Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3028 (4.8.1927)
- Date
- 1927-08-04
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982116--30863-3019126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'Seite 6 Gien ,DonnerZtag Wiener Morgenzeitung 1IIDISCHES 1EBEN Sie Wähle« zum gloniftenkongreh. Ae AWmmmg In warschm. In Warschau haben am Sonntag die Wahlen gum Zionistcnkongreß stattgefunden. Von 6300 Schekelzahlern gaben 2020 die Stimme ab. Es erhielten: die Misrachi 911» die Gruppe Eth Liwuoth 263, die Gruppe Al Hamischmar (Grünbaum) 244, die rechten Poale Zion und Haschomer Hasair 239» die Revisionisten 216 und die Hitachduth 140 Stimmen. * In 15emb erg wählten 25 Prozent der Schekelzahler. Es erhielten die Stammzionisten 513, die Misrachi 301, die Hitachduth 191, die Revisionisten 52, die Poale Zion 70 Stimmen. In Stanislau : Misrachi 430, Hitachduth 350, die Stammzionisten 160, die Revisionisten 54, die Poale Zion 25, die Radikalen 1 Stimme. In S t r y j: Abgegeben 539 Stimmen. Davon 111 Stammzionisten, 111 Misrache, IM Hitachduth, 127 Revisionisten, 53 Poale Zion, 37 Radikale. In Przemysl : 175 Stammzionisten, 165 Misrachi, 168 Hitachduth, 18 Revisionisten. In Lodz: Eit liwiroth 451, Misrachi 381, Hitachduth 377, Poale Zion 119, RevisiDnis^n 105. In Bialystok: 205 Misrachi, 85 Grünbaum, 136 Ert liwnot, 78 Hitachduth, 78 Revisionisten, 135 Poale Zion. Sie Mische« Ksperautifte« i« Danzig. Im Rahinen des gegenwärtig fiu Danzig tagenden 19. Esperanto-Weltkongresses finden Einzelkonferenzen der professionellen Csperantogruppen statt. Auch die jüdischen Esperantisten ans Polen, Deutschland und Frankreich versammelten sich zu einer Beratung. Die Konferenz beschloß die Schaffung eines provisorischen Komitees zur Vorbereitung eines Verbandes jüdischer Esperantisten. Das Präsidium des Weltkongresses wird ersucht, Schritte zu unternehmen, daß die jüdische Bibel gesondert in Esperanto erscheinen soll, da die jüdischen Esperantisten die zusammen mit dem Neuen Testament gedruckte Bibel sich nicht anschaffen. Am letzten Samstag besuchten pie jüdischen Delegierten des Espcrantokongresses den Gottesdienst in der Synagoge. Der Rektor des jüdischen Lehrerseminars in Deutschland, Saphra, hielt eine Predigt in Esperanto und wies auf die Notwendigkeit hin, daß die in vielen Ländern zerstreut lebenden Juden sich des Esperanto als Bindesprache bedienen. LieIollar-Anieihe der Buvavester israelitische« StttUttsgemeittOe. Aus Budapest wird uns berichtet: Dieser Tage wurden die Angebote Budapester und ausländischer Banken betreffend die Gewährung einer Jnvestitionsanleihe in der Höhe von einer Million Dollar an die Budapester israelitische Kultusgemcinde von der Leitinrg der Kultusgemeinde überprüft. Am günstigsten war das Anbot ber Londoner Owerseas Bank L t d. Wie wir erfahren, wurde bereits der Anleihev?rtrag zwischen der Kultusgemeinde und der englischen Bank abgeschlossen, bzw. unterfertigt, so daß die Flüssigmachung der Anleihesumme in den nächsten Tagen erfolgen kann. Die Kultusgemeinde ver-- tvendct die eine Million Dollar zur Durchführung der dringendsten Investitionen. Pas BaWrogramm sieht u. a. den Bau eines großen Zinshauses Und, oiues Tempels vor. Die Bauarbeiten Werden auf dem Wege öffentlicher Ausschreibungen vergeben. . ’ Duell zwischen einem sascistischen Juden und einem sAjetstkschen Antisemiten. Tr. Paolo Levi, der Sekretär der jüdischen Gemeinde von