Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3010 (15.7.1927)
- Date
- 1927-07-15
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 10 Wien, Freitag Wiener Morgen^ettung 15. J,»li 1027 Nr. 0010 zogen ihm mit Gewalt die Schuhe a u S i»nd nahmen chm den W int er rock weg und am Schluß mußte er einen Schuldschein, auf 50 Schilling lautend, unterfertigen. Wegen dieser Familienszeuen Nagte nun der Philosoph wegen Ehrenbeleidigung. Die Verwandten aber sagten, sie haben ihn nur höflich e r s u ch t, er möge sich die Schuhe und den Winterrock ausziehen und die geliehenen 50 Schilling zurückgeben. Alles andere habe nicht stattgesunden. Da die Braut, die Kronzeugin, aber augenblicklich sich von ihrer Brautzeit irgendwo auf dem Lande erholt, mußte die Verhandlung vertagt werden. Sin neuer Sems. Bi-ele junge Leute gehen gerne tanzen, haben aber nicht das Geld dazu. Auch Josef M a n n a und sein Freund waren sehr tanzlustig, hatten aber kein Geld. Sie gingen in den Wurstelprater und wollten sich in ein Tanzlokal einschmuggeln. Kaum hatten sie aber den Tanzboden betreten, als sie der Besitzer des Tanzboden erlvischte. Da er mit derartigen Gratisblihern üble Erfahrungen gemacht hatte, rvar bei ihm ein eigener Hinauswerfer angc stellt. Josef Feuereis — so heißt der Brave — ivaltete seines Amtes, packte die zivei Jünglinge und w a r f s i e zur Türe hinaus. Aber die beiden klagten wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit. Richter: Wie konnten Sie denn die Herren hinauswerfen, die doch als Gaste zu Ihnen kamen? A n g e k l.: Wissen's, Herr Richter, das is so: Sie sind gekommen und sagten, wir. schaueil nur nach, ob Bekannte d'rinnen sind. Aber dann haben sie getanzt, und dabei Hab' ist sie erwischt. U n d t ch b i n j a a n g e st e I l t d a f ü r, daß ich solche Leut' hinmiswerf'. Aber weiter Hab' ich ihnen gar nichts getan." Ein Wachmann bestätigte als Zeuge, daß der Hinaustverfer die beiden geschlagen und mit Füßen getreten habe, ehe er sie auf die Straße setzte.,And so wurde Feuereis zu 16 Schilling Geldstrafe v e r u r t e i I f. WIR bitten unsere Leser und Freunde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restaurants und Kaffeehäusern sowie in Lesehallen stets unser Blatt zu verlangen! ■0000000{XXXXX»0«XXXXyyX^QQQtXX30QgxaotX«C3000000CX»XXXXXXXXXXX?CXXX)OOOCXXX»0000 VOLKSWIRTSCHAFT anm persönlich bin bn* Ansichl, ihtft der Tawesplan alle Möglichkeiten in sich schließt. ES ist deshalb unrichtig, von einer Revision zu sprechen. Sine eigentümliche Gründung. Eine größere Anzahl ehemaliger deutscher Militärs und Beamter wirbt um Kapitnlsbeteiligungen für ein« „Germanische Kvionialgesellschaft in Südamerika Akt.- Ges.", die eigentümlicherweise in der Schweiz errichtet iverden l»nd mit einem Aktienkapital von einer Million Schweizerfranken ausgcstattet iverden soll. Da die Aktien noch durch sogenannte „Prospekte" angcboten werden, scheint die Finanzierung noch nicht durchgeführt zu sein. Der Ausschuß, der sich für die Gründung dieser Gesellschaft gebildet hat, bereitet, zunächst eine Expedition nach dem brasilianischen StaateMatt» Grosso vor. Auf Grund der Ergebnisse dieser Expedition soll dann offenbar die eigentliche produktive und Siedelungsarbeit der Gesellschaft, die Anlage von Pflanzungen^ m Angriff genommen werden. Daneben stellt der Prospekt u. a. Handels'gelschäste mit europäischen Waren, die Untersuchung bergbaulich«: Konzessionen usw. in Aussicht. Man vermißt in den Ausführungen der Gründer jede finanziell ausreichende Darstellung der notwendig werdenden Aufwendungen, der fiir die Entwicklung der Geschäfte erforderlichen Zeit und muß sich mit der Beteuerung