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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-25 · Heft 3018 (25.7.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3018 (25.7.1927)
Date
1927-07-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis £Og | Redaktion, Administration: Wien, II., Tabor str.l Telephon 44-0-83, 43-8-19 Telephon ab 6 Uhr abends 31-0-86 Serie, ab Va9 Uhr abends 38 5 83. Druckerei: VH., Lerchenfelderstr&ße 1 (*lnya“) Preise* Wien und Oesterreich durch Post oder Verschleiß* stellen monatl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland im Innern des Blattes. Uorgenzettima BESUCHET uN lllHF ‘ Kikiitcr Aifinthaltssrt Die Gemütliohkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast! Oui.-leiKi.ilgaBf*. Volkstümliche Preise I Mittags - Menüs ä S 1*60 Direktion: OTTO KASERER 9fr. 3018 Wien, Montag, 25. gnlt 1027 9. Jahrgang Sesterreich sucht eine Anleihe? 3m Besserung der wirtschaftlichen Lage. London, 25. Juli. (Tel..Comp.) Der diplomatische Korrespondent des »Daily Telegraph" schreibt auf Grund angeblich guter Informationen, daß die österreichische Regierung nach den Wiener Ereignissen den Plan erwäge, eine neue Anleihe aufzunehmen, um durch die Unterstützung der Arbeitslosen und die Besserung der wirtschaftlichen Lage die revolutionäre Gefahr zu Sannen. Das Blatt setzt hinzu, daß ein solcher Plan Unterstützung verdiene, daß dagegen Oesterreich stch zu energischen Maßnahmen gegen die kommunistische Propaganda verpflichten müsse. In diesem Zusammenhang kommt das Blatt auch auf die A n fchlußfrage zu sprechen und weist darauf hin, daß der Widerstand gegen den.Anschluß von anderen Mächten ausgehe, während England dieser Frage neutral gegenüberstehe. Allerdings wäre auch nach englischer Ansicht nichts ungelegener als die Aufwerfung der Anschlußfrage zur gegenwärtigen Zeit, weil dies Komplikationen in außenpolitischer Hinsicht Hervorrufen würde. Der Anschluß könne erst im Laufe der Zeit durch die Macht der natürlichen Verhältnisse verwirklicht werden. Auch dem Plan einer Dottau-Konföderation ”—stehe man m England ablehnend gogenüSer, besonders deshalb,, weil dadurch der englische Handel bedroht würde. Heute Trauersitzung des Nationalrater. Eine Stonferens St. Seipel—Ir. Bauer. — Sie Sagen* dcouuna »er SlmtagiiSung. »Heute tritt der österreichische Nationalrat zum erstenmal seit den Ereignissen des 15. und 16. Juli zusammen. Die heutige Sitzung wird, wie wir erfahren, nur von kurzer Dauer sein und ausschließlich eine Traiierckundgevuirg für die Opfer der Wiener Schreckenstage ^bilden. Die Gedenkrede wird der Präsident des Nationalrates Miklas halten. Ueber die Ereignisse selbst wird ersten der nächsten Sitzung am Dienstag die Debatte eröffnet werden. Gestem hat zur Festsetzung der Dienstag- Sitzung eine längere Besprechung zwischen Bundeskanzler Dr. Seipel und dem Führer der Opposition Dr. Otto Bauer stattgefunden. Wie wir erfahren, wird der Bundeskanzler die Debatte am Dienstag mit einer Regierungserklärung einleiten, in der er die Stellung der Regierung zu den Ereignissen vom 15. und 16. Juli und deren Konsequenzen darlegen wird. Die Stellungnahme der Opposition ist durch die Beschlüsse der Samstag stattgefundenen sozialdemokratischen Parteikonferenz Iwrgezeichnet, welche in folgenden Forderungen gipfelte: * 1. Strenge Untersuchung darüber, wie es zu dem Blutbad in den Wiener Straßen gekommen ist. ' 2.Amn e st i e für die Verhafteten des 15. und 16. Juli. 3. B u u d e s h i l f e für die Hiutervlievenen der Opfer. . 