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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-12 · Heft 3007 (12.7.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3007 (12.7.1927)
Date
1927-07-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Vien. Wiener Morgerrzettrrrrg 12. Juli 1927 Nr. 3007 Keine Gehemvolittk in England. Attömngen Shambeklains im Unterhmr. -k Berta Keiner Dow ltoscnblum Wien Wien , empfehlen sich als Verlobte Wien, 10. Juli 1927 Paragraphen konstruiert war, neben 707 Arabern ganze 38 Juden dienen, wobei auch die Kosten dieser Formation von der Palästinaverwaltnng, das heißt, aus dcr jüdischen Arbeit bezahlt werden. Die britische Regierung hat eine «Subvention geleistet, deren Höhe aber nicht angegeben rvird. Diese Gleichheit wird aber vollends zur Ironie, wenn man den Bericht der Administration über die ftaatssinanzielle Entwicklung besieht. Die Ansammlung von Kassxnbeständen war trotz der wirtschaftlichen Stagnation möglich, weil jüdisches Kapital cinströmte. Es wäre also auch möglich gewesen, der Krise durch eine von Regierungs wegen aufgerichtete Kreditorganisation oder durch umfangreiche Investitionen entgegenzuwirken. Nein, dieVer waltung hat nur die Amortisation d-r geplanten Anleihe im Auge. Sie verwendet das Geld nicht produktiv, sondern stellt es zur Rückzahlung auf eine Anleihe bereit, die noch gar nicht emittiert ist und noch nicht im Lande arbeitet. Die Regierung ist sich wie sie ausführt, wohl bewußt, daß eine erhöhte landwirtschaftliche Produktion zur Stärkung des jüdischen Elements beitragen wird. Aber sie läßt die Erhöhung nicht zu und bremst sie durch Verweigerung des Ladens. Es besteht also nichteinmal. die Gleichheit. Hoffentlich wird sich dieses Prinzip den Juden gegenüber doch im kommenden Jahr durchsetzen. Die allgemein gelehrte Bescheidenheit sicht doch ohnedies von der Förderung der Mehrheit im Lande ab. Das ist ein nationales Postulat, und es gehört sich nicht mehr, nationale Forderungen zu stellen, wie etwa die, daß das Mandat sinngemäß ausgeübt werden muß. Antisemitismus und Kunst. Der neueste Skandal der Volksover. Es ist vielleicht nicht allgemein beiannt, daß ein Volksopernverein besteht. Dieser Verein, der sich aus Währinger Bezirksgrößen zusammensetzt, aus Ereißieru, und ähnlichen Kunstsachverständigen,, meldet sich immer dann, wenn er am wenigsten zu reden hätte. Jetzt, da sich die Volksoper mit vieler Mühe durch die Arbeitsgemeinschaft über Wasser hält und mit dem Zugstück „Ich Hab' meiu Herz in Heidelberg verloren" auch noch auf längere Zeit aller Sorgen enthoben ist, ausgerechnet jetzt erscheinen wieder diese Herrschaften und machen sich unangenehm bemerkbar. Sie haben sich extra Herrn K u n s ch a k und Herrn R u m m e lhardt geholt. Warum? .Weil Direktor Frischler, dem das unfaßbar erscheinende Werk gelungen ist, die Volksoper betriebsfähig zu gestalten, well dieser Mann ein Jude ist. Es tut nichts, daß das gesamte Personal sich willig und vertrauensvoll der Führung Frischlers unterwirft, es tut nichts, daß die Gagen und Gehälter pünktlich ausgezahlt -werden — dar Jüd muaß weg! Es ist selbstverständlich, daß die >Oeffent lichte it und wohl schließlich auch die Gemeinde Wien hier etwas dreinzureden haben.!Aber auch das.Personal der Volksoper wird sich zu wehren