Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3026 (2.8.1927)
- Date
- 1927-08-02
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Ne. 3026 &\m, Dienstag Wiener Morgenzerrang 2. August 1S27 Sette 3 Der Raubmord auf der Schmelz. Der Ran« half bei der knnorduug. Wir wir gestem berichtet haben, tvurde Sonntag nachmittags Me 39jährige Konditoreibesitzerin Karoline Matz von ihrem Neffen in bestialischer Weise ermordet. Noch im Laufe der Nacht gestand der Täter, der 28jährige Drogist Hermann Jarosch, ein, daß er seine Tante, um sie zu berauben, und über Anstiften seines Onkels, des Gatten der Ermordeten, Gottfried Matz, getötet habe. Jarosch gab ferner an, daß ihm sein Onkel schon sett Wochen zu dem Morde zugeredet habe, denn, abgesehen von den schlechten FamilienvcrhSltniffen, benötigte Gottfried Matz dringend Geld. Matz habe als Kassier des österreichischen GewerVeVundes 3000 Schilling nnterfchlagen, «nd mn so den Schaden gntzumachen, hätte er das Lokal, daß seiner ermordeten Frau gehört hatte, benötigt. Sein Onkel — so gab der Täter ferner an — habe auch bereits mit einer Molkerei über den Verkauf des Lokales unterhandelt. Außerdem habe Gottfried Matz seine Fra« ohne ihr Wissen auf Ableben versichert, und diese Summe sollte der Preis für die Ermordung sein, die Jarofch erhalten sollte. Am vergangenen Samstag traf Jarosch seinen Onkel, und da wurde bei einer Kegelpartie eingehend über die Todesart, die man anwenden müsse, gesprochen. Man wollte einen Selbstmord Vortäuschen und Matz hat auch tatsächlich schon einige Tage vorher, eigens für diesen Zweck, e-inen st-arken Wandhaken im Zimmer befestigt.' Me die rat geschah. Als sich Frau Matz allein im Geschäfte befand und mtt Jarosch sprach, forderte Gottfried Matz seinen Neffen durch Gebärden auf, endlich mit der Tat zu beginnen. Beide, der Mann und der Neffe, stürzten sich auf die Fra« und würgten sie. Die Arme wehrte, sich aus Leibeskräften. Dieser Kampf spielte sich zwischen Küche und Zimmer ab. Nun faßte Jarosch die Frau bei den Haaren und schlug ihren Kopf mehrerer« ale mit dem Gesichte gegen die Mauer. Nochmals gelang es der halb Bewußtlosen, sich aus den Armen der viehischen Bestie zu b efreien. Sie flüchtete in das Geschäft/um so. einen Weg in§ Freie zu finden. Jarosch sprang ihr nach und durch die Wucht des Angriffes stürzten Mörder und Opfer gleichzeitig zu Boden. Jarosch packte einen Fetzen und preßte ih: M als Kn e b el in den Mund. I»r Man« reicht de« Striü. In diesem Augenblick habe Matz dem Jarosch einen Strick gereicht,^und während der Mann den blu- Bor einer Woche verübtes« Strvbl im Salzkammergüt dev 24jährrge Giastwirtssohn Franz Baumgartner aius Wien Selbstmord, indem er sich aus einem Revolver eine Kugel kn den Kopf jagte. Nunmehr wurden die Beweggründe des Selbstmordes begannt, der seine Ursache kn einer Liebesäffäre des jüngen Mannes mit einem 17jährigen Mädchen hat. Mas Gasthaus des Baumgartner, bekannt als Hauptquartier der Hakenkreuz!er der Brigittenau, in der Brigittagjasfe, war bei den letzten blutigen «Ausschreitungen auch Gegenstand der Angriffe der Demonstranten. Aus dem Geschäfte wurden Nach Angabe des Besitzers 9000 Schilling gestohlen und kürzlich