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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-21 · Heft 3014 (21.7.1927) · p. Seite 8

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3014 (21.7.1927)
Date
1927-07-21
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Wien, Donnerstag Wiener Morgerrzetrung 21. Juli 1927 Nr. 8014 Der Moderne Haushalt Re Maschine im Haushalt. Von Fanny Freund-Marcus. Die Umstellung der Arbeitsweise auf dem Gebiete der Hausarbeit ist volkswirtschaftlich von so großer Bedeutung, daß die Diskussion über die Modernisierung deö Haushaltes zur Tagesfrage in allen Körperschaften von Staat, Gemeinde und Privatwirtschaft geworden ist. Wir hören sogar, daß sich selbst die Wirtschaftskonferenz in Genf mit den Fragen der Produktion für die Hauswirtschaft befaßt und die Oekonomisierung der Erzeugung durch Vereinfachung der Bedürfniffe für den Konsum zu erreichen hofft. Die Begriffe Normisierung und Typisierung werden sich die Hausfrauen künftighin zu eigen machen müssen, und einer hoffentlich nicht zu fernen Zukunft wird, dies soll mit froher Zuversicht ausgesprochen loerden, die völlige Umkrempelung der Hauswirtschaft Vorbehalten sein. Nicht nach dem Ideal des Aufgeöens der Einzelwirtschaft, sondern in der durchgreifenden Verbesserung, Erleichterung, Vereinfachung und Mechanisierung der Arbeit im Einzelhaushalt. Die Frau leistet ihre Berufsarbeit als Hausfrau ohnehin unter sehr erschwerenden Umständen. Es gibt im Haushalte kaum die Möglichkeit der Begrenzung der Arbeitszeit wie in anderen Betriebs- und Arbeitsstätten. Die Arbeit beginnt mit dem Augenaufschlagen der berufstätigen Hausgenossen frühmorgens und endet, wenn nicht Krankheitsfälle oder besondere Vorkommnisse auch noch des Nachts Arbeitsbereitschaft und Pflegschaftsdienst erfordern, nach der Reinigung des Nachtmahlgeschirrs und nach dem Zurichten der Schlafgelegenheiten, also spät abends. Die Hausarbeit muß sich täglich und stündlich den ungezählten Zwischenfällen des Später- oder Früher-HeimkommenS der arbeitenden Hausgenossen anpassen. Hausfrau und Hausgehilfin müssen wiederholt durch Abberufung ihre Arbeit -unterbrechen und so ihre Nerven überstark in Anspruch nehmen, und nach der Tagesarbeit gehen die Sorgen um die Arbeit des nächsten Tages, die Sorgen, wie man mit dem Einkommen auskommen soll, der Hausfrau leider noch in die so sauer verdiente Nachtruhe nach. Ist es da ein Wunder, wenn die Hausfrau früher als alle anderen berufstätigen Frauen altert und lebensunlustig wird? Die schwere Arbeitslast der Haushaltführung muß aber nicht als etwas Unabänderliches hingenommen werden. Die Dampfwäscherei „Habs bürg“ wischt Nr Alle! (2. Fortsetzung.) Copyright by Di. 2l»r Piftger, R. LCwit V eilig, Wien. AMERIKA. Ein Roman von sctiaiom Asdi. Alle fteuten sich über üen klugen Einfall, die Mutter aber drückte ihre besondere Zufriedenheit aus. indem sie sagte: „Trag auf, Rachele!" Ter Vater schien in diesem Augenblick ganz die bevorstehende Abreise. vergessen zu haben, und nur von d^r Freude über die fünfundzwanzig Rubel, die er in den Händen hielt, und die Klugheit seines Kindes erfüllt, sagte er zu den Jungen: „Hände waschen!" und ging, dasselbe zu tun. Alle saßen um den Tisch. Die Muhme war die erste, die iant die Reise erinnerte. Tenn die liebe Muhme hatte immer die Gewohnheit, von "den schrecklichsten'Dingenvon Tod und Teufel, zu reden. Die Kirrer hatten auch inächtig Angst vor ihr. Sie