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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-28 · Heft 3021 (28.7.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3021 (28.7.1927)
Date
1927-07-28
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Wien, Donnerstag Wiener Morsen-ettmrg 23. IM LSS7 Nr. ^sustt Der Moderne Haushalt Re Maschine im Haushalts Dorr Fanny Frennd-MareuS. o Me Reinigungsarbeiterl sind jene? Kapitel der Hausarbeit, das Lurch Maschiiren und Behelfe in fast einem Drittel der Zeit, die bisher dazu benötigt wird, erledigt werden könnte. Es ist aber auch das Kapitel der Hausarbeit, in dem am meisten gegen die Gesundheit der Frau gesündigt wird. Gesündigt durch übergroße Inanspruchnahme der Kräfte, durch die Staubentwicklung mit all ihren bösen Folgeübeln, durch Bücken, Heben und Tragen, den Grundursachen so vieler verhängnisvoller Frauenkrankheiten. Beginnen wir nun die oben genannten Arbeiten 'und sehen wir, wie sie modern gemacht werden könnten und lei- . der noch vielfach so gemacht werden^ wie Mutter und Grotzinutter sie gemacht haben. Wir gehen anö Aufräumen. Me Hausgenossen haben nach dem Friihstück, das für die Frau schon eine Stunde Herumlaufen und Morgenarbeit bedeutet, das Heim verlassen und lassen es meist, nicht aus schlechtem Willen, sondern aus Gedankenlosigkeit im Zustande des Chaos zurück. Für jeden der Hausgenossen wäre es eine Arbeit von ein paar Minuten, das Bettzeug ans Fenster zu legen, nicht gebrauchte Kleider, Schuhe, und all die Dinge, : die vom Abend vorher oder, vom An- und Auskleiden zer-; ,treut umherliegen, an ihren Bestimmungsort zu geben. Für j die Hausfrau oder die Hausgehilfin bedeutet dieses Weg- > räumen vor dem eigentlichen Aufräumen eine halbe Stunde Arbeit, Bücken und Aufheben, Kasten öffnen und schließen, kurz eine halbe Stunde, das sind dreihundertfünfundsechzig halbe Stunden im Jahr. Würde es sich nicht lohnen, der Mutter die hundertzwanzigeinhalb Stunden, das sind, den Arbeitstag zu acht Stunden gerechnet, fast dreiundzwanzig Arbeitstage im Jahr, durch etwas Selbstdisziplin und Ordnungssinn zu schenken? Nun aber ans Aufräumen. Vom Staubsauger haben wir schon gesprochen. Es geht ans AuSkehren. Die Hausfrauen kehren noch meist mit dem unmodernen Roßhaarbesen aus, der mit seiner langen, starren, senkrecht gestellten Stange den Staub eigentlich nur spazieren fiiljrt. Die Hausfrauen Wirbeln mit diesem altmodischen Werkzeug den Staub eigentlich nur gegen eine Ecke des Zimmers auf, kehren, ihn dort zusammen, dann bücken sie sich, um ihn mit der altmodischen Mistschaufel und dem kleinen Handbesen zusammenzufegen. Es ist noch keinem Erfind«: eingefallen, uns wenigstens eine Mistschaufel mit *) Siehe „Wiener Movgenzeitmlg" vom 31. Juli. vis Dampfwäscherei „Habsburg“ wischt für Allel hohem Stiel, ähnlich wie sie die Straßenkehrer haben, zu konstruieren und so zur Milderung der quälenden Kreuz-, Knöchel- und Knieschmerzen der Hausfrauen beizutragen. Wir schlucken bei dieser Gelegenheit reichlich Staub, als ob es gar keine Gebote der Hygiene geben wi'irde und tragen dann die Mistschaufel tvohl ein halbes Dutzend Mal zum Mistkisterl. All das im Zeitalter des Segens der staubbindenden Oele. Es gibt einen genial konstruierten Besen, eigentlich mutz man ihn Bodenreiniger nennen, der ein Gehänge von mit einer stanbbindenden Flüssigkeit imprägnierten Fransen hat. Der Stiel dieses Besens reicht ungefähr in Augenhöhe, so Latz ich ihn oben mit dem Druck der rechten Handfläche leicht