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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-24 · Heft 3017 (24.7.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3017 (24.7.1927)
Date
1927-07-24
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ttt. 3017 Wien, Sonntag Wiener Morgenzeitung 24. Juli 1927 Sette 8 eiten Büchern, Präparaten und Jnstrunrenten bote.i keinen Platz dafür. Dort wurde er 24 Stunden, nachdem er wahrcheinlich schmerzlos hmWergeschlummert, vvn seinenr gereuen Sekretär Le Bleu aufgefmiden. Die deutschen medizinischer? Journale haben von dem .tbleven des „HeUdevwisch", ,^-es ärztlichen Sonderlings" ntweder gar nicht oder nur ln sehr beschränktem Srnn Notiz genommen. Der Fotscher, Lehrer, Arzt, Diagnostiker, Therapeut war ihrem Gedächtnis entschwun« en. Erst in der allerjüngsten Zeit war dem aus Brünn 'vürtmen bekannten Leipziger Prof. Dr. Johannes Rilke Berlin, 24. Juli. (I. T. A.) Die Reichsanstalt für Erdbebenforschung in Jena teilt mit: Das Erdbeben in Palästina vom 11. Juli bedeutete eine Uebcrraschung. Die nicht seltenen Erdbeben Palästinas, etwa vier im Jahresdurchschnitt, sind meistens schwach. Die uns sonst zahlreich überlieferten schiveren Beben beschränkten. sich auf den Norden, also Syrien, wo Antiochia und Aleppo am schwersten und am häufigsten heimgesucht ivovden sind. Die letzten schweren Beben in jener Gegend, mit Schüttergebieten bis zu 1600 Kilometer Länge, haben am 3. April und- 6. August. 1872, sowie am 9. Jänner 1873 stattgefunden. Die übrigen, im Laufe der Geschichte als zerstört gemeldeten Städte liegen teils an der Küste, teils 'im Talzuge des Nähr el Asi (Orontes) und des Jordan. Von der Wirkung der Erdstöße zeugen vor allem die. Ruinen von Baalbek (Heliopolis), von Babbath Ammon und von.Tedmur (Palmyra). Die bis jetzt vorliegenden Nachrichten über das jüngste Beben lassen eine genaue Bestimmung seines Herdes nicht zu. Jedoch deutet alles darauf hin, daß diesmal das Beben vom Toten Meer ausgegangen ist. Diese Ansammlung konzentrierten Salzwassers nimmt die tiefste Stelle der Erdrinde ein, denn ihr Spiegel liegt 394 Meter unter demjenigen des Mittelländischen Meeres. Sie ist durch Einbruch der Erdrinde in geologisch jüngster Zeit -'tstanden, und - die letzte damit verbundene Katastrophe war gegen Ende der Steinzeit der Untergang von Sodom und Gomorra gewesen, deren Stätte heute von der Südbncht Scboha des Toten Meeres eingenommen werden dürfte. Mit dem letzten Erdbeben wgren keinerlei vulkanische Vorgänge verbunden. Die Ursache sind S ch o l l e n v e r s ch i e b u nbekaunte hebräische Schriftsteller und Gelehrte Dr. Josef Klausner, langjähriger Herausgeber, des „Haschiloach", derzeit Professor an der hebräischen Universität in Jerusalem, in Wien. Einer'unserer Mitarbeiter hatte Gelegenheit, Professor Klausner zu sprechen, der noch vor dem Erdbeben - von Palästina abgereist war und sich jetzt eingehend nach den Einzelheiten der Katastrophe erkundigt.'Das Gespräch gleitet auf dem Wege über die wirtschaftlichen Schäden des Erdbebens zur Krise in Palästina. Profeffor Klausner formuliert seine Ansicht, über die Krise in dem Satz: „Die Lage ist er n st, aber n ich t g es äh rl i ch. Die besonnenen ' Elemente Palästinas haben vorausgesehen, was kommen würde. .Der Ernst der Lage besteht darin, daß in der ganzen Welt die Juden auch vou der sie umgebenden. Bevölkerung leben, während in Palästina die Juden von der sie umgebenden arabischen Bevölkerung nicht leben können. Die Juden selbst produzieren vorläufig nicht genug, und daher flieht ein Teil des jüdischen Geldes für Produkte in die Taschen der Araber oder ins Ausland. Durch die jüdische . Landarbeit wird wohl" bisher nicht der ganze Bedarf gedeckt, so daß ein Defizit besteht, aber der Reichtum des Landes wird doch vergrößert.' Wenn aber ein Jude in Tel Awiw einen Laden