liebte es, auf dem Friedhof herumzuwandeln, und so, wie sie in ein großes Tuch eingehüllt daherging, mit den roten Flecken im Gesicht, erinnerte sie lvirklich an den bösen Tod. Sie sagte: „Ei, Meir, und du hast gar keine Angst vor dem Wasser? Ich Hab mir erzählen lassen, wenn einer auf hoher See krank wird, dann binden sie ihn einfach auf ein Brett, und werfen ihn ins Wasser." Sie sagt das mit einem besonderen Lächeln, bas ihre 1 dünnen Lippen gespensterhaft unispielt. Ihre Augen bekam- J men eine grünliche Farbe und sehen nadelspitz drein. Nachdem sie geendet hatte, hüstelte sie, daS seltsame Lächeln auf den Lippen, und kicherte Hi, hi, hi. Einen Moment blieben alle still. Man hört« nur das Klappern der Löffel, mit denen die „Banditen" hantierte^. Die Tante hatte kaum zu Ende gehustet, als sie wieder begann: „Wer weiß, ob sie nicht mit meinem David dasselbe getan haben? Schon drei Jahre, daß er fort ist, nnd man hört kein Wort von ihm." Die Industrie und das Gewerbe lassen der Hausfrau große und kleine Helfer erstehen, die, richtig gehandhabt, der HauSfrav tausend Überflüssige Handgriffe ersparen lassen. Die Hausarbeit, unmodern und ohne Maschinen und Behelfe ausgeführt» zwingt die Frau und die Hausgehilfin, in Schritten gezählt, geradezu hochtouristische Leistungen auSzuführen. Das Kapitel Staubsauger ist für die lvirklich hygienische Führung des Haushaltes von so großer Bedeutung, daß ihm eigentlich einmal ein ganzer Vortrag gewidmet werden muß. Jedenfalls ist bei Anschaffung des Staubsaugers und beim Entleihen desselben mit besonderer Vorsicht vorzugehen. Den Apparat genau kennen lernen, seine wundervollen Teile, die für alle Arten der Reinigungsarbeit besonders geeignet sind, verwenden zu lernen, erfordert ein eingehendes Studium, dann wird der Apparat nicht versagen und nicht enttäuschen. Es gibt Apparate, in denen der Motor in feststehenden Zylindern eingebaut ist, und Apparate, die auf kleinen, leichten Rädern gehen und den Staubsack außen angebracht haben, aber auch außerdem noch Staubsauger mit eingebautem Staubsack, die auf sogenannten kleinen Schlitten beim Arbeiten leicht nachgezogen werden können. Den Staubsauger peinlich rein halten, den Sack möglichst oft entleeren, bei der Arbeit nach einiger Zeit kleine Ruhepausen einschalten, damit der Motor nicht heiß lauft, die Ansatzteile nicht fest auf den Teppich und die Möbelstücke aufdrücken, sondern nur mit einer Kante lose darüberfahren, sind Vorbedingungen für das restlose Gelingen der Entstaubung. In vielen Haushalten wird der Staubsauger nicht auch zum Kleiderputzen benützt, was ein schwerer Fehler ist, da die Kleider, besonders die Herrenkleider und die Ueberröcke, aber auch die Pelzsachen, mit dem Staubsauger gereinigt, länger gut erhalten und stets tadellos frisch aussehen können. Auch zum Auskehren der Fußböden eignen sich die mit einem richtigen Ansatz mit Bürstchen versehenen Staubsauger. Auch der Teppichfeger ist dort, wo Elektrizität fehlt, gut zu verwenden. Die Waschmaschine wäre geeignet, der Hausfrau das Leben ganz besonders zu erleichtern. Leider ist ihre Anschaffung noch mit großen Ausgaben verbunden und die Hausfrauen sind noch nicht dazu zu haben, sich derartige lebenswichtige Hilfsapparate gemeinsam für ein oder mehrere Häuser anzuschaffen. Es gibt wohl kleinere Waschmaschinen einfacher Konstruktion, die in vielen Haushaltungen Eingang gefunden haben. Auch die Hilfsapparate, die den Druck der Luft