Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3020 (27.7.1927)
- Date
- 1927-07-27
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8020 Wien. Mittwoc:, WiS!E Vc 0 Jas Erdbeben in Sefte Sester« mittag« ein «euer krdstoß 4 Das Erdbeben, baS Montag abends in Wien verspürt tvurde^ ist nach den seither eingelaufenen Meldungen im ganzen Lande Salzburg sowie in der ganzen Steiermark beobachtet worden. Während in Salzburg das Beben leichter Natur war, waren die Erschütterungen in der Steiermark ziemlich heftig. In Aflenz stürzten Schornsteine ein und einzelne Häuser bekamen Sprünge. Die Bewohner wurden arg in Schrecken versetzt. Vom Postgebnude in Au-Seewiesen.stürzte der halbe Plafond ein. Besonders stark wurde das Erdbeben im Mürztal wahrgenommen. Der Seismograph der Grazer Universität sprang beim ersten Erdstoß aus seinen Angeln und wurde gebraüchsunfäyig. Kach einer Meldung aus Nürnberg wurde auch dort Montag »m 6 Uhr 38 Minuten abends ein von dumpfem Getöse begleiteter Erdstoß verspürt, der etwa 4 Sekunden dauerte. Nach uns zugekommenen Beobachtungen ist gestern um 1 Uhr 15 Minuten nachm'ttags in W i e n an einzelnen Stellen ein neuerlicher E r d st o ß verspürt worden, der jedoch leicht und von kurzer Dauer (etwa 2 Sekunden) war. Die Beobachtungen wurden'hauptsächlich im 9. Bezirk sowie in der Nähe des Donaukanals gemacht, Einzelmeldungen langten auch aus Ottakr'ng ein. Die Wiener Meteorologische Zentralanstalt, mit der die Erdbebenwarte verbunden ist, hat von >dem gestern stattgesundenen Erdbeben offiziell noch keine Kenntnis. Dies war aus dem Mnnde 'hres Leiters bekanntgegeben worden, während am Abend vorher beim ersten Wiener Erdbeben ein Monteur bereitwilligst und sachkundigst Auskunft geben konnte. Der Erdstoß von gestern nachmittags wurde auch in Graz, ibenfalls ganz leicht, verspürt. Auch ln der Tschechoslowakei. Prag, 26. Juli. (Dsch. P. B.) Das Geophysrsche Staatsamt teilt mit: Montag, den. 25. Juli, 21 Uhr 35 Mirmten 18 Sekunden, verzeichneten die Seismographen des Staatsamtes ein Nah beben. - Nach bereits eingegangenen' Nachrichten ‘ wurde das Erd- -eben auch in der Umgebung von Znaim und in der Nähe ron Prag verspürt. - zur Geschichte der Erdbeben l« Palästina. Im meteorologischen Bulletin des Jahves 1903 hat der griechische Meteorologe Arw a nt he kos die Nachrichten über Erdbeben in Palästina und seiner Umgebung, die im Verlaufe der Jahrtausende bekanntst ewordew sind, zü- »ammengestettt.- Seit der sagenhaften Zerstörung von S o- -vm und G omorrha verzeichnet ArwantheVos in,seinem Aufsatz bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Nachrichten über 86 Erdbeben. DE davon bezeichnet er als Ktveifelhast, darunter auch den Untergang von Sodom und Gomorrha, der jedoch mit ziemlicher Sicherheit auf ein katastrophal es'Naturereignis zurückgeführt worden kann. Arwanthekos analysiert die einzelnen Berichte genau und es ergeben sich zwei Gruppen voll Erdbeben im palästin nsisch-syrischen Gebiet, die eine von solchen, die sich in krlsrze.lt J> n t c r v a l l e n mehrmals lviederholen, die andere — und ihr gehören die meisten Erdbeben an — welche, einmalig in langer! Intervallen auftreten. » Unter den einmalig auftretenden Erdstößen waren die stärksten "der des Jahres 1769, durch den ganz S afed zerstört wurde und Felsen einsanken; ferner das ausgedehnte Erdbeben des Jahres 1834, durch das halb Akko beschädigt wurde, Jeru salem, Askalon, Liberias und andere Städte schwer litten und im Libanon sich neue Täler bildeten, am Ufer des Liberias-Sees eine alte Quelle verschwand