Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3022 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3022 Wiener Morgenzeirung 'eite S Men, Freitag „Sie Kamslisnöame". Theater in der Joscfstadt. Die Margneritc Gautier i^'t noch immer Effcktstück nffcr reisenden Primadonnen, und kann cö noch etliche Jahrzehnte bleiben, wenn das um sie geschriebene Dumas'sche Theaterstück. das noch immer gültige Problemstellung anftveist, von einer geschickten Hand znrechtgcmacht tvird. Das Theater in der Joscfstadt, ivclchcs dem deutschsprachigen Debüt einer interessanten russischen Schauspielerin zuliebe „Die Kameliendame" in sein Repertoire ausgenommen hat. lies; es bei einigen Kürzungen und einer ftapicrsprachigen Uebertragung bewenden. Selbst für den Winter ist eine so mäßig bearbeitete Dumas'sche Thcaterci ein zweifelhafter Genuß, geschtveige denn für einen heißen Sommcrabcnd, da das Theater doppelt so lang dauert, und diese unendliche Länge noch durch unendlich lange Pausen vergrößert tvird. Auch die Inszenierung hat sich die Sache Ziemlich leicht gemacht: sic gab übertriebenes Theater mit überspitzten Effekten, Gesten und Ausdrücken, mehr lärraend als packend, wodurch da-s für unseren Geschmack bereits unmöglich gewordene Thcaterpathos höchst peinlich in die Wirkung trat. Dazu war selbst dieses Pathos schlecht abgestimmt; ein Herr D i r m o s c r theatcrtc schillerisch, Herr R a i n e r strindbergifch, Frau N o's a r derbgrotesk und Herr D e l i u s unmöglich. Einzig die Episoden der Herren P c p p I e r und Lo v r i c ließen ahnen, tvaS aus dein Stück Gutes hätte geinacht werden können, wäre richtige Bearbeitung und sorgsame Regie am Werke gewesen. Es tvar eine richtige Priinadonncn-Aufführung, die noch dadurch verschärft tvar, daß die übrige Darstellung zuin größten Teil mit der Auffassung der Primadonna im Widerspruch stand. Frau Elena P ö l e w i tz k a j a, die als Margucrite im Mittelpunkt dieser Aufführung stand, ist eine kluge Schauspielerin jener russischen Theaterschule, die auf die sorgsame Durcharbeitung der Details größten Wert legt. Sie arbeitet mit wohl abgemessenen Steigerungen, bereitet AffektauZbrüche sorgsam vor und — überrascht niemals. Eine interessante Bühnencrschcinung, kultivierte Geste und gute Einfügung ins Thcatermaß zeigen eine Ensemblcspiclerin von' vielfältigem Slönucn, die häufig, ohne es zu wollen, die Primadonnen-Regie dieses Abends widerlegte. Mit der Sprache ist cß freilich schlimin: der Akzent ist fremv, der Rhythmus gänzlich unbcutticf;, im Affekt ergeben sich manchmal peinlich-komische Sprachsituationcn.. Der fremdsprachige Schauspieler auf der deutschen Bühne ist jetzt zu einer so häufigen Erscheinung geworden, daß man beinahe von einer Mode sprechen kann, und doch bereitet dieses Experiment immer wieder Unbehagen. Das Publikuin nahm Frau Poleivitzkaja freundlich, das Stück mit dem Respekt vor unverjüngtem Alter auf. S. S. Solomon I. Solomon gestorben. Der berühmte englisch- Mischc Maler Solomon I. Solomon, ist am 27. Juli in London im Alter von 66 Jahren gestorben. In englischen Dunstkreisen hat die Trauerbotschaft cineu tiefen Eindruck gemacht. Die Presse widmet dem verstorbenen großen Künstler eingehende Würdigungen. Theaterzusammenschluß in Paris. Parallel