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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-21 · Heft 3014 (21.7.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3014 (21.7.1927)
Date
1927-07-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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SB;Cii, Donnerstag Wiener wtorgenzeitung 21. IM 1927 Seite 8 SPEZIALHAUS FÜR STRICKMOOIN M. HOLZER VI, Mariahilferstraße Nr. 89 (neben Flottenkino) — II.» Taborstraße Nr. 18 (Hotel National) — Karlsbad, Alte Wiese WOLL-TRIKOT- JUMPER-KLEID IN ALIEN FARBEN S 35- WASCHSEIDENSTRUMPFE $ 5*90 Erhöhung der österreichischen Bankate. Bon 8 auf 7 Prozent. In der gestern stattgefundenen Sitzung des General-; ates der Oesterreichischen Nationalbank wurde die Erhöhung des Diskontsatzes um ein Prozent beschlossen» so daß er nunmehr 7 Prozent beträgt. (Näheres im Wirtschaftsteil unseres Blattes.) teilungen soeben die Stadt durchziehen). Da die Strecke Kufstein—Innsbruck—Bregenz unter normalen Verhältnissen elektrisch betrieben wird, die Elektrizitätswerke jedoch im Streik stehen, hat die reichsdentfche Bahnverwaltung Lokomotiven und Kohle Veigestellt. Nach Angabe des Kufsteiner Bürgermeisteramtes hcüien sich 60 Prozent der Eisenbahner bereit eMärt, die AiLeit aufzunehmen. Indessen scheint, insbesondere in der Landeshauptstadt Innsbruck, die Aktion gegen die Aufnahme des Eisenbahnverkehrs zu wachsen und vorläufig stärker zu sein, als die der Negierung. In Kufstein wurde eine bereits angeheizte Lokomotive von den sozialdemokratischen Eisenbahnern an- \ gehalten und der instradierte Personenzug konnte nicht ab- | fahren. Wie verlautet (und Ihrem Korrespondenten von offiziöser Seite bestätigt wurde), hat Mussolini erklärt, die zurückbehaltencn leeren Garnituren der italienischen Güterzüge in Kufstein „selbst abholen" zu wollen, wenn sie nicht unverzüglich an die italienische Grenzstation befördert werden. Daraufhin seien unverzüglich vier Züge mit leeren Wagen' nach Brennero abgerollt. ' Bor dem Zusammentritt der Rattoualrater. Die parlamentarische Situation ist noch völlig unklar. Die einzelnen Parteien werden erst zu b!e Ernignissen Stellung nehmen. Die Christlichsozialen halte» ihre Sitzung am Freitag, die Sozialdemokraten lassen erst die für Samstag einberuseire Vertrauensmännerkonferenz aus Wien und dem ganzen Buickesgebiet Vorbeigehen. Doch ist nach allgemeiner Anschauung, die Abhaltung einer regulären Sommersession sehr fraglich geworden. Mit großer Spannung, sieht man der heute stattfindenden Sitzung des Wiener Gemeind erstes entgegen. Bor Begimr der Tagesordnung wird der B ü r g e r m e i ste r, falls er seine Erkrankung bereits überwunden hat, ein'' Trauerrede halten. ooooooodocoocxxxxxxxxxxxx&>oooooooooooooooo<x»oooooooo(xxxxxxxxx)Oooopoooooooo(\ Das Erdbeben in Palästina. Verzweifelte Lage der Samaritaner. — Ae deutschen Kolonien nicht betroffen. — Die Be schiidigunsen an der Univerfitiit. — Sin Institut der Agndah zerstSrt. — kl« Ausruf de» Regierung. .;.i»U Aue krMnmk der Bundeskanzleramt«» über die Gemeindewache. Aus l'c.u Bundeskanzleramt wird abends mitgetcilt: ' Anschluß au die im Rathause von den Stadträten .! r e i t u c r und Dr. Tandler abgehaltene