Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3005 (10.7.1927)
- Date
- 1927-07-10
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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SeAe 12 Men, Sonntag Wie«sr Morgenzeirnrrg 10. Juli 1927 Nr. 3008 Seinen ersten ausgesprochenen Erfolg hatte der Wiener Josef Matthias Hauer mit seiner siebenten Suite zu verzeichnen. Hauer hat in der Beherrschung des JiistnimentaNolorits viel zugelernt und weiß seine stets durchgehenden „zwölf Töne" der chromatischen Oktave eine Zeitiang in den verschiedenen Stimme" ganz abwechslungsreich abzuwandeln, woraus sich fast impressr»' nistischc Klanggebilde ergeben. Aber mit der Zeit — nach dem zweiten oder dritten Sätzchen — wird man sich doch des Stereotypen des.Drehens und Wendens seines melodischen GrunLstoM bewußt. DüstS Komponieren in mathematischen Permutationen ist denn doch auf die Dauer zu einseitig konstruktiv. Eine hübsche Leistung bot der 62jährige Däne Carl Nielsen mit feiner von Wilhelm Für twängler geleitete" fünften Symphonie: sanfte, bukolische Stimmungen, Erinnerung' gen an Mendelssohn und an die Romantik, die sich nicht recht mit einem modernen Musikfest vertragen. Aehnlich der hochbegabte Tscheche Emil A x m a n n, ein Nachfahre Smetanas, in der volkstümlichen Melodik seiner ersten Symphonie. Er bekennt sich zu seiner mährischen Heimat in der Melodik, in der Tanzweise, in der Vorliebe für den. Dudelsack, ja auch für die lydische Quart, der man in der mährischen Volksmusik häufig begegnet. Er bekennt sich freilich nicht nur zu seiner Heimat And zu Smetana, dessen Persönlichkeitswerte er schuldig bleibt, sondern ruch zu der heute ganz unzeitgemäßen Tonsprache einer cntichN'undenen romantischen Epoche. flb. Zum 3009. Male tritt der Opernsänger Mad in, welcher seit IW dem Verbände der Staatsoper angehört, in der nächsten „Fledermaus"-Vorstellung auf. Ern Beethoven-Denkmal *»n bet Hinterbrühl. Der Gemetnderat von Hinterbrühl bei Mödling hat einstimmig beschlossen, in dem . nächst der Endstation der elektrischen Bahn gelegenen Gemeindepark ein Beethoven-Denkmal zu errichten. Felix-Mendelssohn-Bartholdi-Stiftung. Am 1. Oktober werden zwei Stipendien für einen schöpferischen und reproduzierenden Künstler von je 1500 Mark verliehen. Das Moskauer Jiddische Kammertheater in Berlin. Das wegen seiner künstlerischen Leistungen über die Grenzen Rußlands hinaus bekannt gewordene Jiddische Kammertheater in Moskau wird in Berlin und in Magdeburg, wo gegenwärtig . die Dheaterausstellung statt findet, Vorstellungen geben. Das Ensemble unter Führung seines Direktors Granowsky befindet sich bereits in Berlin. Die Rubens-Feier in Antwerpen. Die Stadt Antwerpen bereitet aus Anlaß des 350. Geburtstages von Rubens große. Feierlichkeiten vor, welche mehrere Wochen währen weiten und am 81. Juli beginnen. Es sinh u. a. Umzüge durch die Stadt, eine ÄuHellung, sowie die Aufführung >der Rubens-Kantate von Peter Bertolt angeletzt. Erne Aktion der preußischen Regierung gegen di« „TYeaterrevuen". . Der preußische Innenminister erinnert rn einem energischen Rundschreiben an den seinerzeitigen Beschluß des Landtages, wonach gegen die „im keinerlei Kunsttnteresse begründete Ausführung der sogenannten Theaterrevuen mit ausgiebigen Nacktdarstellungen einzuschreiten". Dasselbe Ltlt für die Schlager und Couplets, welLe Zoten enthalten und keinerlei Kumttvert besitzen, aber durch Verbreitung von Grammophonschattplatten vis in die kleinsten