Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3021 (28.7.1927)
- Date
- 1927-07-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i 28. Juli 1927 Seite 3 BADEN Nr. 8021 Wi.v. Donnerstag ZM Ardeits'nggramM öes Wiener Sans« tage« nnd Gemeinderales. Die Gcmciirdcwachc auf der Tagesordnung. Der Wiener Landlos) und (stenteinderat Ivird sich ooranssichttich F reilag zum letztenmal vor den Serien versmnincln. Die Tagesordnung des Gemeinderates ist ziemlich umfangreich und enthält als Hauptpunkt die Beschlußfassung über die A u f st e l l u n g der G e in e i n d e -w a ch c. Bei diesem Referat des Stadtrates Richter dürfte sich iviedcr die Leidenschaft der Parteien entflammen, umsomehr, als die Regierung die ofortigc Auflösung der Gcmeindelvachc fordert. Sie Srganisation der Sicherheltswache. Auflösung der Personalvertretung. Die ^lkorreg.linoenz .Herzog" meldet: In der Reitschule der SicherhettSwache ttt der Pramergaste fand gestern nachmittags unter dem Vorsitz dos Zentrattnspektors Tauber der dritte und letzte Rapport der Slcherheitswachc statt, an dem rund 1200 Mann teilnahmen. Die Resolution, welche den sofortigen Rücktritt der P e rs o n a l Vertretung eventuell 'oeren Auflösung und die Ausschrerbung von ilieuwahleu innerhalb von vier Wochen verlangt, wurde einhellig angenomucen. Präsident Schober wird dem Antrag stattgeben und brS zur Neuwahl einen provisorischen geschäftsführcnden Ausschuß bestellen. RüchMche Berhaftnnge«. Im Laufe der Nacht auf Mittwoch wurde eine Anzahl von Personen verhaftet, die überwiesen erscheinen, an den Plünderungen'an dein stürmischen Freitag und Samstag teilgenoinmen zu haben, nnd ztvar haben acht von den Verhafteten an den Plünderungen und Miense Morgenzeitang Brandstiftungen im Gebäude der „Reichspost" teilgenommen ltnb elf bei den Plünderungen und Brandstiftungen in den W ach stub en Rosensteiit gaff e nnd Hernalser H a usp üstra sie. Es wnrden auch Hausdurchsuchungen vorgenommen, bei deNen Gewehre beschlagnahmt wurden. So wurde bei einem republikanischen Schutzbündler ein Gewehr gefunden, das er eine m "W ach mann ab genommen hatte, der schwerverletzt zu Boden gesunken war. Bezüglich der anderen bereits beschlagnahmten Gewehre ist noch nicht e n d g ü l t i g f e st g e st e l l t, ob sie aus den geplünderten Waffenhandlungen Bartsch und Forgatsch stammen. Wie der Korrespondenz Herwtzi von kommunistischer Seite mitgeteilt wird, sind die beiden Kommunistenführer Tom an n und Koritschoner, die Dienstag früh zur Polizei vvrgeladcn ivurden, erst gestern friih entlassen tvorben. Große Spende» für die Polizelopser. Me w-ir erfahren, erreichen die die dem Polizeipräsidenten Schober seit dem 15. Juli zur Verfügung gestellten Spenden bereits eine beträchtliche Höhe- Es spendeten u. a. der Banken vorband 60.000 Schilling, der Hauptvevb and der Industrie im Verein mit dem Jndustriellenklub 100.000 Schilling und die Handels klammer 50.000 Schilling. Mhl wieder in Me«. Da Ruhe emgetreten ist, sonnte auch Walter Rrehl auf den besseren Teil der Tapferkeit verzichten. Er lft alfo nach Wien zurückgekehrt und hat auch schon eine Rede gehalten, die er pünktlich einer parlamentarischen Korrespondenz zur Verbreitung übergibt. WaS er sagt, ist herzlich gleichgültig. Oesterreichs größtes Heilbad! Das herrliche Ausflugsgebiet! Das ideale Wochenende! Das Modebad der Jugend! Die Sommerfrische und das Refugium des