Presseoilfereuz wurden bezüglich der neuen Gcmeindeschutztvache nt das Bundeskanzleramt Anfragen ge - t e l l t, weil die Anttvorten, die in der Pressekonferenz elbst gegeben nmrde, nicht eindeutig uitb klar genug erchienen. In Beantwortung dieser Fragen wird festgestellt, aß tatsächlich schon in der Kundmachung des BürgertcisterS, mit der er die Gemeindefchutzwache .mfstellte, angekündigt ivnrde, daß diese nur für die Tage der Gefahr berufen werden solle. Diese Ankündigung wurde dahin verstanden, daß der Bürgermeister seine Maßregel, die er ohne verfassungsmäßige oder sonstige gesetzliche Grundlage, ohne Beschluß deS Genreinderntes oder des Landtages von Wien im Augenblicke der Gefahr getroffen hat, eben mit dieser Gefahr rechtfertigen und daher selbst auf die Tage der Gefahr beschränket' wolle. Was die Bewaftnung bcv Gemeindefchutzwache anlangt, wird festgestellt, daß die Polizei lediglich 180 Säbel zur Verteilung an jene Organe, die den Schutz der städtischen Gebäude und Betriebe übernehmen sollten, ausgefolgt .jat. Ob und in welchem Maße die Geöleindeschutzwache bewaffnet ist und woher sie die Waffen etwa bezogen hat, ist 'cm Buirdeskanzleramt derzeit noch nicht bekannt. Sie KhriftlWozlaleu gegen die Gemeindeschntzwache- Der. Klub der Wiener chrsstlichsozialen Gemeinderäte hat m seiner gestrigen Sitzung zu -den blutigen Ereignissen der lellten Tage Stellung genommen. Unter anderem wurde der Beschluß gefaßt, falls'die heutige Gemeinderatssitzung'nicht nur. den Charakter einer Trauevsitzung tragen sollte, durch Dringtichkeitsanträge die sofortige Auslösung der sogenannten Gemeindeschutzwache sowie eine strenge Untersuchung über die Vorgänge im Rathaus, insbesondere über die Tatsache, daß die Wache aus dem Rathause beschossen wurde, zu fordern. Forderung der Kaufmannschaft nach einem rumnltgeseh. Der- Hauptverband der. österreichischen Kaufmannschaft hat mit Rücksicht auf die Ereignisse der letzten Tage sich an den Bundeskanzler, den Handelsminister und eine Reihck von Abgeordneten mit der Forderung gewendet, daß endlich nach dem Vorbilde anderer Staaten, insbesondere einer Reihe von deutschen Staaten, ein Gesetz erlassen wird, ivelches die Haftung der G e m e i n d e n f ü r T u m u l isch ä d e n feststellt und das Verfahren regelt. * In diesem Falle, bei der Haftung der Gemeinden, müßte allerdings die Sicherheitswache ein Organ der städtischen Behörden sein. . Keine Verhaftungen von Sowjet- Wie der „Oesterreichische Pressedienst" aus Kreisen der Wiener Sowjetgesandtschaft erfährt, wurden anläßlich der traurigen Ereignisse, entgegen anderslautenden Gerüchten, von der Polizei keinerlei Verhaftungen von Beamten der Sowjetgqsandtschaft. oder der Handelsvertretung der N. S. S: N. vorgenommen. Bericht aus einer Tiroier Srenzftaliou. Eigendienst. Kufstein, 18. Juli, mittags. Kufstein ist Cinbruchsstation für den Touristenstrom aus Deutschland, der insbesondere Mitte Juli gewaltig anschwillt und Tirol überflutet. Erste bezeichnende Beobachtung: Auch nach E i n st e l l u n g des österreichischen Bahnverkehrs sind die hier einliNfenVen bayrischen Züge stark besetzt. Die Fahrt nach Jenbach, Innsbruck und zum Brenner wird 'mittels der staatlichen Postkraftwagen und