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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-28 · Heft 3021 (28.7.1927) · p. Seite 6

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3021 (28.7.1927)
Date
1927-07-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 Wien. Donnerstag Wiener Msrgenzettnng 28. Juki 1927 Nr. 8021 Bühne und Kunst. Sk „Habima". Wie der I. T. A. in Berlin mitgeteilt wird, ist zwischen dem von seiner Amerikatour in Berlin eingetroffenen Ensemble des hebräischen Theaters H a b i m a und dem Direktor Barn o w sk i ein Vertrag abgeschlossen Ivorden. wonach die Habima i m M o n a t September im Komödienhaus am Schiffbauerdamm, gastieren wird. Das Gastspiel wird am 1. September mit der Aufführung des „Hadybuk* eröffnet. Von Berlin wird sich das HüLima-Ensemble nach anderen deutschen Großstädten zu Gastspielen begeben. Sodann wird sich das.Ensemble für längere Zeit in Berlin niederlafsen, um hier drei neue Stücke einzustudieren und seine Reise nach Palästina vorzübereiten. Aus Anlaß des 16. Zioniskenkougresses wird die Habima in den letzten Augusttagen in Basel ein Gastspiel geben. Dr. Weizmann, der in einem Schreiben an die Habima diesö Absicht begrüßt, teilt mit, daß er nach dem Kongreß an die; Gründung eines europäischen Komitees „Lemaan Habima" schrettm wird. Das amerikanische Komitee „Lemaan Habima" verfolgt das'Ziel, dem En'senrble die volle Möglichkeit zu geben, in Ruhe an ihrer äußeren Ausgestaltung zu arbeiten und ihr Repertoire zu erweitern. Das Komitee wird die Habima so Kruge materiell unterstützen, bis das Ensemble seine Ausgestaltung in Berlin vollendet haben und die Reise nach Palästina antreten wird. Dies soll vor den nächsten Pessach- Feiertagen geschehen. In Palästina soll der Grundstein fü ein ständiges Theater „Habima" gelegt werden. Bei dieser Gelegenheit wird das Ensemble unter ' r e i e m H i m m e l s p i e l e n. Aus den Theater«. In der Volksoper findet heute (Donnerstag) die Hunde r t ste Aufführung des' Singspieles ch Hab' mein Herz in Heidelberg verloren" statt. Das Theater an der Wien feiert Dienstag, den 2., August, das Jubiläum der 630. Aufführung der Operette „Der Orlow". ' 8ochben erschienen: ' Kisdi Egon Erwin: Der rasende Reporter in Rußland. Zaren - Popen - Bolschewiken. Geb. S 11*70 Efilop-Mfller: Lenin und Gandhi. Die sen- , sationeilen Memoiren der Witwe-Lenins. Eigene Bekenntnisse^ Lenins. Die unbe-;. kannte Selbstbiographie Gandhis.. 105 seltene Bildtafeln. S 20*40 Friedeil Egon : Kulturgeschichte'der Neuzeit. Die- Krisis, der europäischen Seele ' von der sdrwarzen Pest bis zum Weltkrieg« Brurd I: Einleitung, Renaissance,?; Reformation. Eieg. geb. S 28*80 Vorrätig in der Bnchhandtnii^ R. LOwit Modernes Antiquariat Wien, 1. Dez.. Rotenfurmstrosse 22 ^Die Keuschheitskonkmrenz" wurde gestern im Lustspieltheawr zum 50.. Male ausgetragen. Hansi Jarno, die als Kellnerin de» Tugendpreis'im — Wochenbett empfängt/hat so manches vo» ihrer Mutter, der großen Niese, was darum sofort für. sie einni-mmt. Das unzweideutig derbe Bauernstück und' die fteiKge Darstellung der Buhne hatten auch diesmal die Lacher auf ihrer Seite. G?meintzesuboention für den Küustlerbund Hagen. Der städtische' Finanzausschuß hat dem Mnstlerbund Hagen eine außerordentliche Subvention von achttausend Schilling gemährt. D'^er Gemeindebeitrag dient zur Herstellung der A.usstellu ngsräume, die unbedingt notwendig ist. Mit den Banführungsapbeiten wird sofort begonnen werden. Direktor