. Gewitter t« Mm. Bei' bewölktem Himmel lagerte gestern eine drükk e n d e S ch w ü l e über Wien. Gegen halb 7 Uhr abends zog such Gewitterge-rölk zusammen und unter völliger Windstille entlud sich ein H ö h c n g e tv i t t c r, das eine Stunde lang andaucrte und von heftigen R egen - g ü s s e n begleitet luar. Der Blitz schlug wiederholt in die dlektrischeu Leitungen ein. M c h r e r e Straßen b a h nz ü g c 'wurde:-, v o m Blitz g e t r o f s c n und inußteii auf offener Strecke infolge Versagens der Motore halten, was Anlaß zu Stockungen im Straßenbahnberlchr gab. In mehreren Fällen mußte die Feuerw e h r wegen W a s s e r s ch ä d e n intervenieren. In Budapest gab es gestern schon in den Vormittagsstunden 37 G r a d Celsius im Schatten, während in B u k a r e ft 39 Grad gemessen wurde. Die V oraussage' lautet: V o r w i e g e n d h e i t e r, G e w i t t e r n e i g u n g,!v a r m. Ae »ersch»lmde«e GM«. Sin sensationelles GeWnönis. — Sie Mirser entlsM. P r a g, 4. August. (Tel.-Komp.) Die Kriminalnffäre der verschwundenen Amerikanerin Margit Vörösmarty hat heute ihre Aufklärung geftmden. Die drei Verhafteten, Jan Michalko, Dr. Klepetar und S i k o r f k y sind als die Mörder der Frau entfärbt, nachdem Sikorsky, der Schwager der Ermordeten, ein volles Geständnis abgelegt hat. Sikorsky gestand heute, daß er mit Michalko und Klepetar -die VöröSmarty in die T a t r'a gelockt, erdrosselt und dcnLcichnam verscharrt habe. Die drei Männer führten die Frau von Lipto-Szentmiklos nach Krivany in der Slowakei, angeblich zum Vater Michaltos. In tiefer Nacht überfielen Michalko und Klepetar die Vörösrnarty in -einem Wald und erdrosselten sie. Sikorsky selbst stand nicht lveit von der Stelle, wo die Untat verübt wurde und h ö r t e d e n T o d e s s ch r e i der Vörösmarty. Die Mörder entkleideten den Leich n a nl und begruben ihn am Ufer des Waag-Flutzes. Den Koffer der.Ermordeten und ihre Kleider nahmen sie mit sich und verkauften die Gegenstände zum Teil an eine Tänzer inin Prag, zum Teil versetzten sie die-Sachen-in einer -Prager Pfan-dleihanstalt., ...... . - Michalko und Klepetar leugnen hartnäckig, trotz der vernichtenden Anklage S i k o r s t y s. Morgen begeben sich Detektive der Prager Polizei in die Slowakei, um den Leichnam an der angegebenen Stelle zu suchen. Dr. Klepetar ivar, wie die Blätter mittei-len, ein b ek a n n t e r Literat, der an verschiedenen Revuen. und Zeitungen mitarbeitete. Er redigierte unter anderem die Zwischenättszeitung des tschechischen Nationaltheaters und f jW«<eine zeitlang D^rerm a tur g bei dem Theaterdirektor C a m a r a, der kürzlich in Zusammenhang mit dein Brand im Theater Commödia in Haft genommen wurde. Das tschechische N a t i o n a l t h c a t e r h a t v o r einiger Feit, ein -Stück des Klepetar zur A u f f ü h r u n g a n g e n o m m c n. Äas Telephon in Schweden. Aus Stockholm wird uns geschrieben: In Stockholm hat jeder dritte Einwohner sein eigenes Telephon. Im Jahre 1926 erreichte die Gesamtzahl der Telcphonge spräche 062 Millionen auf eine-Bevölkerung'von 6 Millionen. Bon Stockholm-aus bestehen direkte telephonische Verbindungen mit London. Paris, Amsterdam. Zürich, Wien und Berlin. Uebcr Stockholm kann Hclsingfors in Finnland telephonisch mit Berlin Verkehren. Kürzlich lvurde die Möglichkeit direkter telephonischer Verbindungen mit I n d i e n undden Vereinigten Staaten ins. Auge gefaßt. Jas lateinische Alphabet in Japan. Der „Baseler Nat.