durch Privatautomobile auftecht erhalten. Die Reisenden aus Nord- und Süddeutschland fassen die Ereignisse in der Bundeshauptstadt als „reine Wiener' Angelegenheit" ' auf. Da hier Ruhe herrscht, Post, Telegraph, Telephon innerhalb Tirols in unvermindertem Betriebe sind und die hier anlangenden Münchner, Berliner, Frankfurter Blätter diese Auffassung bestätigen, greift sie allgemein durch. Am 16. Juli erschien , eine Proklamation der Tiroler Landesregierung, in der aufgefordert wird, keiner Streikparole, von lvelcher Seite immer sie ausgehen mag, Folge zu leisten und in welcher aller: Arbeitswilligen Schutz zugesichert jvird. Eine heute morgens affichierte Kundmachung teilt mit, daß in der Nacht vom 17. auf den 18. Juli die Tiroler Landesregiernng die Bahnanlagen in Tirol mit Militär besetzt hat und — natürlich in Tirol — der Zugdienst sofort „nach Maßgabe der Möglichkeit im bollen Umfange" ausgenommen wurde. Da es Ihrem Korrespondenten fraglich schien, ob die verfügbare Militärmacht zu solcher Maßnahme genüge, nahm er mit dem Kufsteiner Bürgermeisteramts Fühlung und erhielt folgende Auskünfte. Tatsächlich reichte das Militär für die Besetzung der Bahnstrecke nicht aus. Es wurden die Gendarmerie sowie vor allem die Tiroler Heimat wehren aufgeboten (deren bewaffnete Ab- Ser 11. Zuli in Fernsalem. Jerusalem, 20. Juli. (Brieflich.) Das Erdbeben begann am 11. Juli um 3 Uhr nachmittags. Der erste Stoß dauerte sieben Sekunden, dem dann ein d r e . m a l i g e s dumpfes Geräusch folgte. Im Poistgebäude blieben die elektrischen Kontrolluhren stehen. Die Beamten verständigten noch unter Lebensgefahr ihre Vorgesetzte Behörde telephonisch von der Situation und verließen dann sofort das Gebäude. Das Haus mußte gepölzt werden, da es'sinzustürzen drohte. In dem Dorfe Ramallah sind drei Viertel aller Häuser . zerstört. In Jericho ist das Hotel W i n >d s o r' eingestürzt, wobei eine englische Dame und zwei Hindusrauen ums Leben kamen. In Ludd.(Lydda) sind 45 Personen ums Leben gekommen. In Jerusalem sind insgesamt 3 Tote, davon 2, die beim Einsturz des Rcgierungspalais verschüttet wurden. Jn'Z u r sind alle Häuser eingestürzt, zwischen Nazareth und Liberia ist ein ganzes Dorf vernichtet worden. In En Kerem ist ein Toter. Die Lage ist wieder normal geworden, Me Panik war sehr stark. ' Ein neuerlicher Erdstoß. Jerusalem, 20. Juli. (I. T. A.) Am Sonntag, den 17. Juli, 10 Uhr morgens, verspürte man in ganz Palästina einen zweiten E r d st o tz, der aber glücklicherweise keinen Häuserschaden anrichtete. Drei Personen tvurden in Jerusalem durch Umfallen oder durch herabstürzende Gegenstände verletzt. Nach Meldungen a u s H a i f a wie aus Jaffa war dieser ztoeite Erdstoß auch in diesen Städten sehr deutlich zu spüren. Sie Hilfsaktion. Jerusalem, 20. Juli. (I. T. A.) Der stellvertretende Oberkommissär für Palästina, Colonel S y m e s, erließ einen Appell, in welchem eine ausführliche Schilderung der katastrophalen Wirkung des Bebens gegeben und um Spenden zur Linderung der Not ersucht wird. Auch werden die Bewohner Palästinas gebeten, sich an das Ausland um Mithilfe zu lvenden. Die Schäden, heißt es in dem Appell, gehen in die Millionen, der Wiederaufbau werde zwei Jahre in Anspruch