Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3008 (13.7.1927)
- Date
- 1927-07-13
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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. ' fflfett, tA&A4/ Flitterwochen — auf Kredit. Eines der bevorzugten und am meisten angetvandteir Mittel . uerikänischer Läden und Geschäfte, eine stetig Wirser werdende Kvrcknrrentz zu bÄampfen und vorübergehender Kanfmüdigkeit: des Publikums entgogenzuarbetten, ist di« Einräumung weitgehenden Kredits in einer Weife, die in sehr vielen Fällen bei euro* päHchen Geschäftsleuten ein recht bedenkliches Schütteln des Kopfes zllH Folge haben würde. A Kaum irgendeinen Gegenstand gibt cs noch, den sich der DurchfchnittSamerikaner, sofern er nur irgendeine Anstellung hat urch .von seinem Arbeitgeber auf Befragen anderer nicht gerade als gewerbsmäßiger Defraudant und Halsabschneider bezeichnet nckrd, nicht gegen Erlegen einer Anzahlung beschaffen kann, die oft Baum den zwanzigsten Teil des vollen Preises beträgt. McrdÄHI handelt es sich dabei meist um Dinge, wie Automobile, Häuser, Möbel, Klaviere, Schreibmaschinen, goldene Uhren nfw., ,He int Falle des Ausbleibens der ausbedungeuen Teilzahlungen von der betreffenden Firma wieder abgeholt und vielleicht zu Wüichen Bedingungen aufs neue „verkauft" werden können. Aber auch Herren- und Damcnkleider, Wäschestücke, Pelze und Schmuckgegenstände zu Geschenken werden dem Publikum von ungezählten Firmen gegen eine geringe Anzahlung förmlich uufgedrungen. Es ist durchaus nicht als übertrieben zu bezeichnen, wenn, 'man sagt, daß sich zum Beispiel ein amerikanisches Brautpaar vom! Kopf bis zum Fuß neu einkleiden und sich ein Haus, eine Vollständige Wohnungseinrichtung samt halbcchtern Perserteppich, Ziailbstlugcapparat, elektrischer Waschmaschine und dem unvermeidlichen Rundfunkempfänger sotvie ein funkelnagelneues Automobik anschaffen kann, ohne zunächst für ein jedes dieser schönen Dinge 'mehr, als nur einen minimalen Bruchteil des vollen. Preises zu entrichten.. Selbst. Verlobungs- und Trauring werden Leut glücklichen Bräutigam auf Verlangen gerne angekreidet, und die obrigkeitliche Heiratslizenz ist fo ziemlich das einzige, was er gleich zu Beginn seiner neuen Würde und Häuslichkeit bar und *itt toto" bezahlen muß. . Me er alsdann den verschiedenen Zahlungsverpflichtungen, Ke er .in feinem Freierdusel eingegangen und unterschrieben, nachkommit und die nötigen Wochen- -oder Monatsraten, aufbringt, ist natürlich seine Sache. : All dies wird aber jetzt noch von einem! Bostoner Reisebitveau um ein Erhebliches übertrumpft. Die Leiter dieses UnteruHmeus sind nämlich auf die außergewöhnliche Idee gekommen, Ke KorAeitsreise» junger Paar« zu „finanzieren", die zufällig vxZfr genügend Geldmittel ihr eigen nennen, um di« schönen FMtertoochen anderswo als zu Hause zu verleben. Dabei ist äftü Bureau durchaus nicht knauserig, denn die von ihm offexjerken Hochzeitsreisen sind keineswegs nur kurze Spritztouren Äch Kar Niagarafallen, ins Gebirge oder an die See, sondern xetzckkrrchte Vergnügungsfahrten über den großen iTeich nach Europa NW pjMer Beilegung und allen sonstigen Annehmlichkeiten einer MWcheu Lustreist über fremde Meere und durch fremde Länder. , ^.