Mannheim
Compact Memory

Wiener Morgenzeitung · 1927-07-21 · Heft 3014 (21.7.1927) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3014 (21.7.1927)
Date
1927-07-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2979076-2981905-2982102--30713-3018962
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite fl ' Donnerstag Wv-gOttDertU«- 21. Juli 1827 Nr. 8014 jeder Hinsicht als sehr gelungen bezeichnet werden kann. 5>ic indischen KurMte hatten sich sehr zahlreich eingefunden. AuS der Vortriagsfolge des ProgrammeS, unter künstlerischer Leitung deS verdienstvollen .ChormeisterS Herrn Max Guseck-Glank (r ch e n, waren die Chöre in jeder Hinsicht ausgezeichnet ein« studiert und es wurden insbesondere Psalm 92 von Naumbourg, Psalm 93 von Sülzer und Psalm 150 von Naumboury stürmisch applaudiert. Es folgten weiters Männerchöre und gemischte Chöre, welche in jeder Hinsicht künstlerisch vollendet züm Borträge gebracht wurden. Frl. Grete Schwarz (Alt) sang „Weschomru" von Rubin und Lieder von Bmhms und Men« dolssghn. Frl. Selma Teichner (Sopran) ersang sich mit dem Vortrag der Arie „Der Els" aus der Oper „Die Schatzgräber" von Schrecker und Liedern von Mendelssohn wohlverdienten Beifall. Der Solobaffist Herr Samuel Stern erntete durch den. .künstlerisch vollendeten Vortrag „Adonoj, Adonoj" von Rubin, „Wchoul beslom" von Paul ftzorn, sowie der Arie „In diesen heiligen Hallen" aus Mozarts „Zauberflöte" rauschenden Beifall Jüdische Künstlergesellschaft ,Hasomir". Sonntag, den 7. August, %9 Uhr abends, findet im Variete Reklame, Men, 8. Bez., Praterstraße 3^, eine Sondervorstellung zu Ehren des jüdischen Schauspielers. Markus Herschkowicz statt, bei der zum eisten Male das Schauspiel ,/Wie Mattner lieben" von H. Markus zur Aufführung gelängt. - ' ' Seteine, BortrSge und Setfnmmlnngen. Mrsrachr-Jugendbund Wien. Die zum Ferienaufenthalt tn Kobersdorf Angemeldeten werden aufgefordert, heute um 8 Uhr abends sich im Misrachilokal zu versammeln, Sonntag, den 24. d. M>, morgens, wird die Reise angetreten.. Treffpunkt -5.30 Uhr. Schwedenbrücke. — Zionistische Arheitsparter DiMchduth. Heute halb 8 Uhr abends . im Heim S. Bez., Ausstellungsstraße 19, dringende Mitglredeckersammlung. — Astronomische Zentrale. Satnstag um 9 Uhr abends Versammlung in Pötzleinsdorf, End« der 41er-Ltnie. Schluß 10. Uhr. Führung Prof. Thontas. Die Nachtwanderung entfällt. Verband jüdischer Kaufleute und GswerveMIkendeL Heute entfällt die Plenarversammlung. Nächste Bersam'm-' lung Donnerstag, den 88. d. M., um 8 Uhr abends. Me leicht man ins Irrenhaus tommen kann. Der Bimdesbahnbeamte Andreas Sp. hatte beim Zivillandesgericht gegen seine Frau eine Ehescheidungsklage überreicht, weil ihn seine Frau wiederholt beschimpft und mißhandelt habe. Gleichzeitig beantragteer die'Bewilligung des abgesonderten Wohnortes, weil er seines Letz e'nsin d ex g em e inschaftlich en Woh nung n ichtsicherse i. Die Frau erstattete nun bei der Polizei die Anzeige, daß ihr .Mann-, ein chronischer Trinker, sie lebensgefährlich bedrohe und bat. um seine Internierung in einer Irrenanstalt. - Tatsächlich. wurde. äuf Grund dieser Anzeige Sp. am 17^ Mai von der Polizei abgeholt, zuerst auf die st f y ch i at r i sche K l i n i h hierauf auf den Stein h o f - und schließlich, da er nicht. nach Wien zuständig ist, in die Irrenanstalt G u g g i n g gebracht. Sein Verteidiger Dr. G o l d r e i ch erwirkte daraufhin eine r 'ir" Untersuchung, welche ergab, daß Sp. vollkommen geistesgesund ist. Der zu Unrecht Internierte mußte denn auch sofort oll. Revers entlassen werden. Die Ehegattin stellte nun den Antrag auf