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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-24 · Heft 3017 (24.7.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3017 (24.7.1927)
Date
1927-07-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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;r. nöi7 Dien, Sonntag Wiener Morgerrzettmrg 24. IM 1SS7 Sette 3 Dte Untersuchung der Ueter SOO Snlaftnnnen. — Seftohleae Waffen. Die behördlichen Recherchen zur Aufhellung der Ausschrettungen nehmen ihren Fortgang. Täglich erfolgen neue Verhaftungen auf Grund der Erhebungen. Wichtige Anhaltspunkte hat die Polizei in den von verschiedenen Zeitungen veröffentlichten Photographien gefunden. Diese Bilder werden im Erkennungsamt vergrößert, so daß die Personen, die dort mit Latten oder Stangen aibgebildet sind, erkennbar werden. Eine Anzahl solcher Personen wurde bereits ermittelt. Die Zahl der Verhaftungen übersteigt bereits die Ziffer 360. Biele Personen sind bereits dem Landesgerichtc ringeliefert worden, unter ihnen auch der Kommunist K o p l e n i g, der bei der Leichenfeier auf dem Zentralfriedhofe die Rede gehalten hat, in der er sich „zum 16. und 16. Juli bekannte". Wie berichtet wurde, sind während der Ausschreitungen am Freitag Exzedenten in daö Waffen gef chäft Forgatsch in der Mariahilferstraße eingedrungen, haben das Geschäft verwüstet und dort geplündert. Äußer einem großen Geldbetrag sind auch verschiedene Waffen, meist Jagdgewehre, und ein großer Vorrat an Munition geraubt worden. Das Polizeikommissariat Neubau, das mit den Erhebungen nach den Tätern betraut ist, hat nun ermittelt, daß diese Waffen von den Plünderern auf ein Autotaxi verladen worden sind. Der Chauffeur war üon den Plünderern mit vorgehaltenen Revolvern gezwungen worden, die Ladung zu übernehmen und dann mit den Plünderern und dieser Ladung zu fahren. Es wurde mm ermittelt, daß die Waffen in das Sekretariat der sozialistischen Jugendorganisation in der Toßgaffe im 14. Bezirk gebracht wurden. Während des ganzen Tages wurde der Chauffeur von einem jungen Menschen, der neben ihm am Volant saß, mit schußbereitem Revolver gezwungen, zu fahren. In der Toßgaffe wurden die Waffen und die Munition ab-- geladen. Bei einer von der Polizei im Sekretariat der Jugendorganisation vorgenommenen Hausdurchsuchung wurde eine große Anzahl dieser geraubten Jagdgewehre sowie eine große Menge von Munition g efunden"und beschlagnahmt. Der Waffenhändler Forgatsch hat diese mit voller Bestimmtheit als von seinem Waffenlager herrührend a.g nosziert. Oku neues Todesopfer. Die Korrespondenz Herzog" meldet aus dem Wiedner Krankenhaus: In der Nacht auf SamStag ist der '42jährige Hilfsarbeiter Hans T a n z w i r t, der bei den Zusammenstößen mit der Wache einen Bauchschuß erlitten hatte, gestorben. Den übrigen in diesem Krankenhause liegenden Verletzten geht eS andauernd gut. Sin verhafteter Plvaverer. Da die Wachstube LichtenfelSgasse am 16. d. M. bekanntlich ganz ausgebrannt war, kampieren die Wachleute nun unter den Arkaden vor dem Eingang zu dem devastierten Lokal. Gestern saß die diensthabende Mannschaft nun wieder auf den Bänken unter den Arkaden, als einer der Wachleute mit dem Rufe: „S ch au t's, der hat ja meine Schuh' an!" plötzlich aufsprang. Tatsächlich stand untveit der Wachstube ein junger Mensch von wenig vertrauenerweckendem Aeußeren, der gemütlich eine Zigarette rauchte und nicht ohne Schadenfreude dte Wachleute unter den Arkaden musterte.. Der Mann wurde dingfest gemacht, und nähere Erhebungen ergaben tatsächlich, daß er anläßlich der Brandlegung in der Wachstube dort geplündert und einem der Wachleute die Schuhe, die zufällig in der Wachstube standen, gestohlen hatte. Cr wurde dem Gerichte eingeliefert. Der Reichrtagrabgeordnete Piek wird eulhaftet. Wie die „Korr. Herwei" meldet, hat das Landesgericht Wien den Beschluß gefaßt, den hier verhafteten kommunistischen Reichstagsabgeordneten Piek gegen Erlag einer Kaution von 3600 Schilling auf freien Futzzu stellen. Der Rechtsanwalt des Verhafteten hat sich sofort an die kommunistische Landtagsfraktion in Preußen gewendet, die, wie ein telegraphischer Bericht besagt, den Betrag' sofort flüssig machte. Gestern wurden in allen Bezirken bei den kommunistischen Vertrauensleuten Hausdurchsuchungen durchgeführt und wieder 12 Verhaftungen vorgenommen. Die Kommunistische Partei hat bisher den Verhafteten folgende 6 Anwälte als Verteidiger betgestellt: Dr. Valentin Rosenfeld, Dr. Schlesinger, Dr. Egon Schönhof, Dr. Oswald Richter, Dr. Lazarsfeld und Dr. Fliegel. Rn Arles au» einem Srholungsheim. Einem an einen unserer Redakteure gerichteten Privatbrief entnehmen wir die folgenden Stellen: „... Besonders fürchterlich wirkte auf mich die Ungewißheit darüber, von welcher Seite der Aufstand eigentlich auSging und in welchem Teile der Stadt er zum Ausbruch gekommen war. Sie verstehen mich: die quälende Frage war für mich: Hat der Aufruhr mit einem Judenpogrom begonnen oder ist er in einen solchen ausgelaufen. Echte Galuthpsychologie sicherlich! Zwischendurch hämmerten die wildesten Gerüchte auf meine ohnedies zer- , mürbten Nerven ein. Generalstreik, Standrecht! Parlament in Flammen. Die Hauptpost besetzt und niedergebrannt! Alle bürgerlichen Zeitungen demoliert. Wien brennt an allen Ecken und Enden! Raub, Mord, Plünderungen in allen Geschäftsvierteln. Landesgericht und Fustigpalast brennen! Die Sträflinge freigelafsen, und solche liebliche Meldungen mehr. Nicht genug an diesen grausamen „authentischen Meldungen aus Wien", waren auch die lokalen Gerüchtemacher eifrig an der Arbeit. Ein Bauer aus dem.Nachbardorfe erzählte, daß aus den umliegenden Ortschaften alle Burschen verschwunden seien, bereits die ungarische Grenze überschritten hätten, um zu Horthys Banden zu stoßen. In den Waldungen an der Hohen Wand werden Vermessungen vorgenommen, hohe, die Föhren überragende Masten bezeichnen die Arbeitsstellen und Parzellengrenzen. In der Phantasie eines überreizten Hirns, das seit dem Weltkriege offenbar noch nicht zur Ruhe kommen konnte, wurden diese Masten zu Lichtsignalen der Heimwehren, die sich auf diese Weise mit den im Anmarsch befindlichen Truppen Horthys und Mussolinis verständigen. Wie eine Erlösung empfand ich das Eintreffen der ersten. Zeitungen nach dem Streik, die hier im Heim mit Heißhunger verschlungen wurden. Ich gebe meiner Freude und Genugtuung Ausdruck, daß die Artikel der „Wiener Morgenzeitung" die einzigen ivaren, die ■— völlig unparteiisch — auf der Höhe der Sil''ation standen..." Schwerer Autounfall bei Möllersdarf. Zusammenstoß mit der Badener Elektrischen. Aus Wr.