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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-13 · Heft 3008 (13.7.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3008 (13.7.1927)
Date
1927-07-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 300: Wien, Mittwock Wiener MorgeryMmrg «. Jü« 1927 Serie 3 Ae tobende« klemmte. Immer schrecklichere kinzelhettm. — Keine Gefahr für Wie«. Nun erst läßt sich der Umfang der Katastrophe im Erzgebirge überblicken. Seit Menschengedenken haben die Wassermengen leinen derartigen Schaden an Leben und Gut angerichtet, wie diese Ueberschwemmung. Hunderte Tote wurden. geborgen, Orte, Straßen, Eisenbahnen sind vom Erdboden verschwunden — eine Wüste ist entstanden. Prag, 12. Juli. Ueber die Hochwasierlatastrophe auf der böhmischen Seite des Erzgebirges erfährt das „Prager Tagblatt", daß der angerichtetc Schaden ungeheuer ist. In Tellnitz (Bezirk Ausiig) waren die Niederschläge 209 Millimeter hoch. In Schön Wald sind zwei Personen ertrunken und 32 Häuser ganz oder teilweise niedergerissen worden. Der Schaden im E l b e t a l wird mit zwanzig Millionen tsch. Kronen beziffert. » Die Elbe ist an zwei Stellen unschiffbar. Am -Oberlauf des Eulau-Baches, knapp bei der Mündung vor Bodenbach, sind alle. Brücken weggerissen. Brünn überschwemmt. Brünn, 12. Juli. Durch einen furchtbaren Wolkenbruch wurden gestern tiefergelegene Teile von Brünn unter Wasser gesetzt. Der Straßenbahnverkehr mußte mehrmals durch Stunden unterbrochen werden. Durch das Eindringen der Wassermassen in Geschäftslokale, Kellerräume und. Wohnungen ist sehr großer Schaden entstanden. In einem Kaffeehause flüchteten sich die Gäste vor dem Einbruch des Wassers cmf die Tische, wo sie bis zur Ankunft der Feuerwehr und nach langwierigen Aufraumungsarbeiten verbleiben mußten. Kahnfahrt auf dem Tempelhofer Flugfeld. Berlin, 12. Juli. (Wolfs.) Die.bei dem gestrigen Unwetter niedergegangenen Wassermassen haben auf dem Sie Wahlreform in Frankreich beschlossen. Das Kabinett Polncm gefährdet. Paris, 12. Juli. Die Kammer hat heute früh um 4 Uhr die Wahlreform mit 320 gegen 234 Stimmen angenommen. In der Nachttfitzung äußerte sich die Obstruktion der Rechten nicht mehr in Tumulten, sondern in serienweisen A b ä n d e r u n g s a n 1 r ä g e n. Es wurden Hunderte derartige Anträge abgetehnt. Die Disziplin der Linken hielt bis zum letzten Augenblick allen Obstruktionsversuchen stand. Gemäß dem nunmehr beschlossenen Wahlgesetz wird Frankreich in 611 Wahlbezirke eingeteitt. Der Proporz ist aufgehoben und es ist wieder das einfache Majoritätsverfahren in Kraft. Da die Mehrheit der Rechtsparteien nur vermöge der Listenkoppelung ihre Mandate erhielt, kämpfte sie erbittert gegen die Reform. Die Regierung war geteilt. Poincare setzte sich für den bisherigen Modus ein, während Herriot die Reform befürwortete. Die Finanzkommission der Kammer hat gestern mit 14 gegen 8 Stimmen trotz der Weigerung Poincares beschlossen, die Kredite für die Erhöhung der Beamtengehalte um rund eine halbe Milliarde auf 3.5 Milliarden zu erhöhen. Die Mehrzahl der Pariser Blätter deutet die Möglichkeit einer Regierungskrise in verhüllter Weise an. Seltsame Geschehnisse. Hundert Tage Schlaf. Berlin, 12. Juli. Nach Blättermeldungen aus New York befindet sich ein 2 Ijähriges Mädchen seit 