provisorische Zuerkennung von Alimenten bis zur Entscheidung des Ehescheidungsprozesses. Dies wurde ihr auch zugesprochen, wo- , gegen der Gatte den Rekurs an das Oberlandesgericht ergriff. Eine deutsche Auskunftei gab über eine Anfrage über einen allgemein geachteten Geschäftsmann an, daß dieser als Vierundzwanzigjähriger wegen Beihilfe zur Untreue, Verleitung zum Meineid, versuchten Betruges und Unterschlagung zu d r e i Jahren sechs Monaten Zuchthaus und entsprechendem Ehrverlust verurteilt wurde. Der Kaufmann strengte gegen die Auskunftei die Unterlass fungsklage an, die in der ersten Instanz abgewiesen, in der zweiten Instanz jedoch Erfolg hatte. Das Gericht erkannte zu Recht, daß die Auskunftei Ivohl eine Vorstrafe angeben dürfe, jedoch nicht durch genauere Details einem geachteten Geschäftsmann eine Jugendsünde sein Leben l^'' nachtragen dürfe. Herenglaube im Al. ZahrhlmSen. 3it Stelnettirchen an der Traun. Ter Verfassungsgerichts hoj «nitnocic am 14. In i das Urteil in einer an sich belanglosen Rechtssache, di.- aber dadurch bemerkenswert erschei'.' daß ihr eine veritaü e Hexengeschichte zugrunde liegt. Ter in der Gemeinde Steinerkirchen an der Traun liegende „Welser Weg" ivuroe im März 1027 durch Hindernisse wie Gräben, Planlen, Pflöcke und Draht« zäum von einigen Grundbesitzern abgesperrt, die hindurch einem von einer Zigeunerin als Hex«nmerster bezeichneten Nachbarn den Weg versperren wollten. Dieser böse Nachbar hatte nämlich nach Ansicht der Errich'er der Barrikaden das Vieh in den Ställen in lueitcm Umkreise verhext. Die Gemeinde Steinerkirchen. ließ als Wegpoiizeibepörde die Barrikaden entfernen und erklärte den „Welser Weg" als eimn öffentlichen. Daraufhin erhoben die Barrikadenerrichter gegen die Oeffentlichkeitserklärung den Rekurs an die oberösterreichische Landesregierung, und brachten gegen die „ungläubige" Gemeinde Steinerkirchen die Besitzstörungsklage wegen Entfernung der Weghindernisse. Der als Hexenmeister verschriene Wirtschastsbesitzer brachte seinerseits gegen die Wegabsperrer die Besitzslörmigsklage ein Die Landesregierung wies den Rekurs gegen die Oessentlichieitsör-. klärung ab, zur Entscheidung über die Ocint Bezirksgerichte Lambach eingeb rächte Besitzstörungskiage erklärte sich sowohl dieses Bezirksgericht als auch die Landesregierung kompetent. .Der Verfassungsgerichtshof hat nun dem Kompetenzstreit dadurch entsprochen, daß er in dieser Frage die Verwaltungsbehörde für zuständig erklärte. Diese wird sich alm weiter mit dieser Hexengeschichte zu belassen haben. VOIKSWIRTSCHAfT m Baukote — 7 Prozent. Me StLhmigrMion für den Schilling. Bühne und Runft. Paul Savlvsohn gestorben. Der Gründer des deutschen Films Wie aus München gemeldet wird, ist in einem dortigen Sanatorium der frühere Generaldirektor der „Ufa" Paul Davidsohn einem Herzschlag erlegen. Davidsohn, der einer jüdischen Familie in Frankfurt am Main entstammt, hat die erste große deutsche Filmunternehmung . in Berlin, die Union Film-Gesellschaft, begründet, die für die deutsche Filmproduktion bahnbrechend >var und auch die ersten großen Kinotheater errichtet hat. Davidsohn, der unermüdlich an der Entwicklung des Filmwesens in Deutschland arbeitete, verstand es, dafür, die besten darstellerischen und RegiekrAfte hcranzuziehen. Dur6' ihn wurde Rudolf Schildkraut als Filmdarstellcr gewonnen, kam Asta Nielsen nach Deutschland, erhielt der berühmte Filmregisseur Emst Lubrtsch die Möglichkeit, seine Meen der Filmdetailregie zu verwirklichen. Die von Davidsohn begründete Union Film-Gesellschaft ging später in die „Ufa" über, in der auch Davidsohn