Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 9 (1927)
- Issue
- Heft 3005 (10.7.1927)
- Date
- 1927-07-10
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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' Nr7 AM5 x^Tcn, Sonntag Bühne und Kunst. Atodore & Ne Der Sonnnerschwank des Jasefftitdter Theaters. Ilm das Svmmerrepertoire zu bestreiten, haben sich die Schauspieler im Theater in der Josefstadt einen fast ein Vierteljahrhundert alten Schwant hervorgeholt, der geradezu erfrischend jung wirkt. Des Senators Feuretre Neffe Theodore, ein Geschäftsgenie in allen Dingen, auch in denen der Liebe, hat so moderne Charakterzüge, als wäre das Stück der Herren Nancy und A r m o n t heute geschrieben. Iwan S ch m i t h s geschickte Regie hat einige aktuelle Retuschen eingefügt und das Schwankuhvwerk läuft luftig surrend ab. Vor allem hat Maria Bard Gelegenheit, ihre wirklich geistvolle Schauspielerei in allerhand heiteren Verkleidungen (auch ihrem Gegenteil) zu betätigen. Ganz in ihrem Element ist sie, wenn sie, ergötzlich braun gebakert, nur mit einem Fächer bekleidet, Lampenfieber mimt, und sie betrügt ihren Jules Chenerol so geistreich, daß es geradezu ein Vergnügen sein muß, von ihr betrogen zu werden. Für den geschäftstüchtigen Theodore wurde ein neuer Mann aus Berlin verschrieben; er heißt Rühmann und seine Herkunft ist unverkennbar; er ist tüchtig, knorkig, und was so in Berlin zu diesem Typus gehört. In Frankreich gehört noch Liebenswürdigkeit dazu; die aber hat ' Herr Roberts, den Herr Rühmann nur im heißesten Sommer ersetzen kann. Eine Uebervaschung ist Liselotte Medelsky, : die eine verdammt dumme Telephonistin ganz ausgezeichnet; Larstellt; am Ende hat sich doch das große Talent ihrer Mutter in ihr fortgesetzt, nur nach der komischen Seite entwickelt. Man versuche esl Sonst verfügt das Josefstädter Theater über wenig Lustspielkraft; Josef D a n e g g e r, der das „u. Eie." geben soll, ist ein etwas umständlicher Kom- , pagnon und Louis Rainer sucht den Mangel an Humor durch verschiedentliche ,/Symptome" zu ersetzen, denen man schon auf zwei Meilen Entfernung ansieht, daß sie Bühnensymptome sind. Herr Delius ist bloß langweilig. Aber Maria Bard und das Stück siegen auf der ganzen Linie und wenn man sich während der Akte heißgelacht hat, bringen die Zwischenakte angenehm-kühle BenMerung, für die spezieller Dank gesagt sei. S. S. .... BurgMrten. Im Rahmen eines bunten Abends boten neben Mna iSuche st ow und Turl Wiener, Richard Waldemar und Grell Ruß, die beides jungen Künstler Cilly Wang und Ernst C e i ß in ihrer Darbietung mimo-plaMcher Improvisationen, die. das gesprochene Wort zur Unterlage tänzerischer Schöpfungen machen, eine eigenartige Leistung, die großen Beifall. fand. Wiener Morgenzeitung Droler KLaftler in der Seceffion. Die „Secession" hat nun, in der sauren Gur>enzeit> ihre Räume Tiroler Künstlern zur Verfügung gestellt, und so sehen wir Schnee- und Skibilder im Juli. Aber nm es gleich zu sagen: diese Tiroler Künstler sind prächtige Kerle, ihre Kunst ist echt, und so muß man feststellen, daß keine Ausstellung Wiener Künstler dieser Saifyn derart interessant, gut und schön' gewesen ist. Da ist vor allem der Kitzbühler AlfonS Walde, dessen Werke die seiner Landgenossen um allerhand übertreffen. Groß und lebendig, wuchtig und einfach knallen seine farbenfreudigen Gemälde von den Wänden. Da ist endlich