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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-26 · Heft 3019 (26.7.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3019 (26.7.1927)
Date
1927-07-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Dienstag Wiener Morgengettang 28. Juli 1827 Nr. 3018 Das Erdbeben in Palästina. Ae gement- und Betonbauten gut bewährt. Berlin, 24. Juli. Noch Meldungen der Zion. Korr, ans Jerusalem ist der Schaden am chemischen Institut der ll n: - v « r s i t ä t unbedeutend. Die Omar-Moschee ist nicht beschädigt. Die Synagoge der.Bagdad er Juden ist eiugestürzt. Die Beamten der A n g l o P a l e st i n e Bank sind in das Haus der Barclays-Bank übcvsiedclt. Im ganzen Lande haben sich die neuen Beton- und Zement bauten gut gehalten. Was die jüdischen Siebe« lungen betrifft, so sind die Beschädigungen minimal. In Afuleh ist die Bahnstation beschädigt und das alte Haus der Zion Commonwealth zerstört, in Kfar Gideon gibt es einige beschädigte Baracken, in Daganja Risse im allen Haus. Ans P c t a ch T i k w a h und R e ch o b o t h wird gemeldet, daß einige Häm'er beschädigt worden sind. In Liberias ist eine Synagoge eingestürzi, aber zwei Kinder, die von den Trümmern begraben wurden, wurden noch lebend hervorgezogen. In Sichern (Nablus) wird zurzeit die Zahl der Toten auf 60 beziffert. Polizei und Aerzte sind unaufhörlich bei den eingestürzten Häusern beschäftigt. Die Stadt erfüllt Jammer und Wehklagen. Es sePt a« Nahrung. Aus Tel Awiw und Jerusalem ist Brot geschickt worden, insbesondere die Sendung der Tel Awiwer Gemeinde hot ans die Einwohnerschaft Sichems großen Eindruck gemacht. Unter den eingestürzten Gebäuden befinden sich eine Moschee, zwei Schulen, zwei Zigarettenfabriken und andere große Häuser. Eine Anzahl von Straßen ist noch immer abgrsperrt. Der größte Teil der Bevölkerung ist damit beschäftigt, seine Habe aus den eingestürzten oder bedrohten Häusern zu transportieren. Auf dem Berge Gerizim entwickelt sich ein improvisiertes Lager. Araber und Samaritaner haben sich dort provisorisch untergebracht. Unter den Samaritanern wird e i n Todesfall berichtet. Ueberhaupt ist das Samaritanerviertel stark beschädigt, auch ihre Synagoge. Aber weder diese noch andere Gebäude in Sichem besitzen archäologischen Wert.!Aus L u d d iverdcn bisher 30 Tote und 70 Verwundete gemeldet, aus Hebron 4 Verletzte und aus dem Dorfe Ri na bei Nazareth!) Tote. In Gaza ist ein schönes, mittelalterliches Gebäude stark beschädigt worden. Im übrigen sind Beschädigungen archäologisch wertvoller Gebäude kaum zu verzeichnen. Interessant ist, dass in Jerusalem Vtc Zitadelle tt« b d i e Stadtmauern, die teils vor kurzem repariert worden sind, teils noch im Stadium der Reparatur sich befinden, kein« Beschädigungen davongctragen haben. Aus den zahlreichen arabischen Ortschaf-ten lief) und südlich von Jerusalem sind zuverlässige Zahlen Wer die Folgen des Erdbebens noch nicht vorhanden. Dagegen wird berichtet, dass in Transfordanien außerordentlich große Verluste zu beklagen sind, angeblich über 200 Tote. In Es Salt allein sollen 35 Tote gezählt worden fern, in Jrbit 15 Tote, in Amman 9 Tote. Aus Syrien hört man, dass Tyrus, Sidou und Damaskus gelitten haben. Die Regierung und die jüdischen Institutionen sind mit der Vorbereitung und Durchführung von Hilfsaktionen beschäftigt. Dar Nachbete« vom 17. galt. Jerusalem, 24. Juli. Am Sonntag, den 17. Juli, nur 10 