arbeitete. Er hat auch eine eigene Filmgesellschaft begründet, die hauptsächlich I a n n i n g s - i 1 m c herstellte. Der „Ufa" gehörte Davidsohn r kurzen Unterbrechung bis zu ihrer Uebernahme . Hugenberg-Konzem an. Die deutsche Filmindustrie verliert mit Davidsohn einen ihrer ernstesten, arbeitsfteudigsten und mit ausgezeichnetem künstlerischen und geschäftlichen Blick begabten Vertreter. zwei nachgelassene Matter von Mag Ianthendey Aufführung in Würzburg. Vor kurzem ist sang- und klanglos der 60. Geburtstag, des früh verstorbenen Dichters Max Dauthendey vorübergegangen und nur das Würzburger Stadttheater erinnerte sich des Meisters, dessen „Spielereien einer Kaiserin" ei-n Zugstück der deutschen Bühnen war. Das Würzburger Theater brachte Daudhendeys nachgelassene Einakter „Das Kind" und „Glück", die bisher noch nie aufgeführt worden waren, heraus. P. A. O t t e schreibt darüber in .der „Literarischen Welt" u. a.: „Als einzige deutsche Bühne hat das Sta-dttheater in Würzburg unter den nachgelassenen dramatischen Werken Max "'uthendeys Umschau gehalten und zwei Einakter ausgewählt, ''U oe-l 60. Geburtstag eines Dichters zu feiern, der mH seinem Die Spielereien einer Kaiserin". weit über einhundert;.t zu großen Erfolgen verholfen hat. N Die beiden Einakter sind zarte Dichtungen, in denen junge, sehnsüchtige Menschen, sehr ernst' und sehr schwer an ihren' Freuden, ihrem Glück und ihren Hoffnungen tragen. Eine Handlung ist kaum vorhanden, aber .dafür klingen viele, tiefe und herrliche Worte auf, die unvergeßlich bleiben und eine Aufführung zu jeder Zeit rechtfertigen. „Das Kind" ist eine rührende, von Gefühlen überquellende Abschiedsgefch'.chte, die Mischen Dämmerung nn-d Morgen spielt und mit dem Tode des Mädchens endet. ,/8lück" ist ein' lyrisches Zwiegespräch zwischen' jungen Eheleuten über das große Wunder der Liebe." Am den Theatern. Theater an der Wien. Die SerienauMhrungen der Oscar Straus'schen Operette „Die Königin^ werden unterbrochen, da mit Rücksicht auf die Fremdensaison die erfolgreichen Operetten „Ter Orlow" und „Die Zirkusprinzessin" neu einstudiert wieder ausgeführt werden. Die erste Reprise des „Orlow" findet Samstag, den 23. d. M., statt. Theater tn der Jose fstadt. Als nächste Premiere wird das Schauspiel. „Die Kameliendame" von Alexander Dumas fils, neubearbeitet von Franz Horch,, vorbereitet. Für die Titelrolle. wurde. die russische Schauspielerin Elena Po tewihkaja verpflichtet. DP Premiere findet Mittwoch, den 27. d. M., statt. Wrener Bürgertyeater. Das Theater bleibt wegen Reparaturen bis. morgen-geschlossen. Ab Frieitag gelangt wieder allabendlich „Gräfin Mariza" zur Aufführung. . Vandalismus in einer Warschauer Kunstausstellung. In der staatlichen Ausstellung „Schöne Künste" in Warschau wurde, wie von dort berichtet wird, in der Nacht vom 18. auf den 19. das berühmte Bild von Matejko „König Batorh in der Schlacht bei Pskow" durch einen vandalisckien Akt vernichtet. Die Leinwand wurde mittels eines scharfen Messers in ganz kleine Schnitzel - zerfetzt. Der Täter hat an dem Rahmen ein Malat befestigt, das rätselhafte Inschriften trägt. Es heißt - darin „Allgemeine Sanierung — Ewiger Friede — Wirtschaftliche Politik —Znternattonale Verständigung". Das' Plakat ist mit einer Unterschrift „W. Sikorski" versehen. Es wird angenommen. ' daß es sich um die Tat eines Geistesgestörten, vielleicht um die eines irren Druckereiangestellten handelt. Der Jüdische Gesangverein in Graz veranstaltete am Sonn-' tag, den 10. Juli l. I., um 468 Uhr abends im großen Saale des „Hotel Mailand" in Bad Gleichenberg zugunsten der dortigen jüdischen