Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3020 (27.7.1927)
- Date
- 1927-07-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 •JRtcn, Mrttwock» flUllAlftiUI tfWfritTrt if il A wtdicr «ZkvkgEllAE mutg 27. Mi 1927 Nr. 3020 Sin bestialischer Batemord, 8lf Beilhiebe «gen das Haupt. 1 nurl" Da hat die Neunzehnjährige im gangen e £f*tn a I gegen den ZLopf des Vaters geschlagen. Die Mutter bleibt trotz des Geständnisses der Tochter noch immer dabei, daß ein Raubüberfall vorliege. Furchtbares Verbreche« an einem Knabe«. MWumelt ermrdet ms dm»M. * Budapest, 25. JE Heute früh wurde am äußeren Hungariaring in einer wenig bewohnten Gegend der Leich- Nam eines 15- bis 16jährigen Knaben gefunden. Es wurde festgostellt, daß er in bestialischer Weise ermordet worden ist. Sein Gesicht ist bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Tie Ohren sind abgeschnitten. Eine Reihe von Tetektivs sind am Schauplatz erschienen und haben die Recherchen eingeleitet. Ter Knabe wurde auch beraubt. Wahrscheinlich tvar er auf dem Heimwege uttfr wurde von den Mördern überrascht. Opfer und Mörder agnosziert. Der Ermordete ist der 16jährige Gewölbediener Johann M r e s z 1 c r. Es ist ein aus der Provinz ^gereister Bursche, der eine bescheidene ^Anstellung hatte und obdachlos war. Er verbrachte die Nächte in einem Stalle. In einem benachbarten Stalle tvar der 21jährige verheiratete Stalldiener Josef Bar na angestellt, der aller Wahrscheinlichkeit nach der Mörder seines freundes ist, um sich in den Besitz von 70 Peugö und der Nickeluhr Prcszters zu setzen. Barna ist geflüchtet. Zwischen dem Mörder und seinen: Opfer bestand eine Freundschaft, die zu verschiedenen Bemerkungen seitens jver Nachbarn Anlaß gab. Indessen handelt es sich nicht um einen sexuellen, sondern um einen Raubmord. Gistmordafsöre in Prag. Prag, 26. Juli. (Telcomp.) Der Kaufmann N e ubelt, Inhaber des Uhrenversandgeschäftes Hans Konrad, und seine Frau Antonie wurden heute in Brüx unter dem Verdacht des Giftmo rdVersuches an der Witwe des verstorbenen Kommerzialrates Hans Konrad, Frau Marie Konrad, einer Schtvester der Frau Neubelt, verhaftet. Frau Marie Konrad erkrankte vor kurzem zweimal an Vergrftqngsevscheinungen. -Die Untersuchung ergab,, daß iltzren Speilsen große Mergeln Veronal beigemewgt worden tvaren. Daraufhin lvurde Frau Neubelt, verhaftet, da sich der Verdacht. ergab, baß sie die - Frau Kmradi beseitigen wollte, um sie zu beerben. * Im Zusmnmenhang mit einer zweiten Affäre ergab sich auch Verdacht gegen ihren Mann, der ebenfalls verhaftet wurde.. Herr Neubelt hatte ein Verhältnis mit einer bei ihm beschäftigt gelassenen Kontoristin, die für chn mit dem Rezept eines Prexauer Arztes zweimal je eine Schachtel Veronal geholt hatte. Das Mädchen, das befürchtete, in die Angelegenheit verwickelt zu werden, brach mit Neubelt und äußerte Selb stmvrd a bsichten. BswKMftritm k*xpti«incsmittei rt»SgWWjfeHUCt*£o.^ Nersbelt gab ihr Veronal und sagte gleichzeitig, daß er sich und seine beiden Kinder am gleichen Tage erschießen w«ck>e. Gleichzeitig diktierte er ihr einen Abschiedsbrtef. Das Mädchen nahm das Gift, mußte es aber erbrechen, so daß sie gerettet werden konnte. Sie sah nun;, daß Neubelt nicht im entferntesten daran gedacht hatte, Selbstmord zu verüben. Die Polizei, die von der Sache erfuhr, verhaftete Neubelt. Raubmord in Bukarest. Der MMmiWM Solofom erautaet Bukarest. 26. Juli. (T.