Dörfer bei der Schuljugend Eingang finden. Dw chinesische Kunst und das Abendland. In Berlin fand ein bemerkenswerter Abend statt, bei welchem Prof. Wilhelm über den Einfluß chinesischer Kunst auf-das Abendland sprach. Der Berliner chinesische Geschäftsträger Dr. H ü leitete den Vottrag durch eine Vorrede ein, in welcher er auf die Notwendigkeit hinwies, die noch bestehende Kluft zwischen Ost und West durch kulturette Bestrebungen zu überbrücken. Der Vortrag zeigte in einer Reche von Lichtbildern die Einwirkung chinesiscker Kunst in der Porzettanher.stellung, Gärtnerei, in der Anlegung von Pavillons und' Brücken und ganz besonders in der Malerei. Hier ist der Einfluß auf dem Umweg über Persien vor sich gegangen. Ausgezeichnet und sehr eindrucksvoll waren die Lichtbilder aus China, welche die künstlerische Wirkung chinesischer Originalwerke zeigten. Auch die vielfach umsichgreisende.künstlerisch wertlose Imiti'e.rung chinesischer Schöpfung im Abendland wurde demonstriert. Der chinesische Geschäftsträger hielt dann noch em Schlußwort, in dem er bemerkte, daß chinesische Kultur und Kunst nicht der Vergangenheit angehören. 2)er große französische ^Romancier Jinatole Avance in vornehmsten Einbänden mit reicher Goldprägung nur S 3.— pro Band Der Brunnen von Santa Clara / Novellen Die Sehnsucht des Johann Servlen / Roman Die Perlmutterdose / Novellen Die Bratküche *ur Königin P$dauque / Roman Die Ulme atp Wall / Roman Die Probierpuppe / Roman Clio, Balthasar und andere Novellen Peter Nozlöre / Roman Blaubarts slebfen Frauen und andere wunderbare Geschichten Der Aufruhr der Engel / Roman Die Götter dürsten / Roman Auf dem weljSen Felsen / Roman Komödiantengeschichte / Roman Der Amethystring / Roman Buchhandlung 91. JCöwit Wien, *ftotenturmstraße 22 Serichtsfaal. Sas Büro als Himmelbett. 80.000 Schilling verlangt die Kontoristin Margarete D. vom Kaufmann Jakob P., aber nicht aus geschäftlichen Ursachen, sondern Weil, nun Weil eben: Herr P. War Prokurist einer Ansichtskartenfirma und nahm aus Mitgefühl die Tochter eines armen Kunstmalers als Sekretärili auf. Und nun erzählt Margarete, daß er sich im Laufe der Zeit in verschiedenen Anspielungen ergangen habe. Und eines Tages stellte er ihr den ehrbaren Antrag, seine Freundin zu Werden. Als auch das nicht half und Margarete keusch geblichen ist, da Wollte er sie angeblich sogar heiraten, obwohl.er mit einer Frau bereits versorgt gewesen ist. . So wenig tüchtig also Jakob P. bei der Greil gewesen ist, so tüchtig war er im Beruf und wurde Generaldirektor, lind da geschah'sl Margarete gibt an: Der Herr Generaldirektor . befahl mich in sein Arbeitszimmer nach Bnreauschluß, sperrte ab und trug mich in ein düsteres Hofzimmer. Warum? Er zwang mich mit Drohungen, ja sogar mit Handgreiflichkeiten, mich ihm hinzugeben. Und immer wurde der Generaldirektor drohend und handgreiflich, und immer wieder mußte Margarete ihre Jungfräulichkeit verlieren. Nur um einen Skandal zu vermeiden, habe Margarete geschwiegen, wenn nicht, ja wenn nicht der Herr Generaldirektor solche Stückerln auch bei anderen Fräuleins im Bureau erfolgreich unternommen hätte. Da war er wieder zu tüchtig und so wurde er e n t l a s s e n. Der Beklagte aber behauptet, wieder ganz andere Dinge. Er war direkt ein Waserl, aber die Klägerin habe ihn gewalttätig verführt. Man denke, bei der Arbeit trug sie dekolletierte Kleider und kurze Röcke, und. beim Diktat machte sie allerlei verfängliche Posen (wie ist