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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-31 · Heft 3024 (31.7.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3024 (31.7.1927)
Date
1927-07-31
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Settr 8 AU«r, Sonntag iMURMMMM MO W Uri 31. FM *927 Nr. 8024 ii aMsitinniisi ♦ Haben Sie reden bestellt? KONGRESS-FESTNUMMER KONGRESS-AUSGABE UND WIENER MORGENZEITUNG Völkern durch religiöse Aussprache zu verbreiten, die dazu dienen soll, religiöse Gegensätze zu Überdrücken und die Anhänger der verschiedenen Glaubensbekenntnisse dadurch einander näyerzubringen. Eine Fra« Äs Stierkämpfer. Während ein Teil der spanischen Intelligenz für die Abschaffung der Stierkämpfe eintritt, kommt die erstaunliche Nachricht, Laß sich auch Frauen dem für unsere Begriffe sicher nicht fnr das weibliche Geschlecht bestimmten Berufe eines Stierkämpfers zugewendet haben. Der jungen Spanierin Senorita Elf eneda gebührt der Ruhm, zuerst als Stierkämpfer und Toreador in die Arena hinabgeftiegen zu sein. Senorita Elseneda wird 'glänzend bezahlt, wenigstens so lang«, als sie die einzige ih-reS Geschlechtes' ist, die bei einer Corrida mitwirkt. Letzte Nachrichten. Am 14. Jutt war der Wjährige Landwirt Johann Braun aus Gänserndorf mit einem schweren OberschenkelSruch nach Men gebracht und in das Allgemeine Krankenhaus überführt worden. Dort ist er nunmehr anscheinend an den Folgen einer eingetrjeteneu Blutvergiftung, gestorben. Zur Klarstellung des Sachverhaltes wurde die Mpichtlir^ Obduktion der Leiche beantragt. ' » Seit dem 22. Juli wird der 23jährige Bahnbeamte Paul Woracz aus Kritzendorf vermißt. Er hatte an -dtesem Tag eine Partie auf den Dachstein unternommen und ist seither nicht mehr zurückgekehrt. Bezugspreise der „Wiener Morgenzeitung“: , Monatlich Wien und Oesterreich S 5 — Tschechoslowakische Republik..Kö 22*— Jugoslawien.Dinar 60'— Polen. Zloty 6 — Deutschland ... . Goldmark 4*— Palästina .. sh 4*— England .. sh 4*— Frankreich, Belgien . .. Frcs. 35 — Italien ... . Lire 20 — Rumänien .Lei 170*— Bulgarien .. Lewa 100 — Amerika ..Dollar 1*— Schweiz und das übrige Ausland.Franken 5 — Oesterr. Postsparkassenkonto 150.693. E Eine Gelegenheit zum Sparen bietet Kvupmks Räumungs- Verkauf wegen Umbau. In allen Abteilungen Riesenauswahl zu muh me dagewesenen allerbilligsten' Preisen. E Perfonalnotiz. Frau Olga Krupnii, Chefin des Moden-Palais Julius Krupnik, 7. Bezirk, Kaiserstraße Nr. 115, befindet sich in Paris. E Gediegener Sprachunterricht. Monatliches Honorar nur 2 Mark. Die weltbekannte Sprachlehr -Methode Touslai n t-La ngensche id t bietet Ihnen die Gelegenheit, durch Selbstunterricht, ohne Lehrer, jede wichtige moderne und die alten Sprachen (Lateinsch, Griechisch, Hebräisch) bis zum höchsten Grade der Vollkommenheit zu erlernen. Dazu sind weder Vottenntmsse noch höhere Schulbildung erforderlich. Die Methode Toussaint-Langenscheidt hat das schwierige Problem, tme das richtige Sprechen der fremden Sprache ohne Lehrer zu erlernen ist, einwandfrei gelöst. Zahlreiche Zeugnisse von Schülern, die ihre Kenntnisse im Auslande erprobt haben, bewÄsen, daß man auf Grund der Methode Toussaint-Langensche-di Englisch wie ein Engländer, Spanisch wie ein Spanier ustv. spricht. — Der Verlag der Unterrichtsbriefe (Langenscheiötsche Verlagsbuchhandlung — Prof. G. Langenscheidt — G. m. b. H., Bevlin-Schönebeim) sendet jedem, der chm mitte'.lt, für welche Sprache er Interesse hat, eine Probelektion kostenlos, portofre* und ohne irgendwelche Verbindlichkeit. Machen Sie von diesem Angebot Gebrauch. Schreiben Sie heute noch eine Postkarte an den Verlag. E Erweiterungsbauten der Bade- und