Padua, früher Leider des fascistischen Pressebureaus und noch jetzt einer der führenden Fascisten, forderte den Sekretär der fascistischen Studentenorganisation von Padua, Signor Luiai M enrni, zum Duell, weil dieser, der eine rücksichtslose antisemitische Propaganda vetreM, ehrenrührige Äeußerungen gegen Juden und Judentum getan hat. Der Kamps dauerte fast zwei Stunden, 14 Runden wurden gefachten, Memni erhielt zwei Verletzungen anr Kopf, drei am Arm, Dr. Levr erhielt eine leichte Schrcnnmie am rechten Arm. Schließlich erklärten die Aerzte Menini für kampfunfähig und besiegt. Die Gegner schieden unversöhnt. ocxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx:cxxxxxxx)«xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxr Bühne Md Kunst. „MMers." Deutsches Bottstheater. — Gastspiel des. Berliner Theaters. Ein sanfter Sommerschwank aus der Werkstatt Fritz Friedmann-Frederichs. Die üblichen Figuren: der Preuß', der Jud', der Böhm', sind berlinerisch abgewandelt, auch die alternde, ohebedürftige Jungfrau, sowie der Berliner Selfmademan fehlen nicht und die Gemütswalze wird fleißig eingelegt. Der Star des Ensembles, Ma^ Adalbert, hat den Vorzug, daß er keiner ist, sondern ein Komiker von Rang (ich glaube nach der ersten Begegnung: ein Charakterkomikrr), der sich nicht mit dem ersten Austritt in den Vordergrund rückt rmd unverzüglich aus Wirkung losgeht, sondern sein Publikum hübsch langsam warm werden läßt, bis er sichs durch kräftig profilierten, aber sehr liebenswürdigen Humor entgültig beigebogen hat. Was gestern prompt eingetrosfen ist. Seine stummen Randbemerkungen, insbesondere die der Augen, zeigen von Menschenkenntnis, sein Witz hat Kultur, sein Extempore Geschmack und die tauglichsten Anlässe verführen ihn nicht,>oinen Wurstel abzugeben. Er ist auf Hpltung bedacht. Neben, nicht nach ihm, ist Hermine Sterler zu nennen, eine Salondame von nicht gewöhnlichen Qualitäten. Sie ist schön, anmutig, nennt ein wundervolles Organ ihr eigen und spielt sehr degagiert. Man müßte sie für Wien gewinnen. (Das Burgtheater könnte die Dame vortrefflich ' verwenden.) Sonst eine gute, saubere Aufführung, um deren Gelingen sich noch die Herren Landa, Starnburg und P i t t s ch a u besonders verdient machen. O. A. WIR bitten unsere Leser und Freunde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restaurants und Kaffeehäusern sowie in Lesehallen stets unser Blatt zu verlangen! Aus Ven Theatern. Theater in der Io sefstadt. Heute.gelangt infolge, Unpäßlichkeit des Herrn Dirmoser statt „Die KameliendaMe" der Schwank „Theodore L Cie." von Armont und Nancey zur Aufführung. — Freitag tritt zum ersten Male Ria Thiele in der Rolle der Adrienne aus. Theater an der Wien. Ab Samstag, den 6. August, wird die Oskar Straußsche Operette „Die Königin" wieder in dm Spielplan ausgenommen. Io ha nn--S t ra u ß^T hea te r. Bis einschließlich 14. August, täglich um 8 Uhr, „Rose n aus Schiras". „Der Orlow" wurde gestern im festlich geschmückten Theater an der Wien zmn 650. Male aufgeführt. Zu Beginn der Vorstellung, welcher die in Wien anwesenden Gäste aus Holland beiwohnten» wurde die holländische Hymne intoniert, welche das gesamte Publikum stehend anhörte. Richard Waldemar hielt eine Rede, m welcher er den holländischen Pftegeeltern den Dank für ihr menschenfreundliches Werk zum Ausdruck brachte. Das ganze Ensemble wurde sehr gefeiert, besonders die Damen Annh Coth und Lizzh Holz sch uh. Es