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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-25 · Heft 3018 (25.7.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3018 (25.7.1927)
Date
1927-07-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Montag Wiener Morgen-situng *6. Juli 1927 Kr. 9018 Las zionistische Beamtenvlübiem. Bon Dr. Manfred Reifer. Zu den vielen Problemen, die der Aufball Palästinas uns brachte, ist noch das der Beamten hinzugekommcri, das unbedingt zu einer Lösung drängt. Es ist dies kein Spezifikum deS Zionismus rrnd Palästinas, sondern eine Erscheinung, die in rvcit stärkerem Maße auch andere Welwetvegungen erfaßt hat. Die Sozialdemokratie zum Beispiel hat ihr brennendes Beamtenprobieir^ welches sogar Ln Zmtraleuwpa eine eigene Literatur geschaffen hüt. Die breiten Massen des Pwletariats lehnen sich gegen ihre FLHker auf, welche ausnahmslos gut bezahlt sind, man spricht ganz offen von den „Schtafwagenbaronen", vvn den Sozialisten in den eleganten Automobilen und erhebt Anklage gegen die allzu große Zahl der Beamten — man spricht von 60.000 in Deutschland allein — kritisiert die hohen Gehälter und demonstriert gegen die eigene sozialistische Beamtrnbourgeoisie. Daß auch die Sozialdemokratie ihre Beamtenschmerzen hat, kann uns nicht Wer die Tatsache hinwegtäuscheiij, daß, es eine zionistische Beamtenfrage gibt, die brennend geworden ist und unbedingt einer Lösung bedarf. Das zionistische Beamtenproblem ist zlviefacher Natur: es besteht für dm Beamten selbst und für die Bewegung solche. Der zionistische Beamte ist in gewissem Sinne vogelfrei. Er hat keinen festen Vertrag, keine Perrsionsversicherung und keine Avancementmöglichkeit nach einem festgesetzten Schematismus. Wohl sind gewisse Ansätze hiefür in Palästina vorhanden, affem eine Regelung für beide Teile ist noch nicht erfolgt. Vor: der Galuth l^chon gar npht zn reden, wo der Beamte nur von heute -> auf morgen angestellt ist. «DaS Beamtenproblem ist aber noch aus einem an- -beren Grunde sehr aktuell geworden: man klagt darüber, daß die zionistischen Beamtm in Palästina ihre Arbeit -vom Parteistandpunkte aus leisten, man klagt darüber, daß sie zu hohe Gehälter beziehen, daß sie keine Fachkermtnrsse besitzen, in allzu großer Zahl vorhanden sind /upd daß bei ihrer Anstellung nicht Qualifikation, sonvber» Parteizugchörigkelt maßgebend war. Gerade jetzt, wo bk Krise in Palästina akut ist, werden diese Klagen immer lauter, zumal man immer nach einem Sündenbock sucht. Über auch der Beamte in der Galuth wird nicht un- Ueschoren gelassm. Zu all den oben erhobenen Anschuldi- MNgar kommen noch solche mit offenkundigem Galuthcharakter hinzu: man wohnt zu vornehm, man fährt zu nobel, man ist nicht genug sparsam, man hat eine eigene Meinung — welch ein Wagnis! — man erlaubt sich zum Kongreß zu kandidieren und läßt sich sogar ins Aktionskomitee wählen. ^Immerhin sind nicht alle Klagen) die erhoben, werben, ganz zurückzuweisen, vielmehr bedarf es einer gründlichen Betrachtung des gesamten Fragenkomplexes. Sicherlich werden Fehler gemacht, die nicht ohne Wirkung blei- Len. Palästina liegt schon heute im Zentrum der jüdischen Gedankenwelt, und jeder Fehler, der dort begangen wird, wird seismographisch in der Galuth registriert. Cs Ml nicht geleugnet werden, daß in der Beamtenfragel. speziell in Palästina, vieles reformiert werden muß, was natürlich von der Zusammensetzung der neuen Exekutive jabhäugen )oird. Wir denken an eine palästinensische Exekutive, die sich aus solchen Männern zusammensetzt, welche gwße Erfahrungen auf dem Gebiete der Kolonisation, der Industrie und Erziehung haben, keine Parteipäpste sind und aus ihrer früheren privaten Praxis die Qualifikation eines Beamten zu beurteilen und ihn nach seiner Leistung zu qualifizieren verstehen. Ueberflüssige, untüchtige Beamte müssen rücksichtslos abgebaut und entweder durch einmalige Abfertigung o?