Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3013 (20.7.1927)
- Date
- 1927-07-20
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2979076-2981905-2982101--30703-3018951- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 301C Wien, Mittwoch jes.'.". . ' ..-——.. Man muß schon sagen, daß dieses erste Vorspiel d^r kommenden Verhandlungen ein merkwüMges Bild ergibt. Daß der Beschuldigte kein Plattenbruder ist» steht mohl fest. Er wird auch nicht des Verbrechens der Brandlegung geziehen, lediglich dämm, weil er „Auslassen!" gerufen haben soll, einzig allein deshalb behält man de» Mann weiter Ln Hast, alS wäre er ein Schwettwr-s brecher. Es ist auch höchst charakteristischdaß man sich ernen Juden als ersten Angeklagten ansgesucht hat. So wirb ÄKrmmKg gemacht... Kn Athlet, ein Haustorschlüssel md eine lädierte Rase. Uiiiir lim nii i'schM l Bin Born ffisgnet-Stategg!* . Hugo Erbach saß Ln Begleitung eines Freundes im Wirtshaus und fühlte, als Mitglied eines Athletenklubs, daS dringende BMrfnis, anderen Leuten zu imponieren.; An einem Nachbartisch saß ein junger Mann mit seiner Braut. Dieses Paar wählte der Herr Athlet als AngvkffSobjekt. Er pflanzte sich vor dem Tische auf, ergriff das Bierglas des jungen Mannes und trank es auf einen Zug leer. Während der Bräutigam, stnrr vor Entrüstung, kein Wort hervorbringen konnte, ergriff der Herausforderer seelenruhig das Glas der Braut und lxerte es gleichfalls. Hierauf tätschelte er das junge Mädchen wohlwollend ab. Nun fand der junge Mann endlich die Sprache wieder und protestierte energisch. Der Mann mit dem eisernen Bizeps aber stellte sich noch breitspuriger 'hm und sagte mit unheilverkündender Stimme: „WaS tvollln bdenn, i bin vom Athletenklub!" Da stand der junge Mann knieschlvttemd auf und rief den Kellner Adolf um Hilfe. Plötzlich rief das Mädchen angstvoll: „Er hat ein Messer bei sich!" Nun forderte der Kellner Erbach auf, das Lokal zu verlassen. Der aber schrie sehr ungehalten: „E r f ch t trink i mei Bier!" und rieb gegen den Kellner auf. Dabei rief er: ,^Fkann tun, was i will, mir kann nix g'Mehs'n, r bin vom W a g ner-Jaureg g." Als die Situation krttisch wurde, zog der Kellner einen großen Haustorschlüssel aus der Tasche und versetzte damit seinem Angreifer einen Hieb auf die Nase, wodurch er ihn außer Gefecht setzte. Der Vorfall hatte ein gerichtliches Nachspiel, aber nicht gegen den streitbaren Athleten, der diesmal den Kürzeren gezogen hatte, sondern gegen den Kellner Adolf Gans, weil er durch den Hieb dem Erbach eine Verletzung an der Nase zugefügt hatte. Bei der Verhandlung vor dem Bezirksgericht F ü n fhaus verantwortete sich der Kellner mit Notwehr. Auf die Frage des Richters, wie Erbach seinen Ruf: „I bin vom Wagner-Jauvegg" gemeint habe, gab ec an,?r sei seinerzeit in Behandlung bei WagNer-Fauregg gewesen, er sei also für seine Handlungen nicht veräntwört- Kch. Der Richter sprach den Kellner frei. Auch sür leerstehende Räume ist Wohnbausteuer zu zahlen. Die ehemalige Nationalbank — der künftige Justizpalast. Der große Häuserkomplex ln der Herrengasse Nr. 16 und 17, Lcmdhäusgasse Nr. 2, Bankgasse Nr. 1 und 3 und Minoritenplatz Nr. 6, wo früher d'.e Oesterreichische Nakionakbank untergobrächt war und der jetzt als Gerichtsgebäude an Stelle des nvedergebrannten Justizpalastes adaptiert w'.rd, wurde seinerzeit von der Uuioribank zur Vergrößerung seines Bankpalais augekauft. Infolge der Fusion der Unionbank m'.t der Bodenikredttanstalt wurde die Benützung des Häusevkomplexes überflüssig, weshalb