Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3020 (27.7.1927)
- Date
- 1927-07-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. SVW Wien, Mittwoch Wiense Morgerrzettmrg 27. IM W27 Gelle 5 Ile Sholera In Mesopotamien. Sirengoss tritt an« der zionWschen Srekatwe ans. Jerusalem, 26. Juli. (J.T.A.) Herr M. Dizeugafs. der frühere Bürgermeister von Tel Awim, der vom Zionistischen Mionskomitee mWrend dessen letzter Tagung in London in die Zionistische Exekutive gewählt morden war, hat ein Telegramm an Dr. Weidmann gesandt rn welchem er seine Demission mitteilt. Dizengoff war in der Exekutive der Leiter des städtischen Koloni- MionSdevartementS. « Wie erinnerlich, hat Di-engoff, bevor er sich rzur llebernayme dieses Amtes bereit erklärte, in einem an Dr. Werzinann gerichteten Memorandum die folgenden F o rd'erungen gesteM: Das Departement für städtische Kolonisation soll unter seiner Leitung vollkommen autonom sein, so dass er für die anderen Departements der Exettrtwe keinerlei Verantwortung zu tragen hatte; der Sitz des Departements soll Tel Awiw sein; der K^«n Hutessod hätte die Kosten de-r industriellen BersMchSstatron zu tragen und Jnformations- 1>n reauS zu unterhalten, die den Mittelstandseinwanderern der ihrer Anssedlung in den Städten mit Rat und Tat zur Seite stehen sollen. Dizengoff trat für die Stützung von Handel und Jiwustrie aus der Basis der privaten Jmilia-t-kve ein. KmsSnderung i« Syrien? Jerusalem, 24. Juli. Wie in hiesigen politischen Kreisen verlautet, steht im syrischen Mandatsgebiet eine Kursänderung bevor. Mit dem dieser Tage aus Frankreich zurückgekehrte Oberkommissär P o n s o t sind auch einige hohe Beamte eingctroffen, die an die Stelle einiger Persönlichkeiten in der Verwaltung treten sollen. So soll der Stellvertreter des Oberkommissärs wegen seiner engen Beziehungen zu den oppositionellen Nationalisten zurücktreten. Auch der französische Generalkonsul inJernfalem, Herr M a n g r a s, der das System der Subventionierung des arabischen Naiionlismus in Palästina abschaffte, soll auf einen hohen Posten berufen werden. Viel Aufregung hat die Entdeckung umfangreicher K o rruptronsafsären in der Republik Grotzlibanon hervorgerufen. Am ärgsten wirkt ein Skandal im Ministerium für öffentliche Arbeiten, der sehr weite Kreise zieht. Es wurden Lieferungslisten gefälscht und Durchstechereien grotesker Art begangen. Die Negierung mußte durch den Senat zum Rücktritt gezwungen werden, dev eine Verwaltungsreform und die Abschaffung von drei (von sieben) Ministerien verlangt hat. 8in Unterseeboot vermißt. Parts, 26. Juli. Me die Morgenblätter berichten, ward seit gestern vormittags das französische Unterseeboot ,Arumiatte" vermißt. Es-hat gestern um 11 Uhr zum letztenmal durch Funffpruch fünf Meilen westlich vom Kap Griz Nez Maschinenüefekt gemeldet und angekündrgi7 daß es nach Boulogne Kurs nehme, wo es jedoch bis jetzt noch nicht eingetroffen ist. Das Zweite Geschwader ist äbgesandt worden, um nach dem Unterseeboot zu suchen. Heute vormittags werden sich arrch Wasserflugzeuge an den Nachforschungen beteiligen. Ser 18. zioniftenkongreß in Bafel. | Sie WumMellmg 18t Me Avietzmer. Die Exekutive der Zionistischen Organisation veröffentlicht die B e st i m m u n g e n, die sich auf die Einreise von Kongreßteilnehmern in die Schweiz beziehen: Inhaber gültiger Auslandspässe können ein Einreisevisum nach der Schweiz bei dem zuständigen Schweizer Konsulat erhalten. Staatsangehörige von Belgien, Großbritannien, China, Dänemark, Freistaat Danzig, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Monako, Mederlande, Norwegen, Oesterreich, Portugal, Schweden, Spanien, Tschechoslowakei, sowie aller Staaten