-Neustadt wird uns gemeldet: Der Wiener Kaufmann Eugen Konis, 18. Bezirk, GymiNasinmstraßs 43 tvohnhaft, der mit seinem Auto von Wim nach Maden fuhr, karambolierte bet der Station MöllevSdorf mit! einem Zuge der Badener elektrischen Bahn und wurde mit feinem!!Auto in den Straßengraben geschleudert, ji In dem Wagen befanden sich außer Konis dessen 48jäh- Iriig'ö Mutter Aurelia und seine 34jährige Braut Tini De st i 6. Die Mutter des Kaufmanns erlitt einen Bruch der Schädelbasis mit schiveren inneren Verletzungen und wurde -in.sterbendem Zustände in da- Badener Krankenhaus gebracht. Auch Frl. Destis mußte mit einem schweren Nerve,v schvck.in daS Spital überführt werden. Konis selbst erlitt nur leichte Hautabschürfungen und konnte mit der Bahn nach Wien sichren. Schuldtragend dürste der Autolenker selbst sein, der noch nicht die nötigen Fähigkeiten zum Autvlenkev besitzt. DaS gänzlich zertrümmerte Auto mußte auf einen» Lastkraftwagen weggeschafft werden. . Ser gestrige Wollenbruch. «ein nentunittKtet Bffiattn. Gestern in den ersten Nachmittagsstunden ging über Wien sin Wolke nbruch mit Gew:tter nieder, der in einzelnen Bezirken Verwüstungen anrichtete und harte Anforderungen «»»' die Feuerwehr stellte. Vorw »egend die Bezirke Alsergrund, Hernals, Währing, Döbling, Brigittenau und Floridsdorf wurden «in Mitleidenschaft gezogen, ohne daß es aber zu irgendwelchen argen Bau schaden gekommen wäre. Die Feuerwehrzentrale Am Hof erhielt innerhal-b -der Dauer des Unwetters etwa hundert Meldungen über Wasserschäden und hatte vollauf zu tun, um überall rechtzeitig eingreifen zu können. Die Bauschäden bezogen sich meistenteils auf Durchnäffen der Decken von hochgelegenen Wohnungen, Usbevfließen verstopfter Dachrinnen, Wassermassen in Kellern und Souterrain-, räumen, verstopften Abflußkanälen, demolierten und eingebrochenen Gartenmanevn usw. In der Senkung der Gun old - gasse sammelten sich derartige Wasiermassen seeartig an, daß eine Ze'rtlang -der Verkehr z w i f ch e n d e r Brigittenau und Döbling unterbunden »v-a-r. Pölzungen mutzten vorwiegend in Döbling bei Gartenmauern vyrgenommen werden, die den horanüransenden Wasiermassen im Gefälle von Straßenzügen nicht Stand zu halten vermocht hatten. K« Flug Wien-Relv Bott. Wleu-Parls-Anierlka. Der Oefterreichtfche Fliegerverband denkt daran, ein Flugzeug auszurüsten, das von Wien über Paris mit einer eventuellen Zwischenlandung in Neufundland nach New York fliegen soll. Dar unmittelbare Start auf dam Wiener Flugplatz ist nicht möglich, weil die für den Flug über den Ozean notwendige schwere Maschine eine zwei Kilometer lange Strecke braucht, um den nötigen Antrieb zum Aufsteige»» in die Luft zu bekommen. Da die Anlaufbahnen der Wiener Flugfelder zu kurz sind, wird der Start in Le Bourget bei Paris erfolgen. Der Sekretär des Oesterreichische» Fliegerverbandes teilt noch zu den» Plan mit. daß die österreichischen Firmen Daimler und Wäxcha-. GROSS ist das Interesse an unserem Eine Gelegenheit, die seit 1367 bewährten Sam. Reschovsky Qualitätsschuhe zu außergewöhnlich billigen Preisen zu kauten Klnd«r- Domen. Heeren. Restpaare Rest paare Restpaare 4.30 14.30 24.50 6JO 18.30 28.30 8J0 24.50 3250 usw, usw. usw. I , Rotenturmstraße 4 1., Kärntnerstraße 9 1., Brandstätte 3 Ljri» *v wjnn lowski die Erbauung des Flugzeuges ab lehnten, well ihre Werkstätten nicht entsprechend eingerichtet sind. Der Auftrag wurde daher au die Firma Kesselstein in Kassel .Vergeben. Der Motor ' wurde bei der Newyorker Firma Wri ght bestellt.' ' Das Flugzeug soll Franz Kndela führen. Er hat die Absicht, am 2. September, hm 2 .Uhr früht in Aspern! zu starten. In Paris sollen die großen, 2800. Liter fassenden Danks gefüllt werden und dann will er den Flug .nach Amertta rttttreten. Er hofft, in wenigstens 48 Stunden den Flug nach Newyork durchführen zu können. Das Flugzeug wird als O'ffv zielles P-ostflugzeug starten. Es kann 10.000 Briefe nach Newyork mitnehme»:. Der Bau dös Flugzeuges stellt sich auf 140.000 S ch i I l i n g. 1! .: Hermann Bahr über die Raffensrage In den „M. N. N." gibt Hermann Bahr eine breitangelegte Studie zur Rassenfrage. Er stellt die Rasse Über die Nation. Die Nation könne man wechseln (Chamisso, Fontantz), hie Rasse nicht. Dir Gliederung des Abendlandes sei ins Wanketr geraten und die neue nach Rassen kündige sich ait. Won reiner Rasse -zu sein bedeute ein Glück, nicht ein Verdienst „Rasten sind Tatsachen, die nach unseren SYnrpathidn .öder Antipathien nicht fragen. Wenn wir in allen Nationen des Abendlandes »reden Prachtbetspielen reirter Raste jämmerlich Entarteten, geistig und leiblich Dertierten begegnen, dürfe» wir es der Judewschaft nicht verdenken, daß auch sie von solchen Plagen nicht verschont bleibt. Mich hat von Jugend auf und bis ins Atter inichts inniger beglückt als der Anblick volleirdet schöner Gestalten: unrer den schönsten stehen in meiner dankbaren Erinnerung die Theodor HerzI und di« der Frau Emma Adler, der Gattin Viktors, votaBn." Die höchste Stelle der Srde. Als die höchste Stelle der Erde nimmt man die höchste Bergspitze an, und damit wäre der 8346 Meter hohe Gipfel des Mount Everest im Himalajagebirge der höchste Berg der Erde. Genau genommen ist dies aber doch nicht der Fall. Würbe man nämlich vom Mittelpunkt der Erde aus eine Höhenmessung der Berge der Erde vornehmen, so würde sich Herausstellen, daß nicht der Mount Everest, sondern der nur 6810 Meter hohe Chimborasso der bon der Erdmitte. am weitesten entfernte Punkt ist. Diese Verschiebung erklärt sich, wie^dio Untersuchungen des Forschers Einstein ergaben, mit der gegen die Erdpole zu erfolgenden Abplattung der Erde. Dex Mount Everest stellt allerdings dm von der Erdoberfläche am weitesten entfernten Gipfel dar, aber nicht die Stelle, die von der Erdmitte aus am weitesten itt den Weltraum hinauSragt, dmn der Chimborasso ist an einer Stelle gelegen, an der er urn mehr als 2606 Meter weiter weg vom Erdmittelpunkt entfernt ist. Wenn man die Berggipfel bon der Erdmitte aus messen würde, so fände man, wie ein Fachbericht darlegt, sogar noch zwei volle Dutzend von tropischen Bergspitzeu, die, obgleich wesentlich niedriger, gleichwohl höher in den Weltenraum hineinragen alS der "" >»t Everest.

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