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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-26 · Heft 3019 (26.7.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3019 (26.7.1927)
Date
1927-07-26
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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vck. K6M Gien, Dienstag Meser Morgenzeitung 26. Jikli 1927 Seite N SttafanWab für Alerander »ei«.!Auf Grund des neu ein gebrachten Strasartsschubgesetzes ist dem ehemaligen Chefredakteur des „Abend", AleranK^r Äeisz, ein neuer Strafaufschub bis 20. Oktober bewilligt worden. Im Gesuch wurde auf das Wiedermtsnahmebegehren hingewiesen, das Mexander Weisz vor einiger Zeit an das Landesgericht gerichtet hat imd in dem geltend gemacht wurde, daß Weisz für seine alte Mutter zu sorgen habe, deren Existenz von seinem Erwerb abhängig ist. Das Landesgericht hat dem Gesuch mit der Begründung stattgegeben, daß tatsächlich Vorerhebungen im Zusammenhang mit dem Wiederaufnahmebegchren im Zuge sind und Weisz Gelegknheit gegeben werden müsse, jenes ergänzende Material persönlich herbeizuschaffen, das zur Durchführimg der Erhebungen notwendig ist. Der Wiener Korrespondent der I. T. A. gibt eine Uebersicht des beim Brande des Justizpalastes am 15. Juli vernichteten jüdischen Akten- und Archivmateriales. Bei dem Brande im Wiener Justizpalast wurden Hunderttausende Akten und Dokumente jüdischen Inhalts von historischem Wert vernichtet. Erst in den letzten Jahren begannen jüdische Historiker mit der Sichtung dieses Materials, das ungefähr sechs Millionen Aktenstücke umfaßte; der größte Teil blieb undurchforscht und ging nun der jüdischen Geschichtswertung verloren. In den Archiven des medergebrannten Justizpalastes befanden sich unter anderem folgende jüdische Ataterialicn: Alle Dokumente betreffend die jüdische Bevölkerung Galiziens und der Bukowina in den Jahren 1772 biS 1880; das gesamte Aktenmaterial betreffend die Juden Mährens, Böhmens, Schlesiens, Transsylvaniens, sowie aller österreichischen Erbländer, einschließlich Wiens aus den letzten vier Jahrhunderten. Historisch sehr bedeutsam waren die Akten des einstigen „Judenamtes" aus der Toleranzzeit. Ferner wurden vernichtet die Dokumente der jüdischen Geschichte in Benetien und den übrigen einst von Oesterreich beherrschten italienischen Provinzen, sowie sehr viele jüdische Dokumente aus den Archiven der alten kaiserlichen Hauptkanzleien, der Vorläufer der späteren Ministerien. Vernichtet wurden diegeheiyren Polizeiarchive Josef II., die zahlreichen Geheimberichte über historisch-jüdische Persönlichkeiten, Sekten und politisch-religiöse, sowie kulturelle Bewegungen im österreichischen Judentum, sowie aIIe Minrsterrät s p r o t o k olle 'ü v p x wichtige jüdische Angel ege nh eit an, seit 1846; alle Referate der P r o v i n z st a d t h a l t e r über die Lage der Juden und' ihre berufliche Schichtung. Nur ein kleiner Teil der Dokumente wurde' durch die jüdischen Historiker Gerson Wolf, Di. Br owe r, Dr. Schwarz, Pwf.'Bälab'an-und.Dr.. N. M. Gelber kopiert. Das vernichtete Staatsarchiv gehörte nicht alfctit Oesterreich, sondern allen Sukzessionsstaaten gemeinsam; die österreichische Regierung war nur die bevollmächtigte Verwalterin bis zur endgültigen Teilung. Die Vernichtung des Archivs wird, wie es heißt, zu einem d