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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-12 · Heft 3007 (12.7.1927) · page 1

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3007 (12.7.1927)
Date
1927-07-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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| Preis gO 0 j Rodaktion, Administration Wien, II», Taborstr. 1 Telephon 44*0-118 48-3-19 Telephon ab 6 Ühr abends 18-5-80 Serie, ah */a9 Uhr abends 38-5-83. Drnckerei: Vfl., Lerchenfeüderstraße 1 0*0 Preise *• Wien and Oesterreich darch Post oder Verschleißstellen mondtl. 5 Schilling. Bezugsbedingungen für das Ausland iw Innern des Blattes. Nr. 3007 Wiener orgeiyettirng Wien. Lienrlag. 12. gnli 1027 (12. Lhamns 5687). BESUCHET mn Wiener Räthauskeller) Die Gemütlichkeit der guten alten Zeit. Wer kommt, wird wieder Stammgast f IlMMNI.- Volkstümliche Preisel Mittags - Menüs ä S 1*60 [Direktion: OTTO KASEBER 9. gatzrgang Mbebe« in PMim. Lote und Verletzte. — Großer Sachschaden. K a i r o, 11. Juli. (Wolfs.) In Jerusalem ereigneten sich um 3 Uhr nachmittags mehrere Erbst ö ß e. In Jericho stürzte ein Hotel ein und vegruv drei Touristen unter den Trümmern. Auch aus anberen Orten werden Verluste an Leven und Eigentum berichtet. In Jerusalem weift ein kleiner Turm des Heiligen Grabes Sprünge auf. Andere Gebäre in der alten Stadt stürzten ein und mehrere Personen ' den verwundet. Auch in Aegypten. Alexandria, 11. Jul:. (Eigenbericht.) Aus dem ganzen Lani'e werden Erdstöße gemeldet. Um drei Uhr sechs Minuten verspürte inan in Kairo e i n w e l l e n f ü r m i g e z Beben und vernahm unterirdisches Donnerrollen. Auch aus Luxor wird berichtet, daß mehrere Erdbewegungen verspürt wurden. In Kairo weisen Häuser Sprünge auf, Möbelstücke fielen um, die Einwohner rannten schreiend auf die Straße. Bisher wurde kein Verlust an Menschenleben gemeldet. Der Herd des Bebens dürfte Palästina seiu. Meldungen aus Jerusalem berichten von größeren Sachschaden. Besonders arg war das Beben in Jericho, wo viele Häuser einstürzten und die Bewohner unter sich begruben. Auch ein mit Touristen vollbesetztes Hotel stürzte ein, die Zahl der Toten und Verletzten steht noch nicht fest. Ae Mementarlatastrovhe im Erzgebirge. Die Meldungen, die aus dem vom Unwetter heimgosuchten Gebiete einlangen, melden immer neue und furchtbarere Einzelheiten. Bis,zstr Stunde zählt man 160 Tote, ganz e Otrt f ch a ften sind v öm Erdb oden verschwunden, die Bahnstrecken sind aus M o n a t e h i n a u s unbrauchbar. Die Reichsregiernng hat vorläufig e in e M i l li o n M a r k für die Opfer der Katastrophe überwiesen, die sächsische Regierung wendet sich an das deutsche Volk mit einem Aufrufe um f r e i w i lligeSpend en. (Ausführlicher Bericht im Innern des Blattes.) Re Kammer gegen Poimatt Ein folgenschwerer Beschluß. Paris, 11. Juli. (Havas.) In der Finanzkommisfloit der Kammer lehnte es Ministerpräsident P o i n c a r e ab, ein ein Kompromiß in der Frage der Erhöhung der Beaintengehälter z u z « st i m m e n. Die Kommission beschloß mit 14. gegen .8 Stimmen bei 6 Stimmenenthaltungen, über die von Poincare beantragte Ziffer, bezüglich deren die Regierung die Vertrauensfrage stellen wird, h i n a u s z u g r e i f e n. Elemenleau erlrantt. An Grippe. Paris, 11. Juli. (Havas.) Der gewesene Ministerpräsident Clemenceau leidet an