zur Erleichterung der Wascharbeit benützen wollen, sind ziemlich beliebt. Aber die großen, aus Amerika stammenden elektrischen Waschmaschinen, die das Wasser mit Gas erhitzen und durch einen drehbaren Kessel, in den die Wäsche gegeben wird, es zustande bringen, daß mittels Elektrizität zirka 5 Kilogramm Wäsche in 18 bis 20 Minuten gewaschen und bügelfeucht getrocknet werden, sind in ihrem Anschaffungspreis gerade für die kleinen und mittleren Haushaltungen, die sie so notwendig brauchen würden, leider fast unerschwinglich. Nur die Möglichkeit, tm Wege von Teilzahlungen oder von gemeinsamem Ankauf für mehrere Familien Maschinen zu bewerben, läßt die Einführung dieser Maschine und die dazugehörige Bügelmaschine, an der die Frau, bequem sitzend, mühelos und ohne ihre Gesundheit durch stundenlanges Stehen zu gefährden, einen Korb Wäsche in zauberhaft kurzer Zeit bügeln kann, für die Zukunft erhoffen. Neben diesen großen Maschinen gibt es eine große Zahl von kleineren Behelfen für Küche und Haus, die unS die Arbeit erleichtern und die Arbeitszeit wesentlich abkürzen helfen. Von diesen sei hier näher gesprochen. Die Hausarbeit läßt sich in drei große Arbeitsgebiete gruppieren: 1. in alle Reinigungsarbeiten; 2. in die Arbeiten, die das Zurichten und Fertig kochen und Anrichten der Speisen beinhalten; 3. in die Arbeiten, die die Instandhaltung de- Hausrates, der Wäsche und Kleidung bedeuten. Für diese drei Arbeitsgebiete gibt es eine große Anzahl praktischer Maschinen und Behelfe; eS ist ein großes Verdienst der Genossenschaft der Eisenwaren- und Küchengerätehändler,- daß sie dem Gebiete der technischen Erfindungen im Haushalt ihr besonderes Augenmerk zuwendei« alle gut erprobten Neuheiten aus dem Auslande herein« kommen läßt und so zum Aufklärungsdienst, zur Modernisierung des Haushaltes wesentlich beiträgt. Die Reinigungsarbeiten umfassen die Arbeiten deS Aufräumens, der Entfernung von Staub und Schmutz, das Aufwaschen, AuSreiben, Ab stauben, Kleider- und Schuhputzen, die Fußbodenpflege, das Geschirraüwaschen, Besteckputzen, das Wäschewaschen und Bügeln. Die zweite Gruppe der Hausarbeiten, das Kochen, umfaßt die Arbeit des Cinkaufens, die Vorarbeiten zum Kochen, das Zurichten von Gemüse, Obst und Fleisch, die Herstellung der Mehlspeisen, die Behandlung der Kochapparate und Herde, taS Tischdecken, die Behandlung der Küchenvocräte und des gesamten Kochmaterials sowie die Festsetzung der Speisenfolge. Die dritte Gruppe der Arbeitspflichten der Hausfrau ist das große Gebiet: Nähen, Flicken, Stopfen, Schneidern, Häkeln, Stricken und Sticken. (Fortsetzung folgt.) m Keine Motten I Keine Wanzen! Keine Schädlinge! Moderaete Durchgasung -ohno Sohaden für Einrldhtungtgegenst&fi'do' dareh Geidlsohaft für Blausäure-Desinsektion und ohem.Tteöhn. Bodarf Dr. Breymeaser L Co., Wien,!>!., Rasiimofskygaeee 1 Telephon Kr. 99-6*18 □□□□□□□□ „Ist >.och nie'-1 v •! Enoch, der Schneider, hat ihn doch inLorwon gesehen! Ist Mützenarbeiter und spielt Karten," erwiderte Hannah Lea. Die Tante lächelte auf ihre sonderbare Weis?. „Ihr habt einen eigentümlichen Familiensehler, daß ihr einander vergeht. Wenn bei euch ein Sohn verreist, will er von euch nichts wissen — hat man je fo was gehört?" — setzte Hannah Lea hinzu. Wieder hörte man das sonderbare Kichern der Tante, dazwischen das Husten, das den Kindern solchen Schrecken emjagte. Und da geschah es, daß Hannah Lea ohne jaden iAnlaß, toie sie den ersten Löffel an den Mund führte, mit einem herzbrechenden Weinen herausplatzte: „Ach, Meir, bei ivem läßt du mich zurück? Wohin fährst di«.