Uhr vormittags waren, wie bereits berichtet, in Palästina, und zwar hauptsächlich in Jerusalem, Jaffa und Haifa, wie auch iu Tmnsjorda nien, zwei weitere Erdstöße zu verspüren. Dieses Nachbeben hat jedoch nur ganz unbedeutenden Schaden vorn rsacht. Drei Personen wurden verletzt. Italienische Amte and Nonuen nach Trmrs» jorvanien. Genua, 25. Juli. (Stefani.) Die italienische Negierung hat einige italienische ^tonnen nach Amman entsandt, damit sie dort zusammen mit den italienischen Aerzten der vom Erd- | beben geprüften Bevölkerung Transjordanions Hilfe bringe«. Stillegung der New Yorker Untergrundbahn. Bor einem Lohnstteik der Angestellten. New Dort, 28. Juli. (Reuter.) Zahlreiche Bewohner der Millionenstadt werden von Mittwoch an wahrscheinlich gezwungen sein, in die Arbeit und von der Arbeit z u Fuß zu gehen, weil eine Stillegung der Untergrundbahn droht. Die 25.000 Angestellten, die an dem Streik teilnehmen würden, haben noch nicht ihre Zustimmung zu demselben gegeben, aber man ertvartet, daß sie sich in einer für morgen geplanten Konferenz für den Streik erklären werden. Sämtliche von den Stadtbehörden bisher unternommenen Friedensschritte waren vergeblich. Die Angestellten der Untergrundbahn verlangen vor allem die Anerkennung ihrer Gewerkschaft und eine 25 prozentige Erhöhung ihrer Löhne. Me Darmveftepidemie. Aus Moskau wird gemeldet: Nach einer Mitteilung -des russischen Volkskommissariats für Gesundheitswesen sind in Jaroslawl 28 Personen an einer bisher unbekannten Art von Darmentzündung erkrarckt. Die Krankheit hat bis jetzt 18 Todesopfer gefordert. Man vermutet, daß es sich um eine Art t»er sibirischem Pest 'handelt. Da in den letzten Tagen keine neuen Erkrankungen vorgekommen find, gilt die Epidemie für er- 'oschen. Gerechtes Urteil. ii $ctfoaen mit StettHIoUsfiol vergisttt. Offenburg, 25. Juli. (Wolff.) Heute wurde von dem Offenburger Schwurgericht das Urteil in dem Prozeß gegen den Kaufmann Julius Bruchsale r und Genossen gefällt, die angellagt waren, in größeren Mengen Methylalkohol als hochwertigen Sprit verkauft zu haben,'wodurch vom Oktober 1925'bis Februar 1926 in Offenburg und anderen mittetbadischen Orten der Tok> von 13 Personen herbeigeführt wurde, während andere schvere Körperverletzungen und Erblindungen erlitten. Bon dem Methylalbchol waren auch größere «Mengen nach Münster in Westfalen gelangt. Nach Genuß desselben waren gleichzeitig 13 Personen gestorben^ während andere schwer erkrankten oder erblindeten. Bruchsaler selbst der während der Untersuchungshaft in Geisteskrankheit verfiel, konnte nicht abgeurteilt werden, dagegen wurde der Mitangeklagte Kaufmann Bete zu elf Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt. Kleine Nachrichten. Sonntag nachmittags stürzte der 54jährige Agent Samuer Gottlreb, 20. Bez., Staudiugergasfe 1 wohnhaft,, in der Wallensteinstratze plötzlich bewußtlos zusammen und starb bald darauf. Zur Feststellung der Todesursache wurde ine sanitätspolizeiliche Obduktion der Leiche beantragt. * Sonntag abends wurde der 36jährige Vertreter Heinrich B a u m g a r t n e r, Hernalser Hauptstraße 184, in seiner Wohnung, beim Gasherd sitzend, dessen Hahn geöffnet und dessen Verbindungsschlauch herabgeglitten war, tot aufgesunden. Ob es sich um einen Unfall handelt, konnte nicht sestgestellt werden. Sonntag abends wurde entdeckt, daß Einbrecher voyr- Kanal aus rn das Juweliergeschast Springer iM Hause Lerchenftlderstraße 158 