d'.e Unionbank um Abschreibung der Wohnbausteuer ersuchte, weil das Gebäude seiner Benützung nicht zugesührt wurde. Der Magistrat gab diesem Ansuchen keine Folge, mit der Begründung, daß e.ne Benützung von Räumlichkeiten schon dann vovllege, wenn dieselben dem Hauseigentümer zur jederzeitigen Benützung zur Verfügung stehen. Gegen diese von der Abgaben-Beschwerdekommission bestätigte Entscheidung brachte die Umonbank die Beschwerde an den Berwaltungsgerich tshös e'.n, der nunmehr mit schrilfMchem Urteil auf Abweisung der Beschwerde ernannte. In >der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß dre Wohnbausteuer eine Aufwandsteuer sei und der Begriff „benütze n" nicht nur als tatsächlicher Gebrauch, sondern auch als Bereithalten zum Gebrauch zu interpretieren se'.. Die Behauptung der UnwnbanE, daß an eine Eigenbenützung nie gedacht wurde, sei durch die Mtenlage widerlegt. Das Bereithalten zum Gebrauche Wime auch auf solche Räume zütreffen, die noch nicht eingerichtet sind und erst einer Adaptierung bedürfen. Das Leerstehen an sich beinhalte noch keme Nichtbenützung. «PEZIALHAUS FÜR STRICKMODEN M. HOLZER Vl, Marlahilferstraße Nr. 89 (neben Flottenklho) — 11., Taborstraße Nr. 18 (Hotel National) — Karlsbad, Alte Wiese WOLL-TRIKOT- JUMPER-KLEID IN ALLEN FARBEN S 35-! WASCHSEIDENSTRUMPFE S S‘80 ' Wiener Mergenzettung 20. Jun iss? Sette 7 TOIKWHBTHBAfT Nnsfutz und SchMngnotiemng. fteitte Srhähung des Llskontfatzes der Ratlonolbank. Im Laufe des gestrigen Tages kursierten in Wiener Bank- und Finanzkreisen Gerüchte von einer bevorstehenden Erhöhung des Diskontsatzes der Oesterreichischen Nationalbank um 1 Prozent, so daß er auf 7 Prozent steigen würde. Wie wir an gut informierter Stelle erfahren, ist eine Erhöhung des Diskontsatzes gegenwärtig nicht beabsichtigt. Es liegt auch ein unmittelbarer Anlaß dazu nicht vor, und wenn von verschiedenen Setten der Versuch gemacht wird, die Ereigniffe der letzten Woche als Begründung für eine solche Maßnahme der Nationalbank in Anspruch zn nehmen, so ist dies eine — bewußt oder unbewußt — irrige Auslegung. Die Inanspruchnahme des Noteninstituts war gegen Ende des Juni stark gestiegen und das Wechselportefeuille der Bank betrug im letzten Ultimoausweis 126 Millionen Schilling, hat sich im ersten Wochenausweis des Juli um wettere 10 Millionen bis auf 138 Millionen Schilling erhöht; doch ist gerade in der Mediowoche eine ansehnliche Erleichterung festzustellen, und tvemr sett Montag, wie dies ja nach einer dreitägigen Unterbrechung des Geldverkehres selbstverständlich ist, größere Inanspruchnahme zu konstatieren war, so mutz doch bemerkt werden, daß diese nicht stark über das normale Matz hinausging. Es ist bisher auch nicht bekannt geworden, daß ausländische Kredite, auch nicht kurzfristige, die übrigens in geringem Maße in Oesterreich stecken, ge-- kündigt worden wären, so daß an ihre Stelle Inanspruchnahme der Nationalbank treten müßte. Inzwischen ist der Verkehrsstreik beendet worden und es steht einem weiteren normalen Verlauf des Wirtschaftslebens nichts im Wege. Eine Erhöhung des Zinsfußes würde die österreichische Wirtschaft gerade jetzt schwer belasten, wo sich gewisse Ansätze einer Konjunkturbesserung gezeigt haben. Anders stünde natürlich die Sache, wenn der Schilling bedrohtwäre. Nun werden insbesondere von Ungarn aus politischen und wirtschaftlichen Gründen Versuche gemacht, das Vertrauen zur österreichischen Währung im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen zu erfchütterrr. Sie sind