Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3007 (12.7.1927)
- Date
- 1927-07-12
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gette 6 Mm» MenStag 1S^MP1VS7 m 3007 WßSE M^Ssrr-ettmW breitet wurden. Paul F ö r st l, Organisationsleiter der Leupersbacher Frontkämpfer, erklärte, die Frontkämpfer hätten nur die Absicht gehabt, in Schattendorf ein eTurnüb u n g zu veranstalten. (Unerfindlich, warum sie dazu Revolver und Schlagringe brauchten!) Die Schutzbündler hätten, als sie Hrer ansichtig wurden, gerufen: „Schießt diese Bluthunde nieder, lebend werdet ihr Schattendorf nicht erreichen!" Es wurde gleich geschossen und Zeuge habe einen Streifschuß am Kopf erhalten. Die Zeugin T r i m l, die Mutter eures Hakenkreuzlers, erzählt, sie habe gesehen, wie der Invalide Csmarits zum Fenster des Tscharmann-Gasthauses hinaufgeschaut und gerufen habe: „Schießts autzi, wenn's a Schneid hchbts!" Er fei dann zum Baum getreten, in dessen Nähe er fiel. Bors.: Hat er den Hintern hinaufgereckt? Zeugin: Ja, ja, dös hat er tan! (Heiterkeit.) Die Zeugin M ü l l n e r hat, wie sie angibt, die ganze Schießerei mitangesehen, konnte aber nicht bemerken, woher geschossen wurde. Ein Zeuge wurde vom Privatbeteiligtenvertreter befiagt, warum er, wenn er Angst gehabt habe, nicht weggegangen sei, sondern weiter Karten gespielt habe, was Dr. Bl eher zu der Aeußerung veranlaßte, daß im Krieg Leute während schweren Feuers Karten gespielt haben. Vors.: Ja. aber die konnten nicht Weggehen. (Heiterkeit.) Neberhaupt laßt ffch in diesem Prozeß für jede Behauptung ein Zeuge finden, «nd jeder will etwas anderes gesehen haben. Der Zeuge Johann Scheffberger, ein Frontkämpfer, wurde nach dem Schattendorfer Vorfall verhaftet, später aber wieder freigelassen. Er konnte fei» beschlagnahmtes Gewehr unter den vier auf dem Gerichtstisch liegenden Stutzen erkennen. Er erzählt, daß vor 14 Tagen der Schutzbund in Schattendorf eine Besprechung abgehalten habe, in der unter Bezugnahme auf den Prozeß gesagt wurde: „Wir stehen alle für einen und einer für alle! Auch der Bürgermeister muß herausgeputzt werden." Einmal sei er in Ungarn abgestrast worden, weil er gerufen habe: „Hoch der Anschluß an Oesterreich, hoch die Sozialdemokratie!" (Der Gesinnungsumschwung bei Scheffberger scheint also ein gründlicher gewesen zu sein.) In der Nachmittagsverhandlung wurden die protokollarischen Aussagen von 30 Zeugen verlesen. Interessant ist die Aussage der Frau Ulrike K r a ß l, die erklärte, fie habe Schutzbündler nach der Obduktion der Leiche des Csmarits sagen gehört: „Wir hätten daheim bleiben sollen, die Schuld haben wir." Die Verteidigung stellte noch eine Reihe von Anträgen, über die das Gericht beschließen wird. Heute werden die Gerichtsärzte über die Obduktion der Leichen ihr Gutachten erstatten und hierauf die Sachverständigen im Schießfach zu Worte kommen. Nach den vorläufigen Dispositionen dürste der Prozeß Donnerstag zu Ende gehen. Rach dem Master Hemd Fords. Aus New Dork, 8. Juli, meldet die I. T. A.: Der heute begonnene Prozeß gegen die sechs christlichen Aerzte des Brooklyn-Hospitales, die drei ihrer jüdischen Kollegen nachts in ihren.Betten überfielen, fesselten und marterten, nahm einen unerwarteten Verlauf. Die angeklagten Aerzte baLen öffentlich um Verzeihung, woraufhin die jüdischen Aerzte die Anklage fallen ließen. Unabhängig von diesem Prozeß wird die vom Bürgermeister von New Aork eingeleitete Untersuchung, der die mannigfachen Klagen über Antisemitismus in den städtischen Hospitälern zugrunde liegen, weiter fortgesetzt. Witwe und KatSum. 8!