>er durch Pension entschÄrigt werden. Für jede neu zu besetzende Beamtenstelle müßte ein Konkurs ausgeschrieben werden, wobei nur FähAeit, keineswegs aber Parteizugehörigkeit ausschlaggebend fern darf. ES muß aber auch für den Beamten dauernd gesorgt werden. Beamtenschematismus und Pensionsfonds sind Forderungen, die unbedingt erfüllt werden müssen. Dabei muß bei der Exekutive ein Personalreferent sitzen, der in allen Beamtenfragen die Entscheidung in letzter Instanz haben soll. Es darf nicht Vorkommen, daß gleichwertige und gleichqualifizierte Beamte bei verschiedenen zionistischen Institutionen verschieden bezahlt werden. Mit einem Worte: es müssen geregelte Zustände eintreten. Der Beamte muß wissen, daß er förmlich unter einem Glassturz steht und von der zionistischen und nichtzionistischen Welt permanent beobachtet wird. Er mutz in Palästina und in der Galuth in jeglicher Beziehung makellos dastehen und seinen Posten doll und ganz aussüllen. Bedenkt man noch, daß der zionistische Beamte der Galuth eine große Mission, und zwar die der Volkserziehung, zu erfüllen hat, so muß man erst recht auf seine moralischen und geistigen Qualitäten besonderes Gewicht legen. Die Zionistische Organisation benötigt solche Menschen als Beamte, welche in ihrem bürgerlichen Berufe eine soziale Stellung hatten, und allgemeines Vertrauen in der jüdischen Gesellschaft genießen. Solche Menschen kann man nur dann gewinnen, wenn man ihnen die Ueberzeugung gibt, daß sie bei der Zionistischen Organisation eine Lebensstellung finden. Gewinnen sie Vertrauen und haben sie das Bewußtsein ihrer Versorgung, dann werden ihre Gehaltsansprüche kleiner sein und ihr Zugehörigkeitsgefühl zum zionistischen BeamtttAandWrler. Der zionistische Beamte muß auch seine Vorgesetzten haben, speziell in der Galuth, wo ein sozusagen „reichsunmittelbareS" Beanitentum Platz gegriffen hat. Die Leiter der zionistischen Fonds und der Palästinaämter müssen wieder auch der Organisation Verantwortlich sein, um dieser lviedcr die verlorene Autorität zu geben.. Bei all den angeführteil Klageil über das zionistische Beamtentum muß die Tatsache unterstrichen werden, daß es gegenwärtig die Stütze der Bewegung ist und sich, speziell in der Galuth, um die Aufbringung der Geldmittel für den Aufbau schwer abmüht. Gs gibt schon heute „Invalide" in der zionistischen Beamtenschaft, ivelche -er'Bewegung ihre Gesundheit gegeben haben, ohne sich und ihre Familie versorgt zu haben. Seit Jahren ist das Beamtenproblem aktuell, ohne daß der Kongreß die Zeit gefunden hätte, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Man verschiebt es von einem Kongreß auf den anderen und überläßt die Regelung dem Aktionskomitee, welches wieder den Dingen ihren Lauf läßt und so zu einer Situation beigetragen hat, die heute für die Bewegung und für die Beamten unhaltbar geworden ist. Vielleicht wird der 16. Kongreß neben allen anderen schwierigen Problemen auch dieses behandeln. Sitte furchtbare Bluttat. Sin jugendlicher Massenmörder. — Je» Mer verhaftet. In Raabs an der Thalia (Waldviertel) wurde vor baim in einen Landregen über. WKHrend des Gewitters einigen Tagen der 18jährige Schlosserlehrling Johann herrschte eine derartige Sourada, der wegen verschiedener Eigentums- und Sittlichkeitsdelikte mehrfach vorbestraft ist, als Vagant festgenommen und dem. dortiger: Bezirksgericht eingeliefert. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag brach er aus feiner Zelle ans, schlich sich in die Wohnung des GefangenhauSwärterS Karl Hermann und richtete unter den Schlafenden ein furchtbares Blutbad an. Die Tat wurde erst am Sonntag morgens entdeckt, als Besuch zu dem Gefangenenhausaufseher kam. Dem Eintretenden bot sich ein fürchterliches Bild: In den Ehebetten lagm der GefangenhauSauffeher Hermann und feine Frau blutüberströmt, die Köpfe von Hackenhieben zerschmettert. Ein drittes Bett, in dem die Kinder des Ehepaares, ein Knabe und ein Mädchen geschlafen hatten, waren ebenfalls von Blut durchträtckt, und unter den Kissen fand man, gleichfalls durch Hackenhiebe furchtbar zugerichtet, die Leichen der beiden Kinder. Ein herbeigernfener Arzt konnte bei der Frau rmd den Kindern nur mehr den Tod konstatieren, der Gefangenauffeher Hertnann wurde in hoffnungslosem Zustand in das Spital überfiihrt. Wie die Erhebungen ergaben, hat Souranda nach dem Verbrechen die Wohnung durchsucht und 10.000 Schilling erbeutet,. welche der Gefangenaufseher Hermann, der auch die Stelle eines V o l l st r e ck u n g s o r g a n S bekleidete, am Samstag eingehobeti hatte. Davon scheint der Mörder Kenntnis gehabt zu haben. Sourada hat nach dem Raubmord einen N o t - zuchtakt an zwei Mädchen in dem nahegelegenett Ort G r o s s a u verübt und ist seither flüchtig. Der. jugendliche Massenmörder wurde, wie aus G ö p f r i tz gemeldet lvird, heute früh von dem tschechoslowakischen Gendarmericposten verhaftet und dem Bezirksgericht Jamnitz eingeliefert. Tragischer Anfall bei einer Lall« revision. Dresden, 24. Juli. Gestern verinittags ereignete sich in der tschechoslowakischen Zollrevisionshalle auf dem Bodenbacher Bahnhof ein schwerer Unglücksfall. Mit dem um 10 Uhr 44 Minuten aus Dresden eingelaüfenen Personenzug trafen unter anderen auch die Maurersfrau Marü M i n n e t und ihr 6y2 Jahre alterSohn aus Dresden ein, um eine Verwandte in Tetschen zu besuchen. Bei der Gepäckrevision wurde in dem Koffer eines aus Paris kommenden Studenten, der in unmittelbarer Nähe de Frau Minnet stand, eine Pistole gefunden. AlS der Zollbeamte die Waffe in die Hand nahm» ging ein Schuß loS. Die Kugel durchbohrte die Brust des kleinen Minnet, der sofort tot zusammenvrach. Die Mutter, die dem Wahnsinn nähe war, mutzte in das Krankenhaus gebracht werden. Der Student wurde verhaftet, später wieder auffreienFußgesetzt. Hochwaller in Baden. Aus Baden wird uns gemeldet.: Vorgestern - gegen 4 Uhr nachmittags ging über Baden und Umgebung ein heftiger Wolkenbruch mit Hagelschlag nieder. Riesige Wasiermassen drangen in die niedrig gelegenen Häuser ein :md verursachten eine Ueberschwemmung. Die Drogerie W a l l a e e in der Pfärrgasse wurde unter Wasser gesetzt, so daß das Personal Mühe hatte, die Waren zu retten. Die Feuerwehr mutzte zur Hilfeleistung auSrücken, da in der Palffygasse—Welzergasse das Wasser eine derartige Höhe erreicht hatte, daß es ausgepumpt werden mutzte und in den tiefer gelegenen Wohnungen und Billengärten einen beträchtlichen Schaden anrichtete. Da die Kanäle die großen Wassermassen nicht mrsnehmen konnten, stand daS Master an manchen Stellen einen Viertelmeter hoch. Der Wolkenbruch war auch von zahlreichen Blitzchlägen begleitet, dauerte eine halbe Stunde lang und ging Finsternis, datz die Lokale beleuchtet werden mußten. Der Hagel hat auch in den einzelnen Kulturen großen Schaden angerichtet. Sftt wirMches gnmentein aus der Donau gefischt. Auf der Landstraße wurde bei der Haidingergaffe nächst der Ueberfuhr ausdemDonaukanaleinmenschlicherUnterfchenkelge borgen, der oberhalb des Kniegelenkes aus der Gelenkskapsel ausgelöst und bereits arg verwest war. Anzeichen für eine, gewaltsame Abtrennung deS Unterschenkels konnten bisher nicht festgestellt werden. Die Nachforschungen deS Polizeikommiffariates Leopoldstadt ergaben, daß die Tote zweifellos identisch ist mit der 20jährigen Schneiderin Rosa Zoubal, Dresdnevstraße 64, die seit dem 14. Dezember 1926 abgängig ist und wegen eines KopfleidenS damals Selbstmord begangen hat. 8iu Bersichrrunusmord. Nach Blättermeldungen aus S tön dal wurde dort die Frau eines Delikateffenhändlers in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Unter dem Verdacht, seine Frau e r m o rd e t zu hckben, um sich in den Besitz einer hohen Be r - sicherungssumme zu setzen, wurde der Ehem-ann verhaftet. An seiner Schuld sei kaum zu zweifeln. Feuergesecht zwischen Komma niste» «ad W ” WM W vj Berlin, 25. Juli. Der ,Montag" meldet aus Mikultschütz: Als die hiesige Ortsgruppe des „Sttahlhelm" eine Fahnenweihe vornahm, wurde die Feier von Kommunisten gestört. Dem Eingreifen der Polizei gelang es, während des Festzuges Zusammenstöße zu vermeiden. Nachdem sich der Zug aufgelöst Hatto, drängten sich zahlreiche Kommunisten um die Stahlhelnckjute. Die Kommunisten feuerten in die Stahlhe-tmgruppen hinein, wobei ein junger Mann getötet wurde. Äe Kommunisten deckten ihren Rückzug durch wtzttove Pistol enschüsse, tvobei eine Reihe von Personen verwundet wurde. . Das Erdbeben in Palästina. Kein Vulkanausbruch. Jerusalem, 22. Juli. (I. T. A.) Bon höher gelegenen Stellen Jerusalems wurde, wie bereits gemeldet, in diesen Tagen bemerkt, daß aus der GegÄ> des Toten Meeres Rauchwolken aufstiegen. lMvn nahm an, daß der bei Zerka gelegene seit Jahrhunderte» erloschene Vulkan wieder in Tätigkeit ist. ES hat sich aber herausgestellt, daß die Rauchwolken aus Erdrisse» an den Ufern des Toten Meeres hervorstiggen. Jnsokge des Erdbebens sind nämlich an mehreren Stellen der Tvten-Meer-Ufer Erd risse entstanden, ans denen Gase aus strömen. (Es ist wahrscheinlich das gleiche Phänomen, wie eS Ln Verbindung mit Abraham in der Bibel beschrieben wird: Ms Abraham von HtBron zurückblickte und nach den Stätten sah, auf denen Sodom und Gomorha standen, da stieg ein Rauch zum Himmel wie der Rauch eines Ofens.) Dle gugüuge rar Magemauer abMverrt. Die Zugänge zur Klagemauer suid den Andächtige» versperrt worden, da in den engen Straßen, die zu diesem jüdischen Andachtsort führen, viele Häuser infolge des Erdbebens dem Einsturz nahe sind und Passanten gefährden können. (Seit vielen Jahrhunderten war der Weg zur Klagemauer nicht versperrt gewesen. Die Red.) »erlermi »es sitze» »er VnUftiiueealenuift. Jerusalem- 22. Juli. (I. T. A.) Da das Haus auf dem Oelberg, in welchem die Regierungsämter und die Privatwohnung Lord Plumers untergebracht ioaren, durch da» Erdbeben unbewohnbar geworden sind, wurde das Hospiz deS Ordens Gt. John Ln J.arnsaltzM E R^gLex»»4#s und als »

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