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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-10 · Heft 3005 (10.7.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3005 (10.7.1927)
Date
1927-07-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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3005 Wien, Sonnrag Wiener Morgen-ettrmg 10. IM 1927 Gelte 7 Ae Expertenkommission für Palästina. Ierusale m, 3. Juli. (I. T. A.) Am 29. Juni hat Dr. Lee K. Frankel, Vizepräsident der Metropolitan Life Insurance Company in New Dort und Mitglied der unparteiischen Jewish-Agency-Kommission, der zu Anfang dieses Monats in Palästina eintraf, die R ü ck r e i s e n a ch Amerika angetreten. Mit ihm reisten ab der Sekretär der amerikanischen Abteilung der Jewish-Agency-Kommisston Dr. Maurice B. Hext er, Dozent, an der Harvard- Universität, Dr. Charles F. W i l i n s k y, der stellvertretende Kommissär für Gesundheitswesen der Stadt Boston, der als Sachverständiger für Hygiene die Verhältnisse in Palästina studiert hat. Während ihres Aufenthaltes im Lande haben diese drei Sachverständigen die verschiedensten Orte besucht und insbesondere die Verhältnisse in Tel A w i w und in den jüdischen Kolonien im Cmek Jesreel eingehend studiert; die Ergebnisse ihrer Studien werden sie in einem der unparteeiischen Jewish-Agency-Kommission zu unterbreitenden Bericht niederlegen. Vor seiner Abreise empfing Dr. Frankel die Vertreter der Presse und erklärte ihnen: Die Kommission hat 20 Kolonien der verschiedensten Typen besucht und alle Zweige des Lebens in Palästina beobachtet. Sie hat ein vollständiges Bild von den Verhältnissen gewönne«. Jeder Experte wird einen detaillierten Bericht über sein Sonderfach abfassen und der unparteiischen Kommission unterbreiten. Diese Kommission wird dann ein Re'sümee der Einzel berichte abfassen und Anregungen für den weiteren Aufbau geben. Ae 3nftMttloncn. Aus N e w Dort wird uns geschrieben: In einer Unterredung mit einem jüdischen Journalisten gab Louis M a r s h a l l die Instruktionen bekannt, welche von Doktor Welzmann. und ihm gerneinsam ausgearbeitet und an die Mitglieder der Expertenkommission Sir Alfred M o n d, Dr. L. K. Frankel, Felix Marburg und Dr. Oskar Wassermann als Richtschnur übermittelt wurden. Im Sinne dieser Instruktionen wurden die Experteir beauftragt, in Palästina sowohl den gegenwärtigen Zustand als auch die Aussichten für die Zukunft betreffend die Landwirtschaft, 'kohlengruben, Handel und Industrie zu erforschen. Die Kommission wird auch die Ergebnisse der Arbeit in Palästina w ä h r e n d d e r l e tz t c n z e h n I a h r e, fei cs durch private Unternehmungen oder durch djx zionistische oder andere jüdische Organisationen fcststellen. Die Arbeit wird sich auch auf die Prüfung der .^Mchmäßigxn Einnahmen ^.und der Quellen, aus. welchem diese den verschiedenen jüdischen Organisationen in Palästina während der leisten zehn Jahre zugeflossen sind, erstrecken. Ein weiteres Gebiet des Studiums der Expertenkommission bilden die Fragen der Einwanderung, der Landivirtschaft, Kolonisation, Genossenschaftsbewegung, Bank- und Kreditwesen, der sanitären Zustände, der Arbeiterprobleme und des finanziellen, phhsio- und geographischen Charakters des Landes. Die Expertenkommission wird durch Spezialberichte in Sonderheit auf folgende drei Fragen zu antworten haben: 1. Die wirtschaftlichen Quellen Palästinas; 2. der gegenwärtige Zustand und die künftigen Aussichten der Landwirtschaft, der Grubenindustrie und des Handels; 3. welche Arbeiten haben in den letzten Jahren die Zionistische Organisation, andere soziale Organisationen und Privatunternehmer geleistet? In der Frage der Einwanderung haben die Experten in ihrem Bericht genau die besonderen Eigenschaften der ohne Geldmittel ins Land gekommenen Einwanderer und gesondert die Qualifikation der bemittelten Einwanderer zu beleuchten. Bezüglich der Kolonisation wird sich der Bericht mit folgenden Fragen zu befassen haben: 1. Ist es möglich und .wünschenswert, mehr Boden für die Kolonisation zu erhalten? 