«e sonverbare Aetrugsimzetse. Was macht eine 59 } A!j»r4 PoscheamtenswM«, wenn sie tanzen gehen will? Sie nimmt sich einen Ee-ntän-er, und mietet sich den jungen Mann für den Besuch von RachtMrkm. Soweit wäre ja auch dieses Tanzgeschäft in Ordnung. Aber di« Komplikation kam daher, daß der junge Mann keinen erst-kLa'fsigen Smoking hatte. Also führte die Dame den langen Mann zu einem Schneider und ließ ihm einen Abendanzug bauen. Der junge Mann aber tanzte dann nicht mehr viel mit der älteren Dame, er zog es vor, eine angenehmere Stellung anzunehmen. ßr ging als Privatsekretür eines reichen Amerikaners nach Parts. Di« Postbeamtenswitwe war schwer gekränkt und sann aus Rache. Eines Tages kam der Amateur^Eintänzer wieder nach Wien und fiel in die Arme der Dame. Die aber ging zum Kadi und. klagte den Jüngling wegen — Betruges. Weil er nSmlich den Smoking nicht für sie beim Tanzen verwendet habe, sondern für den Amerikaner in Paris. Nun hatte der Landesgerichtsrat Dr. «Muerbach über diese heikle Frage zu entscheiden. Der Angeklagte stellt« jedes Verschulden in Abrede und erklärte, daß er feine Verpflichtungen, völlig erfüllt hätte. Er habe mit der üppigen, nicht ganz 60jährigen Dame jede Nacht b?S 4 Uhr früh, allerdings ans ihre Kosten, gedraht und habe ferner auch m4t ihr getanzt. Daher fei eS doch felbstverfiändkich, daß er über den Smoking frei verfügen könne.; * Die Witwe aber wollte durchaus die Hofe de S Anzuges für sich reklamieren, denn — so behauptete fie — fer habe den Anzug nicht vollständig abgetanzt. Der Richter aber erklärte, daß der Amatem>Eintäuzer stina Pflicht vollständig erfüllt habe und sprach den Angeklagten frei. 8 OEB E N ERSCHIENEN: der foAn des Moses Mautner Roman von LEOPOLD HICHLER Dm Wien der Nenfizigerjahre des verflossenen Jahrhunderts wird als buntes, überaus lebendiges Bild vor dem Leser aufgerollt, eine Fülle von Gestalten, von Leopold Hichler ausgezeichnet gesehen, ist in Bewegung gesetzt, die Zeichnung des Wiener kleinbürgerlichen Miüens, insbesondere des jüdischen, außerordentlich geglückt Hohes Können und reife Menschlichkeit vereinigen sich zu einem von köstlichem jüdischen Humor erfüllten Buch Ein viel Preis S gemütvolles, 5.50 volkstümliches Werk, mit lebe und Lebensweisheit geschrieben broschiert, S 7.50 in Leinen geb. Buchhandlang ufid Verlag R. LÖWIT - WIEN I Rotenturmstr. 22 Fleischmarkt 1 I S VOLKSWIRTSCHAFT Oesterreich und der Srieoterstork. Ueber diese Frage hielt letzten Donnerstag der Direktor der Oesterverchisch-Orientalischen Handelskammer, Herr Franz Stern, im Bevern der jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden einen Vortrag. Er wandte sich zuerst gegen die Kleinmütigkeit, die behauptet, Oesterreich sei nicht kvnkurverHfähig,. und wies an der Hand eines reichen statistische Materiales damufhin, daß Oesterreichs Anteil am Welthandel absolut genommen der Menge nach unter den Nachfolgestaaten nur hinter der Tschechoslowakei zurücksteht, wenn jedoch die Bevölkerungszahlen ebenfalls zum Vergleich herangezogen und die Kopfquvte berechnet wird, Oesterreich in Mittleuropa an erster Stelle steht und nicht bloß sämtliche Nachfolgestaaten, sondern auch das Deutsche Reich und Italien sowie Rußland übertrifft. Insbesondere hob der Vortragende die Bedeutung des Transit Handels für Oesterreich hervor, der durch das System der Zoll freilag er der privaten Firmen, durch die in Wien bestehenden Handelsorganisationen und das Vorhandensein markt- und sprachenkundiger Vermittler, insbesondere, soweit es den Balkan und den nahen Orient betrifft, unterstützt wird. Ms Grund der von der Niederösterreichischen