ein Künstler, der sich und seine Zeit in feine» Werken fast vollendet wiedergeben kann. Da glühen die Berge und leuchtet der Schnee, da hausen die Menschen — und dennoch ist die Art Waldes .so eigen, daß sie weit, weit entfernt ist von dem süßlichen Misch der „bodenständigen" Heimatkunst. Diese Mlder möchte man in seinem Heim haben! Da ist ein Glanz von reineren Höhen, da ist der Friede der unberührten Natur! Andere Wege beschreitet Artur Nikvdem. Wähverck Walde mit trunkenen Augen die Welt sieht, blickt dieser Tiroler schwer und tief. Merkwürdig 'packend .ist sein Monumentalbild „Die Hexe". Ernst Ne Po liebt die neue realistische Art, photographische Treue in der Wiedergabe. Es läßt sich darüber streiten, gewiß. Aber Nepo beherrscht die Farbe derart, daß in diesen Bildern ein ganz eigenartiger Reiz liegt. €irt Zimmer ist dem toten .Mbin Egger-Lienz gewidmet. Darüber muß heute nicht m^hr gesprochen werden. Immerhin könnten die Schüler der .Akademie ihre Professoren hinführen, damit diese erkennen, daß sie von Albin Egger hätten viel zulerne» können. — — Auch die anderen Aussteller haben Niveau. Also: die Tiroler sind siegreich unter den Wiener Künstlern erschienen, die Ausstellung ist sehenswert, gut und erfreulich. Friedrich Carr. Aus den Aeatem. Burgtheater, Morgen, halb 8 Uhr „Adam U,Nd Eva". Operrrtheater. Morgen, halb 8 ,Uhr „Die Fltzverwalt S". Deutsches Bockst he ater. Samstag, den 16/ v, stnvet die Erstaufführung des amerikanischen Detektivstückes „Dorr Hexer" statt. ■ Kammerspiel'«. Die Vorstellungen von „ZMölf Mävel' lernen heiratet beginnen ab morgen täglich uw halb 9 Uhr abends. ( Theater inder Jvsesstiadt. Das.Schauspiel „Maste und Antlitz" von Luigi Chiarelli steht Mittwoch und Samstag auf dem Spielplan. i0. Juli 1927 Seite M Jas Frankfukter Mufikfest. ii. atticftuiomctte. War auch die von der Jury getroffene ÄuSWHk nicht eine durchaus glückliche, so bot das Mufikfest doch ungefähr einen Querschnitt durch das künstlerische Schaffen der Gegenwart. Die Borliebe für daS Primitive und Exotische, der antiromantische, objektivierende Zug der Zeit kam deutlich zum Ausdruck und ebenso der Hang zum 'Archaisieren und zum Linearen, das immer weiter um sich greift, wenn eS auch mit den ärgsten Mißklangorgien der Umsturzzeit vorbei zu fein scheint. In den Orient entführte eine viel zu weitläufige choreographische Dichtung „Opfer jan Siva" des Franzosen Claude D<slVincourt. Die .verschiedenen Opfer- und Kriegstänze und' heiligen indischen Bacchanale mögen unter Mitwirkung der Szene verständlicher und reizvoller werden, im' Konzertsaale verflüchtigen sie sich alle in einen Tonschwall, der auch noch in seinen Dissonanzen von romanischem Wohlklang erfüllt ist und mit orietalisierenden Melodiefloskeln ein auf die Dauer ermüdendes Spiel treibt. — In Amerika ist Henry F. Gilbert zu Haufe, dessen „Tanz am Kongoplatz" den Versuch macht, eine bodenständige amerikanische Musik zu schaffen. Nicht ohne Reiz, freilich mit unzulänglichen nationalen Mtteln schildert er das Treiben der Sklaven von New-Hrleanö, die in alten Zeiten pinmal in der Woche für kurze Zeit jenseits der Stadtgrenzen, auf dem Kongoplatze, zusammenkommen und sich wie freie Menschen vergnügen durften. Man vernimmt ihre wildgestampsten Tänze und ihre nur zögernde Rückkehr in die Quartiere und .in die Sklaverei, da der Glockenschlag .neun ihrer kurzen Freiheit wieder ein Ende