2. Ist es anzustreben, in den an Palästina grenzenden Gebieten entsprechenden Boden zu erlangen? 3. Welche Methoden sind als die besten fiir die jüdische Kolonisationsarbeit in Palästina zu empfehlen? 4. Nach welchem Systein soll die Bewässerung der Kolonien durchgeführt iverden? und 6. Was ist zu tun, um die Kolonisierung pou Juden in der Landwirtschaft im Einklang mit Artikel 6 deS Palästina-Mandates zu vergrößern? Bezüglich der Jndnstrialisterung Palästinas wird die Expertenkommission festzustellen haben, in welche größere oder kleinere Industrien Kapital investiert werden kann, um die jüdischen Arbeiter mit Arbeit zu versorgen, ferner welche Industrien in Palästina besonders gefördert Serben sollen. Die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern sowie die Möglichkeiten für die Tätigkeit auf dem Gebiete des Bankwesens und der Kredttkassen iverden gleichfalls einem eingehenden Studium unterzogen werden, wobei besondere Rücksicht auf die Rolle der Bauindustrie genommen iverden wird. Die Kommission hat schließlich den Auftrag, nicht nur bezüglich jeder der angeführten Fragen einen Studienbericht und konkrete Vorschläge zu erstatten, sondern auch das Budget anzugeven, welches jeder ihrer Vorschläge erfordert. Ae fttfttn ln ftommlffton. „Doar Hajom" in Jerusalem will aus verläßlicher Quelle erfahren haben, daß für die Kosten der nach Palästina entsendeten Expertenkommission zwanzigtausend ägyptische Pfund bestimmt worden seien. Das Blatt knüpft an diese Mitteilung die Bemerkung, daß eine der wichtigsten Aufgaben der Kommission die Festsetzung neuer Arbeits- und Verwaltungsmethoden sei, durch welche der so scharf kritisierte, zu kostspielige Apparat vereinfacht und verbilligt werden soll. Es iväre nun, meint das Blatt, vielleicht doch am Platze gewesen, daß die Studien- und Expertenkommission in dieser Beziehung selbst mit gutem Beispiel vorangegangen Iväre. Die BorsWge der zlonlstischea Jerusalem, 9. Juli. (I. T. A.) Die von der Zionistischen Exekutive eingesetzte Kommission, die die Frage der Gehalte der zionistischen Beamten in Palästina zu studieren hatte, hat ihre Arbeiten beendet. Die Kommission schlägt vor, 42 Beamte in den verschiedenen Kategorien zu dispensieren und die Gehalte einer großen Zahl anderer Beamter beträchtlich zu reduzieren. Die Kommission hat auch eine definitive Skala ausgearbeitet, nack der nunmehr verfahren werden sott. Sens wollte dünner werden. E Der Göttervater Zeus hatte eines Tages bemerkt, daß er recht korpulent wurde. Er besah seine Korpulenz und erschrak. „Wie ist cs nur möglich, liebe Frau, daß ich so stark geworden bin?" ftagte er die Göttermutter Hera, die damit beschäftigt war, sich die göttlichen Krähenfüße hinwcgzuplätten. Hera lächelte: „Göttergatte, schicke einen olympischen Sendboten auf die Erde, schicke ihn hinunter an die Spree nach Berlin, dort erhält der Jüngling, was du so sehr benötigst." „Etwa Berliner Pfannkuchen, die noch dicker machen?" erwiderte Zeus. Hera lachte und machte eine Bewegung, die an Massage erinnerte. „Aha, einen Masseur willst du mir von Berlin verschaffeir?" riet der korpulente Gott. Sre verneinte. „Was denn?" begehrte der Gatte, schon etwas ungeduldig geworden, zu wissen. Und Hera, die hohe Göttin im Olymp, sagte: „Einen Punktrolier sollst du bekommen, lieber Gemahl. Mit