Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3018 (25.7.1927)
- Date
- 1927-07-25
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3018 Gim. MlMtM Wlmsk Moegenzetturrg 28. IM 1927 Sette 8 Residenz oes Ober kommissars Lord Plumer in Anspruch genommen. Lord Plumer wird in der ersten Augustwoche in Palssflina eintreffen. Er hat seine UrlanbSzeit abgekürzt, um das Hilfswerk leiten zu können. Polnische Staatsmänner für ei« Pro-Palöftina-Komitee. Warschau, 22. Juli. In Verbindung mit der geplanten Gründung eines polnischen Pro-Palästina-Komitees äußern sich einige Staatsmänner und Politiker in einer Enquete des ,Lajnt". Der frühere Ministerpräsident und Außenminister Graf S-krzynski sagt: Ich stehe auf dem Standpunkt der Deklaration, die ich zur Seit meiner Tätigkeit als Außenminister dem Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, gegeben habe. Darüber hinaus erkläre ich, daß ich ein warmer Anhänger der zionistischen Bewegung bin und glaube, daß -das jüdische Bott in Palästina in den letzten fünf Jahren Wunderbares geleistet hat. Die nichtjüdische Welt blickt -mit großem Respekt auf das große Aufbauwerk. Die Pro- Palästina-Bewegung, die sich in dem Entstehen von Pro-Palästina-Komitees unter den i-tichtjuden auSdrückt, hat große Bedeutung für die Realisierung der zionistischen Idee und wivd zweifellos positive Resultate erbringen. Diese Bewegung muß von den Zionisten intensiver auSgenützt werden. Abg. T h u g u t -t, Führer der linken Bauernschaft: Als Demokrat verfechte Ich den Standpunkt, daß 5x»3 jüdische Volk ein Recht hat auf ein eigenes Heim. Die polnische Regierung hat die Wicht, den Zionismus zu unterstützen; jeder polnische Zionist ist gleichzeitig ein guter Bürger Polens. Die polnische Gesellschaft wird .das Pro -Palqsii na -K omi tee moralisch unterstützen. Abg. Ignaz Daszynski, Führer der polnischen Sozialdemokratie: Es wundert mich, .daß nicht b ,s ga nze jüdische Volk den Zionismus stützt, -da doch die opferwillig« Arbeit -der jüdischen Pioniere in Palästina jeden Juden m:t Stolz erfüllen muß. Die internationale Welt wird dem Zionismus helfen, sobald die Resultate seiner .Arbeit mehr bekannt sein werden. In dem gleichen Sinne äußern sich der frühere Justizminister Prof. Makowski, der bekannte Orientalist Professor Szelin^ki, der Schriftsteller Tetmayer u. a. m. Wien, 85. Juli. Verhaftung eines italienischen Postbeamten in Wien. Im Mai d. I. erstattete eine Partei des Hauses Windmühl-' gasse 10 bei der Polizei -die Anzeige, daß ihr Untermieter, der sich als Kaufmann Francesco Riftuccia aus Mailand ausg-ab. seit einigen Tagen nicht mehr in der Wohnung erschienen sei und ihr noch einen Betrag von 118 S. an Miete schulde. Der Mann wurde schließlich in einem Wiener Kaffee-Hause angehakt-en und im Verlaufe der Untersuchung stellte sich heraus daß er mit -dem 43-jähvlgen Postbeamten Nuncio Caminiti vdentüfch ist,' der wegen eines Kassendiebstahles tm Postamt« S. Teresa verfolgt wir-d. Er gestand schließlich ein, im März 1627 auS der Posttasse in S. Teresa etwa 30.600 Lire unterschlagen z-u haben un-c> geflüchtet zu fein. Er wurde nach Ab-- Muß der Erhebungen dem LandcSgerlchte eingeliefert. ... ESmS£S3S3SS33SE3BStSBSSSSgXSS3BSB3BSECS3ttBBtiBBB3ES3BtBB3Btt&ttE23tMB^StBBB5& Ser Schwimmtamvk Sefterreich-Süddeutschland «neatschteden 42 : 42. In Nürnberg fand gestern vor 1600 Zuschauern die Fortsetzung deS Länderkampfes zwischen Oesterreich und Süddeutschland statt. Das Endergebnis lautete 4L:42 unentschieden. Die Resultate waren: 4X100 Meter Freist-iksta-ffel: Süddeutschland (4:80), Oesterreich (4:41). Sicher gewonnen. 