der deutschen Enuvlcklnng tauchen nun. aucl) in Paris Plane für einen Zu^ammeistchlust mehrerer Bühnen auf. Nach einer Meldung der Pa: risec Theaterzeitung „Emnoedia" haben Verhandlungen bcgonttcu, die auf eure Fusion der Cvmedie Franc also, des Ode on und der dramatischen Massen ^eö K o nse r vckt oriums abzielen. Es scheint, >als ob diese Bestrebungen hauptsächlich vom Staat unterstützt werden, der ein Interesse daran hat, die von Dnk «gezahlten Subventionen rationell ansgcnntzt zu sehen. „Hamlet" in türkischer Fassung. Bor kurzem ist am türkischen Siaatstheater ist Baku Sharespeares ,^ninier' vorn Regisseur Tuganoff zur lAufsühgung gebracht wordeir. Tugauosf hat die Handlung der Tragödie nach Persien verlegt, dementsprechend erhielten auch die Personen persische Name», nur Hamlet durfte seinen historischen Namen behalte,,. Die Begleitmusik zu den einzelnen Szenen wurde aus orientalischen Melodien zusammengestellt, die Totengräber trugen die Nationaltracht vou Asserbejtscharr uiid saugen ein lokales Bolkslicp. Dieser ins Orientalische übersetzte „Hamlet" hatte einen großen Publikumserfolg. Das „Buch der Berühmtheiten". Bor kurzem verstarb in Arad (Rumänien) der Autvgrainmsaimnler Ludwig Barth, ein reicher Gutsbesitzer, dessen Passion «s gewesen war, die Unter-' schristcn der beri'chmtesten Leute der Welt zu sammeln. Sein Aut»- grammalbum, das mehr als 20 Kilograniin wiegt, dürfte die größte und inhaltsreichste Autogrcnnmsainmluug der Welt darstcUen. Man findet darin Größen der Literatur, wie Anatole France, Rosland, Zangwill, Verharren, Romain Rolland, Schnitzler, Thornas und Helnrlch Mann u. v. a., berühmte Musiker, wie Richard Wagner, Liszt, Saüvl SaenS, Leoncavallo, Goldinark!, ferner eine ganze Reihe von Königen und Staatsmännern. Barth sat die Äutogxanrinsainmlnng dem Budapester NationalinusMm rerm^achl. Verekne, Vortrüge und Bersammlrmgen. Verband der Zlowisten-Revisionisten Oesterreichs. Morgen Samstag um K9 Uhr abends im Bayrischen Hof, 2. Bezirk, Taborstraße 39, Wä'hlerver sammlung. Redner: Doktor Wolfgang „Die Kolonisation in Paläst-.na." Jüdischer Unterstützungsverein „Esra". Bei der unter .dem Vorsitze des Herrn Kultusvorstehers M. Scharsstein nbgohaltenen 6. ordentlichen Gencralvevsammlung erstattete der Schriftführer S. Herzig einen ausführlichen Tätigkeitsbericht, dem zu entnehmen ist, daß der Verein einen Betrag von mehr als 12.000 Schilling ausgebracht hat, der jüdischen Arinen in Forin der Kohlen- und Osteraktion oder als Unterstützung Kr Kranke zustatten kam. Der Verein kann bei der herrschenden großen jüdischen Not keineswegs den an ihn gestellten Anforderungen Genüge 'eisten und appelliert daher an fehle vielen hunderte Mitjlleder, bei verschiedenen Gelegenheiten durch Geldspenden ies Vereines zu 'gedenken, die fällige» Beiträge zu bezahlen und an dem auch herler anläßlich der holten Feiertage veranstalteten Festgottesdicnste des Vereines „Esra" teilzunchmen. In Anbetracht besonderer Verdienste um den Verein wurden die Herren Bernhard Maße r, Bankier, H. L. Thau, Graßkaniinann, und Natan Eidinger, Jneustrwller, zu Ehrenmitgliedern, ernannt. In den Vorstand wurden die Herren Med. Tr. Sanel Beer als Obmann, Jakob S u ß m a n n, Jakob H e li cz e r als