diesem Punktrolier wirst du jeden Tag fünf Minuten deinen göttlichen - Leib bearbeiten." „Und dann?" fragte Zeus. „In wenigere Wochen hast du die aristokratische Linie, die nötig ist für den Beherrscher der Gö'terbürg." Im Madrider „Ring" gab cs dieser Tage große Slievkümpse, veranstaltet, diesmal zum Besten des Fonds für 'die zu grün« dende Universitätsstadt. Die Arena füllte sich bis auf den letzten Platz; 1-1.000 Zuschauer waren anwesenö, darunter -der König und die Königin. Neun Stiers und so und so viel Pferde mußten daran glauben. Die armen Klepper sollten nicht mehr gleichsam nackr auf die Sch lach t-bau^, nrit „Petos" (Harnisch) mußten sie versehen sein! Laut und immer lauter hatte man das gefordert; und unter dem Druck der öffentlichen Meinung wurde die Erfüllung dieses Wunsches auch zugesagt. Man konnte dann bei verschiedenen Anlässen allerhand -beruhigend wirkende Modelle von -solchem Harnisch, sehen. Praktisch versucht wurde es aber mit dem Ding noch nicht. Doch es kam deswegen zu keinerlei Protest; man schien im Gegenteil mit dem Gebotenen gar nicht recht zufrieden. Den ROMAN DER ZEIT EINE SERIE MODERNER ERZÄHLER IN HERRLI¬ CHEN HALBLEDERBÄN¬ DEN, JEDER BAND IN GEStHENKKARTON S4.. MAX BROD: Tycho Brahes Weg zu Gott, Roman KNUT HAMSUN: Unter Herbststernen, Roman MAXIM GORKI: Drei M«nfchen, Roman WELLS: Die Geheimkammern des Herzens. Roman FRANZ WERFEL: Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig, Roman EMILE ZOLA: Der Totschläger, Roman Nur mehr ganz kleine Vorräte 1 BUCHHANDLUNG R.LÖWIT/WIEN 1 ROTENTURMSTRASSE 22 Daran erkenn’ ich den gelehrten Herrn! Den Saft der „Herma" trinkt er immer gern, Denn die geschärften Sinne ihm dann zeigen, Das Wirken der Kräfte im endlosen Reigen. »Herma* ist Saft von H ERba-MAte, alkoholfreies Erfrischungsgetränk, En gros: Carl Huber, Wien XV1/1. Stöberplatz 7. Tel. 29-4-64 Echte Schlangen Eidechseu.Krokodil« lederschuhe S 45-40* •Heine aas achtern frantSs. SMode-Chevreaux hergestettten ffrühfahrsmodelle legen Zeugnis ab vom <SehönheHssinn und edlen Qesehmadc. Herrett- Schuhe in fabelhafter Ausführung und Auswahl E Bei Neroemeizbarkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Magenverstimmung, Mattigkeit, Niedergeschlagenheit, Angstgefühlen haben wir in dem natürlichen „Franz-Josef"-B:tterwasser ein beinahe nie versagendes Hausmittel in .der Hand, um jeglich^ Aufregung, von welchem Teil des VerdauungSweges sie auch immer ausgehen mag, allsogle'.ch zu 'bannen. Aerztliche Berichmtheiten erkennen an, daß das Franz-Josef-Wasser auch bei Menschen vorgerückten Alters zuverlässig wirkt. Eindruck zumindest mußten -die Rundfunk-Teilnehmer gewinnen. Einer der angesehendsten ,-Referenten" stand am Mikrophon, berichtete über die einzelnen Phasen, besprach die Vorgänge natürlich auch kritisch und meinte einmal, daß es alles iu allem armselige Gefechte seien. Tatsächlich hörte man nachher daß die Leute in der Arena pfiffen. Wien, 10. Juli. Lansbübere»en in Kin-erfteMLdern» Gewissenlose Menschen haben gestern nachts in das Wasserbecken des erst seit einigen Tagen eröffneten städtischen Ktnderfreibades am Vogelweidvlatz auf der Schmelz große Mengen Glasscheiben geschüttet. Vor kurzem leisteten sich Unbekannte den „Spaß", in das Wasserbecken des Kinderfreibades am Margaretengürtel sieben Krebse zu geben. Die Polizeidirektion hat verfügt, daß eine schärfere Ueberw'^achung dieser Anlagen erfolge. Heute Strandfest am Gänsehäusel. Das große Strandfest im städtischen Strandbad Gänse- Mufel beginnt heute um 10 Uhr vormittags. Nähere Auskünfte durch Anruf der Nummern 92-1-10 und 41-034. Es wird regnen. Gestern herrschte tagsüber noch drückende Hitze, die gegen Abend durch den einsetzenden