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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-12 · Heft 3007 (12.7.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3007 (12.7.1927)
Date
1927-07-12
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3007 Wien, Dienstag Wiener MorgenzOttrrrrg 12.' J«E 1927 cr^yjl?CCOCOOOOlXXXXX)OOCXXX»OOOC30C»00 Ein Roman von " ‘ ' Asch in der „Wiener Morgenzeltnng“. Beginn am Samstag, den 16. Jul!. Schalom Asch, heute unstreitig der beliebteste und populärste jüdische Volksschriftsteller, hat das jüdische Amerika zum Vorwurf mehrerer seiner berühmten Romane genommen. Einer der besten davon Ist der Roman „Amerika1*, in dem Asch den Untergang des jüdischen Wesens durch die Schmelztiegei-Atmosphäre jenseits des Ozeans aus der Perspektive eines Kinderschicksals erfaßt. Diese spannende und rührende Epopöe eines Knaben, in die alle Qualen der „Träneninsel“, die Leiden der Amerika-Wanderer, ihr schwerer Existenzkampf und ihr Ringen um Brot und jüdisches Wesen verwoben sind, ist eines der Meisterwerke des berühmten jüdischen Romanciers. Es gereicht uns daher zur besonderen Freude, daß es uns gelungen Ist, vom Verlag Wilhelm Borngräber, Berlin, die Erlaubnis für den Abdruck dieses Werkes zu erlangen. Wir haben so wieder die Möglichkeit, unseren Lesern einen Roman ganz besonderer Qualität zu bringen. Schalom Asch* Roman „Amerika“ beginnt Samstag, den 16. Juli, in der „Wiener Morgenzeitung“ zu erscheinen. «xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxra E SeldenHäujer S. Wlllheim, 1. Bez., Tuchlauben 8, und 1. Bez., Bauernmarkt 2 a. Uederzeugen Sie sich, was wir bieten, und Sie werden staunen! Prima Honan Shantung, 60 Zentimeter breit, S. 4.90; Japan Pongis, alle Farben, S. 3J20; Rohseide-Naturell S. 4.70; Geblümte Mode-Georgette S. 18.—, lfi.—, 12.—; Sebden-Fowlard, herrliche Dessins, S. 9.—, 5.80; Kleider-Mlpaka-Seide, waschbar, S. 4.00, 3.90; fabelhaftes Lager, Hunderte Farben, Crepe >de Chine S. 13.—, 10.80, 9.—, 5.80; Hut-Samte, alle Farben, S. 3.00. Wir räumen das stanze Waschwarenlager. Mode-Marquisette, 115 Zentimeter breit, S. 2.50, 1.90; Eponge, glatt und gemustert, S. 2.40, 1.80; Delain, 80 Zentimeter breit, S. 1.50, 1.20; Franzos-Mode- CropponS E. 1.80, 1.40. Hunderte Rest« diverser Waschwaren per Meter S. —.90. Berufen Sie sich auf dieses Inserat und Sie erhalten separat noch 5 Prozent Rabatt von den ange« schriebenen enorm billigen Preisen. Bühne und Kunst. Die neue New Vorker Oper Das Theater der DollarmillionLre. Im Jahre 1929 soll das neue New Yorker „Metropolitan Opera House" eröffnet werden, e-in Riesengebäude mit nicht weniger als a ch t Auffahrten, von denen sich vier vollständig unter dem Dach des Gebäudes befinden werden? Der amerikanische Musikkritiker E. H. Krehbill schreibt in seinem Buche „Chapters of the Opera", daß in New.York die Oper in erster Reihe ein gesellschaftliches und erst an zweiter Stelle ein künstlerisches Bedürfnis ist. — Schon der Bau des bisherigen Metropolitan-Opernhauses war hauptsächlich eine gesellschaftliche Notwendigkeit und die Millionäre, die für > die Aufbringung der Kosten sorgten, erhielten 122 Logen als ausschließlichen Besitz. Die prominentesten New Yorker Familien stillten die Parterrelogen, die, dem Baue des Theaters gemäß, etwas über den Parterresitzen