Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3028 (4.8.1927)
- Date
- 1927-08-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982116--30859-3019122- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
'Bette 2 Wien .Donnerstag Wiener Morgenzeitung 4. August 1927 Nr. 3028 » ionferenz, die ebenfalls in OKnf tagte und stUlg- und langloS auseinandergegangen ist. Die Politik, die fick den Offizieren unterwirft, hat sich durch diese Besprechungen .tfcfjt stören lassen. England führte seine Luftmanöver durch, die zu beweisen hatten, daß London nicht geschützt ist. das also Abwehrflugzeuge gebaut werden müssen, Amerika legte neue Eisenschiffe auf Stapel und Japan steht noch immer in China. Bon den Großen lernen die Kleinen. In Europa wird weiter gerüstet und der Geist des Krieges, des beivaffneten Aufstandes und der Revolten schwebt über den Wassern. Die Diktatur der Faust besteht. Me LohnkSmpfe in Ungarn. Anwachsen der Streikbewegung. Budapest. 3. August. (Tel.-Komp.) Die Streikbswegung in den verschiedenen Industriezweigen nimmt täglich größere Dimensionen an. In der Eisenindustrie streLken augenblicklich 800V Arbeiter, und zwar 4200 bei der Vereinigten Glühlampen- und Elektrizitats-A.-G., 3000 in der Munitions- und Metalllvarerifabrik Manfred Weiß auf der Esepel-Jnsel und 800 in den übrigen Essen - betrieben. In dm Manfred Weitzschen Werkm auf der Csepel- Jnfel wurde die Arbeit heute mittags eingestellt. Die Arbeiter des Walzwerkes und der Blechgeschirrfabriki erschienen gestern bei der Direktion und legten ein Memorandum vor, worin sie auf die unhaltbare Lage der Arbeiterschaft Hinweisen und eine allgemeine Erhöhung der Löhne beantragen. Die Direktion nahm die Verhandlungen mit dm Vertretern der Arbeiter auf, eine Einigung konnte aber nicht erzielt werdm. Als das Scheitern der Lohnverhandlung bekannt wurde, stMen heute mittags die Arbeiter der Gasgeneratoren die Arbeit ein, wodurch jener Teil der gewaltigen Industrieanlage, der durch Gasgeneratoren betrieben wird, lahmbelegt wurde. Durch die Einstellung der Arbeit an den Gasgeneratoren werdm 3000 von den 6500 gegenwärtig in Esepel beschäftigten Metallarbeitertt zur Untätigkeit verurteilt. Eine eigentliche Streikparole ist jedoch nicht auSgegebm wordert. Heber die Maßnahmen der Fabriksdirektion ist vorläufig nichts bekannt, man rechnet aber mit einer allgemeinen Aussperrung der Arbeiterschaft in den Manfred Weiß-Werken. Die Oberstadkhauptrnannschaft verfolgt die Streikbewegung in Budapest mit größter Aufmerksamkeit und scheint entschlossen zu sein, eventuelle Ruhestörungen im Keime zu ersticken. In der Umgebung der Fabriken, in denen die Arbeit ruht, wurden riesige Polizeibereitfchaftm zusammengczogen. Die Budapester Polizei hat es namentlich auf Ausländer, die für den Streik agitieren, abgesehen. Solche werden rücksichtslos an die Grenzen abgeschoben. Budapest, 3. August. (Tel.-Komp.) Die Streikbewegung in der Holzindustrie wurde beigelegt. »Zwischen den Arbeitgebern und dm Arbeitern kam ein Kollektivvertrag mit einjähriger Gültigkeit zustaitde, der bei einer achtstündigen Arbeitszeit für die ersten zwei Ueberstunden einen 20prozentigen, für zwei weitere Ueberstunden einen 40pcozentigen Zuschlag Vorsicht.. Auch in der Raaber Waggonfabrik wurde heute die Arbeit wieder ausgenommen. Ueber die Lohnforderungen der Arbeiterschaft wird nächste Woche verhandelt werden. Ueber die 30prozentige Lohnforderung der Mühlenarbeiter und die loprozentige Forderung der Arbeiter in den Bäckereibetrieben wird morgen, beziehungsweise am 16. August entschieden. Antisemitische Ausschreitungen in Lemberg. Hetze wegen der klsverglktungen. In Lemberg find am 1. d. M.» wie gemeldet, infolge des Genuffes von gefärbtem Eis 50 P e tfonen c r- , f-rxMi k i, von den zwei starben. ZK dem Borort K l e p a r o w, wo die meisten Fälle Verkäme», brach infolge antisemitischer Lügen ein arger Exzeß aus; zehn jüdische Passanten wurden verwundet. EsH als die Polizei den Gefröre nes-Verkäufer, einen fSfyrift enverhaftethatte, trat Ruhe ein. Ke Verwüstung des Kötner jüdischen Friedhofs. Köln, 2. August. (I. T. A.) Die orthodoxe jüdische ' Gemeinde zu Köln hat einen Aufruf erlassen, in welchem Oe die Bttrolkerung bittet, zur