4. Niederschlagung des Prozesses gegen die Schutzbündler, die wegen der S ch a ttendo r f e r Vorfälle angeklagt sind. Im übrigen hat die Parteikonferenz der sozialdemokratischen Parlamentsfraktion freie Hand gelassen. Reform in der Bewaffnung der' Polizei. Die Ereignisse des 16. und 16. Juli geben der Polizei Anlaß, die Reformen für ihre Bewaffnung, welche schon mehrfach geplant wurden, nunmehr durchzuführen. Wie wir erfahren, sollen an Stelle der' Pölizeisäbel, welchestch im Gedränge als unbrauchbar erweisen, Gummiknüttel treten, die in London und anderen europäischen Hauptstädten bei der Polizei im Gebrauch sind und eine verhältnismäßig besser verwendbare, dabei auch humanere Verteidigungswaffe darstellen. Ferner wird an die Einstellung von Panzerautomobilen gedacht, die mit einer gut geschulten Bemannung versehen sind und sich im Falle von Aufruhrhandlungen mit größter Geschwindigkeit und dabei vollkommen geschützt in kürzester Zeit auch an periphere Punkte der Stadt begeben können. Sie Gemeiudeschntzwache. Bürgermeister S e i tz hat den Branddirektor der städtischen Feuerwehr Ing. Eduard Wagner mit dem Oberkommando der Gemeindeschutzwache betraut. Der bisherige Organisationsleiter der Wache, Major a. D. Theo B e r n a tz, verbleibt im Kommando der Gemeindeschutzwache. Der Ausschuß für VerwaltungsangelegLnheiten des Gemeinderates wird sich in seiner nächsten Sitzung mit den Organisationsfragen der neuen Wache befassen und über ein vom Magistrat vorgelegtes Organis a t i o n s st a t u t beschließen. Bisher, wurden elf Wachlokale für die Gemeindeschutzwache eingerichtet, die sich durchwegs in Schulen in den einzelnen Bezirken befinden. Verhaftung einer Schauspielerin. Auf Grund einer An zeig, e wurde Samstag vor- 7.mittags..die Schauspielerin .: des." -Deutschen Volkstheaters Frau Sonja Ä mb ach verhaftet. Sie war in den Verdacht gebracht worden, am 16. Juli vor dem Deutschen Volkstheater Hetzreden gegen die Polizei geführt zu haben. Die Erhebungen ergaben, daß Frau Ambach nicht mit der Person identisch ist, welche am 16. Juli diese Hetzreden gehalten hat und daher wurde Frau Amvach noch am Samstag aus der Hast entlassen. Gegen die Frau, mit der die Schauspielerin verwechselt wurde, schwebt das Verfahren. Rücktritt des LberprSfidenten Hilrfiug. Berlin, 24. Juli. Wie noch erinnerlich, hat der Führer des Reichsbanners Schwarz-rot-gold Oberpräsident Hörsing nach den Ereignissen des 16. und 16. Juli in einem Aufruf an der Haltung der österreichischen Regierung während der Sturmtage scharfe Kritik geübt, die in rechtsstehenden Kreisen Deutschlands starken Widerspruch hervorrief. Aufder heute stattgefundenen Reichsbannertagung in Magdeburg nahm nun Hörsing zu seinen damals getanen Aeutzerungen Stellung, wobei er ausführte, daß er nichts von dem, was er gesagt habe, zurücknehme. Er verkenne nicht den politischen Wert seiner Stellung als Oberpräsident. Für die Stärkung der republikanischen Front sei jedoch ein geschloffenes diszipliniertes Reichsbanner und eine vom Vertrauen getragene Führung wertvoller und dafür dürfe kein Opfer groß genug sein. Er habe sich ans diesem Grunde entschlossen, anf seinen OSerprästdentenpostey zu vernichten. Er wolle als Politisch freier Mann an der Spitze des Bundes stehen. Ohne Rücksicht auf ein Amt wolle er wir bisher handeln und arbeiten. . Nach der „Montagspost" wird als Nachfolger Hörsings der frühere preußische Jnnenminiester Severing genannt. , . ßrreb vor einer Wachstube. Samstag abends wurde der 21jährige Tischlergehilfe Karl Ru so in der Goldschlagstraße verhaftet, da er im Hause in stark angeheitertem Zustande einen argen Exzeß verursacht hatte. .Während der Eskorte zum