öffnet und dabei Geld verliert, so verliert er alles. Für die Entwicklung der Industrie gibt es mancherlei Schwierigkeiten in der Frage der Rohmaterialien/ der Löhne und der'Zölle, wodurch palästinensische Jndustriepro.dnkte auf den auswärtigen Märkten nicht . leicht konknrrieren können. Für den Jnlandsmarkt kommt die arabische Bevölkerung als Abnehmer fast gar nicht, die etwa 150.000 Seelen zählende jüdische Bevölkerung nur kaum zur Hälfte in Betracht, weil der andere Teil in seinem Lebensstandard nicht viel höher als die arabische Umgebung steht.. Nach den bisherigen Erfahrungen wäre es vielleicht möglich, mit einer Oualittttsindnstrie dir auswärtigen Märkte im Orient, zu erobern. Ob dies in großem Maße geschehen kann, kann ich nicht beurteilen. Vieles hängt auch von der R.egienmg ab, die viel Fehler macht, vorwiegend deshalb, weil sie die Imponderabilien in der zionistischen Bewegung und im Judentum nicht versteht. Es kommt oft vor. daß sie Fehler oder Versäumnisse gutmacht, aber vielfach ist es zu spät, wie z. B. bei den Zollerleichteruygen» die erst gewährt wurden, als schon eine Reihe dre Ehrenrettung des BielgeschmShten und noch mehr Verkannten Vorbehalten? in einem Vortrag, gehalten ln der Gesellschaft der Aerzte Men am 19. Februar 1926, der in vielleicht unbewußter Anlehnung an die Prophezeiung Ferdinand Kürnbergers in die bezeichnenden Worte ausklkngt: „Geliebte Schdla Vindobonensis, ich rufe dir zu: Wenn dir wieder ein Gruby ersteht, dann Ioß ihn nicht von d:x, laß chn nicht in die Ferne ziehen, nein, hilr ihn fest und bleib ihm hold, ihm zu Dank Mr zu Nutz g e n in der Bruchzone des Toten Meeres, wobei die mit ihren rauhen Bruchrändern aneinander reibenden Felsschollen die Schwingungen der Cvdbebenwellen erzeugen. Es handelt sich also, wie bei allen Erdbeben in dieser Gegend, um sogenannte tektonische oder Dislokationsbeben. (Im Widerspruch zu dieser Mitteilung wurde gestern der A u svruch eines Vulkans in Zarka, östlich vom Toten Meer, gemeldet.) Ae Hllsraktion. Jerusalem, 24. Juli. (I. T. A.) Hier hat sich unter dem Patronat der Regierung ein Komitee gebildet, welches für die Aufbringung der Mittel zur Unterstützung der durch das Erdbeben Geschädigten sorgen soll. Dem Konntee gehören der Administrator des Jerusalemer Distrikts Major K e i t h - R o a ch, der Bürgermeister von Jerusalem Ragheb Bey N a s h a s h i b i, der Präsident der palästinensisch-arabischen Exekutive M u s a K a s i m Pascha El Hussein!, der Leiter der Zionistischen Exekutive in Palästina Colonel F. H. K i s ch, das Mitglied des Waad Leumi M e h u y a s u. a. m. an. Die Negierung hat d a s Angebot d e s Stadtrates von Tel Awiw, freiwillige Arbeiter nach Nablus zur Wegschafsung der Trümmer zu entsenden, dahin beantwortet, daß die von der Regierung gestellten Arbeiter für diesen Zlveck ausrcichen. Der P a p st hat an den lateinischen Patriarchen in Palästina, Monsignore Barlassina, 80.000 Lire zur Hilfe für die Opfer des Erdbebens gesandt. Der Groß - Mnfti hat einen Appell an alle mohammedanischen Länder gesandt, in welchem um Spenden für die Opfer des Erdbebens gebeten wird. In dem Appell wird mitgeteilt, daß durch die Katastrophe ein Schaden in der Höhe von vier Millionen Pfund entstanden ist. Allein in Nablus beträgt der Schaden eine Million. von Fabriken den Betrieb eingestellt hatte. Die Krise dürfte meiner Meinung nach in absehbarer Zeit vorttbergehen, weil sowohl das R u t h e itb e r g s ch e E l e kt r ifi z i e r u n g s u n t e r n e hmen, als auch die Ausbeutung der Miueralschätzc des Toten Meeres auf Grund der Nowomejsky-Konzession, ferner die bereits erwähnten großen Bauten der Institute sowie die Neubauten für das Gymnasium und das Seminar in Jerusalem die Arbeitslosigkeit wohl stark Bindern werden. Mit Geld allein kann man freilich hier nicht helfen. Man muß die Methoden