von Amerika benötigen kein Einreisevisum, sondern brauchen nach unseren Informationen für die Ueberschreitung der Schweizer Grenze nur einen ordentlichen gültigen Auslandspaß. Gs wird aber empfohlen, sich hierüber bei dem zuständigen Konsulat vor der Abreise nochmals zu vergewissern. Russische Staatsangehörige und Inhaber von Ersatzpapieren (Nansenpässe, Laissez-passer u. dergl.) wenden sich wegen einer Einreiseerlaubnis an das zuständige Schweiger Konsulat, welches die Genehmigung der Zentralregierung einholen mutz und erhalten wird. Die Schweizer Regierung stellte den von der Zionistischen ExekutiveempsohlenenKong'reßteilnehmern größtes Entgegenkommen in Aussicht. Aus diesem Grunde sollen Kongreßteilnehmer mit solchen Ausweispapierenihr Einreisegesuch in erster Linie an den zuständigen zionistischen Landesverband richten und zwar unter Angabe folgender Einzelheiten: Name; Vorname; Geburtsdatum; Wohnort; Angabe der Legitimation: a) Sowjet- oder Nansenpaß, b) Nummer; in welcher Eigenschaft erfolgt eine Teilnahme am Kongreß? (Delegierter, Journalist, Beamter, Gast); besitzt der Bewerber ein Rückreisevisum? a) für welches Land? b) bis wann gütig? Der betreffende Landesverband leitet an die Exekutive die von ihm befürworteten Gesuche zur Beförderung an die Schweizer Behörden weiter. Die Schweizer Bundesregierung hat sich, bereits erklärt, den zuständigen Konsulaten ans schnellstem Wege die entsprechenden Weisungen zn geben, damit die Bewerber sobald als möglich einen Bescheid erhalten und in die Lage versetzt werden, rechtzeitig die Bisa bei den zuständigen Konsulaten zu erhalten. Da der Instanzenweg gewisse Zeit in Anspruch nimmt, werden die interessierten Personen sowie die ' russischen , Staatsangehörigen und die Inhaber von Ersatzdokumenten gebeten, sich rechtzeitig bei den zuständigen Landesverbänden zu melden, unter Vorlage der Ausweisdokumente. Die Exekutive muß spätestens am 5. A u g u st 1927 im Besitze aller Gesuche sein, >da sie sonst für eine rechtzeitige Erledigung nicht die Gewähr übernehmen kann. »- Das hier mitgeteilte Zirkular, das vom ,7.. Juli datiert ist, wurde dem Zionistischen ' Landeskomitee für Oesterreich erst vorgestern zugestellt. Die Verzögerung erklärt sich aus der durch den Verkehrsstreik eingetretenen 1 Stockung im Postbetriebe. Wir nwchten deshalb anregen, daß für die aus Oesterreicht kommenden Gesuche die Frist Wer den 6. August hinaus verlängert wird. London, 26. Juli. »Times" melden aus Basra: Aus Abadan werden sechs neue Cholerafälle pro Tag gemeldet, die nahezu alle tödlich verlaufen. In BaSra sind bisher neun Erkrankungsfälle zu verzeichnen, von denen acht tödlich aus gingen. Sin Serum gegen die Lues. Ein Extrakt aus den Syphilis-Erregern. Aus Berlin wird uns gemeldet: Professor Felix K l o p st o ck, am Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für Biochemie in Berlin-Dahlem, gelang es, aus Spiroch a e t c n, den Erregern der Syphilis, ein Extrakt zu gewinnen, das sich zum Erkennen der Lues aus dem Serum verwenden läßt. Neuestens wird nun diese Methode von Klopstock zur Darstellung eines Immun serums erprobt. Es gelang bereits, ein Pferd mit dem Stamme zu immunisieren und es steht jetzt ein hochwertiges Jmmunserum gegen Syphilis zur Verfügung. Der therapeutische Wert des Luesimmunserums an Menschen unterliegt zurzeit der Prüfung. Frühere Versuche, ein Serum gegen Syphilis herzustellen, brachten kein befriedigendes Ergebnis. Großes Aufseher; erregte seinerzeit ein Serum, das aus luesinfizierten Lamas hergestellt wurde; doch verliefen Nachprüfungen durch deutsche Forscher durchaus negativ. Auch Heilversuche mit Kaninchenimmun s e r u m, die bei einigen Fällen von