100 Meter Rücken: Rüdiger (Oesterreich, 1:17.4), Dworak (Oesterreich, 1:18), Dees (Süddeutschland, 1:20). Springen: Model (Süddeutschland, 188.70 Punkte), Staudinger (Oesterreich, 161.80 Punkte), Stadelmaier (Oesterreich, 148.12 Punkte), Scheck (Süddeutschland, 148.18 Punkte). 2 00 Meter Brustschwimmen: Stand! (Süddeutschland, 3:06), Wondrowitz (Oesterreich, 3:06), Weiß (Süddeutschland, 3*40). Der Wasserballkampf -brachte gleichfalls ein unentschiedenes Ergebnis mit dem Resultate von 4 :4, nachdem Oesterreich zur Paust bereits 3:1 geführt hatte. Morgen wird -der Städ-tekampf Wien gegen Berlin in der deutschen Hauptstadt auSgetragen, zu dem gestern die D a m e n g r u p p e des österreichischen Schw-immverbandes o6re;r*'\ Deutschlands Schwimmer schlagen Schweden. Deutschland siegte im Schwiminländertzampf gegen Schweden in Stockholm mit 192:144 Punkten. Die Ergebnisse des dritten Tages waren: 4X100-Met"r-Tamen-Freistilstaffelr Deutschland, 5:23.5: Schweden. '5:36.1. — 1500 Meter: Arne Borg. 22:45.8. — Turmspringen: Lindberg. Schweden, 99.2 Punkte. - Wasserball: Schweden-Deutschland 5:3 (2:1). Ser Hakoahner Ster» ickwimmt 100 Kilo» Meter im Strom. Bon Linz bis Melk in 10^ Stunden. Der Ringer und Schi'Xmmer der Hakcah Ernst Stern bereitet sich ernstlich zu der Durchquerung des Aermelkanals vor. Gestern um 6 Uhr früh startete er b e i L i n z und landete um 7 Uhr abends bei Melk. Von kleinen Pausen abgesehen, hat Stern zu -der 100 Kilometer betragenden Strecke zeh nein-halb Stunden benötigt. Der Hakoahner stieg i-n ziemlich guter Kondition aus dem Wasser. Damit betrachtet er sein S t r o m t r a i n : n g als beendet und will nunmehr im stehenden W a s se r die Vcrknche unternehmen. Die gestr-ige Tour wurde non einem Wiener Montagsblatt gema-nagcd, das hc-fst-nt-l-ich in Konsequenz seiner sportlichen Absichten im Interesse des österreichischen Schwimmsportes auch bi« Finanzierung der Besuche Sterns, -den Aermel-kanal zu durchqueren, vornehmen wird. Ar Hausarzt. Redigiert von Dr. Sanel Beer. Hebet Mdchrnkrankheite«. Die genauere Erforschung der Krankheiten der einzelnen Lebensalter heim - Menschen ist eine Errungenschaft der Modernen Heilivtssenschafk Man hat erkannt, daß der wachsende Organismus des Säuglings- und KindeSalters in feinen Funktionen anders arbeitet als der Körper des Erwachsenen und daß der RückbildungSprozetz im Greisenalter sich nach besonderen. Gesetzen vollzieht, die der Arzt bei der Behandlung berücksichtigen muß. Das moderne Prinzip der Arbeitsteilung, die schon mit -Rücksicht auf die ungeheure Ausdehnung des Wissensgebietes notwendig geworden (st, hat auch im Aerztestand Lnm Spezialistentum Zeftchrt, das woHl nicht immer^zmn.Wohl, der leidenden Menschheit so stark überhand nimmt. Dde avgegrenzten Spezialgebiete, welche die Aerzte in ihrem besonderen Studium erwählen, werden immer enger, welicher Umstand wohl für den Fortschritt der Wissenschaft doch kaum für den kranken Menschen förderlich ist, weil zur Beharrdlung eines Leidens die Beurteilung des ganzen Menschen notwendig ist. Hingegen hat zweifellos ein Spezialarzt für Kinder¬ oder Alterskrankheiten mehr Berechtigung. Ein solcher Arzt gewinnt durch feinen Umgang mit den Kranken der betveffenden MeEassen mehr Einblick und Verständnis für deren Gedanken- und Gefühlswelt, ein Umstand, der für die Behandlung von Kranken von geradezu ausschlaggebender Bedeutung ist. Denn der Arzt hat nicht allein die Krankheit, sondern in erster Linie den Kmnkvn zu behandeln. So ist vS erklärlich, daß sich Aerzte stets speziell mit der kranken Frau beschäftigen, nicht allein deshalb, weil die spezifischen Jrauenevkrankungen eine bessere Schulung voraussetzen, sondern weil es sie lockt, in der Franenseele zu studieren. Weshalb bei den