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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-14 · Heft 3009 (14.7.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3009 (14.7.1927)
Date
1927-07-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3009 Wien, Donnerstag Wiener M0kgenMtU«S 14. Juli 1627 Seite-3 Sefterreichifche Geheimverhandlangen. «affea«ttkMag»tod in Nalieu. Rom, 13. Juli. Am Meeresstrande von Cavazuecherina bei Venedig badeten gestern trotz des hohen Seeganges einige hundert Personen, tvelche größtenteils im Auto aus der Umgebung gekommen waren. Mehrere von ihnen mußten aus dM Wasser gezogen »oerden. ' Z w e i M ä d ch e n im Alter von« 17 und 19 Jahren sind ertrunken. Ebenso »vird aus Rovigo gemeldet, daß dort zwei Knaben im Alter von 13 und 17 Jahren ertrunken sind; zwei andere sind gestern in der Piave ertrunken, ein weiteres Kind in der Nähe von Linz, 13. Juli. (Eigenbericht.) Gestern nachts wurde O b e r ö st e r r e i ch von einem Unwetter heimgesucht, das schwereSchäden ungerichtet hat. Biele Kulturen wurden durch Hagelschlag vernichtet, durch den Wolkenbruch wurde zahlreiches Vieh getötet, der Schaden ist enorm. Neun grotzeBauerngehöfte sind bei Sankt M a r e i n durch Blitzschlag in Flammen aufgegangen. Die Straßen im Gemeindegebiet von G o i s e r n wurden durch die Wassermassen derart vermurt, daß sie bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt werden mußten. Am A b e r s e e ivütete das Wetter ganz besonders arg, die Ortschaft L u e g ivurde überschwemmt. Die Sommer- und Hotelgäste mußten aus den Häuser»», nur mit den Kleidern am Leibe, flüchten und ihr Gepäck zurücklassen. Ein Dampfer brachte die Flüchtlinge nach St. Gilgen. Das Hotel St. W o l f g a n g mußte vollständig geräumt werden, die Straße ist haushoch durch Felstrümmer verschüttet, der B a h n v e r k'e h r i st e i n g e st e l lt. Salzburger Pioniere trafen noch in der Nacht mit Lastautos in der Gegend von St. Gilgen ein und stellten einen Notverkehr her. Sämtliche Telephon.leitung en si n d g e stö rt. Große Schöben in St. Wolfgang. St. Gilgeu, 13. Juli. Gestern, Dienstag, abends trurde das Salzkammergut, insbesondere der St. Wolfgangsce und das salzburgisch-oberösterreichische Grenzgebiet von einer schweren Wetterkatastrophe heimgesucht. Durch die großen Niederschläge in den letzten Tagen und infolge der durch die abnorme Hitze verursachten rapiden Schneeschmelze im Höllengebirge sind die in den W o l f g a n g s e e mündenden kleinen Gebirgsbäche, die sonst kaum einen Meterbreit sind, zu reißenden Strömen angeschiwollen. Das gestern spät abends einsetzende schwere Unwetter, verbunden mit zahlreichen Blitzschlägen, war die unmittelbare Ursache zu einer Wetter- und Hochwasserkatastrophe, die nach vorläufigen Schätzungen die große Hochwasserkatastrophe von 1920 an Größe übertrifft. Der Fahrbach bei Lue g am Südufer des Sees iiberschwemmte die Ortschaft, vermurte sämtliche Straßen und Wege, vernichtete die Telegraph- und Telephonanlagen und setzte alle Häuser und Scheunen unter Wasser. Der reißende Bach trug ganze Bäume, große Felsblöcke, Steine und Strauchwerk mit. Luegist von Geröll geradezu verschüttet. Dw Schader ist sehr groß; Menschenleben sind glücklicherweise nicht zu beklagen. Eine nicht minder schwere Katastrophe hat sich am gegenüberliegenden Ufer im Ort St. Wolfgang ereignet. Der Steingrabenbach ist aus den Ufern getreten und hat argen Schoden angerichtet. Am drüberen User, im Ort St. Wolfgang selbst, überschwemmten einige kleine vom Schafberg dem See zufließende Wildbäche zum Teil die Straßen und Wege, die stark vermurt wurden. Der Bahn verkehr auf den Schaf b erg ist unterbrochen. Auch der Verkehr auf der Eisenbahnlinie Bad lJschsl!