Kuranstalt Marga» reimbad. Die Kur- und Badeanstalt Margaretenbad, Wien, 5. Bezipk, Strobachgasse-Margaretenplatz, die. unter der bewährten Leitung des Präsidenten der Bäoer-Bere nigung, Herrn Anton OÄrkany, bereits viele Neuerurmen im Badewesen auszmvWn bat, begann dieser Tage mit Erweiterungsbauten, und zwar werden Kurräume, ein neues, auf das modernste eigerichtetes Damendampjbad und em Sonnenbad errichtet. Die Fassade wird in Kunststein ausaeführt. Durch diese Erweiterunasarbeüen wird der Kur- und Äaoebetrieb nicht behindert. Wir freuen unS, daß das Kur- und Badewesen *n Wien im Aufblühen begriMr ist und der 5. Bezirk Bereicherung und Verschönerung Sühne und Kunst. Sin Nachruf für Sulfits Mus. Dem am 2. Juli verstorben Kunst- und Literaturhistoriker Julius Elias wird eine bemerkenswerte Kundgebung zugedacht. Gerhard Hauptmann, Artur Schnitzler, Max Liebermaim, Maxx Slevogt, Käthe Kollwitz, Jean Rmtoir, Pierre Renoir, Redo Pissaro, Ambwise Vollard, Tristan Bernard, Lugne-Poe, Sigurd Ibsen und Björn Björnson veröffentlichen einen Nachruf, in welchem es u. a. heißt: ,^Julius EltaS hat durch seimn unbestechlichen Sinn für das Echte und Wertvolle, durch seine kämpferische Leidenschaft, durch die hingebungsvolle Liebe und stlbstlose Hilfsbereitschaft seines Herzens in die Entwicklung der bildenden Künste, des Schrifttums, des Theaters durch Jahrzehnte bedeutsam eingegriffen. . . . Als Meister deS Wortes hat er wie wenige die Fähigkeit besessen, in den Wesenskern fremder Sprachen einzudringen und ihre Dichtungen in seine Mutterspräche umzuschmelzen. Julius EliaS hat durch die unermüdliche Tätigkeit, die er diesen Aufgaben widmete, der geistigen Gemeinschaft der Nationen, dem großen Gedanken der europäischen Kultur unschätzbare Dienste geleistet. Er hat Brücken geschlagen, die von Dauer, sein werden." - Siu Rolschrei russischer Schriftsteller. Eine Gruppe russischer Schriftsteller Hat ein Schriftstück auf heimlichem Wege ins Ausland befördert, das sich an die Schriftsteller der ganzen Welt wendet und mit Inschriften ,Nichi tünchen', ^rebeuausgang-' mit dem sakramentalen Bifmn der Zensur, di« den Druck der Plakate genehmigt, versehen sind." Dann wird die „dritte Gefängnismauer" geschildert, nämlich die Erfordernisse zur Eröffnung eittes neuen Berlages. Was von der für alle obligatorischen kommunistischen Weltanschauung abweicht, kann nicht hemustzegeben werde«, fo bedeutend und talentvoll es auch sein mag, und darf auch nicht daheim im Schreibtisch liegen. Professor Lazarewsky, einer der bedeutendsten russischen StaatSrechtler, wurde hingerichtet, weil bei einer Haujsdurchfuchung sein Entwurf einer neuen russischen Staatsverfasfung vorgefunden wurde. Die anonymen Berfasfer dieses Sendschreibens, das sie „wie aus einem verborgenen Kerker"" hinausschicken, schließen mit den Warten: „Sollte unsere Grabesstimme bei euch ertönen, jo flehen wir zu euch: Höret, leset und überlegt das Schreiben. Der Herzensschrer unseres großen verstorbenen L^o Tolstoi, der seinerzeit sein ,Jch kann nicht schneeigen' der ganzen Welt zurief, wird dann auch di« Richtschnur für euch selbst werden. Rußland, Mai 1927. Eine Gruppe russischer Schristfteller." Dieses erschütternde Dokument erinnert an die Leiden, welche die Bekenner des Zionismus, die sich in Wort und Schrift für das Kulturwerk jüdischer Arbeit in Palästina eingesetzt haben, zu erdulde» habe». Sie alle schmachten, soweit sie als Zionisten erkannt wurden, in den Kerkern Sowjetrußlands. ein Notschrei gegen das Wüten der kommunistischen Zensur ist. In diesem Kulturdokument heißt es: „Höret und wisset: Der Idealismus, diese mächtige Strömung der russischen Literatur, wird als Staatsverbrechen