-K.) Gestern wurde ein sensationeller Raubmord entdeckt, der sich während der Begräbnisseierlichkeiten für König Ferdinandin einem äußeren Bezirk Bukarests ereignet hatte. Der Multimillionär Zolakolu wurde in seiner Kanzler erdrosselt auf gefunden. Die eiserne Kasse war aufgebrochen, ihr Inhalt fehlte. Zolakolus Vermögen wird auf zirka 300 Millionen geschätzt. Bon den Tatern fehlt jede Spur. Mtualmordhetze der Berliner Hitler- Srganr. Das seit einigen Wochen in B e r Irm unter der Redaktion des Nationalsozialisten Goebbels erscheinende Montagsblatt „Der Angriff". j>as in den Straßen gratis verteilt wird, bringt irr seiner Nr. 4 unter der Ueberschrift „Es war ja nur ein armes deutsches Mädchen" eine mrgeblich aus Kreisen des Berliner Polizeipräsidiums stammende Zuschrift, in der auf die vor einigen Monaten irr Berlin borgekommene Ermordung des Dienstmädchens Margarete Kaeding zurückgegriffen und erzählt wird, daß am Hals der Ermordeten sieben schvere Messerstiche festgestellt wurden, die die Wirbelsäule freigelegt hatten. Zum Schluß heißt es: „Hält das' Polizeipräsidium die Berliner Einwohnerschaft wirklich für so naiv, daß es glaubt, ihr weismachen zu dürfen, es handle sich um einen Raubmord?, 7 Ist es ihm unbekannt, daß ür Pankow hartnäckig das Gerücht festgesetzt hat, es könne sich beim Fall Kaeding um einen Ritualmord handeln, rmd weiß das Polizeipräsidium, lvas seine Erklärung angesichts dieses Gerüchtes bedeutet?" lleberlall auf gudvr. Das «Kölner jüdische Wochenblatt" teilt mit: 3km Tage der Repräsentantenwähl zur Wuschen Gemeinde wurden Wähler von Hitler-Banditen überfallen. Dabei wurde das Mitglied der jüdischen Gemeinde, Herr Domb, schwer verletzt und mußte sich in Krankenhausbehandlung begeben. Bei der jetzt stattgeftmdenen Gerichtsverhandlung ist der Hauptangeklagte freägesprochen worden. P r e-ßEnru: g. 20. Juli. Eine schreckliche Bluttat, die vor mehr als Wochcnsrist in dem kleinen Orte N e u d e k in der Tschechoslowakei verübt wurde, hat nunmehr ihre Aufklärung gefunden. Es handelt sich um einen Vatermord, den die 19jährige Tochter des Ermordeten auf Anstifter: der Mutter,' zum Teile aus E r b s ch a ftsgasümdem, verübte.' Am 16. Juli, um halb 11 Uhr nachts, ton die Wirbschastsbesitzersgattin Johanna L i l I weinend und in höchster Aufregung in das Gemeindegaschaus, wo sich ihre beiden Sohne aufhielten, und rief ihnen zu: «Schnell zum Arzt, unserem Vater ist sehr schlecht!" Ein Arzt und Ortsbewohner begaben sich hiermkf zu dem etwa eine halbe Stunde vom Orte in völliger (Msamkeit gelegenen H a m m e r h ä u s e l g n t, dem Besitze Lills. Sic fanden den 50jährigen Litt st e r b c n d auf einem Diwan gebqttet mrd sein Kopf wies e l f f mr ch t-!►« r-c Hackenhiev e auf. Zu Füßen des Sterbende» karrerke schreiend mrd halb ohnmächtig die Idhrige Tochter. Das Fenster war eingefchlagen, doch zeigte sich bald, daß dies von innen aus geschehen war, und zwar erst nach der Tat, da der Fensterrahmen Blutflecken nufwies. Gattin und Tochter behaupteten hingegen, Räuber seien eingedritugen und hätten den Mann, der sich wegen einer Fußverlctzmrg nicht bewegen konnte, erschlagen. Sie selbst hätten sich vor de« Anhold in den Keller geflüchtet. Sin Polizeihund nahm., die Spur auf und führte die Gendarmen vom Hause ans auf du Feld, wo sich das blutbefleckte Beil vergraben vorfand. Die weiteren Nachforschungen ergaben immer mehr die Unwahrscheinlichkeit eines Raubmordes. Die Gendarmerie brachte zutage, daß der Ermordete mtt seiner Frau in Unfrieden gelebt hatte, Werl er sich ständig ^weigerte, die Hälfte des Anwesens auf sie Aberschreüben zu lassen. Auch zjvifchen ihm und der Tochter bestand Feindschaft. .Das Mädchen führte einen l»e-ichtts Inni g e ck Lebenswandel und der Vater hatte ihr oft gedroht: «Wenn ich gesund bin, werfe ich dich hinaus." Da Wh bie Verdachtsmomente immer mehr verdichteten. würde vergangenen Sonntag, abends, zur Verh-crftar n g von Mutter und Tochter geschritten. 