wissen und die .Herrschaften können noch eine böse U e b e r r a s ch u n g erleben. Heute abends findet eine Vollversammlung in her Volksoper statt, in der zu dem neuesten Skandal Stellung genommen wir--. Ae Wahlen in Rumänien. Der neue Senat. Bukarest, 11. Juli. (Orient-Radio.) Bei den gestrigen Wahlen in den Senat erhielt die Regierungspartei 96 Mandate, die nationale Bauern* p a r t e i 17 und der Min 0 ritätenb l 0 ck 2 Ma ndate. Die Opposition konnte sich nur in den siebenbürgischen Wahlbezirken durchsetzen. Das Parlament wurde für den 17. Juli einberufen. Friede zwifche» Polen und Rußland. Ein neuer Sarantlevatt. Warschau. 11. Juli. (Tsch. P. B.) Die hier geführten Besprechungen zwischen dem Außenminister Zal e s 11 und dem Moskauer polnischen Gesandte n P at'ek sind beendet. Patek dürfte noch heute oder morgen mit neuen Instruktionen der polnischen Negierung über die Beilegung des durch die Ermordung Wojkows verursachten Konfliktes abr eisen. Wie die Blätter erfahren. wird Patek nach Erfüllung dieser Mission die unterbrochnen Verhandlungen über einen Garantiepakt in Moskau wieder aufnehmen. . . , Set AbtüstungMlvindet. Sie Konferenz für Willigen. Genf, 11. Juli. (Schiv. Tep. Ag.) Wegen der.Ermordung des irischen MinistersHtggins, welcher der Delegation Irlands bei der Konferenz für die Be- London, 11. Juli. (Wolff.) In seiner Antwort in der außenpolitischen Aussprache' im Unterhaus erklärte C h a m b e r l a i n unter anderem, es gebä in der auswärtigen Politik Großbritanniens kein Geheimnis und es bestehen keinerlei vertrauliche Zusagen, von denen das Unterhaus keine Kenntnis habe. Der Außenminister versicherte erneut, daß die Regierung immer ihre Pläne und Verpflichtungen dem Parlament unterbreiten werde. Er hob weiters hervor, die Politik Großbritanniens sei, sich mit den ehemaligen Feinden auszuföhneu, jeden Anlaß zu Meinungsverschiedenheiten unter den Nationen zu beseitigen und Konflikte auf friedlichem Wege beizulegen. Das, erklärte Ehamberlain, ist nicht allein die Politik Großbritanniens, sondern diejenige von Frankreich und Deutschland und. wie ich hoffe und glaube, diejenige aller beteiligten Negierungen. ' Völkerbund und Völkerbnudrat sind stärker als vor drei Jahren. Die allgemeine Atmosphäre ist gegenwärtig friedlicher als damals, und die Besprechungen der Staatsmänner werden jetzt vom Geiste freundlicher Zusammenarbeit geleitet. Mit Bezug auf die von P 0 n f 0 n b y erwähnte Erklärung B r i a n d s über die von der französischen Regierung angestrengten Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten zur Aechtung des rKieges zwischen den beiden Ländern sagte Ehamberlain: Ich glaube, schränkung der Marinerüstungen angchörte, wurde die heutige Konferenzsitzung abgesagt. Die Veranlassung zu dem Ausfall dieser Sitzung gaben außerdenr auch Meinungsverschiedenheiten, welche im Laufe der letzten Woche ln den Verhandlungen der drei Delegationen immer mehr zutage traten. Es wird versichert, daß der Ehef der britischen Admiralität beabsichtige, einen Kompromißvor schla g zu machen, welcher dahin gehr, ein Abkommen in der Frage der Kreuzer, zu schassen, welches nur bis zum Jahre 1931 Geltung hätte. Sie österreichische Zttaßenmisere. Eine BundesnnWe die Die Melfetnng der Straßen. RetzMahre»! In Salzburg tagte Sonntag