wurden «Ach die DAer verhaftet. Der Gastwirt und sein Sohn bewaffneten sich mtt Revolvern, 'Bei hieser Gelegenheit gekargte Franz Baurngartner in den Besitz des Revolvers, mit dem er dann Selbstnrord verübte. Der alte Baumgartner, ein gutsituierter Gastwirt, mochte es nicht leDen, daß sein Sohn mit der hübschen Mela, der Tochter eines Schmiedes ans der Nachbargasse, ein Liebesverhältnis unterhielt. Die Mutter der Mela s vl h dem jungen Manu für ihre Tochter förmlich einzuscmgen gesucht und ihm ein Eheversprechen abgerungenhaben. Franz Baumgartner soll sich schriftlich verpflichtet haben, die M ela noch int August dieses Jahres zu heirate n. Und darauf führeu seine Eltern den Sevbstinord zurück. Der Vater des Baumgartner bchmiptet Äerdies, daß sein Sohn von der Familie finanziell ausgenützt wurde. In den zweieinhalb Jahren der Bekanntschaft soll der Sohn mindestens eine halbe Milliarde für die Familie auSgegeben und die Tochter mit wertvollen: Geschenken überhäuft haben. Demgegenüber schildern die Eltern Melast ihr Verhalten ganz anders. Die Mutter hat den jungen Baumgartner nur darauf auftnsrksmn gemacht, daß ihre jugendliche Tochter durch den Verkehr leicht ms Gerede kmmnen könne und daraufhin habe Baumgartner spontan erklärt, die Familie möge sich noch ViS Mitte August gedulden, dann werde er seinem Herzen folgert» die Entscheidung treffen- , - Sa» «e«e Geständnis de» Mörder». tendenKopfderFrauindieHöhezog, wickelte Jarosch den Strick um den Hals der Frau. Nun zogen die beiden rechts und links an den Enden der Leine solange, bis aus dem Mund der Sterbenden Blut karn. Jarosch reinigte das Gesicht der Toten und den Fußboden mit einem W a s ch e l und steckte die blutige Holzwolle dann kn die Tasche. Nun wollten die Täter den Se l b st m o r d Vortäuschen. Mer da hatte es an der Tür geklopft, und Jarosch erblickte den Kopf eines Wachmannes vor dem Fenster. Auf das Klopfen hin fei Matz in das anstoßende Zimmer geeilt, warf sich dytr nieder und begann mit seinen epileptischen Krämpfen. Gestern erschien tatsächlich ein Beamter des Gewerbebundes und machte bei der Polizei die Anzeige, daß Gottfried Matz ungefähr 2600 Schilling veruntreut habe. Matz leugnet noch. Jtn Laufe des gestrigen Vormtttages wurde Jarosch und fein Onkel in das Sicherheitsbureau gebracht, wo Polizeirat Maurer die Verhöre fortsetzte. Erst nach vieler Mühe war Matz endlich zum Sprechen zu bringen. Er bestritt, irgendetwas mit der Tat zu tun zu haben. Er hätte weder seinen Neffen angestiftet, noch Hand an seine Frau gelegt. Doch gab er schließlich zu, gewußt zu haben, daß Jarofch feine Frau umbringen wolle, da über das Thema öfter gesprochen worden sei. Er habe das Geld deshalb unterschlagen, weil er zu w e n i g Einkommen hatte. Im übrigen habe er Jarosch wiederholt unterstützt. Einmal habe ihm bei dieser Gelegenheit der Neffe den Vorschlag gemacht, einfach die Tante umzubringen. Samstag nun, bei der Kegelpartie, hätte Jarosch entschieden behauptet, daß am Sonntag die Frau umgebrachk werden müsse. Er, Matz, habe im kritischen Augenblickruh igimZimmerdieZeitung gelesen und nur gehört, wie seine Frau zu Boden st ürzteundsich Jarosch übersiehermachte. Er habe gerufen: „A b c r l