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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-10 · Heft 3005 (10.7.1927) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3005 (10.7.1927)
Date
1927-07-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Re. 3005 Men, Sonntag Eener Morgenzemmg 1Ü. tfufit ISDr Sette ST Die tobenden Elemente. Katastkophale Wüter in Mer Welt. llnwettekkatastrovhen. lleier Mszi« rite In »er Pirna» Segen». Prrna, Ä Juli. (Wolfs.) In der vergangenen Nacht ging über Pirna sowie über die Ortschaften des Müglitz- und Gottleuba-Tales ein heftiger Wo lk e n- Ü r u ch nieder. Besonders schwer betroffen wurden die Orte Berggießhübel, Gottleuba und Glashütte. Der Eisenbahnverkehr auf. den Linien Pirna—Gottleuba, Pirna—Großvotta und Heidenau— Geisnig mußte bis auf weiteres eingestellt w e r d e n. DaS Unwetter hat auch zahlreiche Menschenopfer gefordert. Doch lassen sich zuverlässige Angaben über die Zahl der Toten noch nicht machen. Die Amtshauptmannschaft Berggießhübel meldet vierzig bis fünfzig, Gottleuba acht Personen als vermißt, die größtenteils unter den Trümmern der eingestürzten Häuser begraben sind. Auch aus Glashütte und aus Wesen stein werden mehrere Todesopfer gemeldet. Wetterkataftrophe in Rordböhmen. Dresden, 9. Juli. (Wolfs.) Heute nachmittags! Lst über das böhmische Grenzgebiet ein schweres Unwetter! niedergegangen. In Bodenbach standen die Häuser bis zu zwei Metern im Wasser. Viele Brücken wurden fortgerissen. In Eulau und Königswald sind 17 Häuser fortgeschwemmt worden. Die Zahl der Verunglückten konnte noch nicht endgültig festgestellt werden. Es verlautet, daß in Königswald allein sieben Personen ertrunken sein sollen. In Bodenbach gibt es drei Todesopfer. Pirna, 9. Juli. (Wolfs.) In Berg Gießhübel konnten bis heute mittag 35 Tote aus den Trümmern gei borgen werden. Ferner wurden aus MesenMn sechs bis sieben Tote und aus Neiunberg bei Pirna 14 Tote gemeldet. Polizei, Reichswehr und technische Nothilfe wurden für Hilfeleistung eingesetzt. Dresden, 9. Juli. Nach den aus dem Katastropyengebiet eingelaufenen Nachrichten wurde Berggießhübel am schwersten betroffen. Die,Hälfte. der Bewohner ist o b d a ch l o s. Die Stadt 'bietet'"ein grauenhaftes Bild der Verlvüstung. In Berggießhübel allein schätzt man die Zahl der Toten auf 70 bis 80. Sintflut r» Bern«. Berlin, 9. Juli. Heute abends entlud sich über Ber-, (in ein. außerordentlichschweres Untwetter. In Dahlen drang das Wasser m die Untergrundbahnanlage ein. Besonders katastrophale Wirkungen hatte das Unwetter in Potsdam. Das Wasser drang in die Eisenvahnhauptwerkstätte, die vollständig zerstört sein soll. Das Hauptgebäude ist in Gefahr einzustürzen. Ob Me nschenlev en zu beklagen sind, steht noch nicht feft.' Srwltttt in Brfltm. Brünn, 9. Juli. Heute nachmittags ging über Brünn ein großer vom Hagel begleiteter Wolkenbruch nieder. Der Wafferschwäll überschwemmte viele Keller und niedriggelegene Räume. Air einigen Stellen schlug der Blitz ein. Auch der Betrieb der Straßenbahn wurde b e t r o f - f e n, da der Blitz an einigen Stellen in die Oberleitung emschlug. Furchtbare« klseudahnunglück. St. Michael bei Leoben, 8. Juli. In der Meinung,' daß der Salzbürger