i p l vmatiifchen Briefwechsel zwischen den interessierten Regierungen führen. Das Ausgleichs- und Konkurs-Material. Die Fachgruppe der konzessionierten Ausgleichsvermittler im Gremium, der Wiener HandÄsagenten hat ihre Mitglieder aufgefordert, sämtliches für die laufenden Jnsolvenzverfahren in Betracht kommendes Aktenmaterial in lAbschrift dem Landesgerichte für Z. R. S., Abt.. 49, zur Verfügung zu stellen, damit auf Grund der solcherart rekonstruierten Akten die anhängigen Ausgleichs- und Konkursverfahren ehebaldrgst durchgeführt werden können. zettungsvapler aus Pappeln. Der gslvaltige Jahreskonsum an Holz für Zeitungspapier fordert die Untersuchungen über die produktivste Holzart. Nach dem „Science Service" verbrauchten die Vereinigten Staaten im Jahre 1928 volle 5,565.331 Tonnen Holzbrei für ihre Zeitungen. Nun wird in der Fachpresse von Experimenten mit Pappeln berichtet, die einen Ausweg aus dem drohenden Äkangel. versprechen. Schon Darwin hat beobachtet, daß Bastarde oft außergewöhnliches Wachstum ausweisen. Bei Walnuß - bastarden wurde ein Wachstum bis zu 18 Zoll in 18 Jahren, entsprechend 100 Klafter pro acre, festgestellt. Die Versuche mit Pappelbastarden haben nun eine viel bessere Papierqualität als bei Tannenholz ergeben. Deshalb wird nun an der Vervollkommnung der Kreuzung gearbeitet. Ist einmal die beste gefunden, so läßt sich mit Steckreisern rasch eine beliebig starke Kultur anlegen. Stau »oraursagnug der Lzeanflüge. In emer Erzählung Andersens. Der dänische Dichter Hans Christian Andersen hat bereits vor siebzig Jahren in einer seiner schönen Erzählungen von Luftreifen von Amerika nach Europa gespro- | SPBZIALHAUS fOß STRICKMO0IN M. HOLZER VI, Marlahüferstraße Nr. 89 (neben Flottenkino) — II., Tabor- Straße Nr. 18 (Hotel National) — Karlsbad, Alte Wiese WOLL-TRIKOT. JUMPE R*KL EID IN ALLEN FARBEN S 35"— WASCHSEIDENSTRUMPFE $ 3*90 chen. Es heißt an der betreffenden Stelle wörtlich: „Das Luftschiff war bis aus den letzten Platz von Passagieren gefüllt, denn die Reise durch die Luft geht schneller als die übers Meer. Das elektrische Untlernteerkabcl hatte bereits die Namen der Reisenden nach Europa telegraphiert. Schon ist Europa in Sicht. Die Küste Irlands befindet sich genau unter dem Luftschiff — aber die Passagiere schlafen. Sie wollen erst dann geweckt werden wenn sie ganz genau über England schweben. ES gibt in Europa manches zu sehen, so sagen die jungen Amerikaner, und wir werden dank unseres Luftschiffes alle diese Sehenswürdigkeiten in acht Tagen wahrnehmen." Ist es nicht merkwürdig, daß diese Zeilen siebzig Jahve vor den großen amerikanischen Ozennflügcn geschrieben nmrben? Rückgang der Einnahmen de« Keren Häjessod und de« Keren Kajemeth. «Jerusalem, 22. Juli. (I. T. SIL) Die Gesamteingänge des Hauptbüros des Keren Häjessod bis 30. Juni 1927 belaufen sich aus 303.040 Pfund. Die Eingänge itrt Monat Juni betragen 32.697 Psimd. Länder, die zu den Juni-Eingängen von 1000 Pfund austvärts beigestenert haben, sind: Vereinigte Staaten. 