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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-20 · Heft 3013 (20.7.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3013 (20.7.1927)
Date
1927-07-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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wI Seite 4 Wien. Mittwoch Wiener Morgenzeilung 20. JuN 1927 Nr. 3018 Weizmann weift eine antizionistische Attacke ab. Die Hetzerei der .Daily &türefr. Lond o n. 19. Zuli. (I. T. A.) „Daily Expreß" Hatte die Erdbebenkatastrophe zum Anlaß genommen, um darzutun. daß die jüdische Arbeit in Palästina, die schon bisher unter starker wirtschaftlicher Depression litt, nun nach der Katastrophe kaum noch fortgesetzt werden könnte. Dieser Darstellung tritt der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Ch. W e i z m a n n, durch eine Erklärung entgegen, in der es heißt: Es ist richtig, das; dem bemcrkensivertcn Aufstieg in Palästina im Jahre 1925 eine Depression folgte, wie dies in jedem unentwickelten Land des British Empire und überall in der Welt vorkommt. „Daily Expreß" ü b e r - treibt aber den Ivirklichcn Umfang der Depression. Es ist n i ch t w a h r, daß die große Maste der jüdischen Arbeiter ohne Arbeit ist; der soeben verösfenlichte Jahresbericht der Palästina-Regierung teilt mit, daß 1926 mehr als 6000 jüdische Arbeiter in der Industrie, gegen 5000 im Jahre 1925, beschäftigt waren und daß vor kurzem mehrere industrielle Unternehmungen mit einem Anlcihckapital von 300.000 Pfund, alles jüdisches Kapital, neu gegründet wurden. Die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Juden hat sich, der gleichen Quelle zufolge, von 24.000 i. I. 1925 auf 32.000 i. I. 1926 erhöht. Arbeitslosigkeit herrscht meist im Baugewerbe als Folge der Einschränkung der Baukredite. „Daily Expreß" gibt die Zahl der jüdischen Bevölkerung mit 120.000 an, weshalb der Prozentsatz der Arbeitslosen ungewöhnlich hoch erscheint. Der offizielle Bericht der Palästina-Regierung gibt für 1926 eine Zahl von 138.000 Juden an; diese Zahl hat sich bis jetzt auf mindestens 150.000 erhöht. j Es ist völlig unwahr, fährt Dr. Weizmann fort, daß Palästina nur eine beschränkte eingeborene Bauernbevölkerung zu erhalten vermag. Das Land weist nicht nur im Toten Meer wertvolle Reservoirs an Mineralien und Quellen auf, für deren Ausbeutung eben eine Konzession erteilt worden ist, sondern es besitzt nach der einmütigen Ansicht der Experten alle natürlichen Voraussetzungen, ein bedeutendes Exportland für hochwertige Früchte und andere Qualitätsprodukte zu werden. In einem vor kurzem vom Departement für Ueberseehandel veröffentlichten Bericht wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß bei einer vorsichtigen Politik seitens der Banken, bei Aufhören der Bodenspekulation die Depression im Handelbald vorübergehen wird. Die Palästina- Regierung teilt in ihrem letzten Jahresbericht mit, daß die Palestinc Electric Corporation, deren Konzession jetzt unterzeichnet worden ist, sowie die demnächst beginnenden H afenarbeiten, sowie andere Unternehmungen konstruktiver Natur alle jetzt noch Arbeitslosen werden beschäftigen können, so daß „der Weg zu weiterer wirtschaftlicher Entwicklung gebahnt" ist. Die Behauptung des „Daily Expreß", daß die Juden als Kolonisten nicht erfolgreich arbeiten können, klingt