in Hufeisenform über diese WIR bitten unsere Leser und Freunde, in Kurorten u. Sommerfrischen in allen Restaurants und Kaffeehäusernsowiein Lesehallen stets unser Blatt zu verlangen! Bezugspreise der „Wiener Morgenzeitung“: Monatlich Wien und Oesterreich .. .......... .8 5— Tschechoslowakische Republik......... Kc 22*— Jugoslawien. Dinar 60v- Polen .. Zloty fr- Deutschland ............. Qoldmark fr— Palästina. sn fr- England . sh fr- Frankreich, Belgien. Frcs, 35*— Italien Lire 20 — Rumänien ..... . Lei 170*— Bulgarien . Lewa 100- Amerlka. Dollar 1*~ Schweiz und das übrige Ausland ..... Franken 5'— Öesterr, Postsparkassenkonto 150.693. gruppiert sind und im Volksmunde „Diamond Horseshoe" („Diamant-Hufeisen") genannt werden. An der Türe jeder dieser Logen befindet sich eine Meflingplatie mit dem Namen des Besitzers. Man liest hier Namen wie Vanderbilt, Gould, Carnegie, Kahn u. a. — Ein eventueller Verkauf einer dieser Crbkogen kann nur mit Bewilligung des Berwaltungsrates der Metropolitan-Operngesellschaft geschehen. Die Eigentümer betrachten diese Logen als einen detachierten Teil dieses Heims und empfangen dort Bekannte wie im „Drawing-room". Wenn auch in der letzten Zeit das Kunstverständnis und Kunstbedürfnis der New Yorker sehr gewachsen ist, hat der Bau des neuen Hauses doch wieder den Hauptzweck, gesellschaftliche Bedürfnisse zu erfüllen. Cs ist eben eine erkleckliche Zahl neuer Dollarmillionare hinzugekommen, die im Metropolitan-Opernhaus ihre Loge mit Eigentumsschild haben wollen. Da mußte man der Kunst ein neues Haus bauen... Aar de« Lheateru. Burgtheater. Morgen, halb 8 Uhr „Adam und Eva". Operntheater. Morgen, halb 8 Uhr „Die Boheme". Deutsches Volkstheater. Samstag Erstaufführung der Detektivkomödie „Der Hexer" von Edgar Wallaee. Bürgertheater. Morgen findet die 760. Aufführung . von Emmerich Kalmans „G rLsi n Mariza" statt. Em Wiener Wachebeamter Tenor an der Dresdener Staatsoper. Der Inspektor der Wiener Sicherbeitswache Karl K ö stil e r, der vor zwei Jahren als Tenor entdeckt wurde, sang gestern in der Dresdener Oper mit großem Erfolge vor dem Generalintendanten Dr. Reucker, der den jungen Künstler sofort als lyrischen Tenor der Dresdner Staatsoper verpflichtete. Herr Köstler tritt sein Engagement bereits am 1. September an. Ein holländischer Auftrag für einen palästinensischen Künstler. Der bekannte Kunstverlag I. B. Wolters in Haag- Groningen' hat «inen Wettbewerb für eine Sammelmappe von Gerichtssaal. Jäger und Wilderer. Nach zwölf Jahren hat jetzt ein Mord seine Sühne gefunden. l Im Aahre 1915 tourde der Jäger Gebhart Scheuer! in seinem Jagdrevier in Lang wiese an der Jll von Wilderern getötet. Nach geraumer Zeit fand man den Leichnam des Ermordeten, den die Jll angespült hatte. Das Gerücht bezeichnete die Brüder Gro ising als Täter, die Scheuer wegen seiner Unnachsichtlichkeit gegen Wilderer aufsässig waren. Das Verfahren wurde damals Agen beide eingeleitet, mußte, aber mangels an Beweiscnl wieder eingestellt werden. In der Gegend war aber weiterhin hartnäckig die Meinung verbreitet, daß n u r die Brüder Groising die Täter fein konnten. Vor kurzem meldete sich eine Nachbarin des Franz Gronsing, Martina Lanrperl; diese sagte aus, sie habe an dem kritischen Tage Franz Groising gegen. 