das wohl?). Eines Tages brachte sie ihm eine Photographie. Da wäre ja weiter nichts dabei gewesen. Aber dieses Bild stellte ein schönes, ganz und gar unbekleidetes Mädchen dar, und mit Staunen mutzte er ersehen, daß die Venus auf der Ansichtskarte seine Sekretärin sei. Und dann, dann sperrte dieses Fräulein Potiphar das Zimmer ab und zeigte sich dem Generaldirektor so, wie sie auf dem Bilde dargestellt war. W a s so llt e er als o m a ch en? Der Richter erklärte, datz er Beweise und wieder Beweise, schöne und delikate Beweise brauche, um ein Urteil zu fällen, worauf der Generaldirektor und die Sekretärin zusammenkamen, sich versöhnten und ausgeglichen haben. 6ine bteiedige Geschichte. Ehestörung! Warum? Richter: „Angei-agtc, Sie sotten mit dem Gatt-n der Privatklägerin nicht nur Gasthäuser ausgesucht haben, sondern ihn einmal ans der Straße geküßt und ihtl sogar über Nacht zu sich genommen haben?" Angeklagte: „I bin imschuldig. Richtig ist es, daß i mit dem Herrn Finanzadjunkteu öfter beisammen Mr, olbe.r mein Mann hat es so gewollt, er war immer dabei! Eines Tages wollte ich dem Herrn Finanzadjunkten Adjen sagen nnd ging in sein Büro, um ihn von dort abzuholen." P r i v a t a n k l ä g e r i n: „Ja, aber ausgerechnet am Tage der Gehaltsauszahlung. Und iveil mir mein Mann schon seit längerer Zeit wenig Geld gegeben hat, habe ich ihn beim Büro erwartet. Und wer -kommt da heraus? Die Frau da mit meinem Mann!" Richter: „Was geschah bei den Gasthausbesuchen?" Angeklagte: „Auch beim Essen war mein Mann dabei." Und nun erscheint ein Zeuge: „Ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, wie sich die zwei auf der Straße geküßt haben." - A n g e k l a g t e: „Ich habe mich ja geivehrt, aber er hat nichts geholfen." Richter (zum Zeugen): „Wer hat also eigentlich.geküßt?" Zeuge: „No, geküßt haben sis sich ja nicht!" Richter: —?— Zeuge: „Es war eben mehr wie ein Kuß und l a n g h a t d a s g e d a u e r t!" . . . Und dann erschien der Hausbesorger als Zeuge und. gab an, daß er zwar den Herrn Mjunkten in das Haus ' hineingehen gesehen habe, aber nicht wieder heraus. Angeklagte: „No ja, übernachtet hat er schon bei mir, aber mein Mann hat cs selber haben wollen!" Privatanklägerin: „Mm selben Tag hat mich mein Mann durchgeprügelt und dafür ist er dann zu ihr gegangen!" % Schließlich aber vertagte der Richter die Verhandlung. OOOOOOOOOOOQ000090800000000BOOOOOOOOOOW80QB9009000000900900000800000000609006C YOLKSWIRTSCHAFI - Fristverlängerung für die Golderöffnnngrbllanzen. Amtlich wird gemeldet: Da die Goldbilanzen mit großer Sorgfalt aufgestellt werden müssen und hiebei oft schwierige Vorfragen , zu lösen sind, können viele Gesellschaften mit dem gesetzlichen Termin das Auslangen nicht finden. Die Negierung hat daher an den Nationalrat einen Gesetzentwurf geleitet, wonach die Fristen für jene juristischen Personen, welche ihre Golderöffnungsbilanz für den Beginn des Geschäftsjahres 1926 (1926/26) aufstellen, bis zum 31.. Oktober 1927 und für jene juristischen Personen, welche ihre Golderöffnungsbilanz für den Beginn des Geschäftsjahres 1926/27 aufstellen, bis zum 30. Juni 1928 verlängert werden. Diese Verlängerung soll ganz allgemein gelten, so daß besonders Ansuchen der Gesellschaft nicht e:rf.orderlich sein werden. Den Gesellschaften, welche von dieser generellen Ermächtigung Gebrauch machen, wird auch für die Abschlußbilanz des ersten GoldbilanzjahreS die BekenntniSfrist von dm Steuerbehörden auf Anfuchm angemessen verlängert werden.'