lächerlich angesichts der Tatsache, daß Palästina die Entwicklung zweier seiner Hauptmarktprodukte — Orangen und Wein — gerade den Juden verdankt. * „Daily Expreß" informiert auch falsch über die Zwecke der 4,600.000-Pfund-Sterling-Anleihe, die demnächst von der Palästina-Regierung aufgelegt werden wird. Der Ertrag dieser Anleihe kommt nicht der Zionistischen Organisation zugute. Eine Million Pfund wandert in die britische Schatzkammer als Gegenleistung für während des Krieges von der britischen Armee erbauten Eisenbahn und für andere Aktiva der britischen Regierung, während öer. Rest für konstruktive Arbeiten, wie sie die britische Regierung in allen wenig entwickelten Teilen des British Empire durchführen läßt, ausgegeben werden wird. Es besteht nicht der geringste Grund zumZweifel, daß Palästina durchaus in der Lage ist, den Anleihedienst zu leisten. Die Palästina-Regierung hat in den letzten Jahren nicht allein ihr Budget balanciert, sondern auch einen ansehnlichen Ueberschuß aufgespeichert. Ich kann gar nicht begreifen, lvic „Daily Expreß" zu der Behauptung kommen kann, daß der britische Steuerzahler große Summen für Palästina leisten m u ß. In Wirklichkeit ist die britische Leistung für Palästina von Jahr z u I a h r gesunken. „Daily Expreß", schließt Dr. Weizmann, spricht von „politischer Unruhe" und „allgemeiner und gefährlicher Unzufriedenheit", wo doch der letzte Bericht der Regierung als Tatsache feststcllt, daß, ungeachtet der Fortdauer der Wirrnisse, im benachbarten Territorium Syrien „keinerlei Störung der öffentlichen. Ordnung und Sicherheit in Palästina und Transjordanien vorgekommen ist". Dies kann jeder, der in Palästina geweilt hat, vollauf bestätigen. Jas Erdbeben in Palöftina. Ser Bettel» wieder normal. In einer Anzahl englischer und deutscher Matter wurden übertriebene Nachrichten über die Erdbebenkatastrophe in Palästina verbreitet.- Wir ins infolge der bekannten Vorfälle nt Wien erst heute in der Lage, diesen Nachrichten entgegenzutreten. Nach einer amtlichen Mitteilung aus Jerusalem, die Reuter ausgibt, haben bei dem Erdbebeit 200 Personen den Tod gefunden, .während 366 schwer und 376 leicht verletzt wurden. Die ärgsten Verheerungen sind, wie bereits bekannt, in S i ch e m angerichtet tvorden, das zur Hälfte zerstört ist. Dort sind 60 Tote und 250 Verletzte festgcstellt worden. In Jerusalem ist die Zahl der Verwundeten auf 38 gestiegen. Wie durch ein Wunder hatten die Insassen der meisten betroffenen Häuser, vor allem der Schulen und der Universität die Räume kurz vor Beginn des Erdbebens verlassen. Nur so ist die verhältnismäßig geringe Zahl der Opfer erklärbar. Der Hauptstoß erfolgte auf dem zum Glück nur wenig bebauten R u s s e n p l a tz, wo die russische Kathedrale schwer betroffen ist. Durchwegs haben besonders die alten Häuser arabischer Bauart gelitten. Auch in dem neuen jüdischen Viertel „Talpioth" find Häuser zerstört. In Jaffa, wo das Beben weniger heftig auftrat, sind dennoch alte Häuser eingestürzt. Die Bevölkerung in den Städten benahm sich nach der ersten Aufregung ganz ruhig. Der Verkehr ging sofort normal weiter. Europäer find nicht unter den Todesopfern. In den jüdischen Kolonien sind keinerlei ernste Schäden und keine Opfer an Menschenleben zu beklagen. Die vom Erdbeben heimgesuchte Stadt Sichem (Nablus) bietet ein furchbares