Frauen derjenige Arzt belicht ist, der sich in Hr Denken und Fühlen «nlsben kam», ihre Porzttge und Schwächen zu ihrem Vorteil bei Bchasdlung der Krankheiten zu benützen versteht. SMM Hm einem solchen Seelemrzt eine erwachsene, reife Frau mehr Vertrauen, u-n wieviel mehr mär« ein Spezialarzt für Mädchenkranbheiten notwendig. Bon seiten der Aerzteschaft ist den: Pubertätdnl'ter der Mädchen viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Nur wenige haben den Versuch gemacht und sich die Zeit genommen, rn das rätselhafte wundervolle Seelenleben d-e§ keuschen Mädchens zu blicken. Alle Beschwerden der Jungfrau haben dre alten Aerzte mit der Motivierung der Blutarmut und - Nervosität ohne eine eingehende Untersuchung abgetan, lieber die Verordnung von Arsentropsen sind sie im allgemeinen -nicht hlnausgekommen. Und doch ist in der Nichtbeachtung und Nichterkennung der harmlosen Mädchenerkrankung die Ursache so mancher späterer Frauenleiden zu suchen. Dre Blutarmut hat meist ihre Ursache in einer Störung des Geschlechtsapparates, der nach neueren Anfchau- . ungen von den Drüsen mit innerer Sekretion beherrscht ward. Das größte Erlebnis ist für das Mädchen das monatliche Unwohlsein, das bei einen: gesunden Mädchen ohne besondere Störungen verlaufen soll. Zustände, wie heftiger Kopfschmerz, Schwindel, starke Kreuzschmerzen» Erbrechen, bisweilen auftretende Ohnmacht, sind krankhaft und erheischen eine Behandlung. Die Mädchen suchen nur sehr ungern den Arzt auf, nicht allein aus Schamhaftigkeit, sondern weil sie sich nicht mit entsprechendem Takt behandelt glauben. Und dann liegt ein Körnchen Wahrheit. Wüßten die Mädchen sich rücksichtsvoller und mit besonderem Verständnis behandelt, sie scheuten sich nicht so sehr, den Arzt aufzusuchen und vernachlässigten nicht ihren kranken Zustand bis es besonders schlecht geht. Die Untersuchung eines unberührtm »Mädchens ist viel schwieriger, aber das darf Mn Grund fein, daß selbst die Mütter gegen eine Untersuchung der Geschlechtsorgane Stellung nehmen, ivenn eS der Arzt für notwendig häU. Unaufgeklärte Mütter sind eS auch, die sich gegen eine vernünftige, von ihrer Sette als übertrieben bezeichmete Reinlichkeit der Mädchen sträuben. Gin warme» Vollbad wöchentlich genügt nicht. An Stellen, wo sich die Hautabsonderung besonders leicht zersetzt, an den Füße»», Achselhöhlen, an Afterw0> GeschlechtSgegend ist eine tägliche Waschung dringendst notwendig. Bei mangelnder Wege trA apch bei keuschen Mädchen sehr Aushebung de» Boykott« durch Seutschland? In Münch « -n befaßte sich gestern der Deutsche Fußball-Bunde Stag mit einer Reihe interner Fragen des deutschen Fntzballsportes, wobei -der Präsident Mitteilungen über di« beabsichtigte A u f h e b u -n g -d e s S p i e l v e r b o t c s gegen Oesterreich machte. Wen-n die diesbezüglichen Vorarbeiten günstig verlaufen werden, so -dürfte bereits in der allernächsten Zeit die Sperre gelockert un-d im weiteren Verlaufe ganz aufgehoben werden. Bas Ztttttiet itt Simmering. Auf dem S'.mmeringer-Platz wurde gestern bei mäßigem Beisuch -das Rundspiel vorgesetzt, dessen größte U Überraschung das glänzende A b s ch n e i d e n des Grazer A. K. bildete. Die Grazer vermochten di« schon mit 5:2 in Führung befindlichen Simmerin-ger i-m End kämpf 6:6 zu besiegen. Die Cricketer -unterlagen gegen Hertha 0:2. Das für heute projektierte Spiel Hertha—-Simmering, das am Samstag wegen Regenwetters entsiel, kann nicht ausgetragen werden, da die Veranstalter keine Spielerinubni's erhielten. Die Resultat« waren: Hertha-Gtitfelet 2:0 (0:0). Beide Mannschaften präsentierten sich i-n mäßiger Verfassung. Die Favori-tener verdanken -das Resultat ihrer guten Hintermannschaft, in der das Jnnentr-io mit Ostriezek, W i l t s ch l und Lukowitz brillierte. Die Cricketer verschossen :n der ersten Hälfte einen Elfmeter. Die Treffer erzielten März und Kettnec Grazer A. 8.