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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-31 · Heft 3024 (31.7.1927) · p. Seite 12

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3024 (31.7.1927)
Date
1927-07-31
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Sette 12 Dien. Gomttag Wiener Morgenzettüng 91. FuN 1927 NL m84 ir » i i bf :v' Gerichtssaal. Strenge Bekrasung wegen Beleidigung eines Wachmannes. DK Polizei verdient den Schutz der Gerichte. Beim Bezirksgerichte Margareten' (Dr. Wnnicek) fand gestern gegen den Kutscher Franz Schüller eine Verhandlung wegen Amtseh renbeleibigung statt. Der Beschuldigte war mit seinem Streifwagen in der Bre-tensurterst ratze im 12. Bewirte quer über der Straße stehen geblieben, wodurch der Fuhrwerksverkehr ans längere Zeit gehemmt war. Rayonsinspektor Johann Führlinger forderte Schüller auf, die Fahrbahn frei zu machen, erhielt aber die Antwort: „Sie Drecknafen, fahren Sie selbst, wenn Sie es besser verstehen!" Dann folgte einigemal das „Götz"- Z-tat. Der Richter verurteilte Schüller zu 14 Tagen Arrest und gab dem «Urteil folgende Begründung: Wir leben in einer Zeit, die sich darin gefallt, den Glauben an jegliche Autorität zu erschüttern. Mr sehen fast täglich, w'c die höchsten Beamten in Stadt und Staat in unqualifizierlxrrer Werse von ihren Gefinnungsgegnern angegriffen werden, w'.r mußten es sogar erleben, daß Pokizeibeamte, die in aufopferungsvoller WeLse ihren Dienst versahen, wegen dieser ihrer Pflichterfüllung beschimpft und angefeindet wurden. Für uns Richter, di« wir jenseits der Partei Politik stehen, für die es ein Wort wie Klassenjustiz nicht gibt, ist es nicht bloß selbstverständliche Berufs-, sondern auch Ehrenpflicht, den Leuten, die unser Hab und Gut Mit Aufopferung ihres Lebens schützten, die ihnen gebührende Autorität wieder herzustellen. Dazu genügt es, daß sich die zu bemeffende Strafe im Nahmen des gesetzlichen Ausmaßes bewegt, daß für derle' Delikte keine Geldstrafen, sondern Arreststrafen bis zu drei Monaten verhängt werden. Aus diesen Gründen und im Hinblick auf das hartnäckige Leugnen ldes Beschuldigten wurde das außerordentliche Milderungsrecht nicht angewendet und eMe der Untergrenze sich annähernde Strafe von 14 Tagen Arrest verhängt. Der Verurteilte wendete die Berufung an. Grundlose Schadenersatzklage gegen einen Arzt. Der Privcrtbeamte Bernhard Sch. begehrte von dem praktischen Arzt Dri W. 40.610 Schilling mit der Begründung, er sei durch eine von dem Beklagten verabreichte I njektion schwer erkrankt und dauernerwerbsunfähig geworden, so daß nicht nur er, sondern auch seine Gattin und zwei minderjährige Kinder der größten Not ausgesetzt seien. Nach einer Injektion bekam Sch. heftige Schmerzen in der Hüftgegend und mußte in der Folgezett wiederholt monatelang in Spitalsbehandlung verbleiben, tveil er Gelbsucht und eine Herzklappenentzündung bekam. Infolge seines Leidens habe er Barauslagen von 6300 Schilling gehabt, deren Ersatz er im Klagewege anstrengte, außerdem begehrte er mtt Rücksicht auf seine langjährigen Qualen ein Schmerzensgeld von 26.000 Schilling, und für Verdicnstentgang einen Pauschalbetrag von 9300 Schilling. Seine Erkrankung sei zweifellos durch die nicht sachgemäße Behandlung bei der