Großstädters I Szeanslugverbot für MMtSraeroplane. Paris, 27. Juli. Im heutigen Ministerrat wurde beschlosien, jeden transatlantischen Flug auf LR i l i t ä rflugzeugen solange zu untersagen, als nicht die Militärflugzeuge mit modernen V o r r i ch- Lungen ausgerüstet sein werden, die eilt Niedergehen auf freie in Meer gestatten. Durch diesen Beschluß erscheint der vom französischen Flieger Coftes geplante Flug Paris — New D o r k, zu dem die Generaldirektion der Luftschiffcchrt bereits tfm Ermächtigung erteilt hatte, in Frage gestellt. Warschauer Taschendiebe. Man schreibt uns aus Warschau: In der Bank von Sche re schewski in Warschau stand am 24. Juli in der Reihe der am Schalter Wartenden auch der Kassier einer bekannten treidesirma, in der Hand eine Mappe mit 10.000 Zloty Inhalt Um einen Moment in idie Tasche zu greifen, legte er die Mappe neben sich auf die Barriere, wo sie etwa eine Minute lang lag. Er nahm dann seine Mappe wieder an sich; als er sich aber dann kurz danach, von einem instinktiven Verdacht geleitet, überzeugen wollte, ob ihr Inhalt noch intakt war, sah er zu seinen! Schrecken, daß sie fetzt statt mit Geldscheinen mit Pap ierschnitzeln gefüllt war. Es <wcrr überhaupt auch nicht seine Allappe, sondern eine ähnliche. Die ,Mlnstler" hatten eben die kurze Zeit, wo sie auf der Barriere lag, dazu benutzt, um pH umzutauschen, Wohlin der richtigen Annahme, daß die meisten Ledermappen der Geschäfte einander ähnlich sehen. Svfort wurden die Türen abgesperrt und die Polizei herbeigeholt, aber die beiden Kriminalagenten konnten auch nichts mehr teiicrt; die Diebe hatten doch zu schnell Hand in Hand gearbeitet.; die Mappe mit dein Geld war und blieb verschwunden. Zwet Tage, später ließ sich ein Angehöriger der Taschendiebezunft dabeij erwischen, wie er in einer Warschauer Tram einen Oberst um seine Brieftasche erleichterte. Als die Elektrische. hielt, hatte er schon drei Zähne verloren,«- Mehr Gluck freilich hatten am gleichen Tage seine Kollegen auf der gleichen Tram-, der der Linie 12, bei einen: Dorfschulzen. Dieser war nämlich nach Warschau gekommen, um hier für die Dorfsmanzverwaliung eine eiserne Kasse für '2000 Zloty anzuschaffen. Bevor er in die Tram eingesttegen war, Hatte er noch das Geld, als er sie aber verließ, hatte es schon seinen Besitzer gewechselt nutz der Schulze mußte ohne Geld und ohne Kasse in das enttäuschte Dort zurückkehren., Jugendliche Sportliebhaber. Eine Ilebsvande von Schuttlmveu.' Breslau, 26. Juli. (Telcomp.) iJn B euthen ivürde eine vierköpfige Diebsbande ausgehoben, die aus Schulknaben im Mter von 12 und 13 Jahren bestand-. Sie unternahmen regelrechte Diebs führten, namentlich nach Sportplätzen, wo sie die in den Garderoben hängenden > Kleider der Sportsleute ausraubten. i Die jungen Burschen wurden überrascht, als sie gerade im Begriffe waren, mehrere gestohlene Uhren-zu verkaufen. Das Erdbeben in Sesterreich. Wien, 27. Juli. Die Zentralanstalt siir Meteorologie uud Geodynamik teilt mit: Gestern, dm 26. Juli, wurde abermals in Wien ern Erdbeben gefühlt. Die Seismographen der Zentralanstalt verzeichnten den Beginn um 13 Uhr 11 Minuten 41 Sekunden. Der Herd des Bebens liegt irm Mürzgebret in 110 Kilometer Distanz von Wien-Hohe Warte. -Mitteilungen von Beobachtungen auf frankierter Karte sind von größtem wissenschaftlichen Interesse'. * Run alfo! Nach vierundzwanzig Stunden registriert auch