eingedrungen sind und dort größere Beute gemacht haben. Der Schaden ist noch unbekannt. Wien, 26. Mi. Hainisch — Ehrendoktor der Universität Tübingen. Der Senat 'der Universität Tübingen hat anläßlich der Feier des 450. Gründungstages der Universität eine Reihe von Ehrensenatoren und Ehrendoktoren ernannt. Unter ihnen befinden sich auch der österreichische _ Bundesprästdsnt Doktor Hainisch und die durch ihre Hilfstätigkert für die deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen in Russland bekannt gewordene Tochter des früheren schwedischen Gesandten in Petersburg, Frt. Dr. Elsa Brandstrocm. Vereitelter Ausbruch aus dem Landesgericht. Der wegen des großen Kasseneinbruches im Franz Josefs-Spital verhaftete berüchtigte Einvrechjer Stephan Grrdjan versuchte in der gestrigen Nacht einen kühnen Ausbruch aus dem Straflandesgerrcht I, wo er in Untersuchungshaft sitzt. Er hatte sich mit einem Stemmeisen einen Weg durch den Plafond seiner Zelle gebahnt, wurde jedoch von den Auffichtsbeamten bemerkt rnrd nach heftigem Kampfe mit Justizsoldaten wieder in seine Zelle zurückgebracht. Auch fein Komplize Heinrich Wagner hat vor einigen Wochen einen München Ausbruchsversuch unternommen, der ebenfalls -mißlungen war. Das Wetter. Der gestrige Tag verlief bei etwas kühlerer Temperatur ziemlich heiter. Die Voraussage lautet: Vorwiegend heiter, nicht sehr warm. Im Raxgedre» vermißt. Seit deur '20. Juli ist der 17jährige Schuymacherlehrlmg Hans Grün, Bückenbrünnlgaffe 11, aus dem Elternhaus spurlos verschwunden. Seine Angehörigen befürchten» daß er das Opfer eknes alpinen Unfalles geworden ist. Er hatte nämlich ani 20. d. M. das Elternhaus verlassen, mn eine Partie in das Raxgebiet zu unternehmen und sollte Sonntags wieder in Wien eintreffen, doch fehlt von ihm bisher jede Nachricht. Brandlegung. In der Nacht von Samstag auf Sonntag brannten in Floridsdorf drei SchrebergarteUhütten nieder und die Feuerwehr hatte große Mühe, weitere Hütten vor der Gefahr des Brandes zu schützen. Nunmehr wurde der 27iährige Dreyergehikfe Edmüud Mollik unter dem Verdacht der Brandlegung verhaftet. Er hatte am selben Tag bei Letzte Nachrichten. An Ausstand in Portugal. Die Regierung Herr der Lager Paris, 25. Juli. (Tel. Comp.) Rach einer Meldung aus Lissabon ist in Portugal ein neuer Aufstand aoSgebrochen, über den genaue Jnfovmatlonen jedoch noch fehlen. WniNer- Präsident General Carmona hot lediglich erklärt, die Regierung fei Herrin der Lage. ES gübe einige Ruhestörer, die das Werk der Regierung unterbreche: möchten, die Regierung besitze aber das Vertrauen von Heer und Marine und hege daher keinerlei Befürchtungen, Ueber den Ott und Umfang des Aufstandes dagegen ho General Carmona nichts mltgcteilt. Las Attentat auf S'Higgins. Sie Angeklagten frelgesprachen. Dublin, 25. Juli. (Reuter.) Zehn Personen, die der Verschwörung in Angelegenheit der Ermordung des Ministers O'Higgins angeklagt waren, ftnd mantzel-f Beweisen freigesprochen worden. •' Kammttniftenprozeß iu Paris. Paris, 25. Juli. (Tcl.