Frischler. Konzessionär der Volksoper. Wir erhalten von der Arbeitscizmeinschaft der Volksoper folgende Zuschrift: „Der Beschluß des Theaters reines, das Theater anderweitig zu vergeben, resoektiveden Betrieb zu sperren; ist durch die Ereignisse .der letzten Stunden, vollkommen belanglos geworden. Herr Direktor Frischler hat von der Gemeinde Wien direkt die Konzessi»n zur^Weiterführung des Betriebes erhalten, ist allo Konzessionär und somit Herr im Hause und in. dieser Eigenschaft, berechtigt, jedem Versuch, . den Betrieb zu stören, mit allen'Mttelst entgogenzutreten. Uebrigens ist der Stand der schwebenden Verhandlungen ein so günstiger und der Geschäftsgang ein so heftiedigender, daß zu einer Aenderung des Kurses gar . keine Veranlassung.vorliegt. Löirderervfsmmg des Apollotheaters. Direktor Viktor Eckhardt befindetsich auf einer Engagementsreise, um anläßlich der ßm.30. Juli stattfindenden Eröffnung des Appllotheaters als Parietebühne für Wien neue internationale Attraktionen zu engagieren. Er hat unter anderen die im Londoner Colosseum Mt großem Erfolg engagiert gorvesenen Lebende B ij o.n,te r'te n, die neueste Schöpfung. Dr. Angelas, die A tag gn UN^gris in ihren humoristischen Extravaganzen uftö.'MV das^EvAffnnngsProgramM des A-pollotheäters engagiert. Sie Maßnahmen zur Wiederherstellung der Rechtspflege. eine EvMte lm Justizministerium. Wie an aud-erer Stelle initgctcilt wird, wird sich die Regierung vom Parlament die Ermächtigung erteilen lassen, auf Grundvon Verordnungen^ Maßnichmett zur An r.-chterhaltnng der Rechtspflege zu treffen. Ta nrik der Ermächtigung eine in der Verfassung nicht vorgesehene Delegierung der Gesetzgebung an die Vollziehung ftattfindest erscheittt der Enüvurf als Verfassnngsgesetz und bedarf zu seiner Annahme der q na lifi zierten 'Majorität, die aber zweifellos zu erreichen sein wird, da auch die Sozialdenwkcaten ein Interesse darmk haben, die Rechtspflege so rasch als möglich tvieder in Gang zu bringen. Int Justizantt wurde gestern die Enquete über die zu treffenden Maßnahmen fortgesetzt. Im Mittelpunkt aller Beratungen steht nach wne vor die Erneuerung des Grundbuches. Nach denBorschlägen des Berichlerstatters, Miinsterialrät Dr. K r au t m a n n, soll bei der Neuanlage der verilichteten Grundbücher der Parteieninitiative ein weiter Spielraum eingeräumt »verden. Insbesondere soll die Partei ermächtigt werden, formelle Entwürfe der Grundbuchseinlagen, versehen mit den erforderlichen Urkunden und Beilagen, dem Gerichte zu überreichen. Die Behörden werden dabei den Parteien, durch Ausfolgung der entsprechenden Formularreu behilflich sein. Um dem von Dem'Sprecher der Annmltschaft Kainmervizepräsident Dr. Kantor vertretenen Wunsche mif möglichste Schnelligkeit der Wiederherstellung, des Grundbuches Rechnung zu tragen, soll bei den „Nichtigstellungsverfahren" bei jenen Grundstücken, über die finanzielle Transaktionen im Gange sind, das Grundbuch früher angelegt werden als bei jenen, deren Rechtslage gegenwärtig keine Veränderung erfährt. Das Richtig stellungsversahren, das .in der öffentlichen Aufforderung besteht, etivaige Lücken oder unrichtige Eintragungen in dem Entwurf des Grundbuches zur Kenntnis der Gerichte zu bringen, soll sogar unter drei Monate abgekürzt werden. Während des Krieges wurde -das sogenannte - Hinterlegnngsverfahren .eingeführt, das den Erwerb von bücherlichen Rechten an nicht' eingetragenen Grundstücken durch- Hiirterlegring von Urkunden ermöglicht. Dieses in der: vom