das Mener Erdbebeninstitut, daß es in Oesterreich gewackelt hat. Kleine Nachrichten. Me das Pariser „Journal" meldet, verschied Vor eitrigen Tagen im Irrenhaus in Durh in der Nähe voü Amiens ein Internierter an den Folgen einer zu starken Dosis von Methylsilikat. Montag wurde ein neuer geheimnisvoller Todesfall aufgedeckt. Den Ettern einer Krarrken wurde bei ihrem Besuch Von beit Krankenschwestern mitgeteilt, daß ihre Tochter vor einigen Tagen gestorben und ohne Verständigung der Eltern in aller Stille veigesetzt worden sek. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden. In Bukarest ivurde ein sensationeller Raubmord entdeckt, der sich während der Begvävnisfeterlrchibetten Br König Ferdinand in einem äußeren Bezirk der Hauptstadt * ereignet hatte. Der bekannte Multimillionär Zola ko ln wurde in seiner Kanzlei erdrosselt aufgesimden. Dir eiserne Kasse war aufgebrochen. ihr Inhalt fehlte. Zolakolus Vermögen wird auf zirka 300 Millionen geschäht. Bon den Tätern fehlt jede Spur. * OOOCOOOOCXXXXXXXXXXXXXXXdOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOGOOSOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO Der König der Autodanditen — begnadigt. Dieudonne, der Apachenhelb von Paris. Pivris, 27. Juli. (Tel. Comp.) Der Minifterrat beschloß heute, den nach Cayenne m Fmnzdsisch-Guyana zur Verbüßung seiner lebenslänglichen Zmangsarboitsstrasc deponierten Raubmörder Dieudonne zu begnadigen. * Diese Verfügung der französischen Regierung ruft die Erinnerung an eine der sensationellsten K r i m r n a l - A s-- fären der Vorkriegszeit wach. ' Im Jahre 1912 erregten die Missetaten der „Bande B o n 1! o t", der sogenannten „A tt t o m o b i 1 b a n d! t e it", >in Paris und Umgebung ungeheures Aufsehen. Die Banditen erschienen stets im Automobil. überfielen Pasfanten, Kasfenbotcn, «auch einzelne Juwelierläven, beraubten sie, wobei es ihnen auf ein Menschenleben nicht ptnkam, nnd verschwanden in ernein schuellsahrenden Tourenwagcu. Monatelang dauerte die Jagd auf die Mitglieder der Bande Bonnot, die von -Bonnot, Garmer und Dieudonne angeführt Ivurde. Es kam zu wahren Schlachten Avischen den Pariser Sicherhettsagenten und den tollkühnen Räubern, wobei mehrere Pvlizeiagenten nnd auch eimge Mitglieder der Räuberbande g e t ö t et wurden. Endlich gelang cs, die gefährlichen Banditen, die Paris und Umgebung in Schrecken hielten, dingfest zu machen. Aonnot und Garnier wurden zum Tod verurteilt und hingerichtet, Dieudonne, der seine Mitschuld an den Raubmorden - der Bande hartnäckig leugnete, wurde aus Lebenszeit zu Zwangsarbeit in der Straftolonie von Guyana verurteilt. Dieudonne unternahm ans dem Bagno wiederholt abenteuerliche Fluchtversuche, die ihn einmal nach Venezuela und vor einigen Monaten nach Brasilien brachten. Im ersten Falle wurde, Dieudonne aufgegnsfen und wieder in das Bagno nach Cayenne eingeliefert. Bor'einigen Monaten gelang ihin die Flucht durch die U rwä ld e r v o n F ranz ö s i s ch - G u y a n a nach Brasilien. Die brasilianische Regierung erwog seine neuerliche Auslieferung an die französischen Behörden, die liumnehr durch dm Begnadigung gegenstandslos geworden ist. Dieudonne, für dessen Begnadigung sich, in letzter Zeit die Linkspresse nachdrücklich eingesetzt hatte, wird nach Frankreich zurückkehren dürfen. Schweres ^ergiftungsunalück in Prag. Statt Wanzen Maschen veralftet. Prag, 27. Juli. (Tel. Comp.) In