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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-15 · Heft 3010 (15.7.1927) · p. Seite 9

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3010 (15.7.1927)
Date
1927-07-15
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Ar. 3010 Wien, Freitag Wiener Morgen-ettnag 16. Juli 1027 Seite » Zwei Spanier hatten einen Ehrenhandel auszutragen und beschlossen, in einem Vorort von Madrid, das Duell ausztifechten. Zufällig trafen sie auf dem Bahnhof am Fahrkartenschalter zusammen. Der erste nahm eine Rückfahrkarte, der. andere nur eine einfache. «Cafamba», sagte der erste, «Sie erwarten Ar nicht zurüoktukommen, Herr! Ich nehme immer eine Rückfahrkarte.» — Ich niemals», sagte der andere, «ich benütze für die Rückfahrt immer die Karte meines Gegners.» Sie Verbrechertöaie komme« wieder i» Mode. In Amerika. Aus New Dorf wird berichtet: Vor kurzem hat eine der reichsten Damen der- New Yorker Gesellschaft gegen ein fürstliches Honorar mehrere berüchtigte Verbrecher beiderlei Geschlechts engagiert, während eines luxuriösen Soupers Berbrechertänze aufzuführen. Diese Tänze sind zurzeit die letzte Mode in New Dorf. Man hat die primitiven Negertänze bereits.satt und sucht nach neuen Sensationen, wie sie nur die Unterwelt liefern kann. Solche Tänze sind bereits in den vomehmsten Salons heimisch geworden. Ein großer Schlager ist der berüchtigte „Hop"-Tanz. Die New Aorker Damen engagieren sich Tanzlehrer ans Verbrecherrrsssen .Der „Hop" ist zweifellos der roheste und ausgelassenste Tanz, der semals in einer zivilisierten Gesellschaft aufgeführt worden ist. Dagegen erscheinen Charleston und Black Vottom wie ein Menuett; so sagen wenigstens die amerikanischen Zeitungen. Die Tanzlehrer bezahlen enorme Summen, um von den Verbrechern in die Geheimnisse dieses Tanzes eingeweiht zu werden. Mehrere findige Kabarett-Direktoren haben mit weiblichen Verbrechern regelrechte Kontrakte abgeschlossen, um sich ihre Vorführungen als große Attraktion ihres Programmes zu sichern. Ein besonders geschäftstüchtiger Direktor versprach seinem Publikum das bevorstehende Auftreten sämtlicher „Verbrecherstars" der New Dmcker Unterwelt. In Chicago gibt es besondere Tanzsäle, wo junge Leute aus besseren Kreisen mit Verbrechern tanzen. lDie Polizei begrüßt diese neue Mode in der Hoffnung, daß. die. vorzüglichen Honorare, die den Verbrechern für ihrcTänze bezahlt werden, sie von' der Ausübung ihres eigentlichen „Berufes" abhalten werden. Trotzdem geschah es in Philadelphia, daß die Besucher eines Verbrecher- Kabaretts nach der Vorführung die Entdeckung machen mußten, daß ihnen Brieftaschen und sämtliche Wertgegenstände fehlten. Amerika ist übrigens nicht das erste Land, in dem man auf den Gedanken gekommen ist^ bei den Vrebrechern das Tanzen zu lernen. Der berühmte Pariser Tanz „La Java" ist gleichfalls von Apachen übernommen. Kleine Nachrichten. Wie aus Paris gemeldet wird, ist der ehemalige Oberbefehlshaber der russischen zaristischen Armer, Rikokajewitsch, ist schwer erkrankt. # In Neivyork und in anderen Städten Amerikas ist esne furchtbare HitzwjeNe aufgetreten. Zahlreiche Menschen sind infolge Herzschlckges gestorbenviele ' Geschäfte sind geschlossen. Zehntausende von Menschen schlafen im Freien. Gewitter kommen. Die amtliche Wettervorhersage lautet: Die Wetterlage ist dauernd gewitterig, l o k a l e •' Gewitter sind z u erwarten.. Beim Baden ertrunken. Der IHjährige Jnstvllateurlehrling Franz Sprinz badete am 10. Juli in der L o b a u und wird seither vermißt. Gestern