'Auf dem Wege zmn Gericht simulierte die Frau einen Ohnmachtsarrfall. Bei dieser Gelegenhett hörte der Gendarm, wie die Tochter der Mutter znfiusterte: »Meine nicht, im Notfall nehme ich alles auf mich." Dümrch war der Bewds so ziemlich erbracht, daß die d9j§hrige Tochter auf Anstiften der Mutter den Vater erschlagen hatte. Es währte 48 Stunden, ehe die Vatermördern: ein Geständnis ablegte. Sie hat die Tat um 1# Uhr abends vollbracht, als der Vater bereits s-chltteff. Er erwachte mrter den ersten Hieben, ballte die Fäuste rmd schrie d^e Mörderin an: „Warte nur, warte des ägyptischen Bauers Anklagen tot dem Lberkammerer. Eine, wahre Fundgrube ist das in Eugen DiüderichZ Verlag, Jena, erschienene Buch „Ättägyptische Erzählungen und Märchen", das wir in unserem ,Duch der Zeit" bereits angezeigt habeü. Eines der wertvollsten Stücke der Sammlung sind „3¥e neun Klagen des klugen Bauers Ghun- Armp". Als Probe bringen wir die drei ersten Erfte^Klage^dcs Chmr-Annp vor dem Oberkawmerer Rmsi. Der Bauer kam, rrm dem Obettämmerer Rensi, Sohn desMeru». seine Bitte zum ersten Male vorzutragen, und er sagte: „O^Oberkämmerer, mein Herr, Größter der Großen, Letter des Nrchtseienden und Seienden! Wenn du zum See der Gerechtigkett hmabsteigst und auf ihm segelst, so wird dein Segel nicht des Leinens entblößt, und dein Schiff bleibt nicht stecken! Kein Unheil fallt auf deinen Mast, deine Pflöcke am Schrffsttmde werden nicht abgebrochen, und du. strandest nicht, wenn du auf das User fahren willst. Die Strömung ergreift dich nicht und du kostet nicht die Tücken des Stromes. Du siehst kein furchtsames Antlitz. Die scheuen Fische kommen dann zu dir, und du erlangst fette Gänse. Denn du bist der Vater der Waise, der Gatte der Witwe, oer Bruder der Verstoßenen, der Schutz der Mutterlosen. Lass mich deinen Namen in diesem Lande fester als jedes gute Gesetz arrfftellrn, o Führer, der frei von Raubgier ist, o Großer, der frei von Niedrigkett ist, der die Sünde vernichtet und das Reckt schafft,, der kommt auf den Ruf des Klagenden: Wirf tos Mise zur Erde! Ich rede, damit du mich erhörst. Tue recht, du Gepriesener, den die Gepriesenen preisen. Beseitige meine Unterdrückung! Siehe, ich bin beladen mit Kummer, und ich bin elend durch ihr:. Prüfe mich, denn ich habe tvahrlich einen Verlust erlitten." Der Pharao wünscht die Klagereden des Ehun-Anup zu hören. Dieser Bauer sprach diese Rede m der Zeit der Majestät des seligetz Königs Neb-kaw-re. Da ging der Oberkämmerer Rensi.' Sohn des Meru, vor Seme Majestät und sagte: „O mein Herr, ich habe einen von jenen Pauern gesunden, der ganz ausgezeichnet schön zu reden weiß. Seine Habe ist ihm von einem meiner Untergebenen geraubt worden, und nun kommt er, um mir deshalb seine Bitten vorzutragen." Seine Majestät sagte: „Bei deinem Wunsche, daß du mich gesund zu sehen wünschst, du sollst ihn hier zurückhalten, ohne auf irgendetwas, das er sagen wird, zu antworten, damit er . weiter beim Reden bleibt. Auch soll seine Rede uns ausgeschrieben gebracht werden^ damit wir sie Höven. Sorge auch dafür, daß die Frau dieses Bauern