—Strobl—St. Gilgen mußte gestern abends' und. heute nachts wiederholt unterbrochen werden. Der Wettersturz und das Hochwasser hat Teile von St. Wolfgang, Aschan und Frauenstein unter Wasser gesetzt. Das Hotel St. Wolfgang blieb unbeschädigt. Der zahlreichen Sommergäste bemächtigte sich eine Panik. Am heutigen Vormittag ist die Gefahr lokalisiert. Znrariges Endresultat. Dresden, 13. Juli. (Wolfs.) Im Muglitz- und Gottleubertal sind weitere Tote nicht mehr gefunden, ivorden, so daß man annehmen kann, daß die Zahl von 146 die en d g ü ltige Totenziffer ist. Die Wiederherstellrmgsarbeiten, für die zwei Jahre vorgesehen sind, »verden nach eine»» GeneralVebaunngsplan durch geführt »verden. Die letzten Opfer der Katastrophe find heuje beerdigt worden. Der Schade« tu der Tschechoslowakei. Prag, 13. Juli. (Tsch. P.-B.) Im landwirtschaftlichen Ausschuß des Abgeordnetenhauses gab heute Innenminister Cerny eilten eingehenden Bericht über die durch die Hochtvasserkatastrophe der letzten Tage im T e t s ch ene r, Aussiger und Deplitzer Bezirk angerichteten Schäden, wobei er erklärte, daß heut,!, wellige Tage nach der Katastrophe, eilt absolut genaues Bild der schweren Folgen der Katastrophe nicht gegeben werben Jönne. SPBZIALH AUS FÜR STRICKMOOIN M. HOLZER V!, Marlahilferstraße Nr. 89 (neben Flottenkino) — II., Taborstraße Nr. 18 (Hotel National) — Karlsbad, Alte Wiese WOLL «TRI KOT- JUMPER-KLEID IM ALLEN FARBEN S 35'— WASCHSEIDENSTRUMPFE § 5-90 Im Gebiete von B o d e n b a ch, sagte der Minister, wurden eine Eisenbahnbrücke und eine steinerne Bogenbrücke sowie einige iv eitere Brücken vollkommen vernichtet. Äm schwersten betroffen wurden einige große Industriebetriebe, in denen zum Teil die Mauern eingerissen und die Maschineneinrichtungen fortgefchwemmt wurden. Die Schäden in der Gemeinde Eulau tragen katastrophalen Charakter. Hier wurden die Ufer der Elbe stellenweise 15 Vis 20 Meter tief unterwaschen und die auf dem Wege gelegenen Kulturen bis auf eine Breite von vier Kilometern vollkommen vermurt. Auch der Marktplatz von Eulau ist bis zu einer Höhe von 60 Zentimeter und darüber vermurt. Der größte Schaden wird aus der Gemeinde Herzdorf gemeldet. Die in diesen Gemeinden verursachten Schäden werden auf sechs Millionen Kronen geschätzt. Von der Heftigkeit des Unwetters zeugt der Umstand, daß bei der Mündung des Eulaubaches in die Elbe in Bodenbach eine dreißig Meter breite Aufschwemmung von Gerolle und Steinblöcken entstand, lvodurch die Elbeschiffahrt unterbrochen wurde. Auch der Aussiger Bezirk wurde sehr hart betroffen, insbesondere die Gemeinden Tellnitz und Schönwald. Bei dem Versuche der Rettung seiner Familie ertrank hier ein Mann mit seinem sechssährrgen S ö h n ch e n. Der Schaden im Aussiger Bezirk wird auf 10 Millionen Kronen g e schätzt. Im Teplitzer Bezirk wurde schätzungsweise ein Schaden von 1 Million Kronen verursacht. Der Minister erklärte, daß die Staatsverwaltung sogleich stach Erhalt'.der Katastrophennachricht, Maßnahmen zur Linderung der Not getroffenhabe. Der Gesamtschaden im ganzen Katastrophengebiet beträgt mindestens 26 Millionen Kronen. Auch Nullen heimgesucht. Rom, 16. Jul'.. Me „Tribuna" belichtet von einem schweren Unwetter in Verona und Umgebung, wobei eine Reihe Häuser beschädigt wurden. Die Feuerwehr und Miliz mußte stundenlang arbeiten, um die gefährdeten Personen in Sicherheit zu bringen. Der Schaden an Material und Vieh ist erheblich. 