Bild der Zerstörung. Viele Häuser sind zusammengestürzt, kein einziges Haus ist ganz verschont geblieben. Die Geschäftsstraßen sind verödet, die Bevölkerung hat außerhalb der Stadt in Zeltet! eine notdürftige Unterkunft gefunden. Unter Leitung der englischen Polizei ist man inmitten der Gefahr an der Arbeit, um aus den Trümmern noch Verschüttete zu retten. . Die wirtschaftlich vollkommen zugrunde gegangenen Samaritaner in Sichem haben sich an die Judenschaft um Unterstützung gewannt. Sie beschlossen, eine Sonderdelegation zu dem Ende August in Basel stattfindenden Z i o n i st e n k o n g r e ß zu entsenden, um Hilfe ftir ihren Wiederaufbau zn erbitten. Bei der Katastrophe wurde ein Samaritaner getötet, mehrere sind verletzt. Die ersten Spenden. London, 19. Juli. (I. T. A.) Die Z i o n i st i s ch e Exekutive hat nach dem ersten Eintreffen der Grdbebennachrichten eine Geldsumme für die Opfer überiviesen. Der amerikanisch - jüdische Philanthrop Nathan Straus hat eine Summe von 6000 Pfund zwecks Unterstützung der Opfer ohne Unterschied des Glaubens und der Rasse gesandt. qooooocoooooooc?oQqn«nn«»o»QQooooooocxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx)ooooogx»ooooooocxx»ooo Sie Aafhebaag der Mlrechte» vom Überbaus beschlossen. London, 19. Juli. Das britisch: Oberhaus hat die vom Unterhaus bereits angenommene Fretnden-Einschränkungsbill gleichfalls beschlossen. Lord Parmoor schlug vor, die Geltungsdauer der Bill aus zlvei Jahre zu begrenzen. 1914, sagte er, war die Bill als zeitweilige Maßnahme mit Zustimmung aller eingeführt worden; 1919 wurde sie für ein Jahr verlängert, dann aber ihre Geltungsdauer auf weitere acht Jahre ausgedehnt. Man müsse auch jetzt ihre Wirkung auf eine gewisse Zeit beschränken und nicht - vergessen, daß England viele Jahre lang ein Asyl jener war, die wegen ihrer Religion und Rasse verfolgt wur- _ ' ' Es lag auch von Lord Rothschild ein Berbesserungsantrag vor, dem sich Lord Parmoor anschloß. Lord Desborough führte im Namen d^r Regierung aus, man könne in diesen Zeitläuften nicht mehr dm Fremden ein Asylrecht geben; es würden sonst Hunderttausmde, die in Ländem minderest Ordnung leben, nach England hereinströlnen. England ist dicht bevölkert; es kommen 483 Seelen auf eine Quadratmeile. Man zählt eine Million Arbeitsloser. Die Wohnungsverhältnisse sind schwierig. Die Regierung bitte, die Perbesserungsanträge abzulehzten. Schließlich wurden die Anträge der Lyrds Rothschild und Parmoor mit 48 Stimmen gegen 16 Stimmen abgelchnt. Marquis v. Reading und Lord Swaythie Bor einem Wechsel km polnischen gnuenmiulfterium? Warschau, 19. Juli. Der sozialdemokratische „Robotnik" verzeichnet das Gerücht, daß der jehtige Minifller des Jnnem Dr. Slawof-Skla dowski die Warschauer Wojwodschast übernehmen solle. An Stelle Skladkowskls solle der jetzige Woftoode von Posen Graf Bninfki, der vorjährige Gegenkandidat Pilsudskks ber der Präsidentenwahl, in das Kabinett des Marschalls PtlsudsV ctntreten. Immer noch Lodeonrleile. Moskau, 19. Juli. (Wolfs.) Das Gericht in Minsk hat den polnischen Spion Sasonowitsch, der im Lause der letzten zwei Jahre mehrmals die Sowjptgrienze überschritten und den polnischen Geheimdienst über die Ros- Armee informiert hat, zum Tod verurteilt. Skresemanm Prozeß beendet. Berlin, 19. Juli. (Wolfs.) In dem Prozesse Strese mann- Müller