einer leichten Grippe, doch hoffen die Acrzte, daß er seinen alljährlichen Somanerurlaub in der Bendee nnrde antpeten können. Las Attentat auf S'Higgjns. Rache für grland! Dublin, 11. Juli. (Wolfs.) In Zusammenhang mit der Ermordung des irischen Justizministers 4? iggins wurden meh rere .Personen verhaftet. Der amtliche Bericht stellt fest, daß fünf Personen an dem Morde beteiligt gewesen sind. Zwei hielten Wache, und frei dem Erscheinen des Ministers schossen die drei anderen, die sich in einem gestohlenen Kraftwagen verborgen hielten. Die Polizei ist im Besitze einer genauen Personsbeschreibung der Mörder. Heber die Ursache der Mordtat wird weiters berichtet, daß dieselbe eine unmittelbare Folge einer bestehenden Fehde war, seitdern O'Higgins die Hinrichtung O'ConnorS und zweier anderer Irregulärer angeordnet hatte, die währerid des Bürgerkrieges ein Dublincr Gebäude gegen die regulären Streitkräfte besetzt gehalten hatten. Es war damals der Versuch gemacht worden, das parlamentarische Regime in Irland durch die Ermordung von Senatoren und Abgeordneten unmöglich zu machen. Als nun ein Senator ermordet wurde, ordnete O'Higgins die sofortige Hinrichtung O'Connors und der beiden anderen, die im Gefängnis saßen, an, obwohl O'Eonnor bei der Hochzeit O'Higgins Trauzeuge geivesen war. Gleichzeitig kündigte O'Higgins an, daß für jedes ermordete Parlamentsmitglied drei Terroristen hingerichtet werden würden. Sein strenges Verfahren hat tatsächlich dem antiparlamentarischen Feldzug ein Ende gesetzt. Die irischen Republikaner.lehnen die Verantwortung für die Mordtat ab. Sozialisten gegen Sozialisten. Paris, 11. Juli. (Wolfs.) Vor der Senatsabstimmung über daö, Militärgesetz erklärte ein sozialistischer Senator im Namen seiner Kollegen, daß sie das Gesetz njcht annehmen könnten. Damit stellen sich die sozialdemokratischen Senatoren in direkten Widerspruch zu den Sozialisten in der Kammer, die das Gesetz einstimmig angenommen haben. Admiral Koch — ertrunken. Berlin, 11. Juli. Der durch sein« Teilnahme an der Skagerrakschlacht brannte Admiral Koch ist gestern in Nindorf an der Ostsee beim.Baden ertrunken. Streik bei der Rettungsgefellschaft? Ein Ultimatum des Hietzinger Personals. Die Korrespondenz Herzog meldet: Infolge tiefgehender Differenzen mit der Leitung der Hietzinger Rettnngsgefettschast, die zur Kündigung eines KraftwagenleukerS ohne Angabe von Gründen führten, hat das Personal der genannten Gesellschaft heute der Leitung ein mit 8 Tagen befristetes Ultimatum überreicht. Es wird die Rehabilitierung des Chauffeurs sowie die Erfüllung verschiedener Reformen gefordert. Das Ultimatum läuft am 18. Juli, Mitternacht ab. Im redaktionellen Teil enthaltene entgeltliche Mitteilungen sind durch ein vorangesetztes E gekennzeichnet. Die Gleichheit. —y, Wien, 12. Juli. Die Mandatskommission des Völkerbundes hat die Debatte über die Verwaltung d^r Mandatsgebiete durchgeführt. Zwei Tage widmete sie der Palästinasrage, bezüglich deren ihr die Berichte der britischen Regierung, der zronli!stlsch»eu Exekutive, der Aguda-Orlhodoxie mtb des arabischen Komitees Vorlagen. Die Koinmission ließ sich von den Vertreter!: der englischen Regierung Erläuterungen zu den einzelrren Punkten geberr. Ein Beschluß ist bisher nicht bekanntgegeben worden, und die Kommission wiü» ihre An,rage für die Herbstsession des Völkerbundes vorbereiten. Doch