begnügen, daß „jedes Risiko ausgeschaltet" sei und daß mit einer von Jahr zu Jahr steigenden guten Ausbeute gerechnet werden könne. Daß die Gesellschaft ihren Sitz in der Schweiz nehmen will, wird u. a. damit begründet, daß dadurch die Gesellschaft gegen übermäßige Abgaben, gegen Geldentwertung (!) und gegen innen-- nlN-'v außenpolitische Störungen geschützt werde. Gerade diese Begründung im Zusammenhang mit den ganz unklaren finanziellen Grundlagen der zu errichtenden Aktiengesellschaft hat dazu geführt, daß gegen das ganz- Projekt, wie Frankfurter und Berliner Blätter hervorheben, in Deutschland, wo die Prospekte verbreitet werden, sich schärfstes Mißtrauen, erhebt. Ae Novellierung der Goldbilanzeugesetzes. Die Regierung hat, wie berichtet, vor einigen Tagen eine Novelle zum Goldbilanzengesetz dem Nationalrat unterbreitet, durch die im wesentlichen die Fristen für die Aufstellung der Golderöffnungsbilanzen bis zum 81. Oktober 1927, bezw. zum 30. Juni 1928 verlängert werden. Aktiengesellschaften und Gesellschaften mit beschränkter Haftung, die eine Goldbilanz nicht aufstellen können, weil sie nur mchr ein Scheindasein führen, können nach dem neuen Gesetz von Amts wegen aufgelöst werden. Die Vorlage wird voraussichtlich noch vor den Sommerferien vom Nationalrat erledigt werden, da sich bei den gestern, sonst resultatlos verlaufenen Parteiführerbesprechungen über die Tagesordnung, des Nationälrates vor der Sommerpause, die Sozialdemokraten bereit erklärten, die Durchberatung der Go.Idbilanzenno volle und der Novelle zum Angestelltenversicherungsgesetz zuzulassen. Die Zolltarif Novelle wollen die Sozialdemokraten erst im Herbst zugleich mit dem eben abgeschlossenen Zusatzabkommen zum ungarischen Handelsvertrag und dem Ilebereinkommen der österreichischen und ungarischen Mühlen in Verhandlung ziehen. Aus der Wiener Börsekammer. Im Attienharrvel an der Wiener Börse treten bei allen von Montag, den 18. Juli 1927, angefangen abgefchi'vssencin Geschäften folgend« Aenderungem ein: Ausschließlich die neuen Aktien sind liefer- Lar Lei: A. Gerngroß A. G. (Umtauschverhältstis 5:2, Nennwert S. 20, Schlußhöhe 25 Stück); Steirische Wasserkraftu. Elektrizitäts A. G. (100:1, S. 25, 25 Stüch; „Hermes" Ungar. Allg. Wechselstuben A. G. (25:1, Pengö 20, 20 Stück). Die — bei gleichbleibender Aktienanzahl — auf den neuen Nennwert überstempelten Aktien sind ausschlLsßlich lieferbar bei der: Julius Meinl A. G. (Nennwert S. 10, Schlußhöhe 50 Stück); Felixdorfer Weberei (S. 400, 25 Stück); Wiener Automobilfabrik A. G. vorm. Gräs u. Stift (S. 40, 26 Stück). Die neugedruckten Schitlingaktien sind bis auf tveiteres gleichmäßig mit den alten Aktien lieferbar bei der Alpinen Montangesellschaft (S. 20, 25 Stück). Boraursetzuugen sür den Lraufilhandel. In der Pariser Halbmonatsschrift „Le Correspondent" findet sich eine Arbeit des früheren Bundeskanzlers, D r. R a m e k, über die tvirtschaftliche Lage Oesterreichs. Darin stellt Dr. Ramek unter anderem fest, daß Oesterreich heute fast seinen ganzen Bedarf an Korn deckt, um ein Viertel seinen Bedarf an Kartoffeln übersteigt und 50 Sßtogent seines Bedarfes an Zuckerrübe erreicht. Der Viehstand der Vorkriegszeit sei überschritten. Es scheine, daß die Landwirts chaft einen Grad der Ueberproduttion erreicht, die angesichts der geringen Ausfuhrmöglichkeiten eine ernste Krise Hervorrufe. Handel und Industrie seien unbeschäftigt, und dies zusammen mit der großen Arbeitslosigkeit vermindere die innere Kaufkraft. In der schwierigen Lage könne nur durch Gewinnung auswärtiger Märkte Hilfe geschaffen tvevden. Man müsse die Lage Oesterreichs im Mittelpunkt der europäischen Wirtschaft in Rechnung