in Plauen wurde heute vom Berufungsgericht das Urteil gesprochen. Unter Verwerfung sowohl der Berufurtg des Angeklagten wie der Staatsanwaltschaft wurde das erstrichterliche Urteil bestätigt, das eine Geldstrafe von 10.000 Reichsmark gegen den Rechtsanwalt Dr. Müller aussprach, gegen den Stresemann wegen seiner Behauptung, der Außenminister hatte seine politische Stellung zu unerlaubten Jndustriegeschäften benützt, die Ehrenbeleidigungsklage erhoben hatte. Nie deutsch-französische Grenze. So wie im Jahre 1870. Berlin, 19. Juli. (Wolfs.) Dem Reichstag ist vom Auswärtigen Amt der Vertrag zwischen Deutschland und Frankreich über die Festsetzung der Grenze zugegangen. Nach Artikel 7 des Vertrages von Versailles ist die deutsch-französische Grenze vom 26.Juni 1970 wiederhergestellt worden. Bei der Nachprüfung der Grenze, die von einer deutschen und einer französischen Kommission gemeinsam vorgenommen wurde, stellte sich die Notwendigkeit heraus, den ganzen Grenzverlauf neu z u vermessen und teilweise neu zu vermarken, neue Pläne anzufertigen sowie einzelne Unklarheiten beseitigen. an Re Provifion des PrAateu. Neues vom Buvapester Klinik-Panama. Budapest, 19. Juli. In der Angelegenheit der Mißbrauche bei den Lieferungen für die Buvapester Kliniken ist gestern eine sensationelle Wendung «ingetreten. Der Universitätsprosessor Prälat Dr. Josef SiegeScu, dessen Name schon vor Monaten im Zusammenhang mit den Mißbräuchen, genannt worden war, ist gestern ver haftet worden. Nach einer offiziösen Verlautbarung besteht gegen ihn der schwerwiegende Verdacht, daß er den Direktor des Wirtschaftsamtes der Universitäten, Dr. Bela S z a b o, bewöget: habe, von der Ausschreibung eines Konkurses für dis Kohlen liefern»- gen an die Universitäten Abstand zu nehmen, wofür er ihm fc** Hälfte seiner Provision versprochen habe. Sie verhafteten Katholiken in Mexiko freigelaffem Mexiko, 19. Juli. (Reuter.) Präsident CalleS hat angeordnet, daß alle wegen Aufruhr in Hast befind' sichen Katholiken freigelassen werden. Aufruhr im Pendfchab. S i in l a, 19. Juli. (Reuter.) In dem Eingeborenenstaat Malorkotla (Pendschab) kam es zu einem ernsten Aufruhr, wobei acht Personen getötet und 24 verwundet worden sein sollen. 65 Personen wurden verhaftet. Die Dorfbewohner widersetzten sich den Befehlen der Behörden und leisteten bei den Verhaftungen Widerstand so daß die Polizei von der Schußwaffe Gebraur machen mußte. Si« «euer leichlathletischer Rekord. Prag, 19. Juli. (Tsch. P. B.) Bei dem in K o p e n* Hagen stattgefundenen leichtathletischen Kampfe um die Weltmeisterschaft siegte im 200-Metorlauf Epstein von der Reichenberger leichtathletischen Vereinigung in 22,8 Sekunden vor Jakson (Frankreich) in 23 Sekunden und Holler (Budweis) 23,3 Sekunden. Epstein erreichte damit den seit Jahren von Swoboda gehaltenen tschechoslowakischen Rekord und stellte eine neue Ve r b a n d s b e st l e i st u n g im deutschen Leichtathletikverband' auf. Bisheriger Rekord Kussy (Brünn) 23,6 Sekunden. SCHUHMODENHAUS DORN Taborstraße Echte Schlangen« Eidechseu.Krokodllleder* schuhe S 45-49*° Zieme um echtem französ- IModa-Chevreaux hergestellten Örühjahrtmodello logen Zeugnis ab vom Schönheitssinn und edlen ffesehmac/e. Herren- Schuhe in fabelhafter Ausführung und Auswahl h L i L

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