Schnellzug bereits die Station verlasset: habe, überschritt gestern nachmittags ein Heizhausar Leiter mit seiner Familie das Bahnhofgeleise. In diesem Augenblick fuhr der Salzburger Schnellzug, der eine Verspätung von 15 Minuten hatte, in den Bahnhof ein. Während die Frau, die einen Kinderwagen führte, das Geleise noch rechtzeitig überschreiten konnte, wurde der Mann, der ein Kind am Arm trug, vom Zuge erfaßt und mit dem Kinde in Stücke gerissen. Antoburkataftrophr. Sieben Tote. Belgrad, 9. Juli. Unweit O b r e n o v a e ist in der verflossenen Nacht ein Personenautobus in einen hundert Meter diesen Abgrund abgestürzt. Sieben Personen, darunter zwei Frauen und zwei Kinder, wurden getötet, drei Fahrgäste lebensgefährlich verletzt. Fnternatiouale Hilfe gegen Naturkatastrophen. Genf, 8. Juli. Die vom Völkerbund einberufene Kon-, fevenz von Regierungsvertretern für die Schaffung eines intevnaivNalen KilfsverbMdes beendigte aml Dienstag nachmittags die allgemeine Diskussion. Die treter von Kuba, Kolumbien, Griechenland, Ecuador und Spanien erklärten ihre Zustimmung zu dem der Konferenz vorliegenden Konventionsentwürf. Die Delegierten Finnlands und Brasiliens erklärten, daß sich ihre Regierungen das Recht Vorbehalten, dem Hrlssverband erst' nach Ueberprüfting der ^Ergebnisse der Beratungen dev Konferenz fißh zutreten. Zusammenfasserrd stellte der KöNferenzvVrsitzeNde am Schluss« der allgemeinen Aussprache fest, daß der Grundgedanke des vvrgeschlagenen Planes von allen.Delegierten als eine mögliche Basis für eine internationale! Konvention anerkannt werde. Äs Konferenz beschloß hierauf, den Entwurf sowie die eingebrachten Ubändvrungsanträge an eine Kommission zu weisen. iDie Kommission steht Unter btrvi Vorsitz' von EavaZz'vnD (Italien). Der Verband der Kultusgemeinden verboten. Da« Kultusministerium berult sich auf da« gfraeliteugefetz. Die Bestrebungen, die Israelitischen Kultusgemeinden in Oesterreich zur Durchführung verschiedener Aufgaben, welchen die Eiuzelgemeinden allein nicht gewachsen sind, in einen: Verband zusammcuzuscyließeu und für diese Körperschaft die behördliche Anerkennung zu erlangen, haben ihr Ziel nur teilweise erreicht. Es ist bekannt, daß die im Dezember 1926 gewählte Verbandsleitung den Auftrag erhielt, die durch Beschluß gegründete Korporation als Verein bei der zuständigen Vereinsliehörde, dem B u nd e skanzleramte, anzumelden. Dieses stellte sich auf den Standpunkt, daß das Vereinsgesetz auf eine V e r e i n'i g u n g von K u l t u s g e m e i n d e u nicht ange w endet werde n k ö n n e, weil Vereinigungen im Wirkungsbereich der Neligionsgenossenschaften nach den für diese bestehenden Sondergesetze zu behandeln seien. Cs, stehe sonach die Behandlung dieser Angelegenheit dem Ministerium für Kultus und Unterricht zu, in dessen Wirkungsbereich auch die Kultusangelegenheiten fallen. Dieses Ministerium gelangte nunmehr zu der Ansicht, daß das sogenannte Oesterreichische Jsraelitengosetz eine Vereinigung von KnltnSgomoinden im allgemeinen nicht vorsehe, und daß eine solche die im Gesetze begründete Autono,nie der Knltnsgeinvinden gefährde» könne. Ein solcher Verband könne daher nicht zur Kenntnis genommen werde». Dagogm liege nichts dagegen vