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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-23 · Heft 3016 (23.7.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3016 (23.7.1927)
Date
1927-07-23
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 8010 Wim. Samstag M1e«rr WorgLAzrttmrg 28. IM 1927 Gelte t © 3ofe| Mareur gestorben. Vom Schneider zu-m Bankpräsidenten. In New Hort starb dieser Tage der Präsident -er „Pank of 1h« Unit«- Stateß", Joseph S. Nareul. Er wurde 1882 in Memel geboren. Mt 17 Jahren kam er ganz mittellos noch New Vork und widMt« sich hier dem Tchneidergewerbe, daer 2b Jahr« lang betrieb. 1966 begründete «r di« Puöl'e Bank of New Dovk, deren Präsident und Direktor er wurde. Sech»' Jahre später wurde er -um Präsidenten der Bank of the United Stategewählt. »SfntelttifAe Religloaraelellschaft 8.9/ Aus Berlin meldet I. T. A.: Der „Deutsche Reichsanzeiger" veröffentlicht die Bilanzen der Israelitischen Meligion-gesellschast A. Ä., Karlsruhe, pro 1026 u«d 1926. Am Schluß erklären die Liquidatoren M. Altmann und Leopold Schwarz, dqtz die am 36. Juni 1927 stattgefundene Generalversammlung die Auflösung der Aktiengesellschaft beschlossen hat. Somit hat:die Karlsruher Israelitische Religionsgesellschaft die jurtstijsche Form einer Aktiengesellschaft abgelegt. Antisemitische wohnprari» in Pose». Die I. T. iA. meldet aus Posen: Bor einiger Zeit übersiedehhen "ach dem Städtchen Jnowroelaw (Wojw. Posen) dix Witwe Spiegel und ihr Söhn und eröffnet« hott eine TGrine Ayfabrik. Frau Spiegel und ihr Sohn meldeten sEH vorschriftsmäßig beim Magistrat, Ihre Meldung wurde jedoch nicht ent gegen genommen, sondern d«m Woßvoden von. Posen zur Entscheidung vorgelegt. Aus Posen kam dann die Weisung, daß Frau Spiegel und Sahn binnen 44 Stunden den Ort zu verlassen haben. Als Frau Spiegel, eine ehemals deutsche, jetzt polnische Staatsbürgerin, sich nach dem Grund ihrer Ausweisung erkundigt«, wurde ihr erwidert: ,M dürfen in Jnowroelaw koin« Juden wohnen." ( Frau Spiegel kam nach Warschau, wo der jüdsisHe Deputierte W y S z l i e k i für sie beim Innenminister General S k l a t* kowski interveniert«. Der Innenminister! ließ noch Posen die Weisung ergehen, baß keinem jüdischen Bürger, wenn sonst ntchtgegen ihn vorliegt, da» Wohnrecht, in einem Ort« W Wojwodchast. Peisen verweigert werden darf. IM I»si.I Bühne und Kunst. jtoBIf Mstvel lerne« mm tS. Mal heiraten. VommorjuSilänm in den Kammerfptelen. Ueberraschend schnell jubeliert dasharmloS-heitereLustspiel >on dem Mädchenpensionat, in dem das Heiraten als obligater Gegenstand gelehrt wird. Kiese Disziplin wird in den Kammerspielen nunmehr zum 26. Sflatf vorgetragen, und man registriert diese Tatsache doppelt gvrye, weil sie zeigt, daß einigermaßen brauchbare Stücke und gute Darstellung selbst im Sommer „ziehen". Die Aufführung in den Kammerspielen, die Direktor W e n z I e r! inszeniert hat, steht tuest über dem Durchschnitt. Im Mittelpunkt steht die schöne Friedl Haerlin. die sich mit reizender Anmut ihren Harald istaulsen kapert. Trude Brionne bringt nun schon zum 26. Male dar Kunststück fertig, an einem Abend ein Butterbrot von gigantischen Dimensionen aufzuessen und alles, was sie sagt, ist von einer ergötzlichen Butterbrot- Philosophie durchtränkt: Zum Brüllen lustig ist Eva F t e - b i g als alte Jungfer, welche sich /in den neuen.Lehrgegenstand Heiraten mit geradezu exzessiver Dynamik vertieft. Theodor G r i e g sekundiert ihr ausgezeichnet. Das Publikum unterhält sich trefflich. —H. Itt» Heu SNtent, Wr. Bürgertheater. Theater bleibt Ml inklufibe 31, August 1887 geschlossen. Die neue Saison wird am 1. September 1887 eröffnet.^ Johann Strauß-Theater. Dar Theater, das ohn« Unterbrechung den Sommer hvPchsptelt, bringt, hiS zur ersten Herbstnypihät täglich die Operette/„Rosen an- SchrraS" zur Ausführung. ' Thewter tu der Jos esst aßt. Täglich 3 Uhr „Theodore Ur Cte.". Mittwoch Ä«n ersten Male „Pie Kam«, ltendame" mit russischsjn..Schausptelevin Elena Polnwitz- ^1?' - "/ ‘ ' 's . Lustspt«lthrater. /Täglich „Die Kw»MeltKonkur«nz" mrt Hann Jarno als East. / Rvlan dbühn«. Täglich 3 Uhr „Die weiße Sklavin". . Der Chef dev b-rchmten Biano- BMobrir SteiWky u. Sahn, Frederle Steimoah. ein ^ü^orragender Förderer der Musik, ist in Newyorr Ker Kritiker. In Sa. Vom 21, bi» 31. AtiM vom Internationalen Dheatsv« und NlnsiMtiker ein „W kev- Veranstaltet. urg wird .. .ervand der ,Weltkongreß der .strittvereine. AortrSse «nd verfemmlunsen. denvrücke (Haltestelhe Sie jüdische Koloalsatto« i« Rußland. De« ukrainische BolkSkommtssar für Landwirtschaft, Gchli cht-e r, der auf seiner Reis« durch die Süddistrikte der Ukraine auch dre jüdischen Kolonie« besucht hat, hat einen Bericht veröffentlicht, der besagt: ES werden über die jüdische Kolonisation vollkommen grundlost Legenden verbreitet, so insbesondere, daß die Juden dem Handel obliegen und daß ihtt-ndiaLandwirtschastNebensuch« sei. Auf Grund persönlicher Beobachtungen in einem . bedeutenden Teil der jüdischen Kolonien stehe ich nicht an, dies« Gerüchte kategorisch alt Verleumdungen zu bezeichnen- Wir inspizierten «in Areal von 13.500 Deßjatin Boden, auf welchem biS jetzt 630 jüdische Wirtschaften bestehen, di« erst seit . End« 1025 zu entstehen begonnen haben. Bis 1. Juli d. I. waren bereits SS Prozent der Mitglieder der jüdischen Kolonistenfamilien an Ort und Stelle. EL ist mir koin einziger Fall bekannt geworden, daß ein jüdischer Kolonist seinen Boden verpachtet haben soll. Wir sahen Kolonisten bei der Arbeit <xuf dem Felde, an der Maschine,, kurz in allen Zweige» der Arbeit. Die benachbarten ukrainischen Bauern nehmen oft die Hilft der jüdischen Kolonisten in Anspruch, indem sie sich von ihnen landwirtschaftliche Maschinen au-borgen. . Oft schafft gerade dies« Hilfsbereitschaft der Juden eine Atmosphchwa von Neid; eine Aufk lärüng-arbeit unter den ukrainischen Bauern tut not. Sine.Menthal-Sttaße" ln Berlin-Temvelhof. Aufs flugh »ach dein denkwürdigen „ mit dem FlUWAg „Miß Columbia" und «ine Straße als „81* lienthal-Straße" zu Ehven der Brftichers des Flugzeuges, Otto Lilienthal, zu benemten. Flug ChamberlinS und LtzvineS ~ “ ’umöt fflttWnttertottfetens fit England. Am! 18. Juli wurde ln London in Anwesenheit von mehr als 60 Rabbinern die Konferenz der Rabbiner CrmlandS eröffnet. Rieichsmbbiner Dr. I. .H. Hertz machte den Vorschlag, eine für das jüdische Kriegerdenkmal gesammelte Summe von 60.000 Pfund. Sterling aV Reserve für einen Rabbiner pensionsfondS zurückzulegen. Die Debatte hterWsr wuvd vertagt. Rev. Dr. J. AbeSlon hiett sodann einen Vortrag Wer „Jüdische Theologie in heutiger Bebeuckstung". Dr, Büchler. der Direktor de» JewS' College, , berichtete Wer dre „Lage der. Juden in der Gegjenwan". chtung Hütteldorf). An- ' . y : ■■’H * ,! ■>: Meldungen noch heute zwischen 7 . und halb 9 Uhr abendS in der GMon II vei Vh. PaiS oder beim Gekrtztär Fenster. — Zionistisch« Arbcittpart«» Sitachduth. Montag. den 25. Julr 1927, halb 8 Uihr abends, ..dringende mmlung in unserem Heim, 2. Be»., Aus« 19. . Erscheinen fii! - ' lug nach Mödttr ' Mechinger Bai genddund. en AuS Ermäßigung. risrachi» Autethrchl. Zuthof/ Sv Pro- Sa, die ragend ist eine Tugend.. Vas lm Leoliener SWlleüeu gefchehev kann. . ' Johann K., ein'Wiener Fabrikant, soll anläßlich eines 'vorübergehenden Aufenthaltes-in Leoben, der im Jahre 1921 erfolgte, zu einer E manu ela St. in'Beziehungen getreten fein, denen ein Kind entsproß. Das Alimentationsb egehren lautete, begründet mit der.guten finanziellen Situation des Beklagten, auf einen Unterhaltsbeitrag yon 100 Schilling monatlich. Der. Fabrikant, bestritt alle intimen Beziehungen und z verwies darauf, daß sich die Bekanntschaft mit der. augeb« llichen Kindesmutter in einem anrüchigen Haufe Leobens angebahnt habe. Da Kläger selbst, ebenso wie die .Klägerin, verheiratet sei. habe er sich seinerzeit herbei-! gelassen, einen VntbindungSbeitrag zu leisten, ohne damit seine Vaterschaftspflichten.irgendwie anzuerkennen. WIR bWn unsere L«s« und Freunde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restaurants und Kaffeehäusern sowie in beschallen stets unser Blatt zu verlangen! O iRAunun Vollwertige Damen-, Herrenu. Klnderechu. tu tief herabgeeetzten Preisen Die Klägerin suchte durch Jnsassiuivn des Hauses einen ebenso undelikaten lute ungewöhitlichen Tatsachen« beweis zu führen. Da fanden sich Zeuginnen, die deponierten, der Gast habe ein u n b e r ü h r t e s M ä d ch e n v erlangt. Nach den Angaben der Zeuginnen hat man ihm auch eine nicht näher schilderbare Komödie vorgespielt. Für die Intimität des Zusammenseins boten sich eben, falls Augenzeugin neu an. ' Im Zuge des Verfahrens kam auch zur Sprache, daß sich der Beklagte genötigt sah, eine Anzeige wegen Erpressung gegen die KindeSmutter zu erstatten, die jedoch damals unbekannten Aufenthaltes war. Man erzählte ihm von einem Verbrecher, der die Schwester der Kindes« mutter bedroht habe, er werde ihr den Leib ausschlitzen, wenn sie nicht bei Gericht Beziehungen des Beklagten zu ihrer Schwester bestätige. Das Bezirksgericht Hernals kam zu dem Erkenntnisse, das K l a g e b e g e h r e n sei wegen martgelnder Glaubwürdigkeit der Kindesmutter und der Zeugen abzuweisen und das Zivillandesgericht als Berufung-^ Instanz bestätigte dieses Urteil. Sie galante Wahrsag«!». Herr Kranz ging abends auf der Straße spazieren, da.lud ihn die Zigeunerin Marie Stojka zu sich in die Wohnung, teils zur Liebe, teils, um ihm. wahrzusagen. Sie erklärte ihm, sie könne dies nur dann tun, wenn er ihr 10 Schilling auf die Hand lege. Als die Zigeunerin mit dem Wahrsagen fertig war, da war auch die 10-Schillsng-Note verschwunden. Außerdem bemerkte Kranz noch, daß aus seiner Brieftasche weitere 10 Schilling verschwunden waren, worüber er eine andere Zigeunerin, die auch anwesend war, im Verdacht hatte. Die beiden Frauen Marie Stojka und Marie Bauer hatten sich deshalb vor dem Bezirksgericht Margareten zu. verantworten. Es erschien nur die Bauer» während die Stojka noch ausgeforscht werden muß. Nicht er: „Wie war das mit diesen verzauberten 10 Schilling?" Angeklagte (lacheuv): „Aber, das alles ist ja gar nicht wahr. Die Stojka ist ihrem Mann Zigaretten holen gegangen und dann auf einmal mit dem Herrn gekommen. Er war etwas betrunken und hat einen Liter Wein holen lassen. Ich Hab' dann gesehen, daß er nach dem Wahrsagen noch Zigaretten hat holen lassen und. da hat er ihr. eine 10-Schtlling-Note mitgegeben. Wahrgesagt hat's ja, das ist wahr." Richter: ,/Sie sollen aber auch geholfen habet:, daß 10 Schilling verschwinden." Angeklagte: „Es Ivar noch jemand dort außer mir, der KobacS. Lassen Sie Jhna liebe rnet wahrsaget:, sind's net so verrückt in die Weiber. Was brauchen's Jhna einladen lassen. I hab'S net notwendig, Ihnen was zu stehlin. I wer Jhna auf Ehrenbeleidigung klagen. Was glauben'- denn eigentlich? Da können'- jeden so ^schlecht machen. Soll i mi vielleicht, in einen Sack stecken?" Zeuge: .^Jch war 'froh, daß ich mit heiler Haut davongekommen bin. Es luar mir nicht sehr geheuer dort und die Frau hat mir die Karten ins Gesicht schleudern wollen!" BesirkSrichter Dr. Wanicek 'verurteilte die Angeklagt» zu 24 G t u n d e n A r r e st. i Prima Selchsleisch mit Würmer«. Jakob Erhard betreibt am Naschmarkt ein Lebens» Mittelgeschäft. Dorthin kam der Hilfsarbeiter Albin Muhr und kaufte sich um 80 Groschen S e l ch f l e i s ch, von dem er ungefähr 10 Deka erhielt. Als er das Fleisch auSpackte,' um es zum Gabelfrühstück zu verzehren, bemerkte er. daß es mit Würmern besät war. Er erstattete daraufhin die Anzeige, auf Grund der eine marktämttiche' Revision im Geschäfte Jakob Erhards vorgenommen würde. Die Analysen der Allgemeinen staatlichen UntersuchüngSanstalt für Lebensmittel ekgab, daß die beschlagnahmte Ware von allgemeiner Mihfarbe, schmutziger, teils'bereifter Oberfläche und fauligem, dumpfem und muffigen: Geruch war. Der Richter, vor dem sich Erhard zu verantworten hatte, verurteilte ihn zu a ch t T a g e n A r r e st und 60 G ch i l l i n g G e l d st r a f e. In der Begründung seines UtteilS führte er aus, daß die Strafe deshalb f» hoch bemessen wurde, weil der Beschuldigte mit seiner hrtrügerischen Gefchäftspraxis gerade die Aermsten der Armm treffe, die sich nur, beispielsweise um 80 Groschen - tür Stückchen Fleisch gönnen können.

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