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Wiener Morgenzeitung · 1927-08-04 · Heft 3028 (4.8.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3028 (4.8.1927)
Date
1927-08-04
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Ne. 3028 Men, Donnerstag flHffridHBi»M iSlWaa wiener vtofgfnjeimfvg 4. Sngttft 1SS7 GE« 8 Re Typhusekkanlungen in Scheibbs. Zu den Mitteilungen über Typhuserkvankungen ersucht das Bürgermeisteramt der Stadt Scheibbs um folgende Feststellung: „Im hiesigen Kmukeichause befand sich ein Patient mit AbdominalthphuS im Kravkenstand. Bei der Pflege desselben erkrankien fünf Krankenschwestern. ES wurde festgestellt, daß diese Infektion auf Kontakt gurückzuführen ist. Die Erkrankung des Primarius Dr. Schkeinzer ist ein diesem seit seiner Kindheit verbliebenes chronisches Darmleiden, das zufällig bei Ausbruch des Typhus auftrat. Es wurde selbstverständlich auch hier an Typhus gedacht, doch ergab die Mil>nalige bakteriologische Untersuchung in der Prosektur deS Wil- Helminen-Spitals trrfc auch im Institut des Professors Ruß einen für Typhus negativen Befund. Primarius Dr. Schleinzer ist bereits seit drei Wochen fieberfrei und seine vollständige Genesung steht unmittelbar bevor. .Don den Spitrlspatienten erkrankte kein einziger Patient an Typhus, was bei einer bestehenden Nachlässigkeit und mangelnden Obsorge, wie von gewisser Seite behauptet wurde, tviohl kaum hintanzuhalten getvefen wäre. Die entsprechenden Stuhl-, Harnsund Blutproben sowie Wasserpvoben aus de Haus- und Nachbarbrunnen wurden zur bakteriologischen Untersuchung eingesenvet. Die Befunde über die Wasseruntersuchung ergaben einwandfreie Befunde. Weiter wird betont, daß dieft Eiuzelfälle durchwegs in dem Jsolierpavillon uutergebrächt find. Es ist ganz selbstverständlich, daß Typhuskranke und Scharkschpranke rächt in einem gemeinsamen Saale schlafen, Prag, 2. August. (Lel.-Komp.) Das geheimnisvolle Verschwinden der amerikanischen Staatsbürgerin Margit VLrosmarty hat zur Verhaftung des früheren Journalisten M i ch a l k o geführt, der des Mordes verdächtig ist. Nachdem er der Verschtoundenen ini Februar vorigen Jahres 50.000 Kronen herausgelockt hatte, Uetz er fich nicht mehr sehen, worauf die Vörösmarty die Strafanzeige erstattete. Michalko fuhr sofort zu ihr nach Kaschau und veranlaßte sie zur Zurückziehung der Strafanzeige, was die Frau unter der Bedingung der sofortigen Heirat tat. Die Heirat wurde im Juni vorigen Jahres in-der Wohnung Michalkos in Prag borgetäuscht, wobei ein unbekannte Helfer Michalkos den Pfarrer spielte. Nach dieser Trauungskomödie fuhr die Vörösmarty nach Kaschau und wurde von Michalko, so oft sie nach Prag kam, als feine Frazl ausgegeben. In der zweiten- Hälfte des Vorjahres bekamen Vertvandte der Frau die Nachricht, daß die Eheleute Michalko einen Ausflug aufs Land unternommen hätten. Seit dieser Zeit blieb die Vörösmarth Vers chollen. Michalko behauptete, daß sie ihm verlassen habe. Es wurde jedoch festgestellt, daß er aus Paris nach Kaschau einen Brief sandte, wodurch er den Eindruck erwecken wollte, als ob seine Frau sich bei ihm befände. In diesem Briefe ersuchte Michalko um die Zusendung von Geld und der Ausstattungsgegenstände der Frau an seine Prager Adresse. Michalko wurde nach seiner Rückkehr nach Prag verhaftet. Er leugnet, doch nimmt man an, daß er die Frau beseitigt Hrbe. Prag, 3. August. (Tel.