dirigieren kann. Die Besenstange steckt unten in einer kleinen Metallhülse, die sich in eineL Scharniere im Winkel so neigt, Latz die Stange fast flach gelegt werden kann, also ohne tiefes Bücken, nur durch das Senken des Armes, unter Betten und Kasten geführt werden kann. Die Fransen saugen den Staub an. da sie imprägniert sind, und das Gehänge wird nach ein paar Wochen mit Seife und Soda ausgewaschen und daheim mit der < staubbindenden Flüssigkeit wieder frisch imprägniert. Wenn die Hausgenossen Zündholzschachteln, abgerissene Knöpfe, Papierknäuel usw. nicht auf den Boden werfen, ist mit diesem Besen die Mistschaufel überhaupt außer Kraft gesetzt. Wir kommen nun zum Staubabwischen. Auch hier ist es nicht notwendig, den Staub spazieren zu führen und ihn dann höchst unsozial den lieben Mitbürgern beim Fenster hinaus auf den äwpf zu beuteln. Staubsaugende hygienische Staubtücher binden den Staub, und auch dieses Staubtuch kann nach ausgiebigem Gebrauch gewaschen und frisch imprägniert werden. Zur Fußbodenpflege gehören auch, die Bohner zum Polieren und Abziehen der Parkette. Die Walze mit Rillen fährt über den.Fußboden und ersetzt das Arbeiten mit Eisenfeilspänen. Auch Linoleum kann mit diesem Bohner behandelt werden. Das Sonnenzeichen der Hausfrauenverbände in Deutschland hat eine Flüssigkeit, die alle Flecken aus Fußböden, Linoleum und lackierten Möbeln restlos entfernt, und die das Aüsreiüen fast überflüssig macht. Daß wir aber noch knierutschend, ganz altmodisch ausreiben, und daß die Hausfrauen totsicher heftige Kopfschmerzen nach einem Küchenbodenausreiben haben, ist fast unverständlich, wenn wir die praktische Klemmstange kennen, in die man die Reibbürste und das Wischtuch einklemmen kann, und die es ermöglicht, aufrecht stehend und gehend, mit leichtem Druck die Ausreibarbeit gut zu erledigen. Auch das Aufwaschen der Steinböden, des Linoleums, der Stiegen und sonstigen Fußböden geschieht noch in der Art, wie Großmutter und Urgroßmutter diese Arbeit erledigt haben. Biele Hausfrauen schlagen noch das Ausreibtuch, das mit Seife und Sodalösung getränkt ist, um den Rotzhaavbesen, waschen auf, nehmen dann das unappetitliche, schmutzige Bodentuch und winden es über dem Kübel, der die Seifen- und Sodalösung enthält, aus, um dann die nächste Partie des zu reinigenden Fußbodens mit halb unsauberem Tuche weiter zu waschen, und doch gibt es einen ganz einfachen Apparat, der die Arbeit des Aufwaschens so appetitlich und sauber erledigen läßt, daß die Hausfrau diese Arbeit im ScmntagSkleD erledigen könnte. An einer Stange befindet sich unten ein Deutel aus wassersaugendem Stoff, der in den Kübel mit heißer Lösung von Seife und Soda getaucht wird. Nach ein paar Sekunden Wassersaugcn wird die Auftvascharbeit begonnen. Ist die erste Partie des Bodens gewaschen, dann hält man den Apparat über einen bereitstehcnden leeren Kübel, zieht mit dem Zeigefinger einen Riemen, der an dem Beutel befestigt ist, längs der Stange hoch, so daß der Beutel glatt ausgespannt ist, und dreht die Stange an der oben befindlichen Krücke fest drei-, viermal herum, so daß der straff gespannte Beutel durch die Drehung das schmutzige Auftvaschlvasscr verliert, ohne daß die Hausfrau mit ihren Fingern in Berührung mit dem Schmutzwasser käme. Dann wird wieder der Beutel in die Seifen- und Sodalösung getaucht, auf die gleiche Art der Boden fertig ausgewaschen, mit reinem heißen Wasser aügcspült und mit dem trocken auSgedrehtcn Beutel abgetrocknet. So kann eine der unappetitlichsten