nun wurde seine Leiche, in einem Wassertümpel geborgen. — Der Steindrucker-gechitfe Friedrich Bernasek ging am 12. Juli beim Baden in der Donäu Plötzlich untep und ertrank. Seine Leiche konnte bis jetzt nicht geborgen werden. Das Rlüüoprogramm europäischer Stationen muß 'heute vaummangels halber entfallen. W'r werden es morgen Nachträgen. Hammer auf demKopf. Der 33jährige Schriftsetzer Julius Bleek ist gestern in der Stadtbahnhaltestelle Nußdorferstraße von einem Hammer, der dem in >d«r Höhe arbeitenden Schlosser Karl Mixer entfallen war, am Kopfe getroffen worden und erlitt eine schwere Verletzung, so daß er durch den Jnspektionsarzt der Rettungsgesellschaft verbunden werden mußte. Die mämttlche Wasserleiche mit dom Frauenbein identifiziert. Die bei Manternbach ängeschwemmte männliche Leiche, zu der das von dem „ältesten Gevichtspsychiater", Professor Haberda, ^zweifellos" als Frauenbem erkannte, aus der Donau gefischte Bein paßte, wurde als die des 62jährigen Landwirtes Jcsef Ho fing er aus Leonstein agnosziert, der seit 23. Juni vermißt ist und anscheinend Selbstmord begangen hat. Direkte Verbindung Baden—Hochschneeberg. Ab Sonntag wird der von Aspang, bzw. Hochschneeberg- Puchberg kommende Schnellzug 10 in Traiskirchen Aufenthalt nehmen und auch nach Baden-Josessplatz Anschluß haben. Krebs und üppige Nahrung. Der deutsch-amerikanische Professor Frederie Hosimann von der New Dörfer Universität hielt vor dem deutschen Zentralkomitee zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit einen Vortrag, in dem er neue Theorien über die Entstehung des Krebses anfstellt. Der Forscher hat in jqhre- 'langer Arbeit, an Hand von umfangreichen Stat'.stiken in und außerhalb Amerikas, versucht, deu Gesetzmäßigkeiten der Krebskrankheit auf die Spur zu kommen. Er hat u. a. 40.000 Totenscheine von an Krebs Gestorbenen gesichtet und statistisch geordnet. Naturvölker, die nicht nahe an großen Städten wohnen, haben fast gar keinen Krebs. Wenn Eingeborene nicht mit Weißen Zusammenleben und' nichts mit ihnen zu tun haben, albt eS bei ihnen keinen Krebs. Von den außeramerikamschen Ländern Hst die Krebskrankheit am stärksten in Dänemark, Holland und der Schweiz verbreitet. Haffmann bringt dies in Zusammenhang mit der in diesen Ländern vorherrschenden üppigen Ernährung. Naturvölker ernähren sich einfach und leben dürftig, kultivierte dagegen sind überfüttert. Der Forscher glaubt, daß dem übertriebenen Genuß von Konserven und stark gewürzten Speisen eine wichtige Rolle bei der Entstehung des Krebses deizumessen ist. Die Braut des Bttucknenscheichs. In der Londoner Gesellschaft wird gegenwärtig viel über die sensationelle Heirat eines Mädchens aus guter Familie mit dem Beduinenhäuptling E m r S haken gesprochen. Emir Shalen hat im Kriege den Engländern 'bedeutende Dienste in Syrien und Arabien geleistet nud. ist durch das (kürzl'ch von uns besprochene) Buch von Oberst Lawrence: Devolution in der Wüste" bereits eine historische Figur geworden. Er traf jene jetzige Frau in Damaskus; sie folgte ihm in die Wüste, und man glaubte zuerst an eine Entführung. Sie hat jedock erklärt, daß sie die rechtmäßige Frau des Häuptlings sei und sich entschlossen habe, sein Nomadenleben mit ihm zu teilen. Lebend gebärendes Gras. Unter den Rispengräsern, die als häufigste Grasart unsere Wiesen bedecken, findet sich auch ein Gras, das man wegen seiner eigenartigen Fortpflanzungsvevhältnisse als das „lebend gebärende Gras" bezeichnet. Wer einen ährentragenden Halm dieses Grases (Poa bulbosa var. vivipara) betrachtet, wird ^erkennen, daß die kleinen Aehrchen nicht wie andere Gräser Samen ausbilden, sondern in blattartige Knospenpflänzchen auswachsen, aus denen alsbald die jungen Blätter Hervorkommen. Da sich in diesem Falle die junge Pflanze unmittelbar an der Mutterpflanze bildet, also nicht aus Samen herauswächst, kann man dieses Rispengras daher mit Recht ais „lebend gebärend" bezeichnen. Das Safe im Munb. $ In Paris starb kürzlich eine alte Marquise. Ihre ebenso, atte Dienerin entdeckte unter den hinterlassenen tapreren einen Zettel mit der Bemerkung: „Bor meinem egräbnis ist mein zweiter Backenzahl rechts oben von seiner Plombe zu befreien". Die Alte beeilte sich, der Mfsorderung nachzukommen und fand einen echten Diamanten von drer Karat, den die Verstorbene als letzten Rückhalt für Fälle der Not an dieser sicheren Stelle ausbewahtt hatte. Allerdings fand die Familie später tm Testament den gleichen Hinweis, vermißte den Diamanten und zwang die alte Dienerin zu einem 'Geständnis und zur Herausgabe. Als Andenken durfte sie drc Goldplombe behalten. Bühne und Kunst. Das Naimnvdtheater in der nächsten Saison. Wie bereits berichtet, ioird das Naimundtheater in der nächsten Saison unter der Leitung von Ferdinand E x l stehen und hauptsächlich das Volksstück pflegen. Die Direktion des Raimundtheaters begründet' nun, um der Bühne einen Stock von Besuchern zu schaffen, im Vertrauen auf die Zugkraft eines Volksstückrepertoires eine Theatergemeinde. Jedes Mitglied dieser Theatergemeinde soll sechzehn Vorstellungen in der Zeit vom 1. Oktober bis 31. Mai erhallen, also zwei Vorstellungen monatlich, kann sich seinen Wochentag (Montag bis Freitag) selbst anssuchen und bei Bestellung des Platzes bekanntgeben, cm welchem Wochentag i er das Theater zu besuchen gedenkt. Die Preise der Plätze betragen 4 Schilling pro Vorstellung für einen Cercle- oder Orchestersitz, 3 Schilling für einen Parkettsitz, 2 Schilling für Balkonsitze der vorderen Reihe und 1.60 Schilling für Bälkonsitze der rückwärtigen Reihen der Galeriesitze. Von der Summe für sechzehn Vorstellungen ist ein Achtel bei Bestellung der Karte zu erlegen, der Rest ist in sieben Teilen am Anfang jeden Monates zu entrichten. Das Naimundtheater, an dessen Direktion Anmeldungen und Geldsendungen für die Theatergemeinde zu richten sind, verspricht für die nächste Saison Werke von Anzengruber, Raimund, Nestrot), Schönherr, Karlweis, Hawel, Costa, Werkmann, Rosegger, Max Burckhardt, Nordmann, Landmann, Kranewitter, Rosenow, und will ROMAN DER ZEIT EINE SERIE MODERNER ERZÄHLER IN HERRLI¬ CHEN HALBLEDERBÄN¬ DEN, JEDER BAND IN GEStHENKKARTON S4.- MAX BROD: Tycho Brahcs Weg zu Gott, Roman KNUT HAMSUN: Unter Herbst- Sternen, Roman MAXIM GORKI; Drei Menfchen, Roman WELLS; Die Geheimkammern des Herzens, Roman FRANZ WERFEL: Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig, Roman EMILE ZOLA: Der Totschläger, Roman Nur mehr ganz kleine Vorräte 1 BUCHHANDLUNG R.LÖWIT/WIEN I ROTENTURMSTRASSE 22 Morgen erschein* unser neuer Roman AMERIKA. eines der besten Werke des berühmten jüdischen Romanschriftstellers Sdralom Ascit auch der jungen österreichischen Literatur, soivohl ihren anerkannten Vertretern als auck Talenten weiten Spielraum gewähren. m vtadt ohne Theaterkrise. ist natürlich nicht Wien, sondern Paris. Die Bruttoeinnahmen sämtlicher Pariser Theater, Varietebühnen und Kinos für das Jahr 1926 betragen nach der endgültigen Zusammenstellung die nicht geringe Summe von 600 M i llionen Francs. Sehr bezeichnend ist die Tatsache, daß die größten Einkünfte die ernsten Theater, die