-Komp.) Die Affäre der verschwundenen Frau Margit Vörösmarty nimmt s e nsationelle Weiterungen an. Der Raubmord auf -er Schmelz. Eine neue Verhaltung. Trotz verschiedener Widersprüche in den Angaben des. Matz scheint es nunmehr beinahe bewiesen, daß er seinen Neffen zum Morde angestistet hat. Kurz vor seiner Einlieferimg in das Landesgericht hat sich gestern Hermann Jarosch nochmals im Sicherheitsbureau vorführen lassen und sein bisheriges Geständnis durch die Mitteilung ergänzt, daß der Movdplan von seinem Onkel schon vor mehreren Monaten gefaßt und besprochen worden ist und daß zuerst die Geliebte des Matz, eine gewisse Anna aus der Auhofstraße, die Tat hätte verüben . sollen. $ Matz habe diese Frau überredet, seine Gattin zu erschießen, ihr auch zu diesem Zwecke einen Revolver' eingehändigt, doch schließlich davon Abstand genommen, da man befürchtete, durch die Schußdetonation im Geschäfte in der Missindorfstmße die Aufmerksamkeit der Hausleute auf sich zu lenken. Ferner gestand Jarosch auch ein, daß Matz ihm auch vor längerer Zeit Geld gegeben hatte, damit er Gift kaufe,, um seine Gattin zu töten, doch habe Jarosch statt Mst S P e i s e s o d a gekauft. Dieses habe er dem Matz und dessen Geliebten eingehäirdigt, doch teilte ihm nach einiger Zeit Matz mit, daß das Gift keine Wirkung gehabt habe und er augenscheinlich beim Ankäufe betrogen worden sein müsse. Die Geliebte des Onkels habe er im Schönbrunnevkeller kennengelernt und dort habe der Onkel auch diese Anrra als seine Braut bezeichnet. , Für die Beschaffung des Giftes hatte Jarosch von; fcinem Onkel 20 Schilling als Belohnung eg* SPEZIALHAUS FÜR STRICKMOOBN M. HOLZER VI, Marlahllferstraße Nr. 89 (neben Flottenkino) — II., Taborstraße Nr. 18 (Hotel National) - Karlsbad, Alte Wiese WOLL - TRIKOT¬ JUMPE R«KL E ID IN ALLEN FARBEN S 35‘— WASCHSEIDENSTRUMPFE S 5*90 sondern entsprechend in eigenen Zinunerii isoliert sind. In der Stadt Scheibbs und deren weiteren Umgebung herrschen weder Typhus noch typhusähnliche Erkrankungen. Das gesamte Personal des SpitalS wurde ohne Ausnahme mit Mlivakzine nach Besredka geimpft. Desgleichen wurden vom ganzen Personal die einzelnen Proben eingesandt, dervn Ergebmsft nirchwegs negativsind. Schließlich sei darauf hingetviesen, daß die Erkrankungen bereits im Juli ■ erfolgten und die Patienten soweit hergestellt sind, daß sie in den nächsten Tagen als genesen" bezeichnet werden können. Ter Bürgermeister der Stadtgemeinde Scheibbs: Rudolf Radinger m. pS* Außer Michalko sind in den merkwürdigen Kriminal- - fall auch eilt Prager Arzt, Dr. K l e p e t a r, fowis der Schwager der Vörösmarty, der gewesene Gewerkschaftssekretär S i k o r s k y, verwickelt, die heute e b e n. fallsverhaftet wurden. Klepetar wird beschul" digt, bei der Scheintrauung Michalkos mit der Börösmarty als Matrikenführer ausgetreten zu sein. Ferner soll Klepetar die Börösmarty durch eine Injektion g e t ö t e t haben. Die Rolle des Sikorsky ist iroch ungeklärt. Alle drei Verhafteten leugnen, einen Mord begangen zu haben. Die I n d i z i e n, die gegen Michalko und Klepetar sprechen, sind aber so gewichtig, daß die Behörden von der Ermordung der Vörösmarty überzeugt sind. Da keinerlei Hoffnung auf Auffindung der Leiche besteht, dürfte es aber sehr schlver sein, einen lückenlosen Indizienbeweis gegen Michalko und Klepetar zu konstruieren. Ueber die Persönlichkeit Michalkos wird bekannt, daß er u. a. nach dem Umsturz Privats ekretär beim jetziger! Uji t e r r i ch t s m i n i st e r Dr. Hozda war, von dem er angeblich wegen Unregelmäßigkeiten entlassen wurde. Nachher wandte er sich nach Prag, wo er u. a. für. die „N arodni Listy" Leitartikel schrieb. In der letzten Zeit knüpfte er