a tz s i e d o ch i n R u hl" dann hätte er einen epileptischen Anfall bekommen und von nichts mehr gewußt. Aus der ganzen rückhältigen und stammelnden Erklärung des Gottfried Matz, die durchaus unglaubwürdig ist, geht Wohl -hervor, daß das Geständnis des Jarosch im allgemeinen als g l a u b w ü r d i g zu werten ist. — Ser letzte Brief an Ale Geliebte. Mm Tage vor dem Selbstmord haben nrrn Saunt* gartner, die Mela und derenl.Bruder einen «Ausflug auf die Rax unternommen .Dienstag früh kam aus Strobl, wo der Onkel des Baumgartner ein Hotel betreibt, ein lAb schieds b r ief an das Mädchen- Baumgartner schrieb darin, er sei nach Strobl gefahren, um ein Pi stolendUell «mszutragen. «Mer selbst, wenn er im Duell nicht fallen sollte, werde er nicht mehr zu den Lebenden zählen, tvenn die Braut diesen Brief in Händen halte . Er habe 100 Millionen verspielt «nd wisse nicht, wie er das Geld ersetzen solle. Mit Melas Bild ans dem Herzen mrd mit ihrem Namen auf den Lippen wolle er sterverr. Ein zweiter Pries, der als ^Aufgabeort die Bezeichnung -Friedhof" trug/lautete: r.Meliebte, ich sterbe gerne. Dank für Deine Liebe. Verzeihe einem Dolen und bete für mich. Hoffentlich glaubst Du jetzt, daß Du meine einzige große Liebe warst."« < Die Familie Zettel bezeichnet die ehrenrührigen M-- hauptungen als unwahr Und will die Berleumdungs- und Ehrenbeleidigungsklage erheben. Der Verstorbene sei Morphinist gewesen und.bürste in einem Zustand der moralischen Depression Hand an sich gelegt haben. Ser Besuv in Mtlgtett. R o m, 1. August. (Tel.-Kmnp.) Der Ausbruch des B suvs beginnt großen Umfang anzunehmen. Nach Mitteilungen des Direktors der Besuvwarte, Prof. Mablavra, ist die Lava in der Nacht von Sonntag auf Montag in das Inferno-Taleingedrungen, nachdem siadieAbsperrungS, dämme überflutet hatte. SW fließt jetzt langsam über die schluchtartigen Abhänge in der Richtung auf Tereignv. Der Ausbruch der Besirvtätigkeit hatte sich schon am Sonntag merklich verschärft. Der am 29. Juli am Fuße des Kegels begonnene Ausbruch ist nach einem kurzen Stillstand, während« dessen der Strom vom Personal der Vesuvwarte <ms der Nähe photographiert tverden konnte, Sonntag mittags wieder in Gang gekommen. Um 4 Uhr nachmittags begann der Ausfluß in haS Inferno-Tal. Zum Glück handelt es lich um eine z ä üia. SPBZIALHAUS FÜR STRICKMOOEM M. HOLZER VI, Marlahllferstraße Nr. 89 (neben Flottenkino) — II., Taborstraße Nr. 18 (Hotel National) - Karlsbad, Alte Wies# WOLL TRIKOT- JUMPER-KLEIO IN ALLEN FARBEN S 35- WflSCHS6IP»NSTRUMPFE S 5*90 dickflüssige Lava, die sich in Bufola im Inferno-Tal stauen dürfte, ohne zu weit vorzudringen. Auch di: Explosivtätigkeit des Vesuv mit hefttgem und reichlichem SchlackenauÄvurf ist bedeutend. Die äußeren Abhänge des Kegels sind stark mit Schlacken und glühenden Körnern bedeckt, von denen auch eine Anzahl auf das Observatorium und die Einsiedelei nkedergefatten sind. Touriftemmglöck bet Gastein. Folgen mangelhafter Ausrüstung. Salzburg, 1. August. Am 28. Juli unternahmen die Bad Gasteiner Kurgäste Fabriksdirektor Otto ^Mertens aus Lüneburg, seine Tochter Dr. Ilse Mer-tcns aus Göttingen und Frau Auguste Trümper aus Lüneburg in mangelhafter Ausrüstung und