stellen. Insbesondere müsse auch der Fremdenverkehr und die Hotelindustrie in Oesterreich Unterstützuirg und Ausdehnung finden, überdies biete sich dem fremden Kapital, insbesonders im T r a n s i t h a n d e l, große Jnvestitionsmöglichkeit. Die Ausführungen des ehemaligen Bundeskanzlers beweisen, daß er ein mäßiger Wirtschaftspolitiker ist; er könnte sonst nicht für den Transithandel, für den doch eine gesunde Wirtschaftspolitik der Regierung Voraussetzuüg ist, das ausländische Kapital einladen, wenn die ganze Politik der österreichischen Regierung Händelsfeindlich ist. Ultimatum ver kölnischen Regierung an die Kohleniuvnstkie. Mls Warschau loird uns gemeldet: Seit langer Zeit bestehen zwischen der polnischen Regierung und der Kvhleninduftrie Meinungsverschiedenheiten, die sich hauptsächlich ans die Prc isg e stal t u ng a u f de m I n l ands m a r k t beziehen. Tie Regierung hat Mehrfach ihre Absicht kundgegeb^n, wenn sich die Kohlenindustrie nicht ihrem Verlangen nach Preisherabsetzung im Jnlande fügt, mit Zwangsmitteln vorzugehen. Die Kohlenindustriellen habe,: den Forderungen der Regierung bisher nicht entsprochen. Nunmehr läuft am 30; Juli die allgemeine polnische Kohlenkommission, der die größten Unternehmungen des oberschlesischen, des Dombrowaer und des Krakauer Reviers angehören, ab. Tie vor einigen Wochen eingeleitelen. Verhandlungen über eine Prolongierung der Konvention hatten bisher kein Ergebnis. Jetzt hat der Minister für Handel und Industrie die Kohlenindustriellen verständigt, daß, falls der Regierung bis zum 20. Juli keine bestimmten Vorschläge für die Schaffung einer Kohlenverkaussorganffatwn vorgelegt werden, der Präsident der Republik ein Dekret über die Regelung der Kohlenwirtschaft erlassen wird, durch das die Förderung, die Zuteilung von Köhlenwaggons und die Frage der Inlandspreise zwangsmäßig reguliert werden sollen. Br. Schacht über die New Borker Konferenz der Notenbanken. Newyvrk, 14. Juli. (Wolfs.) Bor seiner Abreise nach Berlin einpfing Reichsbankpräsident Dr. Schacht Vertreter der deutschen Presse und gab ihnen Erklärungenüber die Konferenz der Notenbankpräsibenten■ Er betonte, daß Konferenzen eine Gepflogenheit bei den Leitern der großen Notenbanken geworben "seien, um alljährlich gemeins am e'Jnter esse nffra gen zu 'besprechen. Politische Fragen, insbesondere die Reparationsfragen oder die Frage der Stabilisierung des Francs, seien nicht erörtert worden. Jin Mittelpunkte der Erörterungen sei die Frage der Gold Verpflichtungen gestanden- Irgendwelche Vereinbarungen seien nicht getroffen worden, doch! sei anzunehmen, daß künftig, namentlich bei plötzlichen Gelddispositionen, eine größere internationale Verständigung har bei g e führt würde. Eingehend sei die Frage der KaüfkraftdesGeldes undldas ProblemderDisk o n t r a t e n erörtert worden. Dr. Schacht verlangte, daß die Gssamtarbeit der Notenbanken nicht als eine politische Aktion, sondern als ein erfreulicher Beweis der internationalen Zusammenarbeit gemertet werde. Er erklärte: Ich habe hier mit keiner Bank über Anleihen verhandelt oder gesprochen. Ich habe jedoch festgestellt, daß man Deutschland größeres Vertrauen e^tgegeckbringt.. lieber den Dawes-Plan und über die Eisenbahnbonds ist nicht gesprochen worden. Ich Die Devisenmärkte lagen gestern ruhig. Die Reichsmark Jjat' von ihrem Kursgewinn der lstzten Tage einen Teil wieder abgegeben; sie ermäßigte sich in Zürich von 123.36 aus 123.35. Der Leu konnte sich wieder aus 3.19 befestigen. Die Devise Mailand liegt unverändert bei 28.23%. Der Peseta hat sich von 98.65 aus 88.95 Parität Zürich gehoben. Der Schilling hat angezogen und notiert 73.15-L. Das Ausland