rnit dem Generalsekretär der slowakischen Volkspartei Dr. M a ch a c e k Beziehungen an. Er war auch den „Lrdove Novyni" zufolge eine Zeitlang Chefre l teur des Kaschau er Regie tu ngsorgans „S l owak Vychod". Dort lernte er Sikorsky und durch diesen später in Prag die Vörösmarty kennen. Die Prager Behörden setzen die Untersuchung in dieser rätselhaften Kriminalaffäre mit großem Apparat fort. halten. Im Laufe des gestrigen Nachmittags und Abends waren nun die Kriminalbeamten eisrigst bemüht, diese „Anna" aüszuforschen. Sie suchten die ganze Straße ab und nach unendlicher Mühe und auf Grund der Personsbeschreibung, die Jarosch gegeben, wurde die Geliebte-des Matz in der Person der 22jährigen Hilfsarbeiterin Anna G ö tz in der Auhofstraße ausfindig gemacht. Bei ihrem Verhör im Sicherheitsbureau leugnete sie zuerst, von dem Mordplan Kenntnis gehabt zu haben. Doch schließlich legte sie das Geständnis ab, daß Matz sie zum Movde an der Gattin verleiten wollte und ihr versprochen, habe, wenn die Gattin tot sei, sie zu heiraten. Sie gab zu, von dem Plan mit dem Revolver und dem Gift gewußt zu haben, auch ihr gegenüber hatte Matz den Plan mit dem Erdrosseln durchbesprochen. Es svar vereinbart worden, daß die Götz in das Geschäft kommen und dort ihre Geldbörse fallen lassen sollte. Sobald sich Frau Anna Matz nach dieser bücken würde, um sie aufzuheben, sollte ihr ein Strick um den H a l s geworfen werden, um gemeinsam mit dem Matz sie zu erdrosseln und bann an einen Wandhaken zu hängen, um einen Selbstmord vorzutäuschen. Sie' tvar auch einige Male in dem Geschäfte der Frau Matz gewesen, um sich über die Oertlichkeit zu orientieren, doch erklärt sie auf das entschiedenste, daß sie es nicht war, die den Matz zu der Bluttat getrieben habe, sondern daß es von Anfang an s e i n e I d e e gewesen sei. 8« Kaisergebirge abgeftllrzt. Innsbruck, 1. August. Bon der Karlsspitze ito Kais« rgebi-rge ist vorgestern der Sportlehrer Walter H.e:« aus Berlin tödlich aügostürzt. Kn Drama ans dem Schlepper. Ein Matrose eines serbischen Sch'cppers, der in Linz vor Anker (itg, sprach auf der StrEe ein Mädch:!i an und lud sie ein, nnt ihm ans Deck M kommen. Das Mädchen willigte ein und b!!eb bis spät in die Nächst hineür auf'dem Schlepper. Unmittelbar nach ihrem Weggänge machte der Matrose die Entdeckung, 'bafj ihm 100 Dinar fehlen. Er eilte dem Mädchen nach und trieb sie mit Schlägen auf das Schiff zurück. Sie gab den Diebstahl ohne weiteres zu und behauptete, das Geld auf dem Schiffe versteckt zu haben. Während nun der Matrose den Raum durchsuche, riß sich das Mädchen los und sprang über das Geländer in die Donau. Ein zweiter Matrose sprag ihr nach und konnte sie noch im letzten Augenblicke retten. Kaum hatte sich aber das Mädchen einigermaßen erholt, als sie abermals in das Wasser sprang und spurlos in den Wellen verschwand. Die angestellten. Rettungsversuche verliefen infolge der herrschenden Finsternis ergebnislos. » .Armes, kleines Mädchen! Was mag ivohl in der Seele dieses Geschöpfes vor sich gegangen sein, als es hinübersprang über das Geländer, das die irdische Welt abgrenzt von der dunklen, namenlosen. Wieviel Pein und Rot und Erniedrigung mußte unsichtbar auf den Schultern dieses Mädchens glasten, welches Maß von unfaßbarem Ekel war ihr wohl zuteil geworden. Denn auch dieses Straßenmädchen von Linz, das mit betrunkenen Matrosen ging und in ihren dumpfen Schlaflosen sich hingab den brutalen Umarmungen, auch diese Dirne war ein Mensch! Eltern haben es gezeugt, eine Mütter zog es auf, die Sonne lachte