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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-24 · Heft 3017 (24.7.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3017 (24.7.1927)
Date
1927-07-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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^orgO«-eitm»v 24. Juli 1927 Sonntag Nr. 3617 24. April har es das sozialdenwkratische Zcntralvrgan mit gewitztem Vergnügen als einen historischen Prozeß begrüßt, daß die jüdische Vertretung zerschlagen wurde, dank der Mitarbeit von Juden. Run ist es so mctt und die! Hjetze läuft schamlos und frech durch dis Straßen. Wird die jüdische BevÄkerung bei der nächsten Gelegenlzcit daran denken mrd da- Versäumnis gutmachen? Die jüdische Bevölkerung ist mit keiner Schuld belastet und sie. die so viel für die geistige Das hebräische Organ 'der Zionistischen Exekutive ,Laokom" bringt in seiner letzten Nummer ein längeres Interview mit Dr. Weiz« mann, in welchem dieser Gedanken über den kommenden Zionistenkongretz entwickelt. Dr. Weizmann faßt leine Ideen über die Aufgaben der zukünftigen Iewish Agemy in folgendem zulammen': Die Richtung unserer Politik ist eine palästinozentrische. Wir müssen den Aufbau Palästinas in kürzester Zeit im Ausmaß des Möglichen fördern. Dazu benötigen wir alle Kräfte des Volkes, die moralischen und die geistigen, deren Wert nicht hoch genug angeschlagen werden kann, und die materielle!:. Die Erweiterung 8er Iewish Agency erscheint mir als das beste Mittel, um bei kapitalskräftigen jüdischen Kreisen, die noch immer außerhalb unserer Reihen stehen, ein mehr als vorübergehendes Interesse zu erzeugen, und es ganz allmählich zu intensivieren. Sie müssen mit einer dauernden und verantwortlichen Palästinaaufgabe fest und organisch verknüpft werden. Die Aufgabe unserer Generation istdas Palästinaaufbauwerk, und dazu bedürfen wir der organisierten Hilfe aller Zionisten und der außerhalb unserer Reihen Stehenden. Uebrigens ist sie auch wichtig zur Stärkung unserer politischen Stellung, was eigentlich jeder politisch Denkende ohne weiteres verstehen sollte. Unsere Aufgabe wird es sein, an den Bericht der Agency--Kommission anzuknüpfen. Dieser Bericht muß zum Ausgangspunkt eines auf lange Sicht berechneten Arbeitsplanes und zur Grundlage einer erneuerten, großzügigen Finanzattion gemacht werden. Niemand, der die Dinge vorurteilsfrei ansieht, kann berkennen, daß die Krise nur die Folge einer Immigration ist. die ohne genügenden Kapitalszuflutz erfolgte. Aber d i e Grundlage unseres Werkes ist uners.chütt e r t. Dazu kommt, daß sich in der Pflanzungswirtschaft gesicherte Siedlungs- und Jnvestttionsmöglichkeiten für bemittelte Elemente eröffnet haben, /deren. kalkulatorische Grundlagen gerade in den letzten Jahren klarer geworden sind. Und warum vergißt man, daß von unseren Siedlungen im letzten Jahre 8 aus der Fürsorge des Keren Hajessod entlassen werden konnten? Ich glaube, daß man in der zionistischen Oeffentlichkeit die Bedeutung dieser Tatsache viel zu wenig würdigt. Ueber die neuen großen Finanzaktionen, deren Grundlage der Bericht der Jewish-Agency-Kommission bilden soll, wird man auf dem Kongreß in einem geeigneten Ausschuß zu sprechen haben. Wir haben in den letzten beiden Jahren von der Kommission zur Prüfung einer Anleihe und von der Londoner Wirtschaftskonferenz manche Vorschläge gehört. Man hat die Gründung einer L a n d s i e d l u n g s b a n k diskutiert, es war die Rede von der Ausgestaltung des I. E. T. zu einem I nb e st e m e n t T r u st. man könnte an die Wicdercnlfnahme des seinerzeit im Jahre 1921 von einer von Herbert Samuel geleiteten Kommission gemachten Vorschlages einer großen Bar:k denken, die als Mantelgescllschaft u::sere verschiedenen Institutionen, die Banken, die Hypothekenbank, die zu gründende Jndustriebank, Pflmrzungsgesellschafteu mit Kapital versorgt und die unsere Fonds für produktive Arbeiten bevorschussen könnte. Vielleicht ist die Zett für ein solches Projekt jetzt reif. Die Einzelheiten müssen noch erwogen werden. Aber zwei Dinge sind mir klar: erstens, daß wir bald (inen großen finanzpolitischen Vorstoß unternehmen müssen, und zweitens daß wir hiezu die Mitwirkung kapitalskrttftiger Kreise brauchen. Der Natimmlmt. Sie varlamentarllche Situation. Am Montag nachmittags wird der Nationalrat eine Trauexsitzung abhälten. Die meritorischen Beratungen beginnen am Dienstag. Die Parteitlubs werden am Montag vormittags'ihre Beschlüsse fassen. Die Stimmung ist im allgemeinen eine ruhige. Cs zeigt sich das Bestrebei:, Konflikte zu vermeiden. Die christlichsoziale Gesamtparteileitung hat am Samstag der Negierung das Vertrauen ausgesprochen und erklärt, sie werde lich zu machen versprechen. Als solche Maßnahmen bezeichnet sie die R e s o r m des Preßgesetzes, die Bekämpfung des Terrors und die Auflösung der in Widerspruch zu den Gesetzen angeblich nur für die Tage der Gefahr neugeschaffenen G e.m e i n d, s ch u tz w a ch e. Sie verlangt, daß UN» Wirtschaft lick)« Entwicklung leistet, die so schwere Lasten tragen!m:ß, hat alle Ursache darüber nachzudenken, mit wieviel Unverstand und BoslM hier vevvaltet lvird. Die jüdische B.'ölkerung hat auf ihr Recht verzichtet, mit Kontrolle zu üben, und sie muß jetzt erkennen, welche,: Fehter sie begangen hat. Es lvird die Zeit fir-•-* "v-' die gelvonneue Einsicht erprobe:: kann. Wir müssen sehen, daß wir im nächsten Jahre Einnahme!: und Ausgabe:: absolut balancieren und möglichst noch , die Verschuldung beseitigen oder zumindest sehr stark verringern. Und solange weder dies geschehen ist, noch auch neue Finanzquellen erschlossen sind, muß eine gewisse Atempause eintreten, die nach einer sechsjährigen Pionicrpcriode, in der wir unsere Kräfte überspannten, . notlvendig und gerechtigfertigt ist. Aber ich liebe den Still st and nicht, selbst wenn er dem Ordnen und Ausbauen gilt. Und deswegen meine ich, daß wir einen neuen finanzpolitischen Vorstoß vorbereiten müssen. Nach meinem Gefühl haben sich die wesentlichen Grundsätze unseres Siedlungswerkes: Primat der Landwirt' schast, jüdische Arbeit und Selbftarveit, nationaler Bodenbesitz, Anbahnung von Hypotheken- und Industrie« kredit — der allerdings wesentlich vergrößert werden muß — Gleichberechtigung von Siedlern und Siedlungsinstanzen in der landwirtschaftlichen Verwaltung, radikale Durchsetzung der hebräischen Sprache durch Pflege deS SchulwerkeS ufw., im großen und ganzen bewährt. Auf die Frage, ob konkrete Pläne für die Neubildung der Exekutive vorliegen, erwiderte Doktor W e i z m a n n: Ich habe natürlich gewisse Vorstellungen über diesen Punkt, will aber npch keine Erklärungei: abgeben. Ich will nur eines sagen: Das Bestreben war immer, eine un abhängige Exekutiv e selbständig denkender und aus ihre eigene Verantwortung handelnder Männer zu bilden. Die Auffassung, daß die Mitglieder der Exekutive vor irgendeiner anderen Körperschaft oder Partei, als vor dem Kongreß verantwortlich oder von ihrem Vertrauen abhängig sind, lehne ich entschieden ab, und ich glaube, ich befinde mich darin in Uebereinstimmung mit allen Mitgliedern, der jetzigen Exekutive. Auf die Frage, ob er in den Wahlkampf zum Kongreß persönlich eingreifen wolle, erwiderte Dr. Weizmann: Nein! Ich möchte mich von dem Kampf der Parteien fernhallen. (Nach dieser Erklärung wird es unverständlich, wieso in Wien und in der Tschechoslowakei die Kandidatur Doktor Weizmanns aufgestellt werden konnte und noch weiter aufrechterhalten wird.'— Die Redaktion.) Aber die Zeit der Wahlen kani: für die Bewegung von putzen sein, wenn sich ein jeder Rechenschaft über sich selber, über seine Leistung für den Zionismus ur:d über unser Werk gibt. Herzl hat den Sinn der zionisttschen Politik mit großer Intuition als die Schaffung einer Atmosphäre des Vertrauens um unsere Bewegung herum begriffen. In diesem Sinne Haber: wir gearbeitet. Das Vertrauen zur Reinheit und Größe des zionistische:: Ideals : st ü b e r a l I gewachsen. Wir genießen Vertrauen bei der Ma::datarmacht, bei maßgebender: Regierui:gen, in weiten Kreisen der nichtzionistischen Judenheit, und selbst das Mißtrauen der Araber gegen uns ist geringer geworden. Wir Haber: schwere Zeiten durchgenracht und gehen vielleicht noch schwereren entgegen. Das Vertrauen auf unsere Kraft, tiefe innere Disziplin ur:d der Glaube an die Gerechtigkeit unserer Sache wird uns aber, das ist meine innerste Ueberzeugung. alle Stürme überdauern lassen. Me Mawrnmatis-Konresslan. Jerusalem, 22. Juli. (I. T. A.) Es verlautet, daß dis Negierung dem Griechen Mawromatis die ihm vor: der türkischen Regierung verliehene Kor:zession zur Elektrizitäts- und Wasserversorgung Jerusalems entziehen wir d, da er trotz wiederholter Prolongation noch keine Schritte unternommen hat, die Konzession auszunutzen. die Bestrafung der an den traurigen Wirren Schuld' tragenden den kompetenten Behörden und den o r d e n t l i ch e n G e r i ch t e n überlassen werde. Re Reichskonserenr der Sorialdemokatke. trat gestern vormittags im Favoritner Arbeiterheim zu einer vertraulichen Sitzung zusammen, die bis 8 Uhr abends währte. Der Parteitag befaßte sich hauptsächlich mit den l'lntigei: Ereignisse»: in Wien und mit deren Rückwirkung in dm Ländern. Eii:en breiten Raum nahm die Organisationsfrage ein, das heißt es wurde beschlösse!!, wie in Z u- ' kunft der O r g a ,: i s a t i o n s a p p a r a t eingerichtet Iverden soll. Auch mit der Frage der Auflösung des! Nationalrates und eventueller N e u w a h l e n befaßte sich die Parteikonferenz, und es wurden Beschlüsse ge- | faßt, wie die Partei sich in diesem Fälle zu verhalten habe. Re Arbeitslosen. MlMhuie der Arbeitslosigkeit. Amtlich wird mitgeteilt: M i t t e I u l i 1927 wurden in Oesterreich insgesamt 1^9.518 unterstützte A rbeitslose gewählt. Di^se Zahl verteilt sich folgendermaßen: Wien-(Gtadt): 76.218, Wien (Umgebung): 6246, Wiener-Neustadt: 13.887, St. Pölten 6740, Gmünd:? 1070, Sauerbrunn: 1641, Linz: 14.746, Salzburg: 1306, Graz: 16.282, Klagenfurt: 1749, Innsbruck: 1864, Bretzenz: 402. Im Vergleich zur letzten Zählung vom 30. Juni 1027, ergibt sich eine Abnahme von 6618 Personen. Zu der eingangs angegebenen Zahl von 139.618 unterstützten Arbettslosen kommen noch jene Arbeitslosen, die bei den Arbertsnachweisstellen zur Arbeitsvermittlung vorgemerkt find, ohne eine Unterstützung zu beziehen. Wo ist Leon Saudet? An volltilches Fangerlsviel. Paris, 23. Juli. (Tel. Comp.) „Paris Midi" metz det aus Brüssel, daß tatsächlich Leon Daudet sich in der letzten Zeit in N a m u r aufgehalten habe. Da er aber dort erkannt worden sei, habe ihm ein befreundeter belgischer Industrieller seine Billa in W e n d u y n e bei Ostende zum Aufenthalt angeboten.- Daudet habe sich im Automobil nach diesem Ort begeben, wobei ihm einige Journalisten, die ihn erkannt hätten, im Automobil gefolgt wären. In Paris ging heute nachmittags das Gerücht um, daß Daudet in Belgien verhaftet worden sei. Es wird aber diesem Gerücht wenig Glauben beigemessen» da Leon Daudet wegen eines politischen Deliktes verfolgt lvird und sich die belgische Polizei schwerlich entschließen würde, ihn an Frankreich auszuliefcrn. Sin Finanzlkandal in Frankreich. P a r is, 23. Juli. Die Polizei hat den Direktor der Bank A. G. „Le Moniteur Financier" und Herausgeber einer Zeitschrift gleichen Namens, Robert Delhaye, verhaftet. Gegen Delhaye, der mehrfach wegen Finanzschwindels vorbestraft ist und schon einmal eine solche Zeitung herausgegeben. hatte, liegen gegen 460 Klagen ivegen Veruntreuung und Betruges vor. Der durch Zusammenbruch des „Moniteur Financier" verursachte Schaden beläuft sich nach vorsichtigen Schätzungen auf 6 bis 16 Millionen Francs. Gärung in Spanien. Madrid, 23. Juli. (Havas.) In einem halbamtlichen Communique wird festgestellt, daß die Zöglinge der Artillerieschule in S e g o v i a jüngst wiederum Mangel an Disziplin bekundet haben. Infolgedessen habe der Kriegsminister strenge Maßnahme,: ergriffen, um alle ruhestörenden Elemente auszuschließen. In der Mitteilung wird noch bemerkt, daß die Regierung auch in Barcelona Schwierigkeiten begegne, wo die alten Gowerkschaftsorganisationen sich bezüglich der Teilnahme anderer Organisationen an den mit der Regelung vor: Arbeitskonflikten betrauten Ausschüssen unnachgiebig zeigen. Ser Thronwechsel in Rumänien. die Beisetzung Bukarest, 33. Jul:. (Tel. Comp.) Der Ministerrat hat heute nachmittags das endgültige Programm für die morg:ge Versetzung König Ferdrnands festgestellt. Montag treten, Kammer und Senat zu. einer gemeinsamen Sitzung zusammen, m der Vertreter aller Parteien Beileidstuiidgebungen für den verstorbenen König abgeben werden. Morgen vormittags wird dar RegentschaftSrat zum ersten Male den Vorsitz t nt Minister rat führen- Montag nimmt der Regentschaftsrat ferne Tätigrett ineinem Palast an der Calea Victo-rtet auf. Bruch zwischen den tschechischen Faftlften «od Rationaldemokate«. Prag, 33. Juli. Der gewesene General Äajda, der an der Spitze des fasz,st:schon Direktoriums steht, hat sich von der natronaldemokratlichen Parte: abgetvendet, die seine Sache bisher zu ihrer eigenen gemacht hatte. Das fasz:- stischa Direktorium hat nämlich beschlossen, den Kampf gegen pie Via 11 mt« Ibern o fr a t te zu eröffnen. Die national«, demokratischen Blätter, die über diesen. Abfall empört find, nennen Gajda zwar einen guten Soldaten, aber einen schlechten Politiker. Si« meinen, wenn Gasda den politischen Führer spielen wolle, werde er vollkommen scheitern. Kein Flugzeugunsall bei Lublin. Sine iZalllvmelüung. Wir haben gestern eine Meldung des „Oesterr. Pressedienstes" wiedergegeben, welche über einen Absturz des Passagierflugzeuges auf der Strecke Wien—-Warschau berichtete. Wie uns die „Aerolot-Oesellschafl" mittoilt, ist diese Nachsicht gänzlich unwahr. Keines der am 31. Juli, an welchem Tage sich der Unfall ereignet haben soll, in Verkehr gesetzte,! Flugzeuge hat eine Notlandung wvgenommen, üeWjiwiri* denn einen Absturz.erlitten. ^xx>oooooooooooooooo(xx>oooo<xx>oQoooocoooooooc30oooooooaoooooooooooooaooooooooooo Weizmanns Arbeitsprogramm. Sie Ansgaben der neuen gewish Agency

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