beiden Opernbühnen — die Große Oper und die Komische Oper sowie das Staatliche Schauspielhaus — aufweiscn. Auf diese drei Theater entfallen allein 190 Millionen Francs. Die Revue- und Varietetheater brachten 133 Millionen Francs ein, während sich die Einnahmen der Kinos auf 146 Millionen belaufen. Am niedrigsten waren die Einnahmen der Boulevardtheater mit leichtem Spielplan. Das Staatliche Schauspielhaus hat dagegen allein 44 Millionen Francs eingenommen. Die größten Einkünfte fielen der Großen Oper zu. Die französischen Zeitungen erklären, daß es in Frankreich keine ökonomische, sondern nur eine künstlerische Theaterkrise gebe. „Noch nie hab^n sich die Menschen soviel für das Theater intcrestiect, wie in unseren Tagen. Und niemals Ivaren die zeitgenössischen Stücke so miserabel wie heute," stellt ein bedeutender französischer Mrrstkkritiker fest. Ans den Theatern. Bolksoper. Jedem Besucher der Vorstellungen, des Singspiels „Ich Hab' mein Herz in Heidelberg verlöre n" werden zwei Fahrscheine zur Benützung der Straßenbahn gratis verabfolgt. Deutsches Volkstheater. Heute gelangt zum letzten Male „D e r M u s i k a n t G o t t e s" zup Aufführung. — Morgen! Erstaufführung der Detektivkomödie „Der Hexer" von Edgar Wallace, deutsch von Rita Matthias.! , Erwin Singer in Paris. Der bekannte Wiener Maler Erwin Singer hatte mit seiner Kollektivausstellung in Paris großen Erfolg. Die gesamte Presse äußert sich lobend über seine Arbeiten, von denen mehrere erwovben wurden. „Ab-ies Irish Rose", das jüdisch-irische Volksstück von Anne Nichols, das tn Newyock feit nicht weniger als sieben Jahren auf dem Repertoire steht und seiner Verfasserin etliche Millionen Dollar cingebracht hat, soll nun in Men in deutscher Sprache zur Aufführung kommen, und zwar wird das Theater in der Josef st a d t in der kommenden Saison bei einem Gastspiel im Johann-Strauß-Theater das Stück der Anne Nichols en suite zur Aufführung bringen. Gerichtssaal. Heirat oder Prügel. Der Hörer der Philosophie Jakob H. hatte einst ein Fräulein Erna kennen gelernt, die ihm den Vorschlag machte, sie zu heiraten. Dafür wurde ihm vollständige K o st, Bekleidung und ein W ahnst a u s ch a I e geboten. Der Philosoph philosophierte nicht länger, und schloß den Pakt ab. Ev verlobte sich mit Erna, erhielt dafür Kleider, Verpflegung * und Geld, ltnb soweit wäre ja die Angelegenheit in Ordnung gewesen. Aber. die Braut wollte durchaus, daß er sie augenblicklich heirate. Er aber wieder erklärte sich durch eine Heirat im Studium behindert und wollte durchaus erst den Doktormachen. Nun traten die Verwandten der Braut in Aktion und drängten immer heftiger zur Heirat. Bis eines Tages die Studentenbraut auf der Straße Kracht machte, die Verlobung für gelöst erklärte und den Philosophen zu ihren Verwandten schleppte. Die — so behauptet nun der Kläger, der junge Philosoph, — hätten vor allem das Zimmer abgesperrt und ihn dann windelweich verprügelt. Dazu hätten sie im Chor gerufen: „Räuber, Verbrecher, Heiratsschwindler!" Aber das war noch nicht alles. Die vereinigten Verwandten öMWme der „Wiener Morgenzeitung“: Monatlich Wien und Oesterreich.S 5 — Tschechoslowakische Republik.KL 22'— Jugoslawien ..Dinar 60*— Polen ..Zlotv 6*— Deutschland. Goldmark 4*— Palästina.sh 4 — England.sh 4*— Frankreich, Belgien.Pres. 35 — Italien.' . ..Lire 20 — Rumänien . Lei IJO’— Bulgarien .Lewa IM — Amerika ............... Dollar!•— Schweiz und das übrige Ausland.Pranken 5 — OestvTr. Postsparkassenkonto 150.693.

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