progressiver Paralyse angestellt wurden, brachten keinen Erfolg. Doch handelte es sich um ein Serum dessen immunisatorischer Wert weit hinter dem neuen Pferdeserum zurückstand und das nur in kleinen Portionen zur Verfügung stand. Allerdings neigt eine Anzahl Fachleute aus theoretischen Gründen der Ansicht zu, daß die Syphiliserreger keine Antikörperbildung in dem von ihnen befallenen Organismus Hervorrufen und daß es somit prinzipiell kein Antiserum gegen Syphilis geben kann. Jedenfalls muß man weitere Nachrichten abwarten, ehe man über^ den Wert des neuen Serums urteilen kann. üugsunglück in Spanien. 100 Verletzte. Madrid, 26. Juli. Auf der Station Macküro Meß ein von Barcelona kommender P o ft,3 ugauf einen dort haltenden Personenzug. Der Maschinist bremste noch im letzten Moment und vermied dadurch großes Unglück. Trotzdem g-ab es über Ihnnde^t Vorletzte. * Lawinen im Juli. Trient, 26. Juli. Infolge des WvlksuSüWA der iw den letzten Tagen Wer das Gebiet Von Trient Niedergang, sind in «Mgen Gegenden mchoeoe große Lawinen abgegangen, die den StraßeinverLehr WeKiMMrd einige EffeWahnstrecken verschütteten. < Die Isar ist so stark cmgeschwollen^ daß dias Massiv: die Eisenbahnstrecke erreichte und somit der Verkehr für einige Stunden unterbrochen wurde. Im Sereutinatasl hat eine Lawine einen Landmann und eine Hechv-Ochseju verschüttet. Bier Ochsen kamen dWet nml. Du bist ähnlich dem Boten des Krokodilgottes. Siehe, du Wcrtriffft noch die- Herrin der Pest. Wenn du nichts für sie -hast, so hat sie auch nichts für dich. Was du nicht tust, tut auch sie nicht. Ein Besitzender kann sanftmütig sein, Wer ein Verbrecher ist gewalttätig. Diebstcchl ist selbstverständlich, für den, der keinen Besitz hat und das Stehlen für den Dieb. Als. ein Unglück erscheint es dem, der keinen Mangel hat; aber man kann deshalb nicht mit ihm schelten, denn er ist ein Irrender. Du aber bist gesättigt mit deinem Brote und bist trunken von deinem Biere. Du bist reicher als alle Arbeiter. Das Gesicht des Steuermannes soll nach vorn gerichtet sein, sonst fährt das Schiff hin und her nach seinem Belieben. Wenn der König im Palast sitzt und das Seuerruder liegt in deiner Hand, dann kommt Unglück Wer deine Umgebung. Der Bittsteller kann lange dastehen, und der Richter kommt "schwerlich. „Wer ist er, der dort steht?" so fragt man. Sei du eine Zufluchtsstätte, dein Hafen sei gesichert. Aber wahrlich, deine Stadt ist in Unordnung. Du, dessen Zunge zuverlässig war, möchtest du nicht davon abweichen! | Es ist das Verderben des Mannes, wenn ein Glied von ihm dabei beteiligt ist. Sprich keine Lüge! Bewahre die Beamten davor! Es ist ein Geschenkkovd, der die Richter besticht. Ihre Gewohnheit ist es, Lügen zu sagen, und es ist ja so leicht für ihr Herz. O du gelehrtester aller Menschen, willst du nicht meine Angelegenheit kennenlernen? O du, der alle Not vertreibt, stehe, ich bin auf einen; Wege, auf dem ich nicht vorwärtskornme. O du, der jeden Ertrinkenden ans Land bringt, er» rktte den Schiffbrüchigen, und errette mich aus meiner schlimmen Lage." Drttte Klage. Dieser Bauer kam, um ihm seine Bitte zum dritten Male vorzutragen, und er sagte: ' „O Oberkämmerer, mein Herr, du bist Re, der Herr des Himmels, mit deiner Beamtenschaft! Der Unterhalt aller Leute hängt von dir ab. Du bist der Nil, der die Felder zum Grünen bringt und der die ungepflegter; Aecker versorgt. . - ‘ Unterdrücke den Räuber. Sorge für den Armen. Werde nicht zu einem Damm gegen den Bittenden. Hüte dich, die Ewigkeit kommt heran. Wer glücklich sein will, (tue,) wie das Sprichwort sagt: „Atem für die Nase ist es, Recht zu tun!" Vollziehe die Strafe an dem, der bestraft werden muß, dann wird niemand