auch Weü dieses Kind und sein Muren war eins mit dem Atmen der Welt. Armes, kleines Mädchen- Vierzig Grad Celsius. Rekordbesuche ln Den «ern. Ter gestrige Tag war der bisher heißeste des heurigen S o m m e r s. Die Hündstagshitze würde besonders in den Büros und in den Arbeitssälen der Fabriken überaus lästig enrpsunden. Auch die 'Kranken iir den Spitälern litten stark unter der drückenden Temperatur. Tie Bäder hatten gestern, obwohl zu Wochenünfang die Badeziffern stets niedrig sind und obwohl sich ein bedeutender Teil der Wiener auf Sommerurlanb in den Ländern be'ind et, Rekordbesuche aufzüweisen. \ Das Gänsehäufel, das vergangenen Sonntaig von 6260 Personen besucht war, verzeichnet« gestern, an einem der ersten Wochentage, 5500 Badegäste. Das AmaliÄNbad hat mit 2800 Badenden die höchsteBesucherzahl erreicht, die bisher jemals an einem Dienstag (an Montagen ist das Bad geschlossen) erzielt wurde. Muchs Las Diana b a d nnes mit 4700 .Gästen eine Frequerrzzisser auf, wie sie im August im Vorjahre an keinem Tage erreicht wurde. *• Die Freiluftbäder in der.Um-gMintz der Stadt und die Strandbäder in Klosternenbürgünh Kvitzend o r f tvarell sonntäglich besucht. Der Konsum an Arärchteis und Erfrischungsgetränken nahm riesige Dimensionen an. Ta heute Westwind eingebvochen ist, der bald Niedevschäge bringen dürste, kann die HitzewMq irtpjcfjf kurzer Dauer als beendigt angesehen werden. ■ Beim Baden ertrunken. lGestern nachmittags ist ibeim Baden in der alten! Donau nächst der Kagranerbrücke der 24jährige Beamte Wilhelm No stak, Romanogasse 19 wohnhaft, plötzlich u ntergefunken. Die Feuerwehr rückte aus, konnte ihn jedoch erst nach viertelstündigem mühevollem Suchen als Leiche bergen. — Der 26jährige Hilfsarbeiter Franz Hajnh, Erdberger Mais 2234 wohnhaft, ist gestern abends beim Baden im Donaukanal ertrunken. Die Leiche konnte nicht geborgen werden. — Wie berichtet, ist vorgestern mittags bei der Floriidsdorfer Brücke ein 23jghriger Mann beim Baden ertrunken, der nur mehr als Leiche geborgen werden konnte. Er ist der technische Beamte Johann Horauer, 'Schleifgasse 12 wohnhaft. — Der Handelsangestellte Karl Hajdu, Hütteldorferstraße 190 wohnhaft, ist 'Vorgestern beim Baden im Mühlwasser.in Kaisennschlen ertHuMr. Me Leiche konnte geborgen werden. ' \ Flugzeugabsturz tu die Lonau. Stoel zudlenflleger. Gestern abends ist ein englisches MMärflügzeug m 'Sommerberg, Gemeindegebiä Aschach, infolge Heißlausens des Motors in die Donau abgestürzt. Das Flugzeug startete am 2. August mittags in London und hatte Kurs nach Indien. Bon den Insassen, zwei Fliegeroffizieren der Royal Air Force, ist der eine leicht, der zweite schwer verletzt. Beide lvevden bis zur Transportfähigkeit des Schwerverletzten in Aschach in ärztlicher Behandlung verbleiben. Die ^Korr. Herzog" meldet aus Aschach: Die beiden, gestern abends acht Uhr verunglückten englischen J ndienf l i e g e r, Jlugleutnairt Charles Roderich C a r r und Flugoffizier Eric Charles Dearth, wurden von einem Arbeiter, der am Ufer ging, vom Tode durch Ertrinken gerettet. Das Flugzeug Mrzte knapp neben dem Uftr in die Donau. Die Habseligkeiten der beiden Flieger, von denen Carr leicht, Dearth schwer, aber nicht lebensgefährlich, verletzt sind, sowie das schwerbeschädigte, mittags geborgene werden von Gen-Myen bewacht. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxr«x»xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxrv Ae verschwundene Gattin. Eine sensationelle Mordassllre in Prag.

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