Kammer für Handel, Gewerbe und Industrie ausgestellten Ursprungszertiftkale ist zu er'ehrn, daß di: Br', -nffcwten und der nahe Orient für Oesterreich dasselbe bedeuten wie Italien, den iAinteil Polens jedoch und der Tschechoslowakei sowie Deutschlands am österreichischen Mißen- Hcmdel bedeutend übertrefsen. Was insbesondere die Türkei und Bulgarien betrifft, so steht Oesterreich in diesen Ländern an siebenter, bzw. fünfter Stelle, doch hat auch Griechenland, Palästina und Syrien mit seinem Hinterlatnde, Mesopotamien, Irak und Persien sowie! lAegypten für Oesterreichs Export eine große Bedeutung. So beachtenswert und bearbertenswert der nahe Orient und der Balkan sind, so muß mit großer Geduld und Vorsicht darangegangen werden und einer richtigen Information die größte Bckeutung beigelegt werden. Die Auswahl der richtigen Firmen bckeutet nicht bloß den halben, sondern den ganzen Orient-Erfolg. Hier ist es empfehlenswert, sich der bestehenden Organisation zu bedienen, deren Mlfgckben folgende sind: Information über die Wirtschaftslage, über Zoll, Verkehrs- und Marttfragen, Auskünfte über Firmen, Vermittlung der richtigen Vertreter sowie Rat und Hilfe bei Durchführung des Geschäfts Und Bekanntgabe der öffentlichen ustd privaten Bedarfsfälle sowie der günstigsten Bezugsquellen. AumSniru sucht ekue Ausländsanleihe. Aus Bukarest wird berichtet: Nach Beendigung der Parlawentswahlen begibt sich, wie bereits gemeldet, der rumänische Fnianzmiilister Vintila B r a t i a n u nach Berlin, um die durch den Regierungswechsel in Rumäitien unterbrochenen Anleihe Verhandlungen mit Deutschland wieder aufzunehmen. Doch wird Bratianu nicht nur die deutsche Hauptstadt, sondern auch in» Begleitung des Außenministers Titulesen London, Paris und Rom besuchen, um wegen einer Anleihe für Rumänien Verhandlungen anzuknüpfe". Bau der polnischen RohSlknduftrle. Rückgang der Prodnklion und deS Exportes. Aus Lemberg wird uns geschrieben: Die polulfHe Rohölproduktion, welche seit einer Reihe von Monaten ständig im Fallen begriffen ist, erfuhr im April einen leichten Aufstieg, und zwar betrug die durchschnittliche Tagesförderung 198 Zisternen. Im ganzen tvurden 6492 Zisternen Rohnaphtha gefördert. Die Verarbeitung von Rohnaphtha in den Raffinerien, von denen 29 bei einer Arbeiteranzahl von 6937 tätig waren, erreichte im April 60.188 Tonnen. Der Export betrug im ganzeu 29.463 und war inn 2000 Tonnen geringer als im März. Die Ausfuhrtätigkeit der polnischen Petroleumindustrie weist seit November v. I. eine fortwährend finkende Tendenz auf und ging von 40.672 Tonnen im November auf 31.296 Tonnen im Jänner und schließlich auf 26.003 Tonnen im Februar zurück. Der Rückgang des Exportes geht vornehmlich auf die ungünstige Verkaufskonjunktur auf den europäischen Märkten angesichts des Rückganges der Naphthapreise in Amerika zurück, der eine Folge der N a p h t h aüberproduktion in den Vereinigten Staaten ist. Im Vergleich zu dem Durchschnittsexport im Jahre. 1926 (im ersten Halbjahr 36.660 Tonnen) ergibt der Aprilexport kaum 66 Prozent. Stark ist der Rückgang des Exportes in die Tschechoslowakei (von 8241 Tonnen im März auf 7861 Tonnen im April), nach Danzig (von 6691 Tonnen auf 6600 Tonnen) und nach Deutschland (von 2169 Tonnen auf 1128 Tonnen). Dagegen konnte die Ausfuhr in die Schweiz, nach Ungarn und nach Frankreich einen leichten Aufschwung erfahren. Leykam-gosessthal A. S. Wie wir hören, fand vor kurzem die 56. ordentliche Generalversammlung statt, in welcher die lAusschüttung der gleichen Dividende Nne im Vorjahre, das ist 60 Groschen (4o/0) für