Injektion hervorgerufen worden. Der Beklagtenvertreter verwies darauf, daß der Kläger an einem chronischen Sexualleiden laboriere und daß seine Erkrankung mit der Injektion in keinerlei Zusammenhang stehe. Der Sachverständige Professor M e i x n e r gab sein Gutachten dahin ab, daß der Krankheitsprozeß wahrscheinlich schon lange in dem Körper des Klagers gewütet habe, noch bevor er sich in die Behandlung des Dr. W. begeben habe. Jedenfalls sei der Arzt korrekt und kunstgerecht vorgegangen. Auf Grund dieses Gutachtens wurde der Kläger in allen drei Instanzen kostenpflichtig abgewiesen. Ein Zuhälter. Gelegentlich einer Razzia wurde -n einem Hotel in der Leopoldstaoi die 20jährige Tochter eines pensionierten Bahnbeamten aus Polen wegen Verdachtes der geheimen Prostitut on verhaftet. Sie gab an, daß sie von ihrem Geliebten, den Ll^ührigcn, ans Brodti stammenden Kellner Jakob Dalicz durch Mißhandlungen und Todesdrohungen zur Uinuchi verhalten werde nick» daß sie das gesamte Geld ihrem Bräutigam abführen müsse. Daraufhin wurde Jakob Dalicz verhaftet und hatte sich gestern wegen Erpressung und ließettretu ng d es Ba gabn n den gese he's vor einem Schösfensenat zu verantworten. Der Äuge klebte leugnete, seine Braut irgendwo beeinflußt zu haben. Dagegen sagte die als Zeugin vernommene Anna Tans, daß sie von Dalicz^ den sie als Siebzehnjährige kennen gelernt habe und der ihr die Ehe versprochen hatte, schrecklich' mißhandelt wurde, wenn sie nicht dem Unzuchtsgewerbe nachgchen wollte. Ter Senat verirrte'lte Dalicz zu sechs Monaten schweren Kerker? sow-e zur Landesverweisung. Richter-Ernennungen. Der Bundeskanzler ernannte beim Landesgerichte für Strafsachen, Wien I, fünf Räte zu Senatsvorsitzenden, und zwar: Hofrat Dr. Stefan Moldauer, Oberlandesgerichtsrat Dr. Franz Zeidler, Oberlandesgerichtsrat Dr. Adolf Baye r, Obrrlandesger chtsrat Dr. Richard K i l h o f und Oberlandesgcrichtsrat Dr. Franz Wetz. — Beim Straflandesgerichte II würden die Oberlandcs- Sttchtsrät« Dr. Hans H a n e l und Dr. Josef U h l nr a n n zu enatsvorsitzenden ernannt. — An Stelle des zum Landesgericht vevsetzten Landesgerichtsrates Dr., F r y d a w'rd Landcsgerichtstot Dr. Karl K o«r st, welcher bisher beim Zivillandesgerichte Josefstadt tätig war, als Strafrichter beim Strafbezi'lsg'"."cht I fungieren. ooaofXJOQodbooooooaoooooooc'OooooooooooooooooooooaooooooooooooooaooooooooooooQoo 1 Kampf um das russische Erdöl. Re Sintflut in Petroleum. — Amerika, der Nutznießer des euMch-ruffischen Bruches. Die letzte Etappe i>e* Weltwirtschaftspolitik ist gekennzeichnet durch den Wettlauf um das Erdöl, wobei gleichzeitig die diese Konkurrenz auf den ersten Blick unsinnig machende Erscheinung zu beobachten ist, daß es eigentlich eine Ueberproduktron in Erdöl gibt. Die Nachfrage nach Oel ist in den letzten Jahren sehr stärk gestiegen, urn so mehr, als im Schiffsverkehr die Schiffe mtt Motorantrieb durch Oelfeuerung immer mehr in Gebrauch kommen. Wie Lloyds Register ausweist, hat in dem mit Juni d. I. avgeschlöfsenen Quartal zum erstenmal die Tonnage der in der ganzen Welt im Bau begriffenen Schiffe mtt Oelfeuerung die der Schiffe mtt Dcrmpfkefselseuerung überstiegen, da die Oelmotortonnage etwa Millionen Tonnen, die Dampstonnage 1,8 Millionen Tonnen