Arbeiten bequem und leicht gemacht tverdcn. Zu den schweren Reinigungsarbeiten gehört auch das Fensterputzen. Es wird meist unrationell und sogar mit Lebensgefahr diese Hausarbeit erledigt. Hausfrau oder Hausgehilfin oder Bedienerin steigen auf einen Schemel, auf ein Stockerl, auf eine Stiegenleiter oder auf daö Fensterbrett, mit oder ohne Sicherheitsgürtel, und lehnen sich, kreuzhohl beim Waschen der äußeren Fenster in sehr ermüdender Stellung zum Fenster hinaus. Während es eine sehr gut erdachte,' lange, leichte Stange gibt, deren oberer Ansatz leicht gebogen ist und an dem inneren Teil eine federnde Vorrichtung hat mit drei Klammern, die die Form der Hand nachahmen. Mit einem Druck der Federung öffnen sich die drei Pratzerln, so werden die Klammern genannt, und umschließen zuerst das Fenstertuch, das in Seife und Soda getaucht wurde, dann den Schwamm, der mit einer neuartigen Fensterpolitur getränkt wird, die es ermöglicht, daß die Regentropfen glatt an dem so politierten Glasfenster ablaufen und keine Rändeln machen. Zuletzt spannt man in die Federung ein Rehhäutel ein und hat so ohne Lebensgefahr in der halben Zeit und mit glänzendem Erfolg die Fenster spiegelblank geputzt. Di^ Fensterrahmen reibt man mit der Klemmstange, die ich früher geschildert habe, ab, und wis^t sie mit derselben Klemmstange mit dem Tuch nach. mm Keine Motten! Keine WanxenI Keine Schädlinge! Modernste Durchgasung ohne Schaden für Einrichtangigegenot&nde darob Gesellaobaft für Blausäure-Desinsektion und chem.-techn. Bedarf Dr. Breymesser & Co., Wien, III., Rasumofskygasse 1 Telephon Nr. 90-6-18 Bll» nioinpin (9. Fortsetzung) 'opyiight by Dr. Max Präger, B. Uüirlt Verlag, Wien. AMERIKA. ein Roman von Sdiaiom Asm, ♦ Rache le geht mit andern Mädchen das Gässchen entlang. Die Mutter aber führt ein ernstes Gespräch mit Jossele wie mit einem Großen. „Schon lange her, daß Vater geschrieben hat," sagt die Mutter. / „Hat sich sicherlich verspätet," und gibt dabei durch eine Bewegung seiner kindlichen Hände zu verstehen, daß ein Brief von Amerika doch so lange ^itterwegs sei. Wie er jetzt die untergehende Sonne sieht, kann er sich doch nicht enthalten, die Mutter zu fragen: „Nicht wahr, Mutter, jetzt steht Vater auf?" „Woher weißt du das?" „In Amerika geht doch jetzt die Sonue auf; wenn es bei uns Nacht wird, fängt drüben der Tag an," sagt Jossele und unterstützt seine Erklärung mit einer nachdrücklichen Handbewegung. Hannah Lea antwortete darauf mit einem Seufzer. Und dann: „Ach, hat mich hier allein gelassen, mich zurückgelassen..." Und sie schüttelt schivermütig den Kopf. „Meinst du denn, daß ihm tvohl ist?" sagt da Jossele, den Vater verteidigend. „O getviß möchte er uns so 'gerne sehen wie wir ihn"...' MS die Nacht anbrach, erschien Plötzlich Muhme Scheindel auf der Mldfläche. Keiner hatte bemerkt, tvie sie sich hermngefchllchen hatte mit ihrem halblauten: „Gut' Woch!" Die „wten Bäckchen" leuchteten hinter dem Tuche hervor, das sie übe» den Kopf geschlagen hatte und in ihr Kichern: ,M> hi, hi" mischte sich ihr Hüsteln. JedeDMÜ, wenn sich Muhme Scheiudel so überraschend MOe, gab M Amnah Lea einen Stich ins Herz- Sie wußte, daß die Muhme nicht so ohne weiteres und ohne bestimmten Anlaß kam, aber das Gekicher und Gehuste deuteten ihr an, daß es diesmal was ganz besonderes sein müsse. Die Muhme setzte sich nach ihrer Gewohnheit in ein« Ecke und fragte: „Mein Mann nych nicht dagewesen?" Da wußte Hannah Lea wohl, daß etwas sich ereignet habe — fei es ein Unglück, sei es