3n Kanada *-•- To ro nto, 13. Juli. (Reuter.) Ein heftiges Unwetter, das heute vormittags über dem westlichen Kanada tobte, hat v^.er Menschenleben gefordert und riesigen Sachschadenverursacht. > Kinderblut sör Brückenbau. Me MMe»Mchise In Belgrad. Belgrad, 13. Juli. Zwischen Belgrad und Pancevo wird bekanntlich in den nächsten. Jahren die größte Brücke Europas erbaut werden. Die Ausführung erfolgt auf Reparationskonto, zu Lasten Deutschlands, da die alte Donaubrücke an dieser Stelle während des Weltkrieges zum größten Teile zerstört wurde. Mit den Vorarbeiter» wurde bereits begonnen. In der Umgebung von Pancevo ist nun eine wilde Panik ausgebrochen. Das Gerücht läuft dort von Mund zu Mund, zum Bar» der Briicke benötige man das Blnt von 175 Krudem, das in das Material für die Brückenpfeiler verrutscht »verden solle, um den Bau widerstandsfähig zu machen. Die Furcht, die in der Bevölkerung eingerissen ist, kann nur als Massenpsychose bezeichnet werden. Man vermeidet es ängstlich, kleine. Kinder nach der Dämmerung noch auf die Gaffen zu lassen, und wenn sich ein Kind doch zufällig verspätet, brech-.n die Mütter in Weinkrämpfen aus, durchirren die Straßen und fluchen, man habe ihr Kind geschlachtet, um sein Blut für die Brücke zu gewinnen. Da in letzter Zeit drei Lehrjungen verschwunden sind, schwört man darauf, daß sie zu dem genannten Zwecke getötet wurden. Aber nicht nur in Pancevo, sondern auch in der Hauptstadt Belgrad hat der tolle Aberglaube Einzug gehalten und beunruhigt die Frauen. Die Regierung sah sich veranlaßt, zur Beruhigung der Gemüter - Aufklärungs- Versammlungen zu veranstalten und G endarme r i e v e r ft ä r k u n ß ej» in die aufgeregten Gebiete zu entsenden. Der Sprachunterricht an ven Mltttlmleu. Dr. Seipel hat gestern den Versuch urrternomnr-en, mit der Opposition zunächst die S chu l fr a gen ins Reine zn bringen, dann will er weiter über die Erledigung der Zolltarifno belle und der übrigen, von ihm vorgesehcnen Tagesocknung des Partanl^nts weiter verhandeln. Dieses Negoziieren vollzieht sich ebenso mit Ausschluß der Oefsentlichkeit, wie alle Beratungen in der Schulfrage vorher. Der Unterausschuß hatte es seinerzeit nicht einmal für notwendig gefunden, seinen Bericht der Oeffentlichkeit zugänglich zu machen, und der Unterrichtsausschuß hat dieses Beispiel nachgeahmt. Nur so von ungefähr erfuhren die Eltern, die doch das größte Interesse an der Gestaltung des Unterrichtes in den Volks-, Bürger- und Mittelschulen haben, daß Herr Glöckxl das Griechische in den Gymnasien von den vier untersten Klassen ausgeschaltet »vissen »oill und daß er auch in den übrigen Mittelschulen den Unterricht in den fremden Sprachen in den allgemeinen Mittelschulen auf die oberen Klassen beschränken möchte. Sein Ideal ist die deutsche Mittelschule, in der, da in seinen Volksschulen die Kinder nicht Deutsch lernen, die deutsche Sprache als Fremdsprache erlernt werden soll. Dazu wird ein ganz putziger Kommentar gegeben, daß nämlich die Kinder des Proletariats gemeiniglich in Oesterreich eine Sprache sprechen, die vom Schriftdeutsch himmelweit entfernt ist. Der Sprachunterricht in t>et Volksschulmüsse sich darauf beschränken, den Kindern zuerst die schriftgemäße deutsche Umgangssprache beizubringen. So ganz ohne Berechtigung ist dieser Standpunkt nicht; ist doch das Dialektkauderwelsch, das speziell