Obmann-Stellvertreter. S. Herzig als Schriftftihrer und N. Scherze- -'sicv gemiHlt. Die beleidigte Wehrmacht. Vor dem LGR. Dr. Berger des Strasbez i r k s g c r i ch t c s 1 hatten sich gestern die Kutscher Alois K r i z c k und Walter A m b r o s ch wegen B el e i d i g u n g der Wehrmacht, beziehungsweise - A in t s c h r e n 0 e l e i d i g u n g zu verautivorten. Sie fuhren durch die Maria-Theresien-Straße gcgeir die Angartcnbrückc, als gerade zwei Kompagnien des I. R. 4 von einer Hebung einrückten. Als die beiden Kompagnien hinter dem Deutschmeister-Denkmal in die Roßauer- Kaserne einschwenkten, mußten die beiden Kutscher, die in sehr raschem Tcrnpo fuhren, ihre Fahrzeuge rasch anhaltcn. Trotzdem tvärc Krizck beinahe in die Abteilung hineingcfahrcn. Die Kutscher gaben ihrem Unmut über das plötzliche Anhaltcn Ausdruck, indem Krizek laut ausricf: „O c s K n a b e n hör t l er!" und Walter Ambrosch rief: ,.D e r t?. p p a t e H a u p t in a n p, der blöde!" Krizck gab zu, den Ausdruck „Knabenhortler" gebraucht zu haben, doch habe er nicht in der Mehrzahl gesprochen, sondern als einer der Wchrinänner ihm die Gebärde des A u f h ä n g e n s machte, habe er gerufen: „D'u Knabenhortler!" Walter Ambrosch bekannte sich überhaupt nicht s ch u l d i g. Er habe weder Ivas gerufen, noch sonst irgend etwas gesagt. „Ich lvcrdc doch nicht den Herrn beleidigen. Die Leute haben Karabiner, die g c h c n dann auf m ichlo s." R ichter: „Aber gehen Sic, die Leute haben ja gar keinen Anlaß, auf Sie loszugcyen." Angckl.: „Sie sind mir doch alle nachgcraimt." Der Kompagnickoimnandant, Oberleutnant Altmann, bestätigte den Inhalt der Anzeige und erklärte, daß er nur den Ausruf „Oes Knabenhortler" gehört habe. Von der Beleidigung durch Walter Ambrosch sei ihm erst später Mitteilung gemacht -worden. Es sei niemand auf die Kutscher losgcgangen, er habe nur einige Leute den Kutschern nachgeschickt, um deren Rainen festzustellen. Auch mehrere Wehrlcute sagten im gleichen Sinne aus. Der Richter vcr-urt eilte den - bereits borbestraften Alois Krizck wegen Beleidigung der Wehrmacht zu drei Tag c n st r e mg c m A r r e st, verschärft durch ein hartes Lager, und den Walter Ambrosch wegen AmtSehrc ickb e l e i d i g u n g zu 40 Schilling Geld straf e oder 48 Stunden Arrest. Vor einem S ch ö f f e n s c n a i unter Vorsitz des Hofrates D r. W ü st i n g e r hätte sich gestern der durch seine Spekulationsgeschäfte bekannt geivordene Koinmerzialrat Karl Otto L i p p m a n n wegen Betruges und betrügerischer Krida verantworten sollen. Nach Darstellung der vom Staatsanwalt D r. N a h rh a f t vertretenen Anklage hat Lippmann der Firma Keßler und Meller in Wien und dcni Dr. Josef K r an z Automobile im Werte von 14.000 und 25.000 Schilling, der Firma außerdem 6000 Schilling bar herausgeschwindelt und seine Gläubiger dadurch geschädigt, daß er durch Verzicht auf eine ihm gegen die Kreditbank für Industrie und Landwirtschaft zustehendc Forderung von 44.000 Reichsmark und durch Zustimmung zur Einverleibung der grundbücherlichen Sicherstellung zweier nicht bestehender Forderungen von je 500.000 Reichsmark zugunsten der Stephanie Körner und der genannten Kreditbank auf seine zwölf Berliner Häuser einen Bestandteil seines Vermögens beiseite schaffte; hiesür