100 Tagen in ununterbrochenem Schlafzustande. Das Mädchen wurde vor 100 Tagen durch Gas vergiftet, aber nicht getötet. Es hat das Bewußtsein noch nicht wiedererlangt. Tod durch Bananengas. Paris, 12. Sun. (SSoIff.) Me „ParIS-So!r" »erichtet, sind in einem Keller der Markthalle, in dem n n r e i f e B a n a n e n lagorterr, infolge der aus den Früchten heransströmenden K ohlensänregase drei Menschen erstickt. s Ae Benus von Lemberg. Sine Nalttvorftcllnng vor vem Aeater. Lemberg, 12. Juli. (Eigenbericht.) Gestern vor Beginn der Vorstellung spielten sich auf dem Platze des großen Theaters in Lemberg sehr aufregende Szenen ab. Ein zahlreiches Publikum stand vor den noch geschlossenen Türen des Theaters und »vartete auf den Einlaß. Darunter befand sich auch eine sehr elegant gekleidete, junge hübsche Dame, die plötzlich mit dem Ausruf: „Achtung!" sich Platz schaffte. Während die erstaunten Zuschauer nicht wußten, was die junge Dame wollte, begann sie plötzlich mitten auf der Straße ihre Kleider auszuziehen. Man wußtezuerst nicht, was inan von dieser Gratisvovstellung halten sollte, 1 Flughafen von Tempelhof eine große Ueberschwemmung verursacht. Auf dem betonierten Rollfeld stand das Wasser vierzig Zentimeter hoch und reichte bis an die achtzehn dort startenden und landenden Flugzeuge. Das Ein- und Aussteigen der Fluggäste konnte nur dadurch ermöglicht werden, daß die Omnibusse der Lufthansa die Passagiere mit Kähnen zum und vom Flugzeug brachten. Wie» Mt bedroht. Die Unwetterkatastrophen, die verschiedene Hauptstädte heimgesucht haben, lassen die Frage nicht unberechtigt erscheinen, ob mich für Wien die Gefahr derartiger Katastrophen bestehe. Herr D r. Mirbach von der Wetterstation der Wiener Meteorologischen Zentralanstalt erklärt hiezu: „Die Gefahr, daß diese großen Wetterkatastrophen auch nach Wien kommen, besteht eigentlich nicht. Es handelt sich bei diesen Wetterkatastrophen ja nur um plötzlich austretende Ereignisse lokaler Natur, wie sie im Sommer oft vorzukommen pflegen. Es sind Gewitter und Regengüsse, die dort besonders heftig auftreten, wo ein hohes Gebirge an eine Ebene grenzt, daß die Wolken vom Gebirge aufgehalten werden. Bei uns liegt daher eine derartige Gefahr nicht nahe." London, 12. Juli. (Wolfs.) Gestern nachmittags ist über London ein schweres Unwetter niedergegangen. Zahlreiche Häuser wurden vom Blitz getroffen und Straßen und Keller übers chwemmt. Der Verkehr war erheblich gestört. Zwei Kinder sind ertrunken. Trotz des Gewitters flogen Fräulein Thea Rasche und die Engländerin Lynn mit ihren kleinen Flugzeugen von Croydon nach Soten ab, wo sie glatt landeten. lachte, und niemand dachte daran, die junge Dame -in ihrem Beginnen zu behindern. So zog sich die Dcime unbehindert schließlich das letzte Kleidungsstück aus und stand splitternackt inmitten der Menge. Dann sprang sie zu einem Laternenpfahl und kletterte daran empor. Sie ries: „Ich muß mich aufhängen!" Jetzt erst schritt die Polizei ein, aber die nackte Dame widersetzte sich der Festnahme und mit Mühe und Not hingen ihr die Polizisten einen U n i f o r m r o ck um die. Schultern. Inzwischen hatte sich eine riesige Menschenmenge angesammelt, -die laut johlend dieser Gvat-isvorstellung zusah. Auf die Wachstube gebracht, stellte es sich heraus, daß es sich nicht um eine