Armen ein Wohltätigkeitskonzert, welches in ' ikski e Post nach Polen befördern Sie arn sichersten und schnellsten als Luftpost. Ein Brief kostet 6 0 Groschen. Die Luftpost kann bei allen Postämter« und am Abflugtage bis 7.20 früh beim Hauptpostamt'^ ausgegeben werden. Bisher 303.000 Briefe befördert. Das Exekutivkomitee des Generalrates der Oester« reichifchen Nationalbank hat sich gestern unter dem Borsitze des' geschäftsführenden Vizepräsidenten Dr. Gustav Thaa zu einer Sitzung versammelt, in welcher über Antrag des Generaldirettors die Erhöhung deS ZinSf«ßeS fstr den ESkont von Wechseln, WarrantS und Effekten mit Wirksamkeit vom 21. Juli l. I. von. Ü quf 7 Prozent v es ch l o f se,n wurde. Entsprechend der Er« höhnng der Eskontrate erhöhen sich auch die Sätze ipt D a tl e h e n s g e s ch ä f t um 1'Prozent. * Die Zinsfußerhöhung wird offiziell folgendermaßen begründet: . „Infolge der starken in. dieser Jahreszeit ungewöhnliche.n Änsprüche an die Nationalbapk zum Ultimo Juni und der B e r k n a P P u n g d e s G e l d st a nb e s, die in einer fast vollständigen Angkeichüng des Privatdiskontscches an' die Bankrate zum Ausdruck kam, hatte die Geschäftsleitung . . , . schonanfangs Juli die . Einbringung eines Antrages auf Erhöhung der Bankrate in Erwägung.gezogen, die auch dadurch nahegelegt war, daß feit, der letzten Erhöhung des Zinsfußes der Deutschen Reichsbank jegliche Spannung z wisch en, d en offiziellen Zinssätzen von Wien und. Berlin verschwund enwar,, obgleich eine solche doch in der Verschiedenheit der wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse begründet ist. Die - Geschäftsleitung hat jedoch von. der Stellung eines - solchen Antrages in der letzten am 3. Juli abgehaltenen Sitzung des- Generälrates Umgang genommen,''um der industriellen'-und gewerblichen Produktion, die gerade' in der letzten Zeit erfreuliche Anzeichen einer Belebung aufgeiviesen hatte, und. der landivirtschaftlichen Produktion im Hinblick auf den Erntebedarf die Vorteile verhältnismäßig billigen Kreditemöglichst lange zu belassen. Dieser Standpunkt der Geschäftsleitung ivar dadurä ermöglicht worden, daß in den valutarischen Beständen des Noteninstitutes keine beachtenswerteren Beränderungen stattgefunden hatten und daß mtch irgendwelche spekulative Bewegungen - nicht zu befürchten waren. Außerdem konnte mit einer mäßigen Entspannung am Geldmärkte im Laufe des Monates Juli gerechnet^erden, so daß die Hoffnung bestand, bis in den Herbst hinein mit einer sechsprozentigen Bankrate das Auslangen zu finden, sofern nicht etwa die Bank von England oder die Deutsche Reichsbank zu einer Zinsfußerhöhung schreiten sollte. Tatsächlich hat auch das C s ko nt Porte-- feuille in der zweiten Juliwoche um zirka 38 Millionen Schilling ab genommen. Gleichzeitig haben die D e v i s e n b e st ä n b e der Bank — insbesondere infolge der teilweissn Realisierung des Erlöses einer laitgfristtgen auswärtigen Anleihe — um etwa 16 Millionen Schilling zugenoytmen. Die traurigen Ereignisse der jüngsten Ta^e habe» jedoch eine Wendung herveigeführt. Die Znnahute deS Eskontportefeuilleftandes feit dem 15. Juli wird auf ungefähr 40 Millionen Schilling geschätzt; gleichzeitig hat . sich auch eine stärkere Nachfrage nach Devisen gta geben, durch welche die in der Borwoche oingetretme Steigerung der valutarischen Decknngswerte bei der Oesterreichischen Nationalbank wieder aufgezehrt worden sein dürfte. Ertdljch wareit auch in letzter Zeit voic jvichtigen AuslandKplätzen weiter anziehende G e l d s ä tz e gemeldet woyden."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.