ÄWstlbe System der Abschlagszahlungen, mit welchem die ärnnk^_^«uSÜlsL Sr» PJJvlljJv l 7 3008 Kaufleutc ihre Staubsaugeapparate, ihre lMöbek, Ajutos, Juwels Waschmaschinen und sonstigen Waren an den jungen EhemaE zu bringen suchen, wird auch von diesem Unternehmungslusttgen Reife- und Touristenburean in!Anwendung gebracht.. CS bedarf lediglich des Hinterlegcns einer durchaus nicht Hoch bemessenen Anzahlung sowie deS schritlichen Versprechens von seiten LeS Bräutigams, den Rest des Gesamtpreises der Fahrt pünktlich in zehn Monatsraten zu entrichten. Dann kann dir Hochzeitsrest losgehne. Natürlich gibt cS für verschieden« Preist und Anzahlungen auch Reist von verschiedener Ausdehnung und lächgerer oder kürzerer Dauer. Aber ein mehrtägiger Besuch in London und Paris ist stets dabei. Andere Touren schließen auch Berlin mit ein, und wieder andere gehen bis in die Schweiz, nach Italien und an die Rivierva. Eine Aegyptenfahrt wird auch angeboten. Das ganze Unternehmen ist noch jung, soll aber trotz seines verhältnismäßig kurzen Bestehens bereits recht gute Profite abgeworsen und hinsichtlich des von ihm in die Ehrlichkeit seiner Kunden gesetzten Vertrauens bis dato mir wenig schlechte Erfahrungen gemacht haben. Dessenungeachtet haben sich anläßlich seiner Gründung und der von ihm recht schwunghaft betriebenen Reklame in der amerikanischen Presse verschiedentlich Stimmen erhoben, die mit einiger Besorgnis fragen, ob von seiten unternehmungslustiger Firmen und Geschäfte in Sachen des Verkaufs auf Teilzahlungen und der Gewährung persönlichen Kredits neuerdings nicht doch etwas zu weit gegangen werde. Durchwegs weisen die Blätter ans die Gefahr hin, daß ein kauffteudiger Kunde leicht zu viele <Teilzahlnngsverpflichtungen auf einmal eingche, so daß er ihrer später mit dem besten Willen nicht gerecht werden kamr. Einer Spezialfirma fehlt .natürlich in fast allen Fällen die Uebersicht, wieviele ähnliche Kaufaufträge der betrefstnde Kunde bereits mit anderen Geschäften eingegangen ist oder noch cinzugehen gedenkt. Mit besonderer Bezugnahme auf die Kreditgewährung an Hochzeitsreisende von seiten des Reistbureaus in Boston stellt eine große Tageszeitung des Ostens am Schlüsse ihres Artikels die zynische Frage: „Möbel, Autos und Waschmaschinen kann eine Firma im Falle unpünktlicher Ratenzahlung letzten Endes wieder zurücknchmen, ohne sonderlichen Schaden zu erleiden, denn solche Dinge besitzen auch in gebrauchtem Zustande noch einen beträchtlichen K-assawert. Was aber sind Hochzeitsreisen und Flitterwochen wert, wenn sie einmal vorüber sind-?" Herrscher, sollte den Vorschriften der Eisenbahn zinspflichtig stm? Gescheiden meinte der Türsteher, daß doch zumindest die Dame eine Perronkarte haben müßte. Aber da kam er schön an. Zornerfüllt packte der Gewaltige den Unbotmäßigen beim Rock und schleppte ihn zumStationsvorstand. Dicker aber, ein korrekter Mann, der seine und seiner Untergebenen Dienst- Vorschriften aus jahrelanger Praxis kennt, konnte beim besten Willen dem erzürnten Machthaber nicht recht geben Der Bahnhofportier tue nichts als seine Pflicht, wenn er von jedermann» der den Bahnhof verläßt, eine Karte verlange. Dies sei seine, des Vorstandes, diensthäfliche Meinung, doch unterwürfe er sich gerne einer anderslautenden Entscheidung seiner Vorgesetzten Behörde, nämlich der zuständigen Staatsbahndirektion. Dies schlug dem Faß des Pascha-Zornes den Boden aus. Wie —? Eine ander.', eine auswärtige Behörde will hier, in seinem Bilajei, Vorschriften geben und Entscheidungen treffen?! „Hier bin ich der Hdrr!" schrie er den erstaunten Beamten an, „und hier herrsche ich!" Der Vorstand aber erwiderte ihnr: „Und hier, auf der Station, bin ich der Herr und herrsche nach meinen Dienstvorschriften." Nun aber war es aus und geschehen. Nun stiegen dem Pascha sämtliche sieben Roß-Schweif< in den Kops. Weißglühend vor Wut, rief er den vor dem Bahnhof Mache hal« tendeu Sicherheitskawassen herbei. ,Hn Ketten mit Euch!" schvie er, „in Ketten!" und schleppte — der Pascha rechts, Kawasse links, der Vorstand in der Mitten — den Widerspenstigen eigenhändig zur Polizei. Diese diktierte dem Beamten, der nichts als