-Eonrp.) Die 11. Strafgerichts-, kammer hat heute das Urlert im Prozeß gegen We komrm unisttschen Spione gefällt. Der kommunistische Stadtrat von Patts Cremet sowie seine Sekretärin, Fräulein Clara c, die schon seit Monaten unauffindbar sind, wurden zn je fünf Jahren Gefängnisl «ab 5000 Francs Geldstrafe verurteiü. Fünf weitere Angeklagte erhielten Gefängnisstrafen von 16 Monaten bis zu fünf Jahwe» und Geldstrafen von 1000 bis 5000 Francs. Ein MngElgter wurde freigesprochen. > < ’ Kardinal Aeraoch gestorben. Budapest, 25. Juli. (U. T. K. B.) Kardrnickö^DW- Primas Csernoch ist heute früh in Gran im .75. LÄeuSjahre gestorben. Der Kardinal war eine der poüttsff markantesten Persönlichkeiten Ungarns. Der rohen Judeühetzc hat er sich ferngehalten, auch öfter gegen, den chrisilWnationalen Kurs Stellung genommen. , Die Recht» aagleichuag au da» Deutsche Reich. Der Strasgesetzentrourf. Der Entwurf des neuen österreichischen Strafgesetzes, das die Rechtsangleichung an das deutsche Rocht bringen soll, ist dttN Nationalrat zugegangen und wird heute eingebracht werden. IN einigen Punkten stimmt der Entwurf nicht ganz mit dem dem deutschen Reichstag vorgelegten überein. Auch di« Bezeichnung des Gesetzes soll dem Ausschuß Vorbehalten bleiücm Die Regierung wird es unterlassen, ften Stvasgesetzentwurf durch euie Erklärung einbegleiten zu lassen. In einer Wichtigen Bestimmung weicht der österreichische Entwurf vom vvichK- Leutschen Gesetz ab. Es ist dies die Strafsreiheiit der Schwanger)chaftsunterbrechn..tbH t"m sltzctti medizinischen Indikation. ' t; *.; Kein ungarisches Getreide für Sesterreich? Budapest, 24. Juli. »Pest: Naplo" meldet in großer Aufmachung: Das ungarische Ackerbauministerrum hat für heute, Dienstag, eine vertrauliche Sitzung einberufen, an der die 'Vertreter der landwirtschaftlichen Organisationen, der Mühlenverbände und des Getreide- Handels teilnehmen werden. In dieser Sitzung sollen die. neuen Richtlinien für den Getreidexport besprochen werden. In Wirklichkeit handelt es sich darum, daß sich Ungarn beider Verwertung feiner Ernte von den österreichischen und tschechoslowakischen Märkten, die bisher die Hauptabnehmer seines Getreides waren, befreien will. Die Ungarn geben nämlich der österreichischen und tschechoslowakischen Zollpolitik die Hauptschuld daran, daß das ungarische Getreide in den letzten zwei Jahren um vier bis zehn Schilling billiger losgeschlagen werden mußte, als es sonst der Fall gewesen wäre. ferner Schwester Marie Fanta, einer Schvebergartenhiütten- Vesitzerin, zn Besuch geweilt und aus Rache, weil ihm das Nächtigen in der Hütte verboten worden war, den Brand gelegt. Ebenso steckte er die Türschwelle einer kn unmittelbarer Nähe beffndlichen .Hütte rn Brand. Der ungerichtete Schaden beträgt 3000 Schilling. Mollkk wird dem LandeSgericht eingekiefert. Eingestellter Postautoverkehr. Wte die Postdirektion mittertt, wird wegen deS schlechten Straßenzustandes in der Strecke Kemmelbach—Petzenkrrchen der PosKraftwagenverkehr zwischen WbS a. d. Donau und Wieselburg a. d. Erlauf mit Ablauf deS 31. Juli erngestelkt. Rauchende Lehrerinnen „sittlich nicht einwandfrei". In New Jersey wurde Miß Helen Clark, eine BolkSschullehrerin, vom Schuldirektor beim Rauchen überraschst. Dre Kunde von dieser Untat Verbreitete sich init Blrtzesschnelle rn der kleinen Stadt. Mß Clark verklagte den Direktor auf 50.000 Dollar Schadenersatz wegen Verbreitung von Gerüchten, die ihrem Ruf abträglich seien. Das Gericht wies jedoch die Klage ab, mit der Begründung, daß eine rauchende Shullchrerin eine „Person^ sei, die rnan „vom sittlichen Standpunkt aus nicht als einwandfrei" betrachten rönne. Verband der Ztonlstcu-Redisionissten. Morgen Cafe Metropol, 0. Bez., Berggasft 33, 8 Uhr abends, Vollversammlung. Tagesordnungr KongreßMülen. \

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