auf der Wiener Herbstmesse. Für die vom 4. biß 11. September stattsindende Wiener Herbstmesse' haben vier Staaten eigene offizielle Sonderausstellungen angemeldet, und <pvar Belgien, Italien, Japan und die Sowjetunion. Die japanische Ausstellung findet zum erstenmal auf einer Wiener Messe statt. Generaldirektor Baron Paul Kornfeld zurückgetreten. Wie aus Budapest gemeldet wird, ist der Generaldirektor der Ungarischen Allgemeinen Kreditbank in Budapest, Baron Paul fr u tn Je ld, von seinem Posten zurückgetreten. Er wird noch einige Jahre als Adm inist raten r delegue der Verwaltung >der Bank beigeordnet sein. Der österreichische Weizenzoll. Das Finanzministerium gibt bekannt, daß der Zoll für Weizen, Halbfrucht und Spelz sür die Zeit vom 10. bis 31. Juli d. I. 0.30 Goldkronen für 100 Kilogramm beträgt. Dieser Zoll hat bei der Berechnung des Zolles für Mehl und andere Müllereierzeugnisse, Telgwaren und Weizenstärke sowie, da er auch für Roggen, Gerste und Hafer gilt, für Malz und Brot Anwendung zu finden. Er bleibt auch über den 31. Juli hinaus solange in Geltung, als nicht eine Abänderung erfolgt. Die Oesterr.-Orientalische Handelskammer hält heute uni ViO Uhr abends im Sitzungssaale des österreichischen Handelsmuseums (9. Bez., Bergnasse 16) ihre Generalversammlung ab« Fusion mährischer Banken. Aus Brünn wird uns geschrieben: Nach lange \ Verhandlungen, die bereits im Februar begonnen hatten, ist uunmefjr eine Fusion zwischen der Mährischen Agrar- und Jndustnsbank. der Mährisch-slowakischen Bank in Olmüh, der Brünner Bank und der Süd mährischen Bank erfolgt. Die vier Institute, welche infolge der Bankenkrise trotz starker Inanspruchnahme aus dem Sanierungsfonds eine neue Basis für ein gesundes Geschäft aus selbständiger Grundlage nicht finden konnten und ihr insgesamt 173 Millionen tschechische Kronen betragendes Aktienkapital zum großen Teil« verloren haben, wurden zu einem einzigen Institut, der Mährischen Bank, zusammengeschlossen, welche ein Kapital von 120 Millionen tschechischen Kronen haben wird. Insolvenzen. Das Ausgleichsverfahren wurde eröffnet über: Wilhelm De.bor, Gartenbau-Unternehmung, Wien, 18. Bez., Gersthoferstraße 191; Michael La u terb ach, Gemischtwarenyändler, Wien, 1. Bez., Eßlinggasse 7; Oskar Berg offen, Kaufmann, Wien, 18. Bez., Kutschksrgasse 6; Arnold G r ü n S f e l d, Mauufaktuttvaren Handel, Deutsch-Kreutz; Gustav Maneles, Getreidehäydler, Laa an der Thaya. Feilbietungen. Zwangsweise versteigert wird am 28. August 1927, mittags 12 Uhr, beim Bezirksgericht Hernals das Haus 10. Bez., Bachgasse 9 (Schätzwert 18.690 S., geringstes Gebot 9300 S.); 'in der gerichtlichen Auktionshalle, 1. Bez., Jakobe rgasse 1, am 10. Juli 1927, nachmittags 3—7 Uhr, eine Bursaueinrichtung, Kasse, Gummi, Konfekt ionswaren, Galoschen. Die Ungarische Telephonstlbrtts-A. G., die bisher tut Besitz der Vereinigten Glühlampen-A. G. war, wurde, nne aus Budapest berichtet wird, von der amerikanischen Standard Electric Co. erworben; ein Teil der Aktien geht auch in den Besitz der N i e d e r ö stt>e rrerchrschen GSeomptegesollschafl über. Wiener Börse. Etwas abgeschwächt. Der Verkehr auf dem Aktienmarkt eröffnete zufolge von Budapester und Prager Arbitragekäufen und Deckungen in freundlicher Stimmung unid bei gebesserten Kursen, und sowohl in der Kulisse als auch im Schranken zogen die meisten Werte an. Im iveiteren Beillaufe verringerten sich die Umsätze immer niehr und inehr und N ies schwächte die Stimmung teilweise ab. Lebhafter und zu erhöhten Kursen blieb das Geschäft nur in Salgo, Rima, Kredit, Alpine, Krupp und Naphtha, die anderen Werte waren meist schwächer. Staatsbahn, die anfangs leicht