erhielt Lippmann n u r 6000 R e i ch s m a r k, die er für sich berlvendcte. Lippmann kam im Jahre 1914 aus Deutschland nach Wien und eröffnete hier einem Automobilhamdel. In den ersten Jahren der Nachkriegszeit machte er ansehnliche Gcivinne, doch im Jahre 1923 schnitt seine Bilanz bereits mit einem Verlust von 200.000 Schilling ab. Lippmann führte ein luxuriöses Leben, kaufte sich eine Villa auf der Hohen Warte im Werte von 180.000 Schilling, ferner in Wien Häuser um' 46.000 Schilling und in Berlin einen Häuserblock um 749.000 Schilling. Sein Vermögen betrug damals etwa 400.000 Schilling. Im Jahre 1924 erlitt Lippmann «durch verfehlte Effektemspekulationen schwere Verluste, außerdem führte er sein Geschäft äußerst unökonomisch. Die, Geschäftsspesen überstiegen um diese Zeit de» Warengewinn um rund 400.000 Schilling. Lippmann gab eine größere Anzahl von Automobilen an Bekannte weit unter dem Selbstkostenpreis ab. Die mißliche Lage des Geschäftes hinderte den Inhaber jedoch nicht, in den Jahren 1924 und 1925 aus dem Geschäft, 670.000 Schilling zu entnehmen. Die Anklage veriveist darauf, daß Lippmann, anstatt um- Eröffnung des Ausgleichsverfahrens anzusuchen, weiter Schulden machte^ Im Dezember 1926 war feine Lage derart Vcrziveifelt, daß er zu plumpen Betrügereien greifen mußte, um Geld aufzutreiben. Er schloß mit der Firma Keßler n. Meller und mit Dr. Josef Kranz wegen Lieferung von amerikanischen Automobilen Tauschverträge ab, erhielt auch die Autos und lieferte keinen Gegenivert. Am 12. Februar 1926 wurde das Ausgleichsverfahren eröffnet, die Ueber- 29. Juli 1927 > schuldung betrug 416.000 Schilling. Die Gläubiger haben keine Aussicht, auch nur einen Bruchteil ihres Geldes zuruckzubekommen. Lippmann leugnet, bei den ihm zur Last gelegten betrügerischen Herauslockungen in S ch ä d i g n n g s a bsicht gehandelt zu haben. Nach Verlesung der Anklageschrift mußte über Antrag des Staatsanwaltes die Verhandlung zur neuerlichen Ladung der nichterschienenen Zeugen D r. Kranz und der AusgleichsvcrN'altcr Justizrat D r. Minz und Kommerzialrat Klinger vertag t w e r d e n. Otto Lippmann wurde gegen Gelöbnis auf freien Fuß gesetzt. Ser Taubstumme alr Passagier. Vor dem LGR. Dr. D c l a p i n a des Bezirksgerichtes F ü n f h a u s steht ein jüngerer Mann mit einem K?nd am Arm, der sich durch verschiedene Gesten verständig zu machen sucht und dabei kaum verständliche, halb unartikitlierte Laute ausstößt. Eine beeidete G-e richtsdolmetschin vermittel ihrerseits durch Zeichensprache den Verkehr zwischen dem Angeklagten und dem Richter. Der Beschuldigte ist der taubstumme Mechaniker Karl K. Er Ivurde am 22. März im Persouenzug der Südbahn, kurz vor Wiener-Neustadt, mit einer Fahrkarte betreten, die nur bis Baden lautete. Cr hatte scheinbar geschlafen. Als der Schaffner ihn in Wiener- Neustadt der Bahnhofleitung übergeben tliöllte, sprang 'K. auf der anderen Seite ab und lief davon. Vorher aber hatte er dem Schaffner ein Papier zur Austveisleistung gezeigt, wodurch er ausfindig gemacht werden konnte. Richter: „Warum sind Sie von Baden an ohne Karte gefahren?" ' Ang ekl. (stammelnd und durch Zeichen, die von der Dolmetscherin überseht werden): „Ich bin in Mödling eingcstiegen und bin später aber