macht. Es weht ein frischer Zug in dieser primitivisierenden Musik mit ihrem reichen Schlagwerk, mit Strawinfly- Reminiszenzen und Pueeinischer Lyrik. D-i-g Erfindung ist freilich nicht recht originär. Durchaus originell in seinem PrimitiKSmUs ist Vas vom Tondichter selbst gespielte Klavierkonzert des Ungarn Bela. Bartok. Ein tief aus dem Unterbewußten schöpfendes Work per Vollreife, welches i« seinen durchgehenden parallelen Sekunden, in seinem dumpfen Schlagwerk, ja selbst in seiner Tanzweise von dunklen, schmerzhaften Ahnungen übersättigt ist. DaS Werk eines einsamen, in der wahren ungarischen Volksseele blättern? den und lesenden Gegenwartsmenschen. Vielleicht nicht; so tief .schürfend, aber ungleich wirkungsvoller, rein pianistisch weit dankbaver ist das schmissige, von Walter Frey ganz famvS gespielte Klavierkonzert von Ernst Doch, gleichfalls VaS Werk pmes Dollblutmusikers, von rhythmischen .und klanglichen' Wer, gien geladen, voll Humvv und Lebensfreude, Pin sorgenlos frohes, ein wenig fleptisches Kind der unmittelbaren Gegenwart. DaS Konzert, wohl daS wirkungsstärkste, das wir seit langem! für Klavier gehört haben, war zugleich derstärkste, der entscheidend« Erfolg des Mnsikfesies. Anläßlich des XV« ZiOlllStGltl(OI19FGSS6S| welcher am 31 > August 1927 in Basel seinen Anfang nimmt, werden wir im Rahmen unserer Hauptausgabe eine erscheinen lassen. Die KongreBausgabe der „Wiener Morgenzeitung“ wird eine ausVBhrllchei zusammenhängende Protokollertige Darstellung der Verhandlungen und Vorgänge am Zionistenkongreß enthalten. Verwaltung und Redaktion der „Wiener Morgenzeitung“ treffen alle Vorbereitungen, um die Berichterstattung aufs verläßlichste und rascheste durchzuführen. Diese Vorkehrungen machen es möglich, daß der Leser ausführliche Berichte über den Kongreß in der jedem Kongreßtage folgenden, in der Früh erscheinenden Ausgabe vorfinden wird. Durch rascheste Expedition mit Flugzeugen wird Sorge getragen, daß die Bezieher die Kongreßausgabe der „Wiener Morgenzeitung“ vor allen In Betracht kommenden Organen erhalten werden. Die Kongreßausgabe wird Zirka 20 Nummern umfassen. Als erste Nummer wird am Vortage des Kongreßbeginnes eine , _ KONGRESS - FESTNUMMER erscheinen, welche Beiträge zionistischer Führer Über die Verhandlungsgegenstände des Kongresses und aktuelle zionistische Probleme enthalten wird Ktezudsiwretse der Kon^reßaus^abe: Oesterreich: 8 5* Deutschland: QM. 4f SHS: Dinar 60. CSR; Kc 22, Polen; Zloty 6, Holland: fl. 2» Schweiz: Franken S9 England und Palästina: sh 4. Italien: Lire 20« Amerika: Dollar 1, Frankreich und Belgien: Frcs 35, Rumänien: Lei 170* für das übrige Ausland: Schweiz. Franken 5. Bestellungen werden von den Verschleißstellen sowie von der Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung“, Wien, II., Taborstraße l, unter gleichzeitiger Ueberweisung des entfallenden Betrages entgegengenommen. Der Geschäftswelt bietet die KOItgroBäusgabe eine besondere, nicht bald wiederkehrende Gelegenheit, erfolgreich zu Inserieren und neue, wertvolle Auslendsverbindungen zu erreichen. Bei Anfragen wollen Größe und Erscheinungstage des gewünschten Inserats angegeben werden, worauf äußerste Offerte erfolgt. Normaler Anzeigentarif Die Verwaltung der „Wiener Morgenzeitung**, Wien, II., Taborstraße Nr. 1—3 Telephone 44-0-38 und 43-3-1S MMMMMlW!SMlWMlNlN!A!ZlSlMlASISSIlS!SlS!S!SlSlSiSlSWSW!SWlS!SE!lSlS ■ Si 878570