^?" Sie schluchzte immer heftiger und bedeckte die Augen mit ihrer Schürze. Auch Rachele legte ihren Löffel hin und sekundierte der Mutter. Ter Vater blickte ins Leere und zerrte nervös an seinem Barte. Nur die „Bande" ließ sich nicht stören. Als gehörten Mutters Tränen, mit dazu, löffelten sie in schnellem Tempo ihre Suppe weiter. Jossele aber blickte indessen unverwandt der Muhme ins Gesicht. Auf ihn machten die Worte der Tante, dieses ,-Anbinden an ein Brett", obwohl er den Sinn nur ganz vage begriff, einen tiefen Eindruck. Gr fühlte, daß die Muhme vvn etwas Furchtbarem sprach, und nicht Mutters Tränen, sondern das seltsame Lächeln der Muhme und die „roten Bäckchen" jagten ihm Entsetzen ein, Und auch er war ganz, ganz nahe daran, einen Tränenstrom loSKulassen. Die Muhme verlegte sich nun aufs Trösten: „Nun, alle werden doch nicht krank, und auch nicht alle werden an ein Brett gebunden." Hannah Lea aber ließ sich nicht mehr trösten. Was sie in ihrem Leben an Schichalsschlägen getroffen hatte (und das war nicht wenig) schien sich jetzt in Tränen aufzulösen. Bald aber ging die Tür auf, und ein gedrückter trauriger Guten-Abend-Gruß wurde hörbar. Ein hoher, finster dreinblickender Mann, über die Vierzig, in ärmlicher Kleidung, schob sich ins Zimmer und setzte sich in eine Ecke. „Leibusch, bist du es?" „Ja, ich, ich," kam es mürrisch aus der Ecke. Diesen mürrischen Ton hatte der Mann nur im Der kehr mit seinem Weibe und mit seinen Kindern. Im! Grunds seines Wesens war er ein guter Mensch, der kein schlechtes! Wort über die Lippen brachte und sein« Stimme nie allzulaut erhob. Und weil er fo war, war er iml Leben ein rechter Pechvogel, dem nichts gelingen wollte. Cr konnte nicht lange handeln und feilschen und hatte immer schnell nachgegeben. Mit den Seinen aber konnte er nicht anders yedeir als mit einem bösen Ton in der Stimme. Er hatte für sie kein gutes Wort übrig, obwohl er.sie tief und inUig liebte. Denn es schien ihm, wenn' er mit seinenr Weib anders sprechen sollte, so wäre das die Mrt irgend eines Kurmachers' oder Liebhabers. Darum waren alle nicht wenig erstaunt, als sie plötzlich des Onkels Stimme, die sie so selten gehört hatten, vernahmen, eine tröstende Stimme, die sich an Hannah Lea wandte: „Was hat sie denn zu weinew? Sie hat doch gar keinen Grund 'zu weinen. Fahren doch ein Menge Leute hinüber, und alle kommen gut an. Mit Gottes Hilfe wird auch er glücklich ankommett. Massen vvn Leuten fahren hinüber — sie hat gar keinen!Grund zum Weinen" Des Onkels Worte stimmten Mir ganz weich, und er schlug einen Ton! an, den er sonst im Verkehr mit dem Schwager nicht hatte, — als ob sie die besten Freunde wären. Dabei klang ein kleines Spötteln Über die Weiber mit: „Gin Weib, also weint sie. — Diu weißt doch/ eine Frauensache ist das Weinen" — und ein wenig stiller, sich zum Schwager hin beugend: „Es ist doch kein Wunder, in ein fo fernes Land." „Gewiß, gewiß," antwortete Leibusch, indem er ergötzen den Kopf schüttelte. 1 „Vielleicht wird er unseren David treffeni, Leibusch?" rief die Muhme zu ihrem Mann hinüber. „Unseren David? Wen noch? Vielleicht gar dtzn Voten Schuster — hat sicher schon längst ein böses Ende genvminm," antwortete der Mann sofort mit verändertem Don in der Stimme. (Fortsetzung folgt.)'

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