Aufklärung der Gr<a b sch ändungen auf dem Friedhof der Gemeinde beizutragrn. Sie setzt für zweckdienliche Angaben eine Betofymnß von 1000 Mark aus. Die Verwüstungen stellen sich als weit schwerer heraus, ^ls nach den ersten Mitteilungen anzunehmen war. D« Täter habe» sämtliche Grabsteine umgestürzt »md ernm großen Teil derselben zertrümmert. Der Oriedhof macht einen geradezu nieders^ntetterndm Eindruck. Der mit der Untersuchung betraute Kriminalkorttmissär erklärte, daß er etwas derartiges an ZerstürungSwut in feiner langjährigm Praxis nicht erlebt habe. ES ist dies seit etwazweieinhalbJahren bn'-t n.e unund dreißigste Schändung von jÄ d i s ch t n <& t CLhjta tttn. Die Zeitungen fordern, daß alles geschehe, um eine Aufklärung hecheizu führen und die strenge Bestrafung der Täter zu erreichen, andernfalls sei ein Ende dieser Kette von Grabschändungen nicht abzuschen. Der einsam <m der Decksteinerstraße in Lindenihal. liegende Friedhof war vergangenen Sonntag das Ziel großer Menschenschacen, und nur eine Stimme tiefster Entrüstung über diese Tat sittlicher Verrohung wurde laut. Es wurde sogar von einer „Schande der Nation" gesprochen, und die Mutmaßungen über die Täter bewegten sich alle in-derselben Richtung. r« «»schlag gegen die Warschauer Notenbank. Eine politische Affäre? Warschau, 2. August. Die Untersuchung gegen die Mitglieder der Berbrecherbande, welche den Anschlag gegen die staatliche Notenbank in Warschau versucht hatten, fördert weiterhin s e n s a t io n e l l e G n t d e cku n g e n zu-. tage. Das Mitglied der Bande Juszkiewicz lourde einer im Mai d. I. i n P r a g v e r ü b t e n Mordtat, sowie auch eines Banketnbrüches i n Prag Über- DWt. JuMetvißs ist «qch Verübung dieser Verbrechen aus der Tschechoslowakei geflüchtet und hat sodann in Warschau eine Handelsvertretung errichtet. Wie vorbereitet die Bande bei ihrem Anschlag auf die Notenbank zu Merke ging, erhellt aus der Tatsachte, daß Juszkiewiez in der letzten Zeit eine Maschine, wie sie zur Reinigung der Luft in Tunnels und Schächten verwendet wird, aus dem Auslande in der Absicht bezogen hat, diesen Ventilator bei den Ausgrabungen des Tunnels in der Nähe der staatlichen Notenbank zu verwenden. Ein zweites Mitglied der Bande, namens W o l f r y d, soll v on der Gesandtschaft einesbenachbart e n Staates den Auftrag erhalten haben, aus der staatlichen Notenbank Klischees zu entwenden. Diese Klischees sollten von der in Frage kommenden Gesandtschaft zur Fälschung polnischer Banknoten verwendet werden. Der dritte Verbrecher, Wojeiechowski, hat in der internationalen Verbrecherwelt einen großen Ruf und ist seinerzeit von einem russischen Gerichte wegen Ausplünderung einer großen russischen Bank und nachherigen Ermordung seiner damaligen beiden Komplizen zur.Deportation auf die Solowjetinseln verurteilt worden. Die Verbrecher sind, voneinander getrennt, in besonderen Zellen, untergebracht worden, wodurch einem etwaigen Fluchtversuch vorgebeugt werden folL .. Landet im Versteck. Das Abenteuer eines zntervlewers. P a r i s, 3. August. (Wolfs.) „Journal" veröffentlicht einen Bericht eines seiner Sonderberichterstatter über eine Unterredung mit Leon Daudet. Der Bericht ist datiert vom 1. August, irgendwo in Frankreich. Der Berichterstatter wurde in einem Privatwagen außerhalb von Paris gebracht und auf offener Straße abgefetzt. Nach kurzem Warten wurde er von einem Sportwagen in Empfang genommen und in rasender Fahrt mehrere Stunden Weit befördert. Dem Berichterstatter war es durch eine undurchsichtige Brille unmöglich gemacht worden, sich über den Weg zu orientieren. Nachdem die Fahrt zu Ende war, wurde er auf ein vom Chauffeur ihm mitgeteiltes Stichwort an einer bestimmten Stelle von einem jungen Mann in Empfang genommen, der ihn wenig« Schritte, weit zu einem kleinen, im Grünen gelegenen Haufe führte, davon einen; Geistlichen bewohnt wird und in dessen oberem Stockwerk Leon Daudet Zuflucht gefunden hatte. Daudet selbst erschien und erklärte: „Hier bin ich in eigener Person! Ich halte mich weder im Ausland auf, noch irgendwo versteckt in einem Keller!" Daudet sagte, daß er den Kampf um seine Sache unbeirrt weiterführen würde. Nach Beendigung der Unterredung lourde der Berichterstatter