gebrandmarkt. Unsere Klassiker Vieser Richtung sind von allen öffentlichen Bibliotheken verbannt. Dasselbe Schicksal trifft die Werke der Historiker und Philosophen nichtmaterialistischer Weltanschauung. Spezielle Instruktoren konfiszieren, bei plötzlichen Revisionen öffentlicher Bibliotheken und Buchhandlungen, alles, was zu der vorrevolutionären Kinderliteratur und zum Volksepos gehört. Die gegenwärtigen Schriftsteller, die als idealistisch Gesinnte verdächtig erschallen, sind jeder Möglichkeit, sogar jeder Hoffnung beraubt, ihre Schöpfungen jemals herauszugeben. Und sie selbst werden, als Feinde und Zerstörer der geltenden Staatsordnung, von allen Aemtern verstoßen und kommen ums tägliche Brot. — Dies ist die erste Mauer des Gefängnisses, in welchem öas freie Wort gefangengehalten wirk». Ihr folgt eine zweite Mauer. — Jedes zur Veröffentlichung bestimmte Schriftstück muß in zwei Exemplaren zuerst der Zensur vorgelegt werden. Nach erfolgtem Abdrucke kehrt das Schriftstück daselbst zurzweiten Lesung-wieder zurück. Es kam vor, daß einzelne Sätze, ein Wort, sogar ein Buchstabe (z. B. der Anfangsbuchstabe im Worte,Gott'), die vom ersten Zensor, Verfasser, Herausgeber und Ko rrektor übersehen wurden, bei der zweiten Zensurierung zu erbarmungsloser Konfiskation der gesamten Auflage führten. — Der Genehmigung des Zensors sind alle Werke, sogar auf dem Gebiete der Ehemie, der Astro- - nomie und Mathematik, unterworfen. Eine ergänzende Verfasferkorrektur kann nur mit besonderer jeweils bestätigter Bewilligung des Zensors erfolgen. Ohne dieselbe darf die Druckerei keinerlei Berichtigung im Satztext eintragen. — Ohne präventive Genehmigung der Zensur, ohne speziell^ mit Stempelmarken versehenes Gesuch, ohne langes Warten, bis der mit Arbeit überhäufte Zensor zur Prüfung eines Papirrstüchs übergeht, wo nur Namen und Vornamen verzeichnet sind,- kann unter kommuniMcher Herrschaft keine Visitenkarte gedruckt werden. Die Herren Duhamel und Durten könnten leicht bemerken, daß sogar Theaterplakate 0 B B 0 0 Die besten Jleuerscbeinuntten der 1 modernen literatur stets vorrätig im JOHN OALSWORTHY: Der silberne Löffel, geb.S 9*50 EDMOND FLEG: Der kleine Prophet, geb. S 810 MARTHA OSTENSO: Erwachen Im Dunkel geb,. .. S 11*60 TITAYNA: Rund um meinen Geliebten, geb. S 6 60 COLETTE: Mitsou, geb. 8 660 SCHNITZLER: Spiel im Morgengrauen geb.... . S 9*90 GUSTAV MEYRINK: Der Engel vom westlichen Fenster, geb. ........ S 15*30 IV bei H9udfk0handfun$t K SönpW, Wien, 1. (ttotenturmstrafle 0 0 0 13 0 0 OBBBBBBBSBBBBBSBBBEI Aus deu Meutern. Theater pn der Wien. Betty Fi scher wird die Titelrolle '» der nächsten Novität „Die goldene Meisterin" von Jubius Brammer und Alfred Grünwald, Musik von Edmund Eysler, kreieren. Deutsches B o l k s t h e a t e r. Neben Max A d a.i - b e r t wirken in der Dienstag stattfindenden Erstaufführung von „Müllers", dem Schlaner der letzten Winterspielzeit *m Theater am Nollendorfplatz, in Hauptrollen Max Lands und Hermine S t e r I e r mit. Volksoper. Heute tritt Steffi W a l i d t in dem Smgspiel ,Zch Hab' mein Herz in H e i d elbe r a v e r lo re n" " zum letzten Male auf. Ab morgen gastiert Frl. Mimi Besely in dieser Partie. Robert de Flers gestorben. Me aus Paris gemeldet wirb ist gestern in Bittet der erfolgreiche Dramatiklsr Robert de Flers im Alter von 55 l&fyten gestorben. Flers war einer der besten Vertreter deS modernen fran- Mischen Lustspiels und hat insbesondere gemeinsam mit Caparllet und Alfred Eapus zahlreiche Stücke geschrreben, die über alle Bühnen gingen. Die bekanntesten dieser Lustspiele sind: „Die Fahrt ins Blaue", „Der König" und „Der heilige Hain". Robert de FlerS war Mitglied der