11.743 Pfund, Südafrika 5000 Pfund, Rumänien .3094 Pfund, Deutschland 1486 Pfund, Mgerien 1440 Pfund, Oesterreich 1413 Pfund, Portugal 1050 Pfund, Polen 1000 Pfund. Dazu bemerkt das Hauptbüro des 'Keren Häjessod: Im Juni sind die Eingänge auf einen so niedrigen Betrag gefallen, wie er seit 1925 nicht zu verzeichnen war. Der Rückgang ist dadurch zu erklären, daß die Vereinigten Staaten, die im Mai 33.117 Pfund überwiesen hatten, jetzt nur 11.743 Pfund sandten, llm so mehr ist zu hoffendaß im-Juli, August und September (aer Beitrag der Vereinigten Staaten wieder auf die Höhe konnnen wird. Ter Jüdische Nationalfvnds nahm im Juni 1927 23.089 Pfund ein. In den ersten neun Monaten d, I. 5687 betrugen die Eingänge 187.971 Pfund, gegen 202.982 Psimd in der gleichen Periode des Vorjahres. Bühne und Kunst. Das MuMest in Baden-Baden. HI. Kammermusik. -Der stärkste künstlerische Erfolg des Dr-usckfestes war der in Wien ^bereits bekannten syrischen Suite" für Streichquartett von Alban Berg üefchieden. Sie wurde als einzige Tondichtung über.Wunsch >des Publikums zur Gänze wiederholt. Ein Werk der Vollreife ist auch die neue Klavievsonate von Bela B a r t o I, welche unter Verzicht auf alle äußere gangbare Virtuosität aus der ungarischen FMlore und aus dem Inneren eines einsamen Künstlers schöpft. Die Rhythmik «st Anfang und Ende ihrer Ausdruckstiefe und die Begleitung der Motive durch gekoppelte Sekunden an Stelle der herkömmlichen Harmonik verleiht dem eigenartigen Werke etwas Fernes, Unnahbares. Weit billigere Lorbeeren pflückte der Dalmatiner Krsto Odak mit dem freundlichen Erfolge seines Streichquartettes, welche? in technisch flüchtiger oder unfertiger Arbeit südslawische Melodien dem Hörer mundgerecht macht: Der südslawische Rhapsode, der „Guslar", singt auf seiner Geige, em Dumka-Danz ertönt auf der Viola, schließlich ein Choral, der Reste eines alten Kirchenliedes in sich birgt. Zu den schwächeren Werken zählt auch eine Cello-Klavievsonate von Hermann Reutter, welche umständlich und formelhaft darauflosplaudevt. Biel gediegener und sachlicher ist das zweite Streichquartett des Tschechen Boleslav Martin» gearbeitet. Es verbindet Stimmung und Einfall in seinen empfundenen vier Sätzen, die sich auf dem Untergründe des tschechischen Polkarhythmus formvollendet aufrichten. Hanns Eisler kommt aus dem Schönbergkreise und steigt in seiner kleines! Kantate „Tagebuch" für Frauen-Terzett, Tenor, Geige und Klavier, in die Niederungen des Alltags hinab. Er vertont Eindrücke, tvie sie ihm tagsüber mehr oder weiniger zufällig begegnen — vom Reisen, vom Baden usiv. —, er flicht seine Lieblingsphrasen ein — „es trieft das Naß von meiner Glatze" —, aber bei allen Trivialitäten und Banalitäten der Texte, aus denen er knappe, durch nette Jnstrumentalsätzchen verbundene Gesangsenseinbles. formt, wird er niemals langweilig oder banal. Ebensowenig wird er freilick von literarischen Skrupeln geplagt. Es sind eben flüchtige Musi kalische Augenblicksbilder aus dem Alltag, in Musik festgehalten Dagegen schlägt der Berliner Tondichter Max Butting, feit Vielschreiber, sondern ein musikalischer Adelsmensch, in seinen viersätzigen Duo für Violine und Klavier ernstere Töne an Seine reine, keusche Musik, welche trotz einer unzulängliche» Aufführung mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde, atma gleichsam Höhenluft. Sie strebt in ihrer Formen- und Satzkunst in ihrer rhythmischen Eigenart und in ihrer vornehmen, verhaltenen Melodik von der Schablone weg Wer die Niederunge» des Alltags hinaus. lim die Aufführung -der Kammermusikwerke machten sich dal Ä m a r - tz: n d e m i t h - Quartett und das Wiener