betrug. Doch mag die Nachfrage nach Rohöl noch so sehr ftetgeit, das Angebot bleibt nie zurück, sondern überholt in regelmäßigen Intervallen den Konsum, wodurch immer neue Krise u auf dem Nohölmarkt entstehen. Eine solche Krise machen jetzt die Vereinigten Staaten durch. Dort werden täglich 2 >4 Millionen Barrel Rohöl verbraucht, während in den letzten Monaten täglich 2yz Millionen Barrel gefördert wurden. Vor wenigen Monaten erst ist in Oklahoma das fogenannre Seminölseld erschlossen worden, das allein täglich 350.000 Barrel, also etwa ein Sechstel der amerikanischen Gesamtproduktion an Rohöl liefert. Gegenwärtig strebt die amerikanische Oelindustrie sogar eine methodische Einschränkung der Förderung in.sämtlichen Oglfeldern Amerikas an. Dennoch ist, wie bekannt, die amerikanische Oelexpansion auch a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a Z a a a a a a a a a a Anläßlich XV. Zionistenkongresses, welcher AN 30- August 1927 in Basel seinen Anfang nimmt, werden wir im Rahmen unserer Hauptausgabe eine Ifil a a a a a a. fisl *ß erscheinen lassen. Die Kongreßausgabe der „Wiener Morgenzeitung“ wird eine ausführliche« zusammenhängende protokollartige Darstellung der Verhandlungen und Vorgänge am Zi onistenkongreß enthalten. Verwaltung und Redaktion der „Wiener Morgenzeitung“ treffen alle Vorbereitungen, um die Berichterstattung aufs verläßlichste und rascheste durchzuführen. Diese Vorkehrungen machen es möglich, daß der Leser ausführliche Berichte über den Kongreß in der jedem Kongreßtage folgenden, in der Früh erscheinenden Ausgabe vorfinden wird. Durch rascheste Expedition mit Flugzeugen wird Sorge getragen, daß die Bezieher die Kongreßausgabe der „Wiener Morgenzeitung“ vor allen In Betracht kommenden Organen erhalten werden. Die Kongreßausgabe wird zirka 20 Nummern umfassen. Als erste Nummer wird am Vortage des Kongreßbeginnes eine KONGRESS - FESTNUMMER erscheinen, welche Beiträge zionistischer Führer über die Verhandlungsgegenstände des Kongresses und aktuelle zionistische Probleme enthalten wird Bezugspreise der KongreAaustSube: Oesterreich: 8 5# Deutschland: GM. 4, SHS: Dinar 60. CSR: Kc 22, Polen; Zloty 6, Holland: fl. 2, Schweiz: Franken 5, England und Palästina: sh 4» Italien: Lire 20, Amerika: Dollart, Frankreich und Belgien: Frcs 35, Rumänien: Lei 170, für das übrige Ausland: Schweiz. Franken 5, Bestellungen werden von den Verschleißstellen sowie von der Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“, Wien, II., Taborstraße 1, unter gleichzeitiger Ueberweisung des entfallenden Betrages entgegengenommen. Der Geschäftswelt bietet die Kongreßausgabe eine besondere, nicht bald wiederkehrende Gelegenheit, erfolgreich zu inserieren und neue, wertvolle Auslandsverbindungen zu erreichen. Bestellungen für das Gebiet der C. 8. R. sind ausschließlich an den Verlag „Jüdische Volksstimme", Brünn, Orli 9. zu richten Dl« Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“, Wien, II., Taborstraße Nr. 1—3 Telephpne 44-0«3ß und 43-3-19 iaiaaaaiaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaiaaaaaaaaiaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaii' a a a a a a [nj a a a a a a a a a a a a a a a ■ ■ ■ 1 ■ ■ sa ■ $ 5441544 47171973

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