Akademie, Präsident des Autorenverbandes und einer der geschätztesten Mitarbleiter des „Figaro". „Charles LmdbergH" — ein Bühneniwerk von Sascha Gurrry. Wie aus Paris berichtet wird, hat der Ozeanslug Lindbergh- Sascha Guitry zur Schöpfung eines gleichnamigen Theaterstückes begeistert, das im Oktober am Ehatelet-Theater zur Uraufführung gelangt. Man darf aus das Lindbergh-Drama des geistreichen und humorvollen Bühnenautors gespannt sein. Kunstschändung. Im Tonhallengarten zu Duisburg wurde vor einigen Tagen eine Skulptur von der Künstlerhand Mlhelnr Lehnbrucks ausgestellt, eine nackte Mädchensigur, um die ein Kunststreit entbrannte, weil sie ein Teil der Bürgerschaft „aus moralischen und ästhetischen Gründen" ablehnte. Am „Echo vom Niederrhein" wurde der Wunsch geäußert,' „es möchten ein paar Handfeste gegen gute Bezahlung einige Monate brummen und die Figur enthaupten und entbeinen". — Ein barbarischer Bubenstreich hat den Wunsch dieses Organes erfüllt. Sechs junge Burschen, ötc unerkannt entkamen, rissen die Figur gewaltsam vom Sockel, wobei sie in Trümmer ging. Mozart-Tagung in Salzburg. Die Eröffnungss e t e r findet am 4. August statt. Nach Ansprachen des Präsidenten der Stiftung „Mozarteum" uno Guido Adlers (Men) gelangen folgende Werke Mozarts zur Aufführung: Fantasie für eine Orgelwalze, Fuge für zwei Klaviieve und erno Kleine Freimaürerkantare. Am 7. August findet im Stadttheater eine „Figaro"-Aufführung unter der Leitung Bruno Walters und Mitwirkung zahlreicher Kräfte der Wiener Staatsoper ftcvtt. . . . - ■ H. Leiwkrs Drama „Der Armenstaat"" ist soeben in: Verlage W. Kletzkin in Wilna als Buch erschienen. Das Stück ist unter dem Titel „Die Bettler" im Newyorker jüdischen Kunsttheater zur Aufführung gelangt. Das Tiorado der TheaterkartenbureauS. In Wien und anderswo in Europa, wo die Dheatersäle mit Freikarten notdürftig wattiert werden müssen, klingt die Nachrkcht von einem Gerichtsverfahren, welches gegenwärtig in Newhork vor sich geht, wie ein Märchen. Dort werden nämlich von den Theaterkartenvureaus schwindelhast hohe Preise erzielt. Für das Zigfield-Theater wurden Billette, die nonnal 5.5 Dollar kosten, mit 1'> bis 25 Dollar abgesetzt. Theaterkarten für die Metropolitan-Oper zu haben, ist ein besseres Geschäft als Aktionär der Kaliindustrie zu sein. Boxkämpfe aber stehen selbstverständlich noch weit höher im Kurs als' Vorstellungen der Sprechbühne und der Oper. Da konnten gelegentlich Billette, die den Normalpreis von 22 Dollar hatten, mit 80, ja mit 90 Dollar abgeseht werden. Paul Wegener in Südafrika. Dieser Tage ist der berühmte deutsche Bühnenkünstler Paul Wegener in Südafrika eingetroffen. Es ist eine Urlaubsreife, die der Gharakterdarsteller zu seiner Erholung unterninunt. Man daß er in Kapstadt und JoÜannisvurg im dortigen deutschen Theater ausiroten wird, da in diesen Städten geaenwärttg ein Ensemble deutscher Bühnenkünstler Vorstellungen gibt. Lerelue, Bortrüge und Versammlungen. Zionistische Jugendorganisation Brigittenau. Heute Sonntag, präzise #2 Uhr, Ausflug nach Sievering. Gäste williommen! Bei Regenwetter Zusammenkunft it unserem Lokale, Jägerstraße 30/9. — Die Zionistische Bezirkssektion Döbling veranstaltet ab Dienstag, den 2. August, anläßl.ch des Z-onistenkongresses zwangslose Zusammenkünfte mit Diskussion. Diese Zusammenkünfte finden an jedem Dienstag im Cafe Döblingeryos, B'llrotMraße 40, um 8 Uhr abends statt. Am D'.enStag, den 9. August, entfällt die Zusammenkunft wegen der Kongr-^' Wahlen. Gaste willkommen! 1 -'--ti'^ii1<<'iiit--i1iiriiriir‘i«..iiii.«bii <ni.i»t'ri>l“r-i1lr'fTll-n'itri,-*Ti-'f~*>*inftlrflH r Turin 79809885

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