cingeschlafen und im Schlafe über Baden hinausgefahren." ' Richter: „Warum sind Sie davongelaufen?" . A ugckl.: „Weil ich vor dem Vorstand Angst gehabt Hab. Ich Hab gefürchtet, daß man mich verhaften Ivird und daß ich mein Kind bei fremden Leuten zurücklassen muß." Richter: „Werden Sie nicht den Schaden gutmachen?" A n g c k l.: „Jetzt Hab ich kein Geld, aber nächste Woche werde ich wieder was verdienen." R r ch t c r: „Was machen Sie denn?" A n g e k l. (zeigt eine Karte her): „Ich verkaufe solche Karten." Auf den Karten sieht man das Bild des Angeklagten mit seiner Fraü und dem Kind, in der Mitte einen kleinen Handtvagen, auf dem die Worte aufgemalt find: „Zu Fuß um die Welt. Reisedauer 10 bis 16 Jahre." „Ich kann keine Arbeit bekommen." Er lvies einen Zettel vor, auf dem stand, er sei taubstumm und. nehme..jede Arbeit für jeden Betrag an. Diesen Zettel, sagte der Angeklagte, weise er überall vor. LGR. Dr. Delapina sprach den Angeklagten frei Mit der Begründung, daß seine Verantwortung, er habe im Schlaf die Station Baden verpaßt, ° nicht widerlegt worden sei. . Der Angeklagte lächelte als ihm der Freispruch verständig gemacht wurde, über das ganze Gesicht und teilte seine Freude auch seinem Kind am Arm durch Gestikulation mit. Der Freispruch als Patengeschenk. Der Schneidergehilfe Johann P i l l e r hatte sich gestern vor dem OLGR. D r. F u ch s i g des Strafbezirksgerichtes I zu verantworten, iveil er seine Geliebte Margarete Plihal. durch einen Stich am Handgelenk, und durch Stöße in den Bauch verletzt haben soll.'R i ch t e r: „Haben Sie für jemand zu sorgen?" — A ngekl.: Ja, für ein Kind, das h e u t e geboren worden ist." — Richter: „S o, da gratuliere ich!" Die beiden haben sich mittlerweile auch ausgesöhnt. Richter: „Werden Sie das Mädcheck heiraten?" — Angc k l.: „Freilich, man kann doch a Mädel nicht so s i tz e n l a s s e n." — Richter: „Also, Herr Staatsanwalt, was memen Sie, aus An-, l a ß d e r g l ü ck l i ch e u Geburt...?" — Staatsauwa l t: „I ch ziehe d i e A n k l a g e z u r ü ck." — Richter: „Der Angeklagte wird freigesprochen, aber Sie, machen Sie in Ihrer Ehe nicht solche Geschichten mehr!" ., Wie die Grosavescu!" Wie seinerzeü berichtet, fand vor dem Strafbezirksgericht I eine Verhandlung gegen den Hauptmann Alfred Redlich statt, der seine Lebensgefährtin, die ehemalige Schauspielerin Anny Dierk e n s - H a m m e r st e i n mißhandelt haben soll. Wie aus der Verhandlung hervorging, hat Frau Dierkens ihren Lebeusgefährteu, der eine Heirat ablehnte, wiederholt wegen seiner jüdischen Abstammung beschimpft. Es kam im Verlauf von äußerst unerquicklichen Szenen, die zwischen beiden an der Tagesordnung waren, zu Tätlichkeiten, für die Hauptmann Redlich zu einer Geldstrafe von 100 Schilling und zur Zahlung von 50 Schilling Schmerzensgeld an Frau Die'rkeus verurteilt lvurde. Nunmehr hatte sich em Berufungssenat unter Vorsitz des Hofrates Sch au pp mit diesem Fall zu beschäftigen. Abermals ivurde das Beweisverfahreu abgeführt und die Verteidigung beantragte eine Reihe von neuen Zeugeil, die gehört haben ivollen, daß Frau Dierkens gesagt habe, „sie werde es so machen, tvie die Grosavescu". Der Gerichtshof lehnte sämtliche neuen Anträge , ab und bestätigte das crstrichterliche Urteil.