Irrsinnige handelt, sondern um eine Kokainschnupferin. Infolge übermäßigen Giftgenusses hatte -die Bedauernswerte einen Nervenzusammenbruch mit vorübergehender Sinnesverwirrung erlitten. Berechtigter Scheidungsgrund. Lange Röcke, schwarze Strümpfe. Berlin, 12. Juli. Nach einer Meldung der „Nachtausgabe" aus Paris verlangte in San Francisco ein Mann von seinen Frau, daß sie lange Röcke und schwarze Baumwoll st rümpfe trage. Die Frau beantragte die Scheidung, da sie mit einem Mann, der ihr eine solche unmenschliche Bekleidungsmode auferlege, nicht leben könne. Der Richter anerkannte die Gründe der Frau und sprachdieScheidungaus. Aijechin Sieger im Schachturnier von Kerskemet. Aus Budapest wird gemeldet: In der letzten Runde des internationalen Schachturniers in Kecskemet siegten Niemzowitsch über Gilg, Berndtson über Vukovic, Dates über Brinkmann. Die Partien Aljechin- Ahues, Steiner-Kmoch, Tartakower-Takacs, Grünfeld-Colle, Asztalos-Vajda wurden remis. Somit erhält den e r st e n Preis A l j e ch i n, der aus 15 Partien 12 Zähler erzielt hat. beit zweiten und dritten teilen Steiner und Niemzowitsch. den vierten erlangt A s z t a l o s. Es folgen K m o ch, dlhues, Vajda und Gilg. . In der z w e i t e n G r u p p e erringt den ersten Preis Tartakower, den zweiten Grünfeld, den dritten und vierten N a t e s und T a k a e s. Es folgen Berndtson, Brinkmann, Colle, Vukovic. Der erste Preisträger Aljechin hat seine hohe Klasse wieder bestätigt, da er keine Partie des Turniers verloren hat. Von den an zweiter Stelle placierten Meistern Niem-' z o w i t s ch und Steiner ist der erste durch seine Spielstarke bekannt; St sin er dagegen ist ebenso wie der auf dem vierten Platz gelandete A s z t a l o s die Ueberraschung dieses Turniers. Von den übrigen Teilnehmern sind Doktor Tartakower, den wieder seine ungleichmäßige Spielweise handikapte, Colle und Brinkmann im Hintertreffen geblieben. Die Wiener Kmoch, Grünfeld und Takacs sind wenig zur Geltung gekommen. ReUnterfnchung gegen PrimariusK. eingestellt. »eUMlktt. aber wlttWstllch rulnlcn. Wie wir berichtet haben, wurde einer der bekanntesten Orthopäden Wiens, Dr. K., ehemaliger Primarius im Spital der Barmherzigen Brüder, vor sechs Monaten angezeigt, er habe sich an Kindern jvährend der Behandlung sittlich vergangen. Wir haben bereits gestern Stellung genommen gegen diese leichtsinnige und fadenscheinige Untersuchungsmethode, die einen beliebten, berühmten und in Ehren grau gelvordenen Wiener Arzt moralisch und wirtschaftlich vernichtet hat. Gestern nun wurde das Verfahren gegen Dr. K. mangels eines strafbaren Tatbestandes eingestellt und der Beschuldigte vorn Untersuchungsrichter, LGR. Dr. Kathlein, davon verständigt. Man wird nicht fehlgehen. wenn man armimmt, daß dieser plötzliche Entschluß darauf zurückzuführen ist, daß die Oeffentlichkeit energisch Aufklärung verlangt hat. Man bedenke: Sechs Monate haben sich die B e h ö r d e n Z e i t gelassen, ein halbes Jahr lang mußte Dr. K. alle Qualen der Verhöre und der Zeugeneinvernahme über sich ergehen lassen. Und wer weiß, ivic lange man noch gebraucht hatte, wären nicht die Stimmen der Oeffentlichkeit, Aufklärung heischend, hinter die Mauern der amtlichen Untersuchungsstuben gedrungen. Dr. K. ist also wieder rehabilitiert. Die Anzeigen waren lächerlich, aber