seine Pflicht getan hatte, nach einer einseitigen Protokollaufnahme, der die Zeugen des Beschuldigten nicht zugezogen wurden, eine Arreststrafe von 30 Tagen. Ein Rekurs, den der unrechtmäßig Verurteilte durch seinen Rechtsvertreter einreichte, hatte keinen Erfolg, denn der Pascha, der in dieser Angelegenheit ohnehin schon Ankläger und Richter der ersten Instanz gewesen war, scheute sich nicht, auch die Berufungsinstanz in seine Person zu vereinen und bestätigte das Urteil. Der Stationsvorstaud hat sich vorläufig dem Eingriff -der Kvwassen des Paschas entzogen, indem er das Bilajot verließ, um im Orte des Sitzes seiner Vorgesetzten Direktion die Entscheidung des Großveziers abzu« warten. «■■■Bl Pascha «nd Stationsvorsteher. Dem Zagreber „Morgen" entnehmen wir die folgende Erzählung, die in der bosnischen Stadt „Lukabancnsis", also in Banjaluka, spielt r Eines Tages erschien lder Obergespan mit seiner Gattin auf dein Bahnhof, der ihm Untertanen Stadt und wurde beim Verlassen vom Portier ordnungsgemäß u m diePerronkarte gebeten. Entrüstet wies der Pascha solch Ansinnen zurück. Gr, der E Ja« neue Problem: Ein teurer Telegramm ölet eia liKigee uuMrlicher LustpoftlrieN Ein Telegramm nach Polen kostet für zehn Worte 3.70 Schilling, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe in Wien dem polnischen Adressaten zugestellt wird, nur —.60 Schilling. Aufgabe bei allen Postämtern; am Abflugstage bis 7 Uhr 20 Min. morgens beim.Hauptpostamt. I 0 0. 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 (I BEI Anläßlich des XV. Zsonistenkongresses, welche am 31. August 1927 in Basel seinen Anfang nimmt» werden wir im Rahmen unserer Hauptausgabe eine erscheinen lassen. Die Kongreßausgabe der „Wiener Morgenzeitung“ wird eine ausführliche! zusammenhängende protokollartige Darstellung der Verhandlungen und Vorgänge am Zionistenkongreß enthalten. Verwaltung und Redaktion der „Wiener Morgenzeitung“ treffen alle Vorbereitungen, um die Berichterstattung aufs verläßlichste und rascheste durchzuführen. Diese Vorkehrungen machen es möglich, daß der Leser ausführliche Berichte über den Kongreß in der jedem Kongreßtage folgenden, in der Früh erscheinenden Ausgabe vorfinden wird. Durch rascheste Expedition mit Flugzeugen wird Sorge getragen, daß die Bezieher die Kongreßausgabe der „Wiener Morgenzeitung“ vor allen In Betracht kommenden Organen erhalten werden. Die Kongreßausgabe wird zirka 20 Nummern umfassen. Als erste Nummer wird am Vortage des Kongreßbeginnes eine KONGRESS - FESTNUMMER erscheinen, welche Beiträge zionistischer Führer über die Verhandlungsgegenstände des Kongresses und aktuelle zionistische Probleme enthalten wird Bezugspreise der Kongreßausgabe: Oesterreich: S 5, Deutschland: OM. 4, SHS; Din^r60> CSR; Kc 22, Polen; Zloty 6« Holland: fl. 2« Schweiz: Franken 5, England und Palästina: sh 4« Italien: Lire 20» Amerika: Dollar 1, Frankreich und Belgien: Frcs 35t Rumänien: Lei 170, für das übrige Ausland; Schweiz. Franken Bestellungen werden von den Verschleißstellen sowie von der Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“, Wien, II., Taborstraße I, unter gleichzeitiger Ueberweisung des entfallenden Betrages entgegengenommen. Der Geschäftswelt bietet die Kongreßausgabe eine besondere, nicht bald wiederkehrende Gelegenheit, erfolgreich zu inserieren und neue, wertvolle Auslandsverbindungen zu erreichen. Bei Anfragen wollen Größe und Erscheinungstage des gewünschten Inserats angegeben werden, worauf äußerste Offerte erfolgt. Normaler Anzeigentarif Die Verwaltung der „Wiener Morgen zeitung“, Wien, II., Taborstraße Nr. 1—3 Telaphene 44.0.38 und 43.3-1» m s E E E E E E E E E E E m 0 E 0 0 E 1 E E E 0 0 0 E ■ ■ luilsill ^099724