-Zeitung" wird geschrieben: Allmählich macht sich die öffentliche Meinung Japans mit dem Gedanken vertraut, daß die Einführung des lateinischen Alphabets zur Erleichterung des Verkehrs zwischen den westlichen Völkern und Japan unerläßlich fei. In diesem Sinne hat sich kürzlich Professor Tanakadate, Professor für fremde Sprachen an der Universität zu Tokio und Mitglied des Komitees der Liga für intellektuelle Zusaimnenarbeit ausgesprochen. Dies wird die Aufgabe einer Generation sein, erklärte der Professor, einer Generation, die in dieser -Maßnahme den Auftakt zu - gewaltigen 6. August 1927 - j intellektuellen, wirtschaftlichen und moralischen Fortschritten; sieht. Heute braucht ein Japaner volle s e ch s Iah r C/.- uttt lesen und schreibe n z u lernen. Wenn ein--, mal das lateinische Alphabet cingesührt sein wird, muß sich die Ausbildung des Schülers unzweifelhaft stark Verein-' n fachen. Unglückselige fiamefische zwilllnge. Aus Belgrad ,vird genieldet: Ein Journalist hat dieser Tage ln Novibafar eine Art siamesischer Avtlünge entdeckt. Bon weitem betrachtet, machen sie den Eindruck eines Menschen mit zwei Köpfen, vier Beinen und vier Armen. Erst in der Nähe kann man feststellen, daß es zwei Menschen sind, die im Rückgrat zusammengcwachsen sind. Die Eltern der Zwillinge sind tot. Ihr Onkel er- , klärte, daß sie "19 Jahre alt sind. Ihre Fortbewegung gei schieht in eigenartiger Weife. Es bewegt sich immer nur j einer, während er Den anderen a us dem Rücken-/ trägt. Ist dieser ermüdet, werden die Rollen getauscht. : Die Zwillinge sind in der Entwicklung stark zurückgeblieben. Sie machen den Eindruck acht vis neiun Jahve alter Kinder. Eines der Kinder ist normal gewachsen, doch ist der Hals steis und der Kvpf nach oben gerichtet, so daß es fortwährend in den Himmel sehen muß. Das andere hat verkrüppelte Arme, den Hals ebenfalls steif und den Kopf tief zur Erde geneigt. Schuhe haben beide nwmals getragen. Auf Fragen reagieren sie mit unartikulierten Lauten. Sie werden von ihren: Onkel von der Außemrelt abgeschlossen gehalten. Phantasten über die menschliche Hand. Man hat Respekt vor psychologischen Phänomenen, weil sie öfter die Wahrheit enthüllt haben, mögen sie Telepathen, Hellseher oder Graphologen sein. Schermann ist ein Beispiel für die Anerkennung einer Forschungsmethode, der man nur mit mystischer Einbildungskraft gerecht werden kann. Und selbst Dilettanten können deren Wert nicht diskreditieren oder gar aus einem Glauben einen Aberglauben -machen. WaS bisher durch intuitive Erfassung gewisser Erscheinungen zustande ka;n, beginnt sich in wissenschaftlichem Gewände zu präsentieren. Was aus unzähligen Strrdienergebwissen als i charakteristische Wiedergabe bestimmter- Eigentümlichkeiten f';« j sischer und seelischer Dispositionen in der sich n-ach ihnen formeni den Hand festgestellt wurde, hat ein englischer Aristokrat in! einem Buch C h e i r o, „Die Handlesekunst" im Verlag für - Kulturpolitik, Berlin, ausgenommen mrd sysbemaÄsch - grnpp'.ert. ChTlro als Autornamen hat seine innere Berechtigung. Natürlich ist zunächst die Frage erlaubt, ob es möglichj ist, ein System, e.n - Erkennungsrezept zu finden — wie die i Lpielcr in Monte Carlo. Ob n-cht Jrr-tümer oder die Begrenz!