Kriege mitgenorn- >menen Gebieten notwendig gewordene Verfahren soll nun dadurch eine Erweiterung erfahren, daß sämtliche 'Rechtsgeschäfte; hinsichtlich deren grundbücherliche Jntcrbnlation /Vorschrift ist,, durch Hinterlegungvon Urkunden rechtskräftig gestaltet tverden können, während früher nuv her Erwerb des .Eigentumsdes Pfandrechtes und der Dienstbarkeiten aus solche Weise Rechtskraft erlangen konnten.Durch diese Vorschriften soll das Risiko von Käufern oder Kreditgebern auf ein Mindestmaß reduziert werden. Weiters soll auch die Frist fiir die Anmerkung der Rangordnung verlängert tverden. Ueber die Wiederherstellung der Zivilrechtsakten liegen' zwei Entwürfe deren Autoren. Sektionschef Dr. Hermann mrd Oberlandesgerichtsrat Tr. R a tz e n h o f e r sind, vor. Die übereinstimmenden Grundsätze der beiden Entwürfe wurden zu einem einzigen vereint und enthalten folgende Richtlinien: 1. Ein Prozeß, in welchem eine Entscheidung noch nicht gefällt wurde, wird unter Benützung der von den Parteien beigevrachten Behelfe von neuem durchgeführt; Aus London wird uns geschrieben: In der City sind hartnäckige Gerüchte verbreitet, wonach die Bank von England anläßlich der Anwesenheit von Montagne Norman ’tt Amerika mit lder Bundes-Resevvebank eine Kreditvereinbarung über 2 00 Mill. Dollar abgeschlossen haben soll. Die Bank von England vermeidet es bisher, zu diesen Gerüchten Stellung zu nehmen. Sollten sie sich als zutreffend erwesen, so handelt es sich zweifellos um eine Rückendeckung der Bank von England ' am amerikanischen Geldmarkt gegenüber den hier von Tag zu Tag dringlicher werdenden Kredit- und Anleihegesuchen von kleineren europäischen Ländern uiH. mitteleuropäischen Städten, Finanzinstituten und Unternehmungen. - Diese ausländischen Kreditansuchen werden von maßgebenden City-Autoritäten wegen der zu starken Anspannung des eng l i schen G e l.d Marktes als unerwünscht bezeichnet. Wie unerwünscht sie sind, geht daraus hervor, daß man :» diesen Kreisen allen . Ernstes. eine. PiskonterH öh um g als' letztes^ AAvehrmittel diskütißrt. Eine, solche würde zürzeit einen schweren Rückschlag für diejenigen Zme'ge der englischen 2. ein dnrch Endentscheidung abgeschlossenes Verfahren wird dagegen grundsätzlich ans die Ernencrnng ded Nrteils beschränkt. Nur wenn und insoweit cd das Rcchtsmittelverfahrcn erfordert, wird die Erneuerung weiter ausgedehnt; .1. läßt sich nicht eimunl der Inhalt eines Nrtciles oder eines Vergleiches feststcllen, so wird durch Beschluß ausgesprochen, daß das Urteil als nicht gefällt, der Vergleich als nicht abgeschlossen zu betrachten sei. In Strafs-ichen wird es sich hauptsächlich um drei Arten von Bestiinnnmgen handeln. Es muß al'cn Perchucn. die IMschriften oder Originale aus den vernichtetcil Akcen in Händen haben, die Pflicht zur Herausgabe a u f c r - legt und eine Sanktion für diese Pflicht ge- Achaffen werden. Gegen den Beschuldigten und den Verteidiger dürfen jedoch solche Zlrangsmaßnahmen nicht angeivendet iverden. Es muß ferner durch eine besonder' Vorschrift die Mögiichkeit geschaffen werden, eine Sache, wenn bfe Akten nicht vollständig rekonstruiert lvcrden fönneit. von neuem zu verhandeln, obwohl schon cm Urteil gefällt worden, ist, und es müssen elrdlich Bestimmurigen über die Wiederaufnahme in Fällen getroffen werden, die scheul rechtskräftig entschieden sind, über die aber A-teu v den sind. Behandlung im Franz-llofess-svital. Beim Zivillandesgerichte ist ein ungewöhnlicher Prozeß anhängig. Es