vergeblich. Zunächst ist auf das starke und solide Währungsfundament des Schillings hinzuweisen, hinzuweisen auch darauf, daß die Golddeckung des österreichischen Noteninftttutes durch die Anleihe st aaten, bzw. den Völkerbund, in dessen Aufttag sie die Anleihe gewährt haben, garantiert ist. Wie wenig solche Versuche Erfolg haben können, zeigt sich daraus, daß in N e w y o r k der Schilling Montag, wo bereits die Wiener Ereignisse jenseits des Ozeans genau bekannt waren, gestiegen ist. Auch auf dem maßgebenden Berliner Markt ist keine über das normale Maß hinausgehende Kursveränderung des Schillings zu konstatieren. Die ungarischen Versuche, nach dem Muster eines paralytischen Finanzministers die österreichische Währung „hinunterzuohrfeigen" (Versuche, die übrigens vor einigen Jahren kläglich geendet haben), werden auch diesmal ihr Ziel nicht erreichen. In ihnen steckt neben dem Motiv der politischen Wühlerei auch ein wirtschaftlicher Beweggrund' Die wirtschaftlichen Aussichten für Ungarn sind gegenwärtig sehr trübe. » Der ungarische Getreidehandel hatte sich angesichts der zü erwartenden großen Ernte auf einen starken Export nach Polen eingestellt. Diese Aussichten sind durch da^ polnische Weizene insu hrverbot zunichte g-' worden. Dadurch entstehen schon jetzt große Verluste für den ungarischen Gelreibehandel. Ungarn wird auch, gerade weil allgemein die Ernten günstig sind, sehr große Mühe haben, seinem Getreideüberschuß Märkte zu finden, was die wirtschaftliche Situation dieses Landes erschwert. Die auswärtigen Devisenmärtte eskomptieren anscheinend diese Tatsache bereits durch eine Senkung des Pengökurses. Um hier abzulenken, wäre natürlich eine Verlegung des mitteleuropäischen Wrrtschaftsschtverpunkt von Wien nach Budapest, für die Ungarn sett langem kämpft, erwünscht; daher die Versuche, die letzten Wiener Ereignisse gegen den Schilling auszunützen. Sie werden nicht gelingen, da trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten Oesterreich noch immer eine solide Grundlage für eine Wirtschaftsentwicklung hat. Wirtschaftliche Gesetzgebung kn Pole«. \ Aus Warschau wird uns geschrieben: Aus dem Gebiete der wirtschaftlichen Gesetzgebung ist eine Reihe von wichtigen Verordnungen im Zuge. Die neue Gewerbeordnung hat Gesetzeskraft erlangt. Die Verordnung betreffend die Handelsun. Gewerbekammern wird demnächst veröffentlicht werden. Eine Verordnung des Staatspräsidenten über die K o n t r o l l e d e r Versicherungsgesellschaften liegt bereits im Entwurf vo« und wird zurzeit von den in Frage kommenden Fachkreisen begutachtet. Eine Verorderung über den Schutz des inländischen A r b c i t s m a r k t e s tvird demnächst im Gesetzblatt erscheinen. Danach dürfen Bewilligungen zur Einstellung von Ausländern jeweils für die Dauer einesJahres erteilt werden, falls die zuständige Verwaltungsbehörde der Auffassung ist, daß die Lage des inländischen Ärboitsmarktes eine Beschäftigung von Ausländern gestattet. Diese Verordnung gilt für Kopf- und Handarbeiter. Die Vorarbeiten zum Erlaß eines einheitlichem Aktiengesetzes gehen ihrem Abschluß entgegen. Gin Gesetzentwurf betreffend die Anerkennung vereideter Bücherrevisoren als offizielle Buchsachverständige sowie die Gründung von Berufskammern der Bücherrevisoren, deren Gutachten auch den Behörden gegenüber eine gewisse Bedeutung haben würden, befindet sich in Vorbereitung. Durch einige weitere Verordnungen des Staatspräsidenten. Werden die außerordentliche StaatSbeihilse sür Kreditinstitute der Höhe nach aus 65 