Wind etwas gemildert wurde. Die Voraussage für heute lautet: Trüb, zeitweise Regen, fortschreitende Abkühlung, starke wesmchl', später nordwestliche Winde. Internationale Hotelbetrüger. Die Polizeibehörde in Köln verfolgt seit längerer Zeit dre 24jährige Stenotypistin Gettude Hoff mann und deren angeblichen Gatten Franz Ho ff mann wegen derschredener Betrügereien und Diebstahlei Gestern wurde nun dre Hoffman» im Kaffeehaus inr Stadtpark von Kriminalbeamten entdeckt und verhaftet. In ihrer Begleitung befand sich ein Mann, der auf dem Sicherh'eitslmreau als der bereits neunmal vorbestrafte postenlose Elektrotechniker Kr es chtian agnosziert' wurde. Beioe hatten hier seit einigen Tagen aus dem Czerninplatz 7 gewohnt. Auf Grund der Lichtbilder wurden die Verhafteten als die von Köln verfolgten angeblichen Cheleuttz Hoffmann erkannt. Beide werden dem Landesgericht eingelrefert und das Auslieferungsverfahren eingebettet. Prof. Menzel 70 Jahre att. Der Staats- und Verwaltungsrechtsleyrer der Wiener Universität Hofrat Dr. Adolf Menzel feierte gestern seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar gehört seit vier Jahrzehnten den: Lehrkörper der juristischen Fakultät an und ist als Lehrer und Prüfer gleich beliebt. Prof. Menzel, der Verfasser zahlreicher ttefgründiger wissenschaftlicher Arbeiten wirkt neben seiner Lehr- und GelehrttentättMt als Vizepräsident des Verfassungsgerichtshofes. Deut Jubilar wurden seitens seiner Freunde und Hörer zahlreiche Ehrungen zuteil. Dre Ueberreichung der Ltster-Medaille an Professor EifelSberg. Aus London wird uns gemeldet: Dieser Tage feierte die Britische chirurgische Gesellschaft ihre Jahresversammlung, in deren Mittelpunkt die Ueberreichung der Lister- Medaille und der nrit ihr verbundenen Ehrengabe an den Führer der Wiener Chiruraenschule Hofrat Prof. Eiselsberg stand. Prof, Effelsberg hatte diese höchste Auszeichnung auf seinem Gebiete aus Anlaß des 100. Gebuttswges Lord Listers schalten uttb ist der zweite Preisträger, dem die Gesellschaft den Lister-PreiS zuerkannt hatte. Die Feier, der der österreichische Gesandte Dr. Frankenstein beiwohnte, war eine Huldigung für die Wiener medizrnische Schule und die deutsche Wissenschaft. Prof. Effelsberg hielt hierauf einen Vortrag Wer die Fortschritte der Chirurgie. Der Wiener Gelehrte wurde auch durch die Ernennung zum Ehrenmitglied der Brittschen Gesellschaft für innere Medizin ausgezeichnet. Fortdauer des StückmersterstreM. Gestern fand eine Plenarversammlung des Neichsverbandes der Herren- und DameMeiderfabrikanten statt, welche sich nrit der durch den Streik bzw. durch die Aussperrung in der Herrenkonfektion geschaffenen Lage befaßte. Die Plenarversammlung sprach sich einstimnng dafür aus, daß eine weitere Belastung der Konfektion in der gegenwärtigen Krise und dem eingeengten Absatzgebiet nicht tragbar erscheinen. Es wurde neuerlich beschlossen, an dem Solidantätsftandpunkt festzuhalten, was eine Fortdauer des Streiks bedeutet. In der Damenkonfektion werden Montag die Verhandlungen zwischen dm Konfektionären und den Stückmeisterorganisationen beginnen. Verleihung des OeffentttchikeitSrechteS an die Overkkassen des Jüdischen Realgymnasiums für drei Jahre. Das Bundesministerium für Unterricht hat mit denr Erlaß vom 4. Juli 1927, Zl. 14.781/7, das dem Jüdischen Realgymnasium für die fünfte bis siebente Klasse verliehene Oeffentlichkeitsrecht auf die Schuljahre 1926/1937, 1927/1928 und 1928/1929 erstreckt und für die gleiche Zeitdauer der 8. Masse der Anstalt das Oeffentlichkeitsrecht und das Recht verliehen, Reifeprüfungen abzuhalten und staatsgültige Zeugnisse auszustellen.

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