ändern, indem man darauf achtet, daß die Juden ausreichend produzieren. Leider' ist — und das berührt auch dieProbleme des kommenden Z i o n i st c n kongresses — unsere Leitung in " Palästina so großen Aufgaben nicht gewachsen. Die Parteimänner, Ivelche ander Spitze der einzelnen Ressorts stehen, erfüllen ihre Pflicht sehr ernst, doch sie sind ihrer außerordentlichen Aufgabe nicht voll gewachsen. Der Kongreß muß begreifen, daß für die großen Aufgaben auch die besten Kräfte der Bewegung notwendig sind, unbekümmert um ihre Parteistellung. Wir leiden mich in Palästina daran, daß die palästinensische Exekutive von der Regierung zu wenig fordert;-würden wir mehr fordern, so würden wir bei der Regierung mehr erreichen. Der Engländer selbst sagt: „Wenn du nicht schreist, so beweist das, daß dir nichts weh tut." ... ■ „Ein besonders trauriges Kapitel" — fährt Prof. Klausner fort — „ist die Lehrerfrage in Palästina. Die Lehrer haben seit vier Monaten schon keine Gehälter bekommen und hungern buchstäblich. Man sollte doch einsehen, daß die Erhaltung der Schule ebenso notwendig ist wie die Nnterstützung Ärbeitsloser. Es sind bereits 1800 Kinder in andere Schulen' überg eg an g en. Dies bedeutet eine Schwächung des hebräischen Nationallebens in Palästina. Die hebräische Sprache ist unsere stärkste nationale Position im Lande. Ein Teil, der englischen Beamten sagt sich: Wenn die hebräische Sprache allmählich durch die englische ersetzt wird, so steht nichts ryehr im Wege, daß Palästina englische Kolonie werde. Bor diesem Zusammenbruch des Gedankens des jüdischen NationMeims müssen wir uns bewahren, und das kann in erster Linie die volle Erhaltung unseres Schulwesens bewirken." Der Interviewer wirft die Frage ein, ob von diesen Schwierigkeiten auch die hebräische Universität betroffen ist. Professor Klausner verneint dies entschieden»' „Im Gegenteil, die Entwicklung der Universität, die erst zwei Jahre besteht, geht rascher vorwärts, als ich eS mir gedacht habe. Gegenwärtig umfaßt'sie folgende Institute: das judaistische, das orientalische, das chemische, das mikrobiologische, das hygienische, das mathematische Institut und das Institut für palästinensische Landeskulturforschung. Die stärkste Entwicklung hat bisher das j u d a i s ch e Institut zu verzeichnen, wo drei Professoren mit sieben Dozenten lehren. Ueberdies war in diesem Jahr Professor Perles (Bibel) als Gastprofesior tätig. Im nächsten Jahre werden, soweit es bisher feststeht, Professor M a n vom Hebretv Union College jüdische Geschichte des Mittelalters und Professor Harry W o l f s o h n von der Harvard Universität Philosophie als Gastprofessoren lesen. Eine ständige Profesiur für Bibel, für Geschichte und für Philosophie haben wir nicht. Der Grund dafür ist für die erste Disziplin dw bereits mehrfach erörterte Frage der Bibelkritik, für die beiden anderen ist es schwer, Profesioten zu finden, die von der Konferenz, welcher die Gestaltung des Lehrplanes und die Besetzung der Lehrkanzeln obliegt, einhellig gebilligt werden. Ferner fehlt diesem Institut der Universität ein wichtiger Zweig: die allgemeinen Disziplinen. Wir schlagen jetzt vor, man solle zusammen mit dem judaistischen Institut ein Institut für Geisteswissenschaften gründen, das ebenso lote jetzt das orientalische Institut mit dem judaistischen Institut eng verbunden ist. Dies sind die Disziplinen, die uns fehlen, doch muß ich bemerken: Was gelehrt wird, wird so gründlich gelehrt und steht auf solcher Höhe, daß jede Hochschule uns darum beneiden kann. Das judaistische Institut, an dem ich Literaturgeschichte vor» trage, hat gegenwärtig mehr als 120 Hörer. Es könnte viel mehr haben, doch sind die Aufnahmsbedingungen st r e n g. Die Hörer müssen nicht nur Maturitätsprüfung sowie, was selbswerständlich ist, weitgehende Kenntnisse des Hebräischen, sondern auch ausreichende