die erste Konferenz des Verbandes der österreichischen Gesellschaft für das Straßen- >v e s e n. Uebereinstimmend wurde festgestellt, daß die österreichischen Straßen fast so stark frequentiert sind wie die Deutsch l a n d s. Das österreichische Straßennetz, das nur für den Fuh:...rksverkchr gebaut fei, könne den Kraftwagen-- verkehr nicht mehr ertragen. Nur durch Beschleunigung der Herrichtungsarbeiten könnten die Straßen vor völliger Zerstörung geschützt werden. Einen breiten Raum in den Beratungen nahm die Finanzierungsfrage ein. Grundsätzlich stellten sich dabei sämtliche Ländervertreter auf den Standpunkt, daß der Bund eine S tr a ß e nba u a n l eihe aufnehmen solle. Es müßten jährlich etwa 20 Millionen Schilling durch fünf Jahre zur Durchführung der dringlichsten Arbeiten aufgebracht werde». In den nächsten Tagen wird eiste Abordnung in dieser Angelegenheit beim Finanzminister vorsprechen. Endlich wurde aus Gründen der Verkehrssicherheit beschlossen, so schnell wie möglich die jEinsührung des ,,Rechtsfahrens" in Oesterreich bei den Behörden zu urgieren. der Finanzierungsskandal der zngsvktzedahn. Ueberschuldung der Gemeinde Reutte. Die Tiroler Landesregierung hat den BlttgermeWr von Reutte Schrott er und den Vizebürgevmeifter Doktor Stern ihre- Amteenthoben und zur Herbeiführung einer Neuwahl den Gemeinderat von Reutte aufgelöst. ES wird den beiden Bürgermeistern vortzeworfen, daß sie ohne Wissen des Geuisindiexates Darlehen in der Höhe von 33 Milliarden Kronen ausgenommen, weiter-, daß sie für diese Darlehen namens der Gemeinde die Haftung Übernommen und den Geldgebern GemeinderqtSveschlüsse vorgetäuscht hätten, hie in WrMchteft niemals gefaßt worden mären. Die Stadt Reutte, Vre früher schuldenfrei war, habe jetzt 63 Milliarde st Kronen Schulden, die ohne Wissen der Gemeinde zur Finanzierung des Zu gspitzebahnbaueS verwend-t morden feien.! Sttrttgefahr im Hotelgewerbe. Die Gehilfenschaft im Hoteliergewerbe steht seit langem mit tzen Unternehmern wegen. Erhöhung ihrer Bezüge um 15 bis tz0 Prozent in Unterhandlungen. GamStag beschloß eine Vollversammlung der Angestellten zur Durchsetzung ihrer Forderungen ein bis Mittwoch 13 Uhr es ist wahrscheinlich, daß solche Verhandlungen staltfinden werden, und ich wünsche ihnen ehrlich einen guten Verlauf. Was uns selbst betrifft, so hoffe ich, daß zwischen den Kriegbereitsin die Achterklärtist, und zwar in dem Herzen eines jeden Bürgers der beiden Staaten. Die Aussprache war von dem Arbeitsparteiler P 0 ns 0 n b y eingeleitet worden, der eine neue Periode gespannter Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich fürchtet. Er kritisiert weiterhin in abfälliger Weise die „elefantenmäßige" Diplomatie gegen Rußland. Er bemerkte sodann, daß seiner Auffassung nach die Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskommissio n keine Hoffnung auf Abrüstung und Frieden geben. gutimes ans Sens. Ehamberlain führt weiter aus, er sei in Genf von Briand und D r. Stres emann gebeten worden, die zur Botschafterkonserenz gehörenden Mächte und den Vertreter Deutschlands auf sein Zimmer e i n z u * laden. Er sei bei dieser Zusammenkunft ersucht worden, eine Erklärung über die Gründe abzugeben, die zum e n g l i s ch - r u s s i s ch e n Bruch geführt hatten. Nur eine einzige weitere Frage sei