und Wer neue auffprangen,. sowie schließlich die Beben des Jahres 1837 und 1838, deren erstes abermals Safed stark in Mitleidenschaft zog, während dem zweiten fast die ga nze Stadt Jaffa, die damals 3000 Einwohner zählte, zu'm Opfer fiel. Das vor kurzenr stattgefundene Erdbeben in Palästina ist dass dritte im Laufe des 20. Jahrhunderts. Bon den in kurzen Intervallen sich mehrmals wiederholenden Beben ist das des Jahres 1759 im Gebiete von Baalbek bemerkenswert; damals wiederholten sich die Erdstöße viele Male irn Verlaufe von etwa acht Monaten. Dem ersten Stoß fielen etwa 20.000 Menschen zum Opfer. Interessant sind barometrische Veränderungne, welche Dr. ß. Baruch im Zusammenhang mit den kürzlich erfolgten Beben in'Palästina konstatiert hat. Am 11. Juli morgens, kurz vor dem Erdbeben, betrug der Barometerdruck 766.8 Millimeter; während des Erdbebens fiel das Barometer auf 754 Millimeter und nach dom Beben noch weiter bis auf'761 Millimeter. Am 12. und 13. Juli betrug der Barometerstand 754 Millimeter. Ob diese Lustdruckveränderungen direkt mit dem Erdbeben in Verbindung stehen, ließe sich nur im Bergseich mit den benachbarten Gegenden feststälen, in denen kein Erdbeben ftattgefunden hat. Die Nationalbibliothek der hebräischen Universität in Jerusalem hat jetzt eine Ausstellung von Büchern und Diokumente n, ziurGeschichte der Erdbeben in Palästina veranstaltet. Unter den ausgestellten Objekten befinden sich d-reiBriefe an Rabbi Zwi Leeren in Amsterdam, die ausführlich das Erdbeben des Jahves 1837 in Safed und Liberias schildern, sämtliche Orte verzeichnen^ welche beschädigt wurden und Zahl und Namen der Besvohner, die unter dem Beben gelitten haben, registrieren. Ueberdies ist in der Ausstellung das Buch „Abodath Hadesch" zu.sehen,welches'Jsreal Ben Nvchdem gedruckt hat, nachdem er infolge des Erdbebens des Jahres 1837 seine Druckerei von Safed nach Liberias verlegt hatte. In der Einleitung schildert der Herausgeber und Drucker die Vorfälle in Saf^> während des Erdbebens. Ferner befindet sich in der Ausstellung das Buch „Ahawath Zion" von Simcha Zalv schitzer, welches ebenfalls das Beben in Safed und Liberias schildert. „Gestorben im Dienst des Proletariats." MstltzMe Parten In russische» BIAter«. ‘ ' Berti lt, 26. Juli. (Telcomp.) Die Petersburger Sowjetblätter der beiden letzten Tage brachten über 20 Todesanzeigen hervorragender Mitglieder der Petersburger Sowjetbeanrtenschast. In allen Anzeigen findet sich der Hinweis: „Gestorben im Dienste des Proletariats". Dazu bemerkt das B. T.: „Es ist anzunehmen, daß es sich Um die Opfer eines neuen konterrevolutionären Anschlags hantelt, von dem das jMsland noch nichts weiß." 148 Millionen tzinwohuer in Rußland. Moskau, 26. Juli. Das russische Statistische Zentvalamt veröffentlicht die Ergebnisse der 1926 durchgefühliten Volkszählung. Die Gesamtanzahl der Bevölkerung beträgt 146 Millionen. Die Bevölkerungszahl verteilt sich me folgt: Jnr Verband der russischen Sowjetrepubliken wohnen 100.5 Millionen, im Verband der ukrainischen Sowjetrepublik 88.9, in den transkaukasischen Republiken 5.8, in der weißrussischen 4.9, in Usbekien 6.1 Millionen und rn Dltrkmenien 1 Million Einwohner.' Me englischen Bergarbeiter. London, 26., Juli. (Tel.