jede neue Schillingaktie, beschlossen wurde. Es gegangen bei unveränderter '!M>ienan;ahl neue, aUf Schilling lautende 'Aktien zur Ausgabe, die, gegen die umlaufenden, auf Krön n lau'.enden Aktien umgetauscht werden. Zur Durchführung des Umtausches sind die alten, auf Kronen lautenden Mlien, und zwar die Nu i-mern ll bis 50.000 samt Erneuerungsschemerr, die Allktiennuinmern 50.001 bis 800.000 samt Kupon 1996 und Erneuerungsscheinen mit doppeltem Numinernverzeichuis arithmetisch geordnet bis 31. Dezember 1927 in Wien bei der Oesterr. Credit-!A>nstalt für Handel und Gewerbe, bei der!Allg. österr. Boden-Crehit-Anstailt und bei der MercUr- Bank einzureichen. Forcierte ungarifche Getreideeinfuhr nach Oestery-ich. Die zum Konzern'der Bndapester Hauptstädtischen Sparkasse gehörige Industrie- und Hand els-A. G. in Devrecztn, welche Hauptkonrmissionär der österreichischen Getreioe-A. G. ist, hat, wie aus Budapest berichtet wird, beschlossen, ihre Tätigkeit, die bisher nur auf dem Gebiet östlich der Theiß sich bewegte,, aus ganz Ungarn auSzudehnen. Sie wird auch in Budapest und anderen größeren Städten Ungarns Filialen errichten, welche in der jetzt beginnenden Kampagne Getreide in Ungarn einkaufen uno nach Oestqrrestl) exportteren wollen. Zoklerhöhungen aus Speiseöle und Margarine? In der letzten Bollverfaminlung des Vereines der Großhändler mit animalischen und vegetabilischen Fetten und Oelen wurde u. a. mitgeteilt, daß der Verein auf Umwegen erfahren habe, die österreichische Fettindustrie beabsichtige mährend der Beratung der Zolltarifnovelle im Weg eines Initiativantrages außerordentliche Erhöhungen der Zölle auf Margarine, Speiseöle u. dgt. durchzusetzen. Die Versammlung beschloß, im Verein mit den verwandten Branchenorgamsationen im Handelsministerium gegen diese beabsichtigten Zollechähungen energisch Stellung zu nehmen. Mmeaemng des Dreye eschen Bmuereironzerns. Dt: bisher zum Bankhaus Schoeller gehörige Hütteldov« fer Brauerei ist in den Konzern der Dreherscher Brauereien Schwechat, St. Marx, Simmering einbezogen worden, deren Aktienmehrheit bekanntlich der Creditanstatt und der Niederösterreichischen Eseomptegefellschaft gehört. Durch die Einbezichung der Hütteldorfer Brauerei, welche jährlich 200.000 Hektoliter Bier erzeugt, sind nunmehr wer große Wiener Brauereien in einem Konzern vereinigt: außenstcheyd sind nur das Brauhaus der Stadt Wien und die Kuffnersche Brauerei in Ottakring. »»Solvenzen. Das gerichtliche Ausgleichsverfahren wurde eröffnet gegen Katharina Blasel, Besitzerin des Praver- MWauseS „Alpendorf". Die Passiven betragen zirka 130.000 Schilling. -- Dar Konkurs wurde eröffnet gegen die TextilgefelWast „Fila" Hatsch ek u. Ni kl, Wien, 1. Bez., Minggasst 13. Die Passiven betragen zirka 500.000 Schilling. Die Firmainhaber sind von der WrrtschastSpolizei in Haft genommen. FeMetüngen. Am 10. August um 12 Uhr mittags findet Sem Bezirksgericht Favoriten (Zimmer 31) die Zwangsversteigerung des Hauses 10. Bezirk, Sicoardsburggasse (Schätzwert 43.314 S., geringstes Gebot 21.657 <§.), am 86. Äptember um 9 Uhr vormittags die Awangsversteigerpna des Hauses 10. Bez., Columbusgasse 89/91 (Schätzwert 34.300 S., geringstes Gebot 17.150 S.s statt. Am 1. September um 10 Uhr vormittags wird beim Bezirksgericht Döbling (Zimmer 2) bas Haus 18. B^ivk, Klostergasse 17, versteigert: Schätzwert 81.316 S. 55 Gr., geringstes Goboi 15.908 S. 26 Gr. In der gerichtlichen Auktionshalu, 1. Bez., Jakobergasse 1, werden am 13. Juli von 3 bis 7 Uhr nachmittags versteigert: eine Wohnungseinrichtung, Klavier, Bilder, Bücher, Reiserequistten usw.