handelt sich um eine Klage der 24jährigcn Näherin Emma R Ücker gegen den Wiener Krausenaiistalte/nfonds und gegen beit Arzt des F r a n z - Io s e f s - S p i t ck* les Tr. Ernst I u n g reitm ay er, mit der die Klägerin einen Schadenersatz von 14.198 Schilling begehrt. Die Klägerin erkrankte im Noveinber v. I. an einer heftigen Angina und suchte über Weisung des Kassenarztes ldas Franz-Josefs-Spital miß wo sie. eine Injektion erhielt. In der Folge sei sie bewußtlos geworden. Der herbeigcrufene Arzt, eben der Beklagte, habe einen T h c r in ophor in das Bett legen lassen, durch den an dem Waden der Ohnmächtigen Brandwunden dritten Grades an beiden Beinen entstanden seien. Dir Behandlung dieser Brcmdwuitdeil habe drei Monate gedauert und sei mit fürchterlichen Schrnerzen Verbund er gewesen. Am 22. Dezember habe ihr der Beklagte erklärt, sie müsse noch int laufendm Monate das Spital verlassen und aut 16. Jänner dieses Jahres sei sie schließlich als geheilt entlassen worden. Die Klägerin mußte sich neuerlich zum Kassenarzt begeben, der ihre sofortige Aufnahme in dastzD nb i l ä u m s s p t ta l für notlvendig erachtete, wo Prof. Dr. Otto Krenn die Patsentin untersucht imd eme Strafanzeige wegen der verfrühten Entlassttng ans dem Franz-Jösefs-Spitale erstattet habe. Jnr Jubiläümsspital habe die Patientin fast noch einen Motrat verbleiben ntüssen. Die Wunden an den,beiden Uttterschenkeln, beziehungsweise an den Waden seien aber selbst jetzt, nach einem Zeitraum von vielen Monaten twch immer nicht zur Gänze verheilt. «v Schließlich sei auch die Heiratssähigkeit der Klägerin so gut wie vollkommen zunichte geinacht worden, ein Bein sei durch den Unfall etwas verkürzt, so daß der Gang hinkend und häßlich erscheine, überdies müßten die Waiden dauernd durch einen starken Verband geschützt iverden, der die Beine ganz unförmig nrache. Entnra Rücker begehrt Ersatz des Verdienstentganges, 4000 Schillittg Schmerzensgeld, 4000 Schilling für verinrnverke Heiratssähigkeit und eine Monatsrente von 100 Schilling für vernrinderte Arbeitsfähigkeit, da sie bei dem heutiger» Ueberangebot von gesttndeu 'Arbeitskräften kaunt mehr auf richtige Beschäftigung zählen könne. Dieses Klagebegehren richtet sich zur ttngeteilten Hättd gegen den!Arzt, ebenso wie gegen den Kran kenonstal ts s^rds. Industrie bedeuten, die, wie Schiffbau, Stahl und Eisen und Autofabrilkativn, ein'germaßen erträgliche Geschästsaussichten au>ßv eisen. Da der Londoner Markt aus verschiedenen Gründen seine europä'sche Kundschaft, auch die an sich unerwünschte, nicht gern an Amerika verlieren möchte, liegt es für die Leitung der Bank von England nahe, die g ü n st i g e n K r e d! t h e d i u g u n g e u, die ihr sevbftverständl'ch in Amerika zur Verfügung stehen, zu benutzen, um sich diejenigen Beträge zu sichern, die es ihr ermöglichen, ohne Verteuerung der euglilcheu Judustriekrodite >den >der City am dr'nglichsten erscheineudeu.Anleiholx'darf Europas zu befriedigen. Leichter Rückgang de« SchMng. Die Devisenmärkte brachten keine nenitensiverteit Kursveränderungen, lediglich der Leu konnte sich von -3.18 auf 3.17 Parität Zürich weiter befestigen. Der französische Franc hat wieder seinen Stand von 20.32 Parität Zürich erreicht. Die Reichsmark schloß bei festerer Tendenz 123.48. Der Schillingkttrs ist in Zürich trotz gebesserten Dollarkurses von 73.10 auf 73.08 zurückgegangen. Sine amerikanische Anleihe für VOLKSWIRTSCHAFT Snsiand?

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