ohne Führer eine Tour auf den Zitterauer Tisch (2462 Meter). Nachmittags trat starker Nebel ein, der jede Oriea - lierung verhinderte. Die zrvei Frauen konnten den vorangehenden Otto Mertens nicht mehr finden und mußten die Nacht bei starkem Regen in einem Latschengraben verbringen. Am folgenden Tage war wieder klares Wetter und Frau Trümper holte vom Tal eine Hilf sei xpeditio lty die die schon ganz erschöpfte Frau Ilse Mertens barg. ' Otto «Mertens wurde erst abends am Füße einer 80 Meter hohen Felswand, von der er abgestürzt war, tot aufgefunden. Me Bergung der Leiche gestaltete sich äußerst schwierig und konnte erst am 30. Juli vwgswinmer werden. Typhus in Scheibbs. An Arzt und fünf KrnnlcnsWeitern ecwmkt. Scheibbs, 1. August. (Privat.) Der Borstand des hiesigen ftädttschen Spitals- Primarius Dr. Schisst rrg e r,. sowie fünf geistliche Krankenschwestern find au Bauchtyphus erkrankt. Eine der SWoestsrn iji! dieser Tage gestorben. Die Typhusfälle erregen ifrt der Bevölkerung große Aufregung. Bor etwa 14 Tagen erkrankten drA Kran^sHwestütz, die im ftädttschen Spital Pflegedienst machte». Kurz darauf erkrankten noch zwei Pflegeschwester« und der Primarius« des Spitals. Unter den Spitalspation tvn kamen aber keine Typhuserkrankungen vor und die Gerüchte von einer Epidemie sind daher nicht zutreffend- * UcBer die Ursache dgr> Erkrankungen steht derzett fest, daß ein Patient, der auf der allgemeinen .Abteilung mit einem anderen Untersuchungsergebnis eiugelst^rt Worten war, Typhus hatte und daher Kontakttnfekti onein vorliegen. , Es tvurde bereits von amtswegün alles gegen die Weiterverbreitung der Krankheit vorgekeh-rt und insbesondere die vollständige Isolierung der TyMuskrankeu vorgenommen. ' Riefenbrand in -nschi. Bukarest 1. August. (Tel.-Komp.) In der 17.000 Einwohner zählende Stadt Huschs utMfähr 100 'Kilometer südöstlich von Jassy, brach heute früh «in Riesenbrand aus, der 14 Ges chäftshä nser in der HaMsttaße «inäscherte. Nachmittags war das Feuer noch nicht lokalisiert. Bon Maden zerfressen. Drei Tage Mos lm Walde. Wels, 1. August. Der 84jährige Josef G r a m l, in Kreisbichl bei L a mb a ch wohnhaft, machte sich Anfang der vorigen Woche auf den Weg, um seinen in K e m a t e n Lei Wels wohnhaften Sohn zu besuchen. Der Greis, der aus Sparsamkeitsgründen den etwa 48 Kilometer langen Weg zu Fuß zurücklegen wollte, verirrte sich bei Anbruch der Dunkelheit, verfehlte den Weg und geriet beim Dorf G r u b l nächst Steinerkirchen am Arnbach in die sumpfigen, sogenannten „Wiesen grün de". Bon dem langen Weg erschöpft, brach der alte Mann zusammen und konnte sich dann nicht erheben, da er infolge einer Leilläh.mung auf fremde Hilfe angewiesen ist. So MeS der Greis drei Tage und zivei Nächte liegen, ' hilflos, ein Opfer der Fliegen und Maden, ohne Spttse und Trank. Als ein Hirtenbub den Unglücklichen am Mittwoch fand, war fein Gesicht von den Fliegen zur Unkenntlichkeit entstellt. Der alte Mann hatte nicht mehr die Kvaft, der Insekten sich zu erlvehren. die in dichten Scharen seinen Körper bedeckten. CX)QO(XXXX)OOOOOOOCXXXXXXXX?C>OOOOOOCXX)OOCXXXXXXXXXX)COOCXXXXXXXXXX)gXX?QPOOO«XX?OCXX? Der Selbstmord in Strobl. Ser Tod der j«ngea Bamngartner