3 Uhr früh bewaffnet aus dem Hanse gehen gesehen. IMuch der Bruder Kaspar Groising war beobachtet worden, daß er frühmorgens sein Haus verlieh. Die Staatsanwaltschaft sah sich veranlaßt, abermals das Verfahren gegen die beiden ein-' zuleiten, und ein Schwurgericht in Feldkirch erkannte nun beide Brüder des Mordes schuldig, weshalb sie zu je zwölf Jahren schweren Kerkers verurteilt wurden. Palästma-LandschaftSbildcrn ausgeschrieben. Unter den Künstlern, die sich darum bewarben, wurde unser Gesinnungsgenosse, dev Maler Ludwig Blum, ausgcwählt, der den Auftrag erhielt, zwölf Bilder für das Mappenwerk anzufertigen. Blum, der aus der Tschechoslowakei stammt, hielt sich längere Zeit in Holland, Frankreich, Spanien und Italien auf und hat als Landschaftsmaler und Porträtist einen guten Namen. Seit mehr als vier Jahren lebt, er in Palästina. Die Arbeit für . den holländischen Verlag hat er bereits abgeliefert. Neben historischen Statten und charakteristischen Panoramen ist in dem Sammelwerk auch die Kolonie Kinereth enthalten. Das Mappenwerk, das Ende dieses Jahres in Mehrfarbendruck erscheinen wird, soll auch als Anschauungsmaterial in den holländischen Schulen verwendet werden. Tournee einer jiddischen Theatertruppe durch Jugoslawien. Aus Zagreb wird uns berichtet: Eine Prager jiddische Theatevtruppe, die den stolzen Namen ,Habtinah" trägt, hat einige Städte Jugoslawiens, wie .Subotiea, Novisad, Belgrad, Osijek und in den letzten Tagen auch Zagreb, besucht, wo sie einige Vorstellungen gab. Das Repertoire dieser ,^abiinah" ist — Anflys „Dybuk" ausgenommen — sehr schwach und die künstlerischen Leistungen sind unter dem Durchschnitt. Di« Vorstellungen waren aber trotzdem in allen Städten gut besucht, da viele anfangs glaubten, daß es sich hier um die Mos kauen „Habimah" handelt, und da eS das erstemal war, daß eine jüdische Theatertruppe Jugoslawien besucht. Strebte, Sortrüge trab Versammlungen. Klub radikaler Zionisten. Morgen um HO Uhr abends im Cafe Atlashof, 1. Bez., Aspernplatz, Klubversammlung. Gegenstand: ,^8on Basel zu Basel." Referent: N. Zamoisky (Palästina). — Zionistische Jugendorganisation Brigittenau. H.eu te Eröffnung des Sekretariats der neugegründeten Organisation. Einschreibungen und Informationen täglich abends von 7 bis 9 Uhr. » Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis, 8. Bez., Taborstvaße 59, Tel. 40-S-16. Fm Monat Juni 1927 wurden von diesem jüdischen Arbeitsnachweis nachstehende Vermittlungen durch geführt: 1 Kontorist, 1 Elektriker, 1 Hilfsarbeiter, 1 Laufbursche, 2 Praktikanten, 3 Kontoristinnen, 1 Gesellschafterin, 1 Hausgehilfin, 1 Kinderfräulein, 3 Hilfsarbeiterinnen, 1 Verkäuferin, 2 Praktikantinnen. Außerdem wurden zirka 8 Stellensuchende vorübergehend beschäftigt. Käfefient’ hatte sich der Oberste Gerichts Hof mit der Nichtigkeitsbeschwerde zu befassen, die deshalb ergriffen worden war, weil Frau Lamperl, die mit den Brüdern erwiesenermaßen in Feindschaft stanid, zürn Eid zugelassen.worden war. Der Oberste Gerichtshof verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde mit der Begründung, die Feindschaft sei keine derartige gewesen, daß die Frau die Brüder fälschlich eines Mordes beschuldigt hätte. ' . zweftchkeukomsmtt mit Rattengift. Ter Kaufmann Johann Sch. hatte sich wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit zu verantworten, weil eine Kundschaft, die bei ihnr