Kenntnis des Talmud Nachweisen. Unter den Hörern he-, finden sich neben Palästinensern zahlreiche Studenten aus Polen, Litauen. Amerika, Ungar::, aber auch Doktoren, die gekommen sind, um ihr Wissen zu vervollkommnen. Im orientalischen Institut, das unter der Obhut von Professor Josef H o r o w i H aus Frankfurt a. M. steht, der als Gast von Zeit zu Zeit Vorlesungen hält, wird' gegenwärtig bloß Arabisch gelehrt und noch keine andere semitische Sprache. Allerdings ist das Arabische für Palästina in erster Linie von Wichtigkeit. Am Institut wirken drei Lektoren, die in ihrem Fach sehr bedeutend sind. Gegen-., wärtig werden, im Institut zwei große Werke fertiggestellt, und zwar eine Konkordanz der arabischen Poesie in he- . bräischer Sprache und die Herausgabe eines großen arabische!: historischen Werkes, des ersten, das Juden über ärabisch-mos'lemitische Geschichte edieren. > Am chemischen Institut, das unter Leitung von Professor Fodor steht, wirken ungefähr zehn Assistenten, ‘ von denen vier dozieren, Unter diesen befindet-sich ein Bruder des Präsidenten der zionistischen Weltorganisation- Professor W e i z m a n n, und — für den Orient ein ganz besonderer Fall — eine Dozentin,' Frau Dr. Riwlin. Das m i k r o b i o l o g i s ch e Institut wird von Doktor S. Adler (früher Liverpool) geleitet, einem bedeutenden Parasitologen, der zusammen mit zwei Assistenten besonders der Erforschung, der Tierseuchen in Palästina sein Augenmerk zuwendet. < Dem hygienischen Institut steht Profeffor Klügler vor. Hauptsächlich beschäftigt sich dieses Institut mit der Sanierung des Lande; es werden auch eigene Vorlesungen für Aerzte gehalten. Wie bekannt, soll sich aus diesem Institut allmählich die medizinische Fakultät der Universität ausbilden. ' Am mathematischen Institut hat bisher bloß ein einziger Dozent, Dr. Amira, ein Schüler des berühmten Göttinger Mathematikers Profeffor Landau, gewirkt. Er ist in Palästina erzogen und hat das Gymnasium .«Herzlen" in Tel Awiw absolviert. Nächstes Jahr wird Professor Landau selbst die Leitung des Instituts übernehmen. Das Institut für Landeskulturforschung, an dessen Spitze Profeffor Otto Marburg steht, veranstaltet Vorlesungen für Agronomen und Kolonisten in verschiedenen Teilen des Landes. Es hat beretts heute ein Herbarium von 60.000 Landespflanzen, das größte existierende Herbarium paläst in en s i s ch e t Pflanze n. Mit diesem Institut steht auch die landwirtschaftliche Versuchsstation in. Verbindung, v Eine glänzende Entwicklung hat die Bibliothek der Universität genommen und es ist als besonderes Symptom, des Fortschrittes zu werten, daß die Sammlung, die bisher bloß durch Schenkungenvermehrt wurde, jetzt bereits systematisch Bücher kauft. Der Neubau des Gebäudes für die Bibliothek, das den Namen Wolfsohns tragen wird, schreitet nur langsam vorwärts, da die Baugenossenschaft - Solel-Boneh, welche den mit zirka 36.000 Pfund dotierten Bau übernommen hat, mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Ueber kurz oder lang werden auch das Gebäude für das zu errichtende physikalische Institut, das den Namen Professors Einstein tragen soll und durch eine 100.000-Pfund- Spende des Herrn Wattenberg errichtet werden soll, sowie das neue Gebäude für das judaistische und orientalische Institut, dessen Baukosten aus einer 100.000-Pfund-Spende der Witwe des Herm Sol Rosenblum aus Pittsburg bestritten werden, in Angriff genommen werden. Die Universität hat ihren Etat, der im letzten Jahre 37.000 Pfund betrug, anstandslos aufgebracht und Schwierigkeiten materieller Art hat es bisher nie gegeben." . und zur Ehr." Das Erdbeben in PalWna. Mitteilungen der Jenaer Reichsanftalt für krdbebenforschnng. Die Lage in Sin Gespräch mit Proseffor Ir. Klausner Zur Zeit weilt, auf d'e^ Durchreise nach Karlsbad, der

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