nehmen. Colonel Symes dankt Nathan Straus für seine erste große Spende in der Höhe vou 6000 Pfund, sowie der Palestine Electric Corporation, die 200 Pfund gespendet hat und erwähnt, daß die jüdischen Kolonien Petach» Tikwah und Rechowoth die ersten waren, die Geld und Brot in die am schwersten betroffenen Gebiete gesandt haben. Colonel S y in e s hat sich auf eine Tour durch alle betroffenen Gebiete begeben.'Die Negierung hat-bereits Geldmittel für Hilfszwecke in Nablus, Ludd und Ramleh bewilligt. Der Magistrat von Tel Awiw hat das Angebot gemacht, 60 freiwillige Arbeiter nach Nablus zu entsenden, um dort die Trümmer aufzurä.umen und die Toten zu bergen. Der frühere Oberkommissär Sir Herbert Samuel und der frühere Gouverneur von Jerusalem, Sir Ronald S t o r r s, haben Beileidskundgebungen gesandt. Man glaubt, daß die Wiederaufbauarbeit, die nach dem Willen der Regierung sofort in Angriff genommen werden soll, alle jetzt Arbeitslosen im Lande absorbieren wird. Eine heroische Tat der Professor» Sr. Mer. Jerusalem, 20. Juli (I. T. A.) Während des Erdbebens am 11. Juli wurde das Dio ch emis che Inst i t u t der Hebräischen Universität fast völlig zerstört. Es bestand Gefahr, daß sich dort gezüchtete Reinkulturen von Typhus-» Dysenterie-«ndarrderen Bazillen durch die Luft verbreiten und Seuchen Hervorrufen. Dem unerschrockenen Eingreifen von Prof. Dr. Adler, Direktor des Departements für Parasitologie ist es zu verdanken, daß diese Gefahr abgewendet wurde. Unter Lebensgefahr drang Dr. Adler durch die Trümmer vor und isolierte den Ge" sahrenherd. Groß sind die Zerstörungen im Regierungsgebäude auf dem Oelberg und in der Privatwohnung des Oberkommissärs Lord P l u m e r. Der ganze Hofraum ist mit Trümmern bedeckt, die Zimmerdecken sind aufgeriffen, und es b cst,eht Einsturzgefahr. Das Gebäude ist ganz unbrauchbar geworden. Es wird längere Zeit dauern, Vis es wieder bewohnbar gemacht wird. Der Privatbesitz von Lord Plumer wurde in ein anderes, wenig beschädigtes Gebäudgebracht. , ■ In schwerer Gefahr war währmd des Bebens der stellvertretende Oberkommissär, Colonel Symes, der gerade im Eisenbahnzuge durch das Land reiste. Der Zug entgleiste. und schwere Felsenstücke fielen auf die Waggons. Colone' Symes blieb unverletzt. Durch das Beben wurde auch das Rahel-GraV beschädigt und mnßte geschlossen werden. Eine Sachverständigenkommission wird bestimmen, ob bte)c Wallfahrtsstätte den Besuchern wieder geöffnet werden solle. Der stellvertretende Direktor des Antiquitäten-Departements, Guy, teilt mit, daß das Palästina-Museum nur wenig Schaden gelitten hat. Die Evelina-Rothschild-Schule hat schwere Schäden davongetragen und wurde geschlossen. Die Jeschiwaht „Ohel Mosche", ein Institut der Agudah, wurde gleichfalls schwer betroffen und muhte geschlossen werden. * Jerusalem, 20. Jul'.. Der jetzt in England auf Urlaub weilende Obevkommiffär für Palästina, Feldmarschall Lord Plumer, hat in einem Telegramm seinem tiefsten Beileid mit den Opfern und den Geschädigten der Katastrophe Ausdruck gegeben. Loch Plumer wich am 20. Juli «ach Palästina zurücttehren. I BerzweWt P di» Loge de» jetzt Nü Seelon zählenden Tiimafl Lm bttlltitoNC

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