-Äornp.) Die Jahreskonferenz der Bergarbeiter in Southport hat eine Entschließung angenommen, in der die sofortige Ration a l i s i e r u n g d e r Gruben gefordert wird. Die Gewerkschaft der Bergarbeiter zählt gegenwärtig nur noch 400.000 Mitglieder gegen 860.000 vor dem bergen beiterstreik. Balsam >- 79 Jahre. London, 25. Juli. Lord Balsour, der heute 79 Jahre alt wurde, beging seinen Geburtstag damit, daß er dre Vertretung des Kolonlalministers Amery übernahm, der eine sechsmonatige Reise nach den britischen Donnnions antrat» . Das Budapester Panama. . zahlreiche knthastungeu. Budapest, 26. Juli. (Telcomp.) Der Anklagesenat des Budapester Strafgerichtshofes hat heute dem Antrag des Verteidigers des wegen der Bestechung von Amtspersonen in Hast genommenen Prodekans der Budapester Universität, Prälaten Pros. Dr. Josef Siegescu, stattgegeben und den Professor gegen eine Kaution von 625 Millionen Kronen auf freien Fuß gesetzt. Der Professor hat nachmittags bereits das Gefängnis vev- Gleichzeitig wurden der in die Panama-Affäre der Lieferungen an die Budapester Universitätsklinik verwickelte Richter Zoltan Toldy und drei Rechtsaumälte, in Ermangelung von Beweismaterial enthaftet. Politische Schießerei. Sieben verletzte ttnntische Studenten. Belgrad, 2«. Juli. iU. T.-K.-B.1 «!- 'aus Spalato gemeldet wird, wurden auf mehrere, in Castelnuovo sich aufhaltende kroatische Studenten von unbekannten Tätern Revolverschüsse abgegeben und Steine geworfen, wobei sieben. Hochschüler schwer verwundet wurden. Die Attentäter sind entkommen. 8» wird weitergerllftetl Berlin, 26. Juli. Wie der „Lvkalanzeiger" aus New York berichtet, spricht man in Kreisen des mnerikanischen Marinedepartements von dein Bau einer neuen Unter s e e f l o t t e, die aus 3000-Tonnen-Booten bestehen soll. Jedes Schiff ivürde 6000 Dollar kosten. * Der Flug Lettner. sr m den mmm «uff Berlin, 26. Juli. Nach Blättermeloungeir aus Neiv- York verlautet, daß Levine seine Absicht, nnt Drouhin in der „Columbia" nach Mwyork zurückzufliegen, aufgegeben hahe. Ter Paris—Newyorker-Flug soll von Leutnant Drouhin und einem anderen französischen Flieger mit der „Eolumbia" ausgesührt werden. 27. Juli 1927 Seit« 8 Bitte, nicht beben! Aa Stau gellt, Kosmos, Stemenftraße. Der am Schlüsse dieses Schreibens in Verehrung Gefertigte, einer Ihrer unzähligen, Ihnen wahrscheinlich gänzlich unbekanntten Söhne, ich also erlaube mir, Sie Kr bitten — beben S t« nicht! Es ist;a durchaus verständlich, dast Ihre Galle Sie dazu zwingt, za cs ist sogar wahrscheinlich, daß Ihnen dieses Organ delikate Schwierigkeiten bereitet. Kein irdisches Wunder fürwahr, wenn Ihnen ob der Geschichten, die Ihre legitimen und — verzeihen Sie — illegitimen Kinder anstellen, die Galle übergeht und Sie erbeben macht. 'Aber wissen Sie, hochverehrte Mama Erde, daß Sie mit einem Zucken Ihrer Schulter nur furchtbare Katastrophen anrichten? Als Sie gestern die Achsel geschupft haben, weil — wahrscheinlich an dieser Stelle — Ihnen stie Wiener Schmerz bereitet -haben mit dem Jrrsinnsanfall vom 15. Jutt. Wissen Sie, was da geschehen ist? ' Erschrecken Sie, bitte, nicht! Nein, es ist tvedrr die Burg eingcstürzt, noch die Oper, auch die Wasserleitung wurde nicht beschädigt noch der Wiener-Neustädter Kanal. Das nicht. Etwas viel, viel UnanDwhmeres ist geschehen. Säe werden vielleicht wissen, daß es zur Beobachtung Ihrer Wallungen eigene Institute gibt, nicht wahr? Denken Sie, was Sie nun angestellt haben? Sie erschütterten, nicht nur die Apparatur, Sie erschütterten auch den Herrn Professor, so der Anstalt Vorsicht, ur seiner Sommerruhe. Zwar bemiUjte sich ein Monteur uni wissonschrstliche Erkenntnisse, doch waren die Zeitungen, diese ewig-neugierigen, nicht damit zufriedenzustellen. Nun ist der Wiener Erdbebenprofessor — wir haben ja nur einen — Ihnen, o erhabene Erdmutter, furchtbar böse! Er verleugnet Sie, er nimmt Ihre