K o l i s ch - Quartett verdient, welches namentlich in der Wiedergabe der Bergfchen Suite durch seine Klangfülle, seine reiche Nuancierung und durch die Präzision des Znsammenspieles überrascht«. Un« eingeschränktes Lob gebührt auch dem vortrefflichen Celliste« Maurits Frank und dem Tondichter Bela Bartok. Uti Interpret seiner Klaviersonate war der von rhythmischen Euer gien geladene, ursprüngliche Pianist der beste Anwalt sein, eigenen guten Sache. Erwin Felder. Aus den Theatern. Theater in der Josefftadt. Morgen. 8 Uhr Premier« des Schauspiels „Die Kameliendame" von Mexxander Dumas fihs, deutsch von Franz Horch, in welcher Elena Polewitzkaj a zum ersten Male als Marguerithe Gauthier auftritt. L u st s p i e l t h e a t e t. Heute 50. Ausführung des Lustspieles „Die Keuschheitskmckurrenz" von »Richard Manz mit Har 'i, Jarno als Gast. tzerichtssaal. ist kein Kündig» ngggmnd. Vom Bezirksgericht Landsttaße (Bezirksrichter Dr. Scheib) ist eine interessante Entscheidung in einem Mietprozeß erflosscn. Mit dem Urteil, dem prinzipielle Bedeutung zukommt, hat das Gericht ausgesprochen, daß Vorstrafen, die sogar eine Abschaffung aus dem Lande nach sich zogen, keinen Kündigungsgrund bilden, wenn sich die Delikte, auf Grund deren die Verurteilung erfolgte, nicht gegen die Mitbewohner des Hauses gerichtet haben. Es handelt sich um folgenden Fall: Der Hausbesitzer Matthias Wakolbinger kündigte seiner Mieterin Anna K. die Wohnung Mit der Begründung, daß sich Frau K. eine Reihe von Sittlichkeits - und Eigentumsdelikten habe zu schulden kommen lassen, die zu ihrer wiederholten gerichtlichen Verurteilung und schließlichen Abschaffung aus Oesterreich führten. Die Klägerin befindet sich jetzt in ihrem Heimatorte in der Tschechoslowakei, wohin sie a bgeschoben wurde. Ihre Töchter, die sie in Wien zurückließ und die gegenwärtig die gekündigten Räume bewohnen, seien ebenfalls vorbestraft. Die Beklagte gab in ihren Einwendungen zu, bereits vorbestraft zu sein, doch sei die Bestrafung nur wegen einiger Eigentumsdelikte erfolgt. Diese Handlungen hätten sich aber keineswegsgegendiePart eiend es Haus es gerichtet, so daß man nicht behaupten könne, daß den Mitbewohnern aus dem Zusammenwohnen mit der Beklagten ein Schade oder ein Mißbehagen erwachse. Das Benehmen der Töchter sei ganz einwandftei. Das Gericht hat nun dje Kündigung für unwirksam erklärt, mit der Begründung, daß die strafbaren Handlungen der Beklagten, die auch ihre Abschaffung zur Folge hatten, nicht gegen die Mitbewohner des Hauses gerichtet waren. Auch die Zeugenaussagen hätten keine konkreten Tatsachen ergeben, auf Grund deren sich ein anstößiges Benehmen ihrer Töchter seststellen ließ. Es sei daher der zur Kündigung erforderliche Tatbestand nicht gegeben. Haftung der Baute« für ihre Angestellte«. Der Vizedirektor der Filiale Marienbrücke der C r edit a n st a l t, Josef G o l d st a u b, hatte sich nach 26jähriger Tätigkeit im Dienste dieses Institutes großer Malversattonen und Wechselfälschungen schuldig gemacht, weshalb WIR bitten unsere Leser und Freunde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restaurants und Kaffeehäusemsowie in Lesehallen stets unser Blatt zu verlangen! Vernichtete jüdische Archivschütze. 8m Wiener Fnftirdalaft zugrunde gegangen. 296178

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