Lei diesen De-- sprechungen erörtert worden, . irämlich die Ernennung eines deutschen Mitgliedes in die Mandatskommission. Dr. Stresemann wünschte die Lage -u kennen, bevor er sich darüber entschließt, ob er einen formellen Antrag an den Völkerbund leiten , solle oder nicht. stachts befristetes Ultimatum. Sollte bis dahin keine Einigung erzielt werden, so dürfte es in Wien zu einem' Streik im Hoteliergewerbe kommen. Streik bei de» Äoalin-Werke«. Linz, 11. Juli. Die 240 Köpfe betragende lArbeiter-. schaft der Kaolrn-Montan-JnLnstrie-!A.--G. in Kriechbaum, im --Bezirk Perg ist am .7. Juli wegen Lohndifferenzen in den Streik getreten. . Sie Besetzung der Klinik Finger. Professor Finger gibt Mt nach. Wie bereits berichtet, hat sich. Professor Finger, der m den Ruhestand tretende Vorstand der Klinik für Syphilologie, gegen die Ernennung des Innsbrucker Dermatologen Professors Kerl zu seinem Nachfolger ausgesprochen Und erklärt, er werde zum Zeichen des Protestes seine Stell« als Präsident des Obersten Sanitätsrates niederlegen. Der Dekan der medizinischen Fakultät- Professor Maresch, erklärt nun in einem Interview, daß Professor Kerl seinerzeit von Hofrat Finger selbst an erster Stelle vorgeschlagen worden war. - Erst an zweiter Stelle habe Professor Finger die Namen ScherÜer, Oppenheimer und Mucha genannt. Die Mehrheit des Professorestkollegmms habe sich nun für Professor Kerl erklärt. Die Akten seien bereits an das Unterrichtsministerium gegangen. Demgegenüber teilt Hofrat Finger mit, er habe an erster Stellenden Professor ScherbLvpyrgeschlagen; vielleicht habe er daneben auch Prof, Kerl genannt. ' Der Vorschlag.wurde mit vier Stimmen Mehrheit stbgelehnt; in der Minderheit befanden! sich Autoritäten, trne Wagner-Jauregg, Ortner, Hochenegg und Pichler. 'Professor Finger wiederholt seinä Erklärnstg. dah er von der Stelle des Präsidenten des Obersten Sanitätsrates zurücktreten werde, wenn Professor'Kerl zu seinem Nachfolger bestellt wird. Sie Affäre des Baron Samm. sin tsonfta meint 11. - Mittelung nn lle A«eaofinnralel. Wie der. österreichische Pressekpektst" meldet, Hat in der Vorwoche - das Bundeskanzleramt (Justiz) dem Ansuchen des Justizministeriums in Prag um Auslieferung deS wegen Betruges vom Kreisgericht Eger verfolgten Ehepaares Johann (Baron) Damm und Frau Therese .stattgegeben. Die Genannten werde,! beschuldigt, in Franzensbad u,ü> Eger gr oßzützitze Häuserschiebungen.und Betrügereien begangen zu haben. Baron Damm flüchtete, als seine Gläubiger und die durch ihn Geschädigten Strafanzeigen erstattet hatten, nach Wien. Auf Grund eines Steckbriefes des Kreisgerichtes Eger wurden er und seine Gattlnün einer Pension in der Alserstraße verhaftet. Die -Verhaftung Damms, der ein naher Verwandter des ehemaligen Kaiser Wilhelm- . Ü. ist, erregt» damals riesige- Aussehen, und-es »vurdr ansäuglich vermutet, dqß sie einen polt tischen Hintergrund hob». -~- Am Samstag wurden Damm und seine Frau, die bisher im Landesgericht, in Haft waren, an die tschechoslowakische Grenze bei Gmünd a b g e s ch 0 b e n und dort den tschechostowakischen Gendarmen übergehen. cxxxxxrcxxxxxxxxrcxxxxxrcxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxrOexxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

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