ellvas Freudiges —• denn die Muhme erschien in beiden Fällen. — und sie setzte sich mit klopfendem Herzen hin und wartete auf Leibusch. Hannah Lea wollte der Schwägerin nicht das Vergnügen bereiten, sie zu fragen, was geschehen sei. So saßj sie still, hob sich indes iinmer nach ein paar Minuten auf, schrie den Jungen oder Rachete etwas zu, dabei fiel ihr alles aus den Händen, der Lampenzylinder, den sie aufsetzen, das Glas, in das sie der Mühme Tee eingteßen wollte;, die Muhme hockte in chrer dunklen Ecke — und kicherte hi, hi, hi und hüstelte. Bald kam dann Leibusch. Er kam nie zusammen mit der Muhme; immer erst sie, dann er. Er setzte sich hin und schwieg einige Mnuten, indem er mir sehr ernst mit der Hand durch den. Bart strich. Hannah. Lea saß wie auf glühenden Kohlen, tat aber keine Frage. Rachele saß neben ihr. Jossele kauerte still in einem Winkel/ sehr ernst und» kindlich zugleich. Sogar die'„Bande" verhielt sich inerkivürdlg ruhig. Ae beiden standen an die Wand gelehnt und blickten mit neugierigen lAngen bald auf den Onkel und bald auf die Muhme- Die Muhme aber hustete jetzt laut und dazwischen hörte man ihr Kichern Hi, hi, hi, so daß sich der Kleinere von der „Bande" veranlaßt sah, die Zunge Herauszustecken Und durch den Bruder gedeckt nachzuahmen, wie die Muhme hustete., Allein der Aeltere zupfte ihn am Aermel — denn auch er verstand, daß etwas sehr Ernstes im Zuge sei. Nach einigen Mnuten begann endlich der Schwager sehr ernst, ohne irgendeinen anznbjlicken, als spräche er zur Wackd, mit sehr ernster Stdmmt ,Zch habe einen Brief von .Merr erhalten." „Was schreibt er?" fragte endlich Hannah Lea. „Er schreibt mir," sagte Leibufch und hotte aus der Wrusttasche einen Brief hervor, „ich soll zu seiner Familie gehen und ihr zureden, nach Amerika hinüberzukommen. Er will, daß sein Weib und seine Kinder nach Amerika kommen." v i Eine Minute lang war es Ml. Hannah Lea wußte nichts zu sagen. i Hi, hi, hi, hörte inan plötzlich die Muhme aus dev dunklen Ecke. Der Kleinere von der „Bande" konnte sich nun schon nicht mehr beherrschen und machte der Muhme nach: Ho, ho, ho, und lachte von der Wand herüber. Alle blickten sich nach' ihm um, aber keinem stand jetzt der Sinn dmmch, sich mit ihm abzugeben. //Ich sott nach Amerika Hinüberkommen?" brachte Hannah Lea endlich heraus, obwohl sie selbst nicht wußte, wozu sie das sägte. „Er schreibt mir," sagte Leibusch weiter mit seiner strl-, len Stinlnre, indem er den Brief öffnete (stellenweise las er daraus vor und stellenweise kommentierte er selbst), „es schreibt mir, er weiß nicht, was er tun soll. Um hierher zu fahren, hat er nicht genug Geld, und wozu auch, lvaS svlL er hier anfangen? Ein Handwerker zu werden, das paßt mcht für ihn, und Kapital, um ein Geschäft anzusangen, hat «v nicht. Und wer weiß, ob er eS fo bald haben wird. Denn obwohl man sagte, daß Mrerika ein Land ist, in denk Mau das!Geld nur fp Vom Boden aufhebt, heißts doch „Ihn Schweiße deines iAngesichtes sollst du dir dein Bwt er* werben." Andererseits: er drüben mrd ihr da, bas hat «ich keinen Erstens zwei Häuser führen, und ein Iah« ist er schon ohne Weib und Kinder — so hat er sich denul mit einem Vetter beraten, und der hat ihm zugeredet, daß er fein Weib und die Kinder hinüberninnnt. Demi & gibt dort so einen Brauch, daß mail Schiffskarten auf Abzahlmibekommt. Und ms das Judentum anbelarrgt, so ist's wie überall. Wenn rnmr will, kann man es wohl dchüten. (Fortsetzung fclflU ,

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