gab sehr Corel Blumen und Applaus. Mozart-Tagung in Salzburg. Ms Solisten für - das Orchesterfestkonzert der Wiener Philharmoniker, das unter Walters Leitung am 5. August stattfindet, wurden Kammersängerin Berta Kiurina, Prof. Pollatschek und Prof. Jäckel gewonnen. Prof. Dr. Mandyezewjki wurde irt Würdigung der großen Verdienste, die er sich auf dem Gebiet der Kunst, insbesondere um das Musikleben Oesterreichs und Wiens, erwarb, anläßlich seines 70. Geburtstages zum Bürger der Stadt Wien ernannt. A la Heine-Denkmal. Der Bildhauer A. Maillol hat für Cezanne, einen der hervorragendsten französischen; Maler des vergangenen Jahrhunderts, ein Denkmal geschaffen, das zur Aufstiellung in der Vaterstadt Eezannes, Aix-en-Provinee, bestimmt Cwar. Der Magistrat dieser kunstsinnigen Stadt fand es aber für überflüssig, auf diese Weise den großen Sohn ihres Gemeinwesens zn ehren, und lehnt e die «Aufstellung des D'enkmals ab. Nun gelaugt das Monument im Tvuleriengarten zu Paris unweit des Monet-Museums zur Aufstellung, erhält also einen Platz ^zugÄviesen, wo es Von ganz Europa gesehen werden wird. Das Monument ist ähnlich dem eines etruskischen Grabmales und in Auffasiung und Durchführung laußevordentlich geglückt. Auf einem niederen Sdckel liegt eine schöne Frauengestalt, dm rechten Ellenbogen aufgestützt und den Oberkörper leicht erhoben. Diese Gestalt ist eine Inkarnation der Sehnsucht nach Gleichmaß, die das Leben Cezannes erfüllte. * Seteine, Botttöoe «nd Set(am«|lu«aen. Verband der Ziamsten-Rovisionisten. Heute um 8 Uhr abends. :m Cafe MetroPol, 9. Bez., Berggasse 3-3, Wähler- Versammlung. Redner: Michael Gurari, Siegfried Graubart, M. A. Tenenblatt. — Verband der jüdischen Kaufleute «rd Gewerbetreibenden in Wien. Heute Donnerstag, 8 Uhr abends, Plenarversammlung in der Kaiismannshalle des Wiener Bürger-Cafe, 2. Bez., Praterstraße. 4. Äug-ust 1627 Nr. 3028 Settchtssaal. Die Klosterfchülerin, der Fremd md die drei Fremde. Berlin, 3. Mlgnst. A n t v i n e t t e D. ist die Dochte« eines Fabrikanten aus Essen und hat eine sehr sorgfält i g e.E r z i e h u n g genossen. Sie wurde in einem Kloster erzogen und dannlvon ihren Eltern zur Musbildung ihrer künstlerischen Fähigkeiten mit 17 Jahren auf die K u n st - akademie nach München 'geschickt. Im lMirigen Frühjahr kam sie nach Berlin, um dort ihre Studien fortzu-- setzen. Me die Mnklage ausftihrte, widmete sie sich jedoch tveniger der Malkunst als der L i e b e s k u it fl. In kurzer Zeit hatte sielmit drei begüterten älteren Herren Beziehungen angeknüpft, ihr Herz jedoch gehörte einem jungen Studenten, den sie <m ihren sonstigen Licbeserfvlgen finanziell Anteil nehmen ließ. Einer ihrer bejahrten Freunde, ein verheirateter Berliner Fabrikant, setzte ihr eine «Apanage von wöchentlich 700 Mark aus. Mls er mit seiner Frau eine mehrmonatige Auslandsreise unternahm, hinterließ er Antoinette einen Scheck in sehr beträchtlicher Höhe, damit sie sich während der Zeit seiner Abwesenheit keine Sorgen zu inachcn brauche. Antoinette dachte auch gar nicht daran, es zul tun. Sie mietete sich in einer vornehmen Pension am Kurfürstendanml ein und ktzHvg dort eine 'Flucht vvn Zinmrern. Mtt ihren: Herzensfreund, dem Studenten, lebte sie in Sans und Braus, und so kam es, daß der Scheck bald verbraucht war. >• * »- . Unter Zurücklassung der Hvtelschtuldwe rs chwan b das Pärchen. Antoinette war aber nicht verlegen. Sie wußte, daß der zweite reiche'Freund ,i;it Bade Pyrmont weile und stellte ihren 'Besuch in «Anssicht. Der Student begleitete sie und wohnte Zinrmer an Ziimner mit ihr im Hotel. Bei einem Schäferstündchen, in der Villa des Freundes mischte sie ihm ein Betäubungsmittel in den Wein und zog dem Eingjeschsafenen das Geld ans der Das che. Der alte Herr merkte aber auch' aiv nächsten Tage weder etwas von dem Schlaftrunk noch vvu dem Geldverlust und machte mit Antoinette einen Ausflug. Unterdessen plünderte der Student die Villa und eignete sich einen wertvollen Herrenpelz an, mit blCnt das Pärchen nach Berlin abreiste 'und ihn dort zu Geld inachte. Nun kam der dritte Freund in Rathenow an die Reihe. Es wiederholte sich dasselbe Spiel wie m Pyrmont. Wieder schlief der Freund« durch einen Schluimmertrunkt ein, 'dann zog ihm Antoinette einen Ring im Werte von 2000 'Mark vom. Fing er. Sie ließ jedoch hinter einem Spiegel ein Fläschchen mit eurer m o r p h i u m h ä l t i g e n Fl ü ssi gleit zurück. Nach Berlin zurückgekehrt, traf der Rathenower Freund zufällig das Mädchen und lieh es verhaften. s Bor «Gericht war Antoinette! nicht da'zrr zu bringen, deu Namerr des Studenten prerszn geben. Cs wird nach ihm noch gefahndet. Das Schöffengericht ließ gegen die schöne Sünderin Milde walten und verurteilte fie nur zn sechs Monaten «Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten Untersuchungshaft. Für den Rest der Strafe erhielt ^'Angeklagte Bewährungsfrist und der Vorsitzende entließ sie mit der wohlmeinenden Ermahnung, sie möge sich künftig mehr der Malkunst widmen. Und der Staatsamvalt bedeutete ihr, sie könnci von Mück sagen, daß. sie nicht wegen zweifachen 'Giftmordversnches vor die Geschiwvrenen gekommen sei. .! Re Treuevslicht des Pensionisten. In einem in den letzten Tagen herabgelangten gewerbegerichtttchen Urteil Wird ausgesprochen, «daß a u ch für Pensionisten eine Treuepflicht gegen den ftüheren Dionftgeber besteht. Der ehemalige Direktor der Linzer Filiale der Steiermärkischen Eseomptebank brachte gr-geu diese Bank eine Klage auf Zahlung der tollen, ihm gebührenden Pension ein, da «die Bank seine ihm nach langjähriger Dienstzeit z>ugesprochene Pension von monatlich 660 Schilling auf 113 Schilling reduziert habe. Die beklagte Bank erklärte, daß die 113 Schilling das gesetzliche Pensionsausmaß bedeuten. Auf die freiwillig auf 660 Schilling valori-sierte Pension, die in Kronenwöhrüng geringfügig tvar, habe der Ktqgjer deshalb keinen Anspruch Mehr, Weil er sich gegenwärtig bei einem Konkurrenzinstitut, der Bank für Oberösterveich und Salzburg, akS AefchäftS führe nder Berwaltuugsrat betätige. DieS fei' für die beklagte Firmä um so bedeutungstoLler, als der Kläger früher Direktor gerade der Linzer Filiale der Steiermärkischen Eskomptebank war. Da er in seiner gegenwärtigen Stellung über ein sehr bedeutendes Einkommen verfüge, spiele für ihn die Pension überhaupt keine Rolle. Solange er bei dem Konkurrenzinstitut tätig sei, habe er nur Anspruch auf das g' e s e tz l i ch e M i n d e st m a ß der Pension, nicht aber i su neue Problem: ein teures Telegramm oder ein billiger auifiUMn LnslvoftdrM Ein Telegramm nach Polen kostet für zehn Worte 3.70 Schilling, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe in Wien dem polnischen Adressaten zugeftellt wird, nur -^-.60 Schilling. Aufgabe bei allen Postämtern: am Abflugstage bis 7 Uhr 20 Min. morgens beim Hauptpostamt. «HlEMMBBVEEHaEflaiHlMaMagBEMMM»