ist nicht daran zu zweifeln, daß, die Verwaltungstätigkeit Englands gutgeheißen werden wird. Der Rechenschaftsbericht Englands unterstützt die Tendenzen, wie sie sich in der Kommission herausgebildet haben und aus denen sich bis heute bereits eine politische Tradition geformt hat. Die jüdischen Forderungen werden, soweit sie als solche überhaupt noch, erkennbar sind, übergangen, und da England erklärte, die Herstellung der völligen Gleichheit sei politisches Ziel, so entspricht das den Anschauungen in der Kommission. Sie ist ja ein Organ der Demokratie, und die- Gleichheit ist stets demokratische Forderung. Sie kann freilich auf den in Rede stehenden Gegenstand nicht angewendet werden. Es ist nicht Aufgabe des Völkerbundes und auch nicht Englands, das Ziel der Gleichheit so zu.betonen, als würde es von der jüdischen Seite bekämpft werden. Es ist nicht die jüdische Absicht, die Ungleichheit der arabischen Bevölkerung herbeizufühvem. Aber es ist das Streben, der Juden, sich ein nationales Heim zu schaffen und dessen Aufbau und Einrichtung gegen alle politischen Eventualitäten sicherzustellen. Es ist darum notwendig, eine jüdische Mehrheit im Lande zu errichten, die nicht niedergestimmt werden kann; denn ohne Mehrheit ist die jüdische Siedlung der Unsicherheit preisgegeben. Es ist also Aufgabe Englands, und dies drückt das Mandat aus, die entsprechenden politischen, administrativen und wirtschaftlichen Bedingungen zu schaffen. Aufgabe des Völkerbundes ist es, zu kontrollieren, ob dies geschieht, und die Kommission stellt auch die diesbezügliche Frage. England antwortet, daß es die Gleichheit aller Einwohner ohne Unterschied der Rasse und der Religion herzustellen bemüht sei; und es fügt hinzu, daß das Wirken einer guten.Regierung von selbst die Bedingungen schafft, die der Entwicklung der jüdischen Siedelung günstig sind. i Nun entwickelt sich ditz jüdische Siedtzlung nicht so, wie dies das Mandat bezweckt. In Palästina herrschst noch immer eine sehr schwer- Krise, und wenn man die Fahler subtrahiert, die von der zionistischen Leitung begangen wurden, so bleibt noch genug übrig, was eine wohlwollende Regierung hätte vermeiden können. Wenn sie zum Beispiel just in der Krisenzeit mit einer Währungsreform vorgeht und wenn sie Kassenüberschüsse der Verwaltung für alte Schulden an den englischen Kronagenten entzieht, so vermehrt sie dadurch die Not. Wenn sie die französischen Schutzzölle für Syrien akzeptiert, so drückt sie auf die so hart ringende jüdische Industrie und damit ans den »Arbeiter. Und wenn sie die Bodenv.rmessung imder verschiebt und so kein Land für die jüdischen Siedler freimacht, so kann man sich nur für zwei Dinge entscheiden: entweder ist sie keine gute Negierung oder sie sieht die Gleichheit als einen Fußball an, der nach Spielregeln, aber nicht nach politischen Grundsätzen behandelt wird. Es ist zum Beispiel keine Gleichheit, wenn bei der Polizei Palästinas 1295 Araber und 212 Juden angestellt sind, wobei die Kosten vom Lande, das heißt aus der jüdischen Arbeit bestrttten werden; es ist auch keine Gleichheit, vielmehr eine groteske Erscheinung, daß in der transjordanischen Schutztruppe, die ursprünglich nach dem Arier- Original englische Stoffe zu aufsehen- «• erregend niedrigen Preisen bei der 6., Mariahilserstraße Nr. 3 i . ii

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