. In dem Gesetzentwurf wird auch festgesetzt, daß Ansuchen um bundesbehördliche Genehmigung von Umstellungsbeschlüssen bi n nen drei Monaten nach der Beschlußfassung einzureichen sind. Schließlich wird auch dafür gespcgt, daß die Periode der Umstellung zum Abschluß gebracht werde. Es wird daher angeordnet, daß Gesellschaften, die innerhalb der gesetzlichen Fristen den Umstellungsbeschluß nicht gefaßt haben, sich spätestens bis 31. D e z e m b e r 1928 a u f z u l ö f e n haben, bezw. äu'f g elö st w erd en. Der Gesetzentwurf wurde den Kammern zur Aeußerung mitgeteilt. Frankreich, G-ldkänfe. London, 8. Juli. Der „Manchester Guardian" gibt der Meinung Ausdruck, daß die Polittk der Bank von Frankreich, Gold in London und in Newyork anzukaüfen, als ein Mittel, um das Einströmen fremder Währungen aufzuhalten, sich als ein Fehler erwiesen habe, denn obwohl dadurch die Raten auf dem Londoner Markt erhöht worden seien, habe sie nicht das Einströmen der Sterling gehemmt, denn der letzte Ausweis der Bank zeige, daß das Anwachsen des Portefeuilles um zehn Millionen Pfund größer sei als in irgendeiner der vergangenen Wochen. Lefterreich, Hanvelsvertriige Das österreichisch-ungarische Zusatzabkommen paraphiert. —> Günstiger Stand der Verhandlungen zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei. Gestern ist das Z u s a tz a b k o nt men zum Handelsvertrag zwischen Oesterreich und Ungarn sowie der H a ndelsvertrag mit d en Vereinigten Staaten b o n A m e r i k a p a r a p h i e r t worden. Im österreichisch-ungarischen Zusatzabkommen entlaßt uns Ungarn aus den Bindungen derjenigen Zollsätze für' Vieh und Fleisch, die aus dem österreichisch-jngosiawischen Vertrag in dem mit Ungarn übernommen wurden. Daher können nun diese Zollsätze bei einer Revision des österreichisch-jugosiawischen Vertrages geändert werden. Für W e igen und Roggen ist ein fixer Zoll von 2 Goldkronen, für Hafer ein solcher von 1 Goldkronen vereinbart. Ungarn hat einer Erhöhung des M e h l z o ll e s aus 6 K. Zuschlag zum Getreidezoll zugesttmmt, über die noch zwischen den österreichischen und ungarischen Mühlen eine Vereinbarung abzuschließen ist. Ferner ist der Zoll für Kirschen und Weichseln mit 4 K. festgestellt und der für grüne Bohnen und E rb sen ermäßigt tvorden. Von österreichischer Seite wurden die Zölle f ü r Paprika, Geflügel und Gemüsekonserven ermäßigt. Die Handelsvertragsverhandlungen zwischen Oesterreich und der Tschechosiowakei sind in der letzten Woche soweit fortgeschritten, daß nunmehr an der Redaktion des Vertrages gearbeitet wird. Wenn keine Komplikationen eintreten, besteht die Möglichkeit, daß der neue Vertrag noch in der zweiten Hälfte Juli abgeschlossen wird. ch Der tsch ech o slowakischun g aris ch e .Hände l s v e r t r a g tritt am 17. I u l i in Kraft. Lar Arrangement der Firma Renraih. Wie wir bereits ankündigen konnten, ist das Morato- - rimn für die Firma Jakob Neurath verlängert worden. Die Verlängerung ist, was ziemlich überraschend kam, auf u n b e st i rn m t e Zeit erfolgt. Dariu sieht ntan in informierten Kreisen das Bestreben, das Arrangement der Firma Neurath mit Vermeidung eines offiziellen Ausgleichs¬ oder Konkursverfahrens durchzuführen und allmählich dir Liquidation in geregelte Bahnen.zu bringen. Vorwiegend haben die e n glischen Gläubiger dieses Bestreben. Ihre ungedeckten Forderungen betragen zirka 11 Millionen Sck iIlitt g, ungefähr ebensoviel die ungedeckten Ford«-