des „Journal" in dem gleichen Sportwagen direkt nach Paris zurückbefördert. -er panenropSWe Kongreß verschoben. Hie wir erfahren, ist der für den Oktober d. I. in Aussicht genommene zweite p a n e u r o p ä i s ch e Kongreß bis auf weiteres verschoben worden. Me vanpaMftische Konserea». Newport, 1. August. Die panpazifische Konferenz, die vom 15. bis 20. Juli unter den Muspizieu. .des Instituts für Verbesserung der Beziehungen der pazifischen Staaten in Honolulu tagte, hat allgemein lebhaftes Interesse erregt. Ueber hundert Persönlichkeiten aus den Vereinigten Staaten, Japan, China, England, Kanäd'ä, Äusträlien und Neuseeland sind zur Teilnahme eiugetrvfftn. Zu der Konferenz ist auch, wie bekannt, die zionistische Organisation geladen worden, die über die landwirtschaftliche Kolonisation in Palästina zu berichten hat . Die Delegierten der Vereinigten Staate», Englalnds, Japans und Kanadas genehmigten einstimmig drn Vorschlag, den Regierungerr der Vereinigten Staaten und Japans eine gemeinsame Konform- -n eurpfehlen, auf der jede Kriegsmöglichkeit zwischen dm beiden Ländern ein für allemal auder Welt geschafft werdm soll. Die Delegierten empfehlen des lüpitcceit den Entwurf eines Vertrages, ähnlich dem Lüoamer Abkommen, in dem sich lAmerika und Japan verpflichten soften, niemals gegeneinander die Waffen M ergreifen. llebergabe der Wiener russischen Gefandschastskirche an die Sowjetmisfion. Wie wir erfahren, hat am 26. Juli die Uebergabe der früheren russischen Gesandtschaftskirche durch das österreichische Außenamt an die Gesandtschaft der Union der S ozialistische n Sowjetrepubliken in Wien auf Grund des Vertrages stattgefunden, der in Moskau am 16. JiM l. fg. zwischen der österreichischen Regierung und der Sowjetregierung abgeschlossen wurde. Me Grundsteinlegung der Kirche, die in rufsisch-byzantrmschern Stil erbaut ist, fand am 3. Oktober 1893 statt. Der Bau wurde 1899 vollendet. In letzter Zeit, bis zu der am 26. Juli erfolgten llebergabe, befand sich die Kirche in Verwaltung de§ öfterroichis chon Au ßenam'tes: Polen und Rußland. Paiek I« Warschau eI»gett«Neiu Warschau, 2. August. Der polnische .Gesandte in Moskau, P a t e 1,. ist nach Warschau abgeresst, um der Regierung Bericht über seine Besprechungen mit VoltÄommisfär T s ch i t s ch e r i n zu erstatten. Die Besprechungen bezogen sich bekanntlich auf die Liquidierung der durch die Ermordung des Sowjetgesandten Wojkow entstandenen Spannung und auf die Wiederaufnahme der polnssch-russischm Garantie- - und tzandelsvertrag sv erharr dlungen. Paters MWu. Warschau, 3. August. (SGBolff:)' Ueber den Anlaß der Reise des polnischen Gesandten Patek nach Warschau meldet die halbamtliche „Gpoka": Nach seiner Rückkehr nach Moskau vor zwei Wochm erteilte Gesandter Pate! der Sowjetregierung die Antwort und Auskunft Wer alle Pnntte, die in dm Noten der Sowjetregierung .wegm der Ermordung des sowjetrufstschm Gosandtm Wojkow berührt worden warm. Wahrend drei Konferenzen, die im Laufe der vergangenen Woche zwischen Patek und Tschitscherin sowie dem.Mitglied des Volkskommissariats für Aeußeres, Stomenjakow, stattfanden, hatte sich erwiesen, daß sich die Angelegenheit aus gutem Wege befürde. Patek wird jetzt euren kurzen Erholungsurlaub antreten. Gleichzeitig begab sich auch Stomenjockow, der bisher mit Patek. die Verhandlungen über einen Nichtangrifssvertrag geführt hat, auf eine längere Urlaubsreife. Nach der Rückkehr nach Moskau wttd Patek über den Nichtangrifssvertrag mtt Tschitscherin weiter verhandeln. Kowerda-Bilver veWagnatzuit. W a r s ch a u, 3. August. Das RegierungLkommissariat in Wilna hat einen zur Absendung -vorbereiteten Transport von 100.000 Bildern des Mörders des Gesandten Wojkow, BorisKowerda. beschlagnahmt. Die Bilder sollten an die verschiedenen Zentren der russischen Reaktionäre im Auslande, hauptsächlich nach Paris zur Kolportage verschickt werdm. -epische Miere in der roten Armee. mi MWi Mrang. Paris, S. August. .Der Spezialkovrsslpoudeitt des „Jntran« sigeant" berichtet aus Kopenhagen, daß der Oberste Kriegsmt dar russischen Roten Armee die Anwerbung eines Kontiugents von 800 Ansläudern, und zwar zum größten Teil deutscher und srauzLj.is.cher Offiziere, beschlossen habe.