Millionen Zloty und der Zeit nach bis Ende 1937 begrenzt, die staatliche Garantie für auswärtige Verbindlichkeiten der Banken, Kreditinstitute, autonomeit Körperschaften usw. aus 200 Millionen Goldfrancs beschränkt und die Pfandbriefe der Panstwowy Bank Rolny bis znm Betrage voir 126 Millionen Goldfrancs mit Siaatsgarantie versehen. Für den Umtausch van Aktien, Welche auf Mark, Kronen oder Rnbel lauten, in Zlotyaklien wurde der 31. Dezember 1927 als äußerste Frist festgesetzt. In einer Berordimng des Staatspräsidenten werden die bei Hinterlegung von Kautionen der Privatangestellten zugunsten ihrer Arbeitgeber entstandenen Rechtsverhältnisse geregelt, um gewissen, vorwiegend Lm Gast- und Schankgewerbe vorkommenden Mißbräuchen zu steuern. Die zeitliche Grenze der Versicherung der geistigen Angestellten gegen Arbeitslosigkeit wurde erweitert. In den ehemailS russischen und österreichischen Teilgebieten ivnrde der FeuerversicherungSKwang mit der Maßgabe eingeführt, daß die zu versichernden Immobilien mit zwei Dritteln ihres GefamüverteS bei der seinerzeit vom Staat« ge« gründeten „Allgemeinen Anstalt für Wechselseitige Versicherungen" versichert werden müssen. I Leichte Besserung der WIrtschastrlage Palästinas. Der Bericht der Ottoman-Bank. Aus London meldet I. T. A.: In der kürzlich in London stattgefumdenen Jahresversammlung der Aktionäre der Ottoman-Bank gab der Präsident Sir Herbert A. Lawrence einen Bericht über die ^age in den Orientländern und sagte bezüglich Palästinas, das Jahr 1926 wäre ein Jahr der Geldknappheit und wirtschaftlichen Depression infolge einer übermäßigen Immigration und der damit verbundenen Boden- und Gebäuidespeknlation gewesen. In diesem Jahire aber ist eine leichte Besserung eingetreten. Die, Getreideernte hat wohl den anfangs des Jahres gehegten Erwartungen nicht ganz , entsprochen; beträchtliche Mengen Mehl mußten cingcsührt werden. Die Orangenernte in Jaffa litt an den Folgen der Stürme. Trotz alledem ist die Lage des Palästinazweiges der Ottoman-Bank zufriedenstellend. Die Besserung der Wirtschaftsl H,'g e itirb c wohl anhalten. Die Devisenmärtte. In Zürich ist der <£> cg 1111 it g von 73.16 ans 73.10 gesunken, wöbe', jedoch zu bemerken ist, daß auch der Dollarkurs dortselbst von 519% ans 519% sich gesenkt hat. Die Kurssenkung der Wiener Devise in Zürich ist von keiner größeren Bedeutung, da derlei Schwankungen schon mehrfach vorgokominen sind. Schlüsse lassen sich daraus nicht ziehen, dazu müßten die Kurse der nächsten Tage beobachtet werden. Die Lira notiert bei schwacher Grundtendenz 28.20 Parität Zürich; auch der Leu ist rückgängig (3.13). Zu bemerken ist, daß in Zürich die Devise Bnda.pest sich von 90.60 auf 90.55, also fast in gleichem Ausmaße, wie der Schilling, gesenkt hat. Die Reichsmark bewahrt -hre feste Tendenz (123.36 Parität Zürich). Eine Ausstellung für das Verkehrswesen wird in Lemberg im Rahmen der vom 4. bis 15. September l. I. stattfindenden 7. Internationalen Ostmesse unter dem Protektorate des polnischen Ministerpräsidenten abgehalten werden. Sie soll u. a. Objekte aller Art von Industrien zur Schau bringen, die E Sai neue Problem: Ein teures Telegramm oder di> billiger rnufitma LustgoWiesr Ein Telegramm nach Polen tostet für zehn Worte 3.70 Schilling, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe in Wien dem polnischen Adressaten zugestellt wird, nur —.60 Schilling. Aufgabe hei allen Postämtern; am Abflug Stage bis 7 Uhr 20 Min. morgens beim Hauptpostamt. ' HlllllllfllflfllllllllllllUIllllllllill