Dörrpflaumen gekauft hatte, nach deren Genuß von starken Uebelkeiten befallsen wurde. Das Marktamt untersuchte den Saft des Kompott und fand darin Spuren von Phosphor, die von Ratte wködern herrührten. Der Beschuldigte erklärte, daß in seinem Geschäft immer die peinlichste Sauberkeit herrsche und daß es ihm unerklärlich ^scheine, wieso ein Rattenköder zu den Dörrpflaumen gelangt sei. Er könne nur vermuten, daß es sich um einen Bosheitsakt eines Konkurrenten handle, der auf irgendeine Weise einett nach dem Rattentag eingesanmEen Köder in btp Auslage eingeschmuggelt habe.; Der Richter schenkte dieser ^Vercmttvortung Mauben und sprach den Beschuldigten frei. E n de. Gestern wurde noch eine Reihe von Frontkämpfern einvernommen, die, was ja natürlich, übereinstimmend die Schuld an ihren Mordtaten den anderen zuschieben. Zu Beginn der Verhandlung gab der Vorsitzende .Hofrat Dr. Ganzwohl die Weisung, daß Zeugen nur ohne Parteiabzeichen vor Gericht zu erscheinen haben. Am letzten Tag deS ZeugenverhörS kommt diese an sich wohl sehr richtige Verfügung schon etwaspät. Man hat erlebt, wie sich einige Zeugen, unterstützt durch ein gefälliges Auditorium, vor Gericht überaus provokant benommen haben, und man kennt dis souveräne - Prozeßleitung des Hofrateö Ganzwohl aus dem Marek-Prozeß und mutz sich immer wieder wundem, daß gerade dieser Vorsitzende gegen die politischen Umtriebe im Gerichtssaal bisher nicht die nötige Energie aufzubringen vermochte. Als erster Zeuge wurde gestern der Führer der Frontkämpfer, Hauptmann Anton Seifert, vernommen, der von Wienaus mit einer Anzahl von Frontkämpfern nach Schattelldorf zu der Versammlung beordert worden war. Der Zeuge erzählte, datz er mit den Seinen beim Eintreffen in Schattendorf von Schutzbündlern erwartet wurde, die sofort ihre Leibriemen abgeschnallt und die Frontkämpfer verprügelt hätten. Auf die Abhaltung der Versammlung konnten die' Frontkämpfer aus Prestigegründen nicht verzichten. Die Gendarmeriebeamten Witwer und Jankowitsch waren bereit, die Frontkämpfer in den Ort gu geleiten und die Sicherheit ihrer Versammlung selbst mit Waffen - gewalt zu gewährleisten. Zeuge selbst habe dies abgelehnt, um ein Blutvergießen zu verhindem. > Der nächste Zeuge ist Josef Landgraf. Er ist, obwohl in Diensten der Gemeinde Wien, als B iz einsp ektor bei der Städtischen Leichenbestattung, ein führendes Mitglied der Frontkämpfervereinigung. Er stellte die Schattendorfer Vorgänge so dar wie sein Kommandant Seifert. Der Zeuge Anton F e tz l, ebenfalls ein Frontkämpfer, gibt an, er habe einen Hieb auf den Kopf erhalten. Dr. Reichhardt konstatiert, datz Zeuge wegen Verletzung von Schutzbündlern bereits gerichtlich bestraft ist. Dr. Riehl konstatiert, datz in Rahrbach bei Tanzunterhaltungen der Schutzbündler der Frontkämpfermarsch gespielt wurde, und datz bei der Fronloichnamsprozesston sozialdemokratische Veteranen mit blanker Waffe mitgezogen seien. GS ivurde sodann noch eine Reihe voll Frontkänlpfern einvemommen, bifc alle konform aussagten. Stephan Mülle r, Stationsvorstand in Rohrbach, berichtet von Alarmnachrichten, die während der Schattendorfer Vorfälle vor- Der Schattendorfer Mordprozetz. Der Aulmarsch der Fronttiimtzser. Der Schattendorfer Prozeß nähert sich seinem i 1 > 'V 'S -» A 4064

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