und seine Kinder leben können. Siehe, einer von jenen Bauern soll kommen, um Not von seinem Hause fernzuhalten. Sorge auch, daß dieser Bauer selbst, leben kann. Du sollst aber veranlassen, daß ihm Speise gegeben werde, ohne daß er weiß, daß du es bist, der sie ihm'gibt. Sie soll seinen Freunden gegeben werden und. seine Freunde sollen sie ihm geben." » Da gab man ihm täglich vier Brote und zwei Krüge Bier. Der Oberckämmerer Rensi, Sohn des Meru, gab sie,' und zwar gab er sie seinem Freunde und dieser gab sie ihm. Dann schickte der Oberkämmerer Rensi, Sohn des Meru, zu dem Dorfschulzen der Oase Salzfeld und veranlaßte den Unterhalt der Frau dieses Bauern mit einem viertel Scheffel Getreide tägHch. Zweite Klage. H Drefer Bauer kam, um ihm seine Bitte zum zweiten Male vorzutragen, rmd er sagte: „O Oberkämmerer, men: Herr, Größter der Großen, Reichster der Reichen, der wirklich ein Großer für seine Großen und ein Reicher für seine Reichen ist! Du Steuerruder des Himmels, du Stützbalken der Erde, du Schnur des Ausschlaggewichts der Wage! Steuerruder, weiche nicht ab! Stützbalken, wanke nicht! Schnur, mache keine Krümmungen! Darf ein großer'Herr einer Frau etwas tvegnehmen, die feinen Herrn hat, und von dem einzelnen rauben? (Und dann sagen:) Dein Unterhält ist ja in deinem Hause, ein Krug Bier und dreüBrotel Was*weiHestUmaderrn auf, wenn t du deine Untergebenen sättigen tvillst? Wer stirbt, sttrbt mit seinen Leuten — aber bist du nicht ein Mann der Ewigkeit? Ist es denn nichts Schlimmes: eine Wage, die schtvantt, ein Wägegewicht, das abweicht, ein Rechtschaffener, der zum Fälscher geworden ist!? Siehe, die Gerechtigkett wird dich wegtragen, tvenn sie von ihrem Platze vertrieben wird. Beamte machen Unterschlagungen. Das Ergebnis einer Rede wird auf die Seite gebeugt. Die Untersuchenden begehen Raub. Wer jemanden wegen einer falschen Aussage sestnehmen soll, begeht Verrat dabei. Wer Lust geben soll, schnürt die Kehle ab. Wer erleichtern soll, bringt außer Atem. Wer teilen soll, wird zmn Räuber. Wer die Unterdrückung vertreiben soll, befiehlt sie selbst, und er macht die Stadt zu seinem Teich. Wer Unrecht unterdrücken soll, begeht Unterschlagung." Da sagte der Oberkämmerer Rensi, Sohn des Meru: „Was ist wichtiger für dich: deine Angelegenheit oder daß' mein Diener dich wegbringen muß?" Da sagte dieser Bauer: „Wer einen Kornhausen mißt und für sich etwas unterschlägt und wer für einen anderen einfüllt, verletzt seine Pflicht. Wer zu den Gesetzen letten sollte, befiehlt einen Rauh. Wer ist eS, der das Schändliche abwehren soll, wenn der, der das Unrecht vertreiben soll, Betrügerei verübt? Wer den einen zurechtweisen soll, schädigt ihn. Findest du hierin etwas für dich? Besserung ist kurz, Unrecht währet lange. Konrmt ein Wohltäter au den Ort,'an dem er gestern war, so ist es ein Gebot: Erwidere die Tat dem Täter, damit er sie wieder tut. Das ist der Dank au jemanden für das, was er getan hat; es ist eine Warnuirg vor dem Losürechen; es ist Befehl an den, der einen Aufttag auszuführen hat. Möchte doch der Augenblick kommen, der zerstört, der deine Weinlaube umwirst und Schaden in deinem Geflügelhof anrichtet und aufräurnt mrter deinen Gänsen. Dann wird der Sehende blind hervorgehen, der Hörende taub und der Führer wird zum Verirrten. Wahrlich, du bist stark, du bist mächtig! Dein Arm ist gewalttätig, dein Herz ist räuberisch. Sanftmut ist an dir vorbeigegangen. Wie beklagenswert ist ein Elender, den du zugrunde geruhtet hast. / '