alles, was daraus entstanden ist, ist ungeheuer tragisch. Denn Primarius Dr. K. hat nicht nur seine Stellt als Primarius verloren, seine Patienten haben sich verlaufen, seine Krcmkenkaffenpraxis ging in andere Hände über, er ist finanziell vollständig ruiniert. Wer niemand ist da. der dem so grundlos gehetzten Arzt irgendwelche Genugtuung geben könnte. Niemand ist da, den Dr. K. verantwortlich für diese entsetzliche Qual machen könnte. Weil ein Kind seiner Mutter erzählt hat, „der Onkel Doktor hat ^gesagt, ich soll ihm ein Buffi geben," darum ist das alles geschehen, darum ist Primarius K. vernichtet worden. Die Stelle eines Primararztes bei den Barmherzigen ist endgültig vergeben. Eine Wiedereinsetzung des Dr. K. kommt, wie der Prior des Ordens erklärt, nun unter keinen Umständen mehr in Frage. Trotzdem: Man kann es nur mit Genugtuung begrüßen, daß nunmehr Dr. K. sein Haupt wieder frei tragen kann, daß er erlöst ist von dem entsetzlichen Mpdrmk. Muß das sein? Dar verlorene und wiedergesundene Kind. Skanbolszenen bei einer Mion der Feuerwehr. Gestern kam es bei einer Aktion zur Bergung eines Kiydes, das angeblich im WienftnH Untergängen war, zu Skandalszenen, hervvrgerufen durch Zahlreiche Badelustige, die sich gegen die Feuerwehrmänner wandten. In Hütteldorf, nächst der Bergmüllergasse, wird der Wienfluh gerne von wild Badenden an heißen Tagen benützt. (Es ist übrigens aus unerfindlichen Gründen verboten.) Das Wasser wird per durch Staudämme, die von Durchlässen unterbrochen sind, abgesperrt, so daß sich kleine Teiche bilden, die ein ideales Freibad ergeben. Auch gestern nachmittags badeten ein« Menge junger Leute an dieser Stelle. Plötzlich rief die Chauffeursgattin Katharina Mayer, die sich mit ihrem sechsjährigen TöchierchenGrete dort aushielt: ,^Wo ist mein Kind? Um Gotteswillen, die Gretl ist untvrgesange«!" Die Badenden suchten den ganzen Tümpel ab, fanden aber keine Spur von der Kleinen. Schließlich erschien die Feuerwehr, auch die Rettungsgesellschast entsandte eine Ambulanz, Nnd die Feuerwehrleute schritten an die Bergungsaktion. Nun waren die einzelnen Abflußlöcher des Staudmnmes von den Badelustigen mit Holzklötze^ Fetze« und so weiter verstopft worden, damit der Wasserspiegel höher steige. ,Als nun die Feuerwehr diese Hindernisse entfernen wollte, um einen Abzug des! Wassers zu erreiche«, protestierten die Anwesenden laut und energisch gegen den Entzug ihres BadB. Cs kam zu Raufereien mit den Feuerwehrmännern,und schließlich mußte die Wache emschreiten. Es gelang, das Wasser zum Mausen zu bringen, aber nicht eine Spur der kleine« Grete war'km Wienbett zu sehen. > i Plötzlich kam das Kind fröhlich und mNnter VoN einem Spielplatz dahergelaufen, wo es fich während der ganzen aufregende« Stmöen Unterhalten hatte. Die Mutter wurde von schweren AnsregunMzuständen befallen und mußte von dev Rettungsgesestschüft behandelt werden. »udavefter Tennis. Ungarn gegen Sparüerr. B u d a p e st, 12. Juli. Im Doppelspiel siegten Kehrling-Kelemen über Juanica-Tarnellg mit 6 :1, 8 :10, 6 : 4. Kehrling-Takaes spielten gegen Juanica-Sala 2 : 6, 8:6; das Spiel mußte wegen Einbruch der Dunkelheit unterbrochen werden. Das Doppelspiel Suque-Sala gegen Kkrchmaler-Halter endete mit dem Siege der Spanier.

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