einem Hause im Prager Stadtteil Weinberge hat sich heute vormittags bei der Desinfektion einer von Ungeziefer verseuchten Wohnung ein schweres B e r g i f t u n g s u ng l ü ck ereignet. Es wurde bei der Desinfektion Zyan-Wasserstoff, c i it Bestandteil der Blausäure, verwendet. Da die Fenster nicht genügend abgedichtet waren, drangen die Giftgase in eine zweite Wohnung ein, wo Wer Frauen ohnmächtig wurden. Dadurch wurde das ganze Haus alarmiert und es wurde eine Skcherungsaktion eingeleitet. Hiebei wurden ein Wachmann und einige Feuerwehrleute vergiftet. Der Wachmann ist im Krankenhaus bereits verstürbe n. Der behandelnde Arzt wurde durch die Giftgase, die aus dem Körper des Toten strömten, ebenfalls leicht vergiftet. Das ganze Haus, in dem die Desinfektion vorgenommen wurde, mußte geräumt werden. Gegen die Gesellschaft, die die lebensgefährliche Desinfektion vornahm, wurde das Strafverfahren eingeleitet. Ihr. Besitzer Paulu und ein Arbeiter wurden verhaftet. Die erkrankten Personen,' ’.m ganzen acht, befinden sich auf dem Wege der Besserung, Air Braut erwürgt. Berlin. 27. Juli. (Telcomp.) In der vergangenen Nacht wurde in Charlottenburg ein furchtbarer M' ü d ch e n m o r d verübt. Der 23 Jahre alte Brauereiaroeiter Fischer erschien auf der Polizei und teilte mit, daß er seine Braut erwürgt habe. Als die Polizei in seiner Wohnung erschien, fand sie die Leiche des Mädchens mit einem Zettel in der Hand vor, aus den der Mörder geschrieben hatte, sie solle keinem anderen ge-'ren. Nach dem Morde hatte er im Kreise seiner Kameraden bis heure 3 IT früh gezecht. Dann bgeab er sich auf die nächste Polizeiwachstube und teilte seinen Adord mit. Kein Streik in der New Aorker Untergrundbahn. New York, 27. Juli. (Tel.-Comp.) Der für heute befürchtete Streik der UntergrundbahnangesteMen konnte in letzter Stunde durch Vermittlung des Newhorker Bürgermeisters Walker vermieden werden. Kn Wunderpslug. Eine amerikanische Erfindung. New Uork, 27. Juli. (Tel. Comp.) Auf einem Gut in der Nähe von Rochester wurde in den letzten Wochen, lvie die Blätter berichten, ein elektrischer Pflug mit sensationellem Erfolg ausprobiert. Der elektrische Pflug ist die Erfindung eines Maschineningenieurs aus Pittsburg, Hamilton R o e. Der Pflug wird mit einem Strom von 100.000 Volt angetrieben und von einem gewöhnlichen Traktor gezogen, der den elektrischen Strom erzeugt und durch ein System von Stahlklingen in die Erde leitet. Der elektrische Pflug vernichtet Unkraut, Würmer, Käfer und sonstiges Ungeziefer und befruchtet überdies den Boden. Bei den Versuchen wurde festgestellt, daß auf dorn mit dem elektrischen Pfkig bearbeiteteir Boden angebautes Korn viel schneller gedieh als auf gewöhnlichem Ackerboden. Auch wurden die Pflanzen doppelt so hoch wie bei normalem Anbau. Kn Passagierflugzeug verunglückt. Berlin. 27. Juli. (Wolfs.) Heute mußte ein Passagierflugzeug Sei Kassel notlauden, woSei der Rumpf zerschellte. Der Flugzeugführer Dörr und Dr. Milch von der Wetterwarte in Frankfurt am Main sind ihren Verletzungen erlegen. Der Passagier K ü h l m a n n, ist verletzt, während die Leiden anderen Mitreisenden, ein Passagier namens Bauer ans Hofgiesmar nnd der Bordwart Ihlow, nms Leben getont« men Lud. i vJ *«, •:? « , - - ' . .t;V --'.d . ■ IV v!>* f, i;;I - ),« it i f: j t S=T1 is H Iw* »ft; s J» i- Ui!,V ' it fe ‘•ti ,?: 3* Ä I I ■J '“'3 >’■ Vj ■J’v $ m j uTTn* 11