Zuckungen nicht zur Kenntnis — es gibt für ihn kein Beben! Offiziell haben Sie nicht gebebt! Das geht nicht. Sie müssen Ihre Organe unter allen Umständen beherrschen. Vielleicht versuchen Sie es mit kalten Waschungen — lassen Sie regnen — bei der Hitze hätten wir Menschen nichts dagegen und überdies dämpfen Regengüsse auch .Tumulte, Hakenkreuzlermanöver und Brände von öffentlichen Gebäuden. So brauchen Sie nicht vor Aerger zu. erbeben, dic Häuser erhalten keine Risse und der Vorstand der Wiener Erd bebenwarte kann tn Ruhe baden gehen. Dies in Verehrung, schöne Mama Erde, von Friedlich Car r. Ausgleich Mischen Ford und Bernstein. Newyork, 25. Juli. Die Verleumdungsklage des Newyorker Publizisten Hermann Bernstein, gegen H e n r Y.Ford,rn welcher . Bernstein die Entschädigung von 100.000 Dollars verlangt, ist außergerichtlich geregelt worden. Der Anwalt Bernsteins gibt bekannt daß sich Ford dazu bereiterklärt hat, die Kosten des Verfahrens zu tragen und ebenso die Exeinplare des. „Dearvorn Independent", soweit es möglich sein wird, . 3» vernichten, in denen Verleumdungen gegen Bernstein ausgesprochen wt rden. Die Klage ist vor zwei Jahren infolge eines Artikels im „Dearborn Jndechendent" cingpreW worden, im dem gesagt wurde, daß Hermann Bern stein bei den Friedensverhandlungen in Paris im Sinns des Mischen Geheimzentrums und zum Schaden der Welt gewirkt habe. Diese Behauptung ist dann auch in das Buch „Der internationale Jude" übernommen worden. , Ser Sohn oes Henry Ford. Aus der Umgebung Fords wird mitgeteilt, daß der Svhn Henry Fords, Edsel Ford, es gewesen sei, der die Abkehr des Autokönigs vom!A!ntisemitismus durchgesetzt hat. In diesem Zusammenhang wird weiter erzählt, der junge Ford habe vor etwa einem Jahrs Verhandlungen mit Vertretern der Zionistischen Investment Corporation wegen Investierung von einer Million Dollar in Hypotheken in Palästina angeknüpft hat, wobei der bekannte Zionist «Morris Friedb erg aus Detroit der Vermittler gewesen sei. In zionistischen Kreisen tvehrte man sich jedoch dagegen, daß Kapital ans dem Haust Ford beim jüdischen Aufbauwerk eine Rolle spielen sov und das Angebot wurde abgelehnt. Der verstorbene König von Rumänien, Ein Legat für jüdische Synagogen. Bukarest, 26. Juli. Der verstorben« König hat in seinem Testament auch einen Betrag für jüdische Synagogen hinterlassen. Die Union rumänischer Juden hat an die königliche Familie ein Kondolenztelegramm geschickt. Am gestrigen Samstag wurden in allen Synagogen Rumäniens Trauerandachten abgv-. halten. Die Zionistische Organisation Rumäniens hat beschlossen, den verstorbenen König in das Goldeue Buch deS Jüdischen Nationalfonds eintragen zu lassen. Die Organisation hat ferner an die Königin Maria und an den Premier B r a t i a n u Kondolenztelegramme geschickt. iln Me rumönlskher Gesandter ln London r Bukarest, 26. Juli. (I. T. A.) „Zldeverul" teilt iauS autoritativer Quelle mit, daß derjüdischeAdvokatRosenthal zum rumänischen Gesandten in London ernannt tv-erden wird, nachdem der bisherige Gesandte, Ti tu lesen, Außew« minister des Kabinetts Bratiamc geworden ist. Advokat Rosmtha! ist einer der prominentesten Juristen Rumäniens. Er war ein Mitglied der rumänischen Delegation bei der Frteden'Skonferenz. Mvlft« Sotai Sonl na die StDSKetung, B uk a re st, 26. Juli. (I. %. A.) In einem Interview mit dem Redakteur der „Lupta" sagte Minister Duea, die jüdichen Wähler hätten zu dem Wahlsieg der liberake, Parte» ungeheuer viel beigetragen; sie hätten sich als ein schr disziplimertes Element erwiesen, das den Führern folgt. 6