—Simmering 0:5 ll: 3). Die Mannschaft der Grazer versteht prächtig zu kämpfen. Die Simmsringer sahen schon wie di« sicheren Sieger aus und mußten den Erfolg in letzter Minute öen Gästen überlassen. Einige Neuerwerbungen der S-immeringcr zeigten gutes Können. In der 36. Minute der zweiten Hälfte gelang den Grazern, nachdem sie von 5: -2 aufgeholt hatten, der Ausgleich und buchstäblich -vor Schlußpfiff der siegbringen-de Treffer. Austria spreite gestern Legen Nicholson mit Vrfatzlruten und gewann 4:1 (3:1). ,tr ' ' Das Schnmrz-Weiß-Turnier tn Meidling wurde aestern zu Ende geführt und brachte den Sieg der Meidlinger Sportfreunde. Die Ergebnisse waren: Meidlinger Sportsteunde-W. A. C. (Amateure) 9:0 (4:0), Sportklub (Amateure)—Wiener Sportfreunde 4:2 (1:0), Sparta 16— cn. cvr /r ¥U***r% 1 Cf *f\\ Skandal in der österreichischen Leichtathletik. Me unhaltbaren Zustände im österreichischen Leichtathleti-Lverband wurden gestern durch unglaubliche Dinge abermals kraß zutage gebracht. Me für den Länder. häufig eine übermäßige Schleimabfonverung auf, die infolge der Blutüberfüllung der Beckenorgane zu unangenehmem Jucken und Prickeln, später zu einem Wundiverde» der umgebenden Oberschenkelhaut führt. Die Mädchen leiden oft sehr unter diesen Zuständen, die sie völlig gehunfähig machen. Biel zu wenig bekannt ist, daß keusche Mädchen auch an men, tritt eitriger Ausfluß ein, der schwere, langdauernde Krankheiten verursacht. Dieses schnrerzhaste Wundfein verführt die Mädchen zu verschiedenartigen Selbstberührungen und ist in der Folge die Ursache für die bei Backfischen so häufigen Arten vmr Selbstbefriedigung. Ist auch der Trieb zu sexueller Befriedigung beim jungen. Weibe lange nicht so vehement wie beim Manne, so kann doch das unbefriedigte Sexualleben auch bei der Frau nicht danernd ohne Schaden zurückgehalten trwrden. Die verschiedensten Steifr* erschetnungen von feiten des Nervensystems stellen sich in. der Folge bet solchen keuschen Mädchen ein, welcher Zushand besonderes Eingehen in die privaten Verhältnisse von» Arzte erfordert, um nicht unendlichen Schaden für Leib und Seele einer Jungfrau durch unbesonnene Ratschläge zu stiften. Viel zu wenig bekannt ist, daß keusche Mädchen auch gon den verschiedensten Krankheiten, wie Eierstockgeschwülsten, Blasenkatarrhen u. dgl., leiden können und oft genilg wegen angeblicher Klagen über UnterleibSbeschWerden in de» Verdacht der Unkenschheit geraten, weshalb sie lieber ihren tKrankheitszustand wr den Eltern verheimlichen. Wem» die Mädchen leider bei ihren Angehörigen so wenig Verständnis für ihren besonderen Zustand im gesunden und kranken Dasein finden, so sollten sw sich doch wenigstens mit mehr Vertrauen an einen Arzt wenden können, vor» dem sie eine gründliche Kenntnis ihrer körperlichen und feeUschru Eigenschaften erwarten können. Aerztlicher Fragekaften. R. L. Gegen Sommersprossen wirkt täglicher Gevranch einer leicht alkalisthen Seife und zeitwÄse Verwendung von zweieuchawprozenttger Natronsuperoxydseise. — KretS« föriniger Saarausfakl. Künstliche Hvhenfonneoestrahlurrg. Betupfen m» GublimatspirituS (durch Arzt vers-chrekben lasse»»). — Rodert W. Gegen ihren Zustand dürste sich, falls der HauSamt dafür ist, eine Kur in Bad Ginöd oder Tobelbad empfehlen (offene Schwimmhalle). — Oesterreich 18. Jodbäder sind in Bad Hall in Oberösterreich und in Bad Tölz nt Badern. (In beiden Orten rituelle Küche.) — Säugling. EmpfMenÄverte Ktndernttlck ist die Pirquet-Voll- und Halvmilch der Mag.