deine Rechtlichkett übertreffen. Kann nicht auch die 'Handwage ausschlagen? Kann nicht auch die Standwage sich auf die Seite neigen? Ist nicht auch Thot nachsichtig? Ach, und du willst ein Unrecht begehen? Möchtest du dich doch zum Genossen dieser drei machen! Wenn die drei nachsichttg find, mutzt du auch nachsichtig sein! Beantworte nicht Gutes mit Bösem! Setze nicht das eine an die Stelle des andern! Meine Rede wächst schneller als die Senmitpflanze (schnell wachsend und stark riechend!) und mehr als der Riechende gern hat. Beantworte sie'nicht, indem du die keimende bewässerst, um eine ganze Bekleidung wachsen zu lassen. Denn es ist ein Unglück, sie hevvorzuürmgen. Wenn du das Ruder im Gegensatz zum Segel führst, so reißt die Strömung dich von der gerechten Tat hinweg. Hüte dich, daß du nicht festfäyrst wegen (falscher Führung) des Ruderstricks, denn die richtige Berechnung des Landes | ist es, Recht zu tun. l Sprich keine Lüge, wenn du groß sein sollst! Sei nicht leichtferttg, wenn du gewissenhaft sein sollst! Sprich keine Lüge, wenn du die Wage sein sollst! Sei nicht schwankend, wenn du die richtige Summe feststellen sollst! Siehe, du bfft ganz und gar eins mit einer Händtvage. Schwankt sie, so schwankst, du, Strande nicht, wenn du das Steuerruder führst. Fasse den Ruderstrick fest. Sttehl nicht, wenn du gegen einer; Dieb vorgehst, denn groß ist nicht der Große, der habgierig ist. Deine Zunge soll den Ausschlag an der Wage anzeigen, dein Herz das Gewicht sein, deine Lippen ihr Batten. Wenn du dein Gesicht bedeckst gegenüber dem Gewalttättgen, wer soll dann die Schandtat rmtevdrücken? Siehe, dir bist ein Bösewicht unter den Waschern, der habgierig ist und das Vertrauen täuscht, wenn er seinen Auf- , ' traggeber verläßt wegen seines Freundes, der sein Bruder ist, indem er kommt und ihm die Arbeit abliefert. Siehe, du bfft ein Fährmann, der nur den Bollzahlenden übersetzt — ein Rechtschaffener, mit dessen Rechffchaffenhett es schlecht bestellt ist. Siehe, du bist ein Scheunenmeffter, der keinen Armen ohne weiteres vorübergehen läßt. Siehe, du bist ein Fatte für die Menschen, der von ^den Kleinen unter den Vögeln Xeüt Siehe, du bist ein Küchenmeister, dessen Freude das Schlachten ist, und bei dem es keine Auflehnung gibt. Siehe, du bist ein Hirt, der das Unheil nicht von seiner Herde abwehrt. Warum hast du sie nicht gezählt, so daß du Verlust erlittest durch das raubende Krokodil, als die Kälberställe fern waren von den Ortschaften des ganzen Landes? O Hörender, hast du früher nicht gehört? Warum willst du denn jetzt nicht hören? Heute gerade habe ich das wütende Krokodil abgewehrt, als es der Herde nachstellte. Wann endlich willst du es ausführen, daß das Geheimnis des Rechtes gefunden und der Rücker; der Lüge zu Boden gestürzt wird? Belüge nicht der; morgigen Tag, wenn er noch nicht gekommen ist, denn man kennt nicht das Unglück, das an ihm kommen kann." Dieser Bauer sagte nun diese Rede zu dem LBerkärnmerer Renst, Sohn des Merm, am Eingang der Gerichts- Halle. Da ließ er zwei diensttuende Beamte mit Peitschen gegen ihn Vorgehen. Sie prügelten alle feine Glieder mit ihnen. Dieser Bauer sagte: „Der Sohn hgs Meru irrt sich.. Sein Gesicht ist blind geger; das, was Zr sieht, und taub gegen das, was er hört, und irregeleiteten dem, was ihm berichtet wird. Siehe, du bist eine Stadt ohr;e ihren Bürgermeister,!vie eine Behörde ohne ihren Leiter, wie ein Schiff ohne einen Kapttän in ihm, eine Truppe ohne ihren Anführer. Siehe, du bist ein Richter, der Mehlt, ein Bürgermeister, der Bestechurrger; annimmt, ein Landrat, der Rmü> unterdrücken sollte, aber zu eirrem Beispiel für den lyttd, der ihn üegchen will."' - - - .