in WixN noch mit den unimöglichst'en VerbaWorüungen fremdsprachlicher Lehnwörter durchsetzt ist, allgemeine Umgangssprache, und wenn in Wien jemand nach der Schaust spricht, gilt er schon von vornherein als Preuße oder Jude. Dar Untervichtsmmister Schmitz und die Schulmänner der Majorität sind »vieder der Anschauung, daß schon vom zweiten Semester der Mittelschulen Französisch und in der Oberstufe Englisch gelehrt »verden soll, wählend Glöckel, da er das Schriftdeutsch als Fremdsprache ansieht, in den Mittelschulen mit einer zweiten nichtdeutschen Kultursprache das Auslangen finden möchte. Das waren so beiläufig die Streitfragen, mit den sich die gestrige Parteiführerkonferenz befaßte- Eine Vereinbarung wirü>e noch nicht erzielt. Heute werden sich die Parteiberatungen mit den Aufnahmen in die Bundeserziehungsa nst alten beschäftigen. Im Anschluß daran »vird über die Zulassung tschechoslowakischer Saisonarbeit« r in der Landwirtschaft Oesterreichs und töüfer hie« Zolltarif tierhandelt werden. Au» Furcht vor Wahnfinn I« de« Tod- Der Gerichtsvorsteher von Lilienfeld. Oberlandesgerichtsrat Dr. Friedrich Rieß, der Vorstand des Bezirksgerichtes Lilienfeld, hat sich durch einen Revolverschutz getötet. Seine Leiche wurde in einem Walde nächst Lilienfeld aufgefunden. Der Verstorbene, der im sechsundvierzigsten Lebensjahr stand, hinterlätzt eine Frau und mehrere Kinder. Als Motiv des Selbstmordes wird Furcht vor Wahnsinn angenommen. OLGR. Dr. Rietz war jahrelang in russischer Kriegsgefangenschaft und kehrte von dort mit einem schweren Nervenleiden behaftet zurück. Kurz vor der Tat verabschiedete er, sich von dem Bezirkshauptmanne von Lilienfeld, Dr. Kryza-Gersch und gab an, er gedenke seine in Krems lebenden Eltern zu besuchen. Dabei machte er einen höchst deprimierten Eindruck. Bald darauf stellte seine Frau fest, daß er einen Revolver mit sich genommen hatte. Als über Anruf aus Krems die Mitteilung eintraf, daß Dr. Rieß dort nicht eingelangt fei, wurden Streifungen in der Umgebung von Lilienfeld vorgenommen, die bald zur Auffindung der Leiche führte»». 8wan Kutisker gestorben. Knapp vor Beendigung seines Prozeßes. Berlin, 13. Juli. In der Charite ist heute mittags Iwan Kutisker infolge plötzlich aufgetretener Lungenembolie gestorben. Der Prozeß gegen ihn, der seit zwei Monaten läuft, sollte rnorgen mit dem Urteil abschließen. Das Beweisverfahren war am 9. Juli geschloffen worden und hatte in den wichtigsten Punkten, speziell bezüglich der Bestechungen und unerlaubten politischen Verbindungen mit der Seehandlung die Schuldlosigkeit des Angeklagten erwiesen. Iwan Kutisker war durch fast drei Jahre lang in der brutalsten Weise verfolgt und durch die Gefängniffe geschleift worden. Er hat jetzt vor der Hakenkreuz - Justiz Ruhe. Bon Steinblöcken erschlug««. Mus Strv inberg (Preußen) »vird gemeldet; Jnsvlgtz des anhaltenden Regens lösten sich in einem Steinbruch zahlreiche schwere Steinblöcke- Bon den niederstürzenden Steinmassen wurde ein Schießnreister, sein Gehilfe »rnd ein lArbeiter erfaßt. Ter Schießmeister konnte nur mehr als Leiche geborgen »verden, die Gesteinsmassen hatten ihm den Kopf vom Rumpfe gerisser». Sein Gehilfe verlvr Verde Arme und Beine und erlitt außerdem Kopfverletzungen. Der Arbeiter »ourdv von den» Steßchlvck fchkagv«. Venedig. oocxxx>?oo<xyyigo<xxxxxy^QQQOQoooQQQooQogxxxxxxxK)CQOOOooooooooooooooooooooooooocx Schweres Unwetter in Oesterreich.' Berwüftungen im Salzkammergut. '

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