-:/ heit eer mcn'chlichen Vernunft aus Ab- und Irrwege -führen.! 'Bielleicht daß die Natur Sprünge macht -und den Verbrecher mit einem Vnbrccherschäoel ausstattet, um ihn mit einer idealen; Hans zu ca.schädigen. Wie we.r überha-upt reicht diese LWsien-s schaft? Wie weit die Intuition? Läßt sich das Verfahrendes: Han-dlesens erlernen? Genügen die Vorgefundenen JnSrzlen, i um eine m-en-schliche.Hand ihres Charakters zu überführen? Eheiro gibt Antwort auf -diese Frage. Er versucht, imrstre j Skepsis zu beseitigen. Seine Studienergebnisse aus Jnd-ien, Tkbet! .und China scheinen seinen Formulierungen recht zu gebem Er entwirrt die Linien der Hand, die für den Laien eine unverständliche Sprache sprechen. Er dechiffriert die Geheimsprache und machtsie lesbar. Und es gelingt ihm, den Nachweis zu er-; bringen, daß alles, lvas '.m Körper und in der Seele des Men- - scherr vorgeht und besteht, sich auch in ider Hand auäprägen nmß. i Die Lehre von den Handliniengesetzen (Eheironomie) und ihrer Deutung (Cheiromantie) -hat -'.n -ihm einen geistreichen Apostel gefunden. Cherro stellt sieben Typen der Hand aufr die primitive, dre nützliche, die nervöse, die phllosophischje, die künstlerische, dre Realistische, die gemischte. Davon ausgichend schenkt er den verschiedenen Fornien der FFinger und Nägel, den Echöhungen und der Größe der Hand die ihnen zukomMestdie Bedeutung, unr schließlich sein DoOna von den Linken der .Hand mit allen Finessen psychologischer Einfühilungskrasr zu demonstrieren. Das Rätsel der Lebenslinie, die Kopslinie, die Herzenslinie, die Schicksalslime, dje Gesundhritslinie ivrrd ausgezeigt, Geheimnisse der Schöpfung werden gedeutet. Und da auch Schicksalsv'erwicklvngen aus tönen — aus dem Mund des Cyeironmnten, des — Psyder Hand gelesen werden, kann ein WarnungssigMl evchiaters. Aehnlich wie Schermann vernrag Chvivo hier als Arzt zu wirken. Bon dieser Möglichkeit aus üeträchltet, könnte die Handlesekunst heilwirkend verwendet werden. Man muß glauben. Skepsis zerstört. Ironie unterminiert. Unsere Schulweisheit hat sich Von weniger Mystische nc nichts träumen lassen. Oscqr Wildes Einstellung zu Cherxo „Das Rätsel und das 'Geheimnis der Mit liegen im Sichtbaren, nicht Im Unsichtbaren" ist Mehr als die philosophische Betrachtung eines unglücklichen AesMten. o. r. Das trockene Amerika. Aus Washi^aton!tvird genveldet: Nach dein von den BunVesprohibitionsbe^trden herausgogebeireu Jahresbericht für traö am 1. Juli zu Ende gogangeue Rechnungsjahr 1926/27 würden im äbgelaufeiren Jahre rurtd öO.MO Personen gegenüber 60.000 gesetzt verhaftet. Das Quantum des beschlagnahmen Alkohols war dagegen fmU 3,5 .Mllronen Gallonen ctwars 'Karin g er als im Vorjahre. Die von den Gerichten verhängte Durchschnittsstrafe sur Vergehen dieser Art betrug 140 Tags Goi'ängnis, wozu 150 Dollars kamen. Eine Anzahl von' großen Keuzernon von Alkoholschiebern wurde gefaßt, jedoch wurden rmch dem Bericht auch zahlreiche neue begründet, stjomuinan schließen darf, was; das GqMst

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