Wachzimmer Wurmsergasse sammelten sich mehrere Hundert Leute an, die gegen die Sicherheitswache eine drohende Haltung einnahmen. Als die.Wache einen der Haupträdelsführer, den 26jährigen Hilfsarbeiter Alexander P a tz o l d festnahm, der durch fortwährende aufreizende Reden gegen' die Wache hetzte, drang die Menge gegen das Wachzimmer/ Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. und erst mit Hilfe einer größeren Abteilung von Wachebeamten konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Rufo wurde polizeilich bestraft, Patzold dem Landesgerichte ein-^r. geliefert. ,!/ ■ Ier Thronwechsel in Rumänien Die Einsegnung. Bukarest, 24. Juli. Heute wurde unter großem Gepräge, in Anwesenheit der königlichen Familie, des jugoslawischen Königspaares, des Regentschaftsratcs, der Regierung und einer unübersehbaren Menschenmenge die Leiche des verstorbenen Königs Ferdinand eingesegnet und durch die Straßen Bukarests zur Beisetzung geführt. Carol. Paris, 24. Juli. (Havas.) Prinz Carol sowie zahlreiche Diplomaten und Vertreter der zivilen und der Militärbehörden wohnten heute einem feierlichen Trauergottesdienst bei, der in der' rumänischen Kirche anläßlich des heutigen Begräbnisses des Königs Ferdinand abgehalten wurde. Als Prinz Carol die Kirche verließ, wurden, wie die Blätter melden, von einigen Studenten und jungen Leuten der rumänischen Kolonie Hurrarufe und Rufe „Es lebe der König!" ausgebracht. Irr »Henker von Amritsar" gestorben.. S o ndon, 25. Juli. In Bristol ist der 62jährige General. D y e r. gestorben, welcher unter dem Namen „Der Henker von Amritsar" traurige Berühmtheit erlangt hat. Dyer hat im Jahre 1919 anlätzstch eines Aufstandes in Indien den Befehl gegeben, auf 6000 Manifestanten die in Amritsar versammelt waren, zu schießen. Das Ergebnis war ein furchtbares Blutbad, bei dem es mehr als 5 0 0 T o t e gab. General Dyer mußte infolge dieser Vorfälle d emissionieren, wurde jedoch später vom Oberhaus rehcckilitiert. Hervorgetreten ist er seither nicht mehr. Pest und kholera. London, 26. Juli. Aus Basra (Mesopotamien); wird gemeldet: Seit einigen Tagen herrscht in der Gegend von Abadan eine Cholera-Epidemie. Bisher wurden 3 0 T o d e s o p f e r der Seuche festgestellt. Abadan und der ganze Bezirk von Basra wurden unter Quarantäne gestellt. Wie aus Schanghai gemeldet wird, ist an Bord eines japanischen Dampfers , der koreanische, Truppen für die Armee des General Tschang-Kai-Scheg transportierte, die Pest ausgebrochen. Die Toten wurden, ohne daß der Behörde vorher Anzeige gemacht woiden wäre, in der Nähe von Schanghai in den Fluß geworfen. Nunmehr wurde wegen der dauernden Ansteckungsgefahr der Fluß nach den Leichen abgesucht und es sind bisher ihrer 1 9 Wied er aufgefunden worden. MUdenmg der Devisenvorschriften in Frankreich. Paris, 24. Juli. Der Finanzminister hat in einem Rundschreiben an die Leiter der Kreditanstalten eine Reihe von Milderungen der seit dem Jahre 1924 erlassenen Bestimmungen betreffend die Verhütung der Kapitalsflucht verfügt. Darnach sind einzelne Devisenbeschaffungsaufträge bis zu 6000 Francs für alle wirtschaftlichen Bedürfnisse, außer zum Zwecke des Ankaufes ausländischer Wertpapiere oder zur Kapitalsanlage im Ausland, ohne weiteres zulässig. Die Höchstgrenze des Betrages, der von Privaten bei Auslandsreisen mitgenommen werden darf, bleibt auf 6000 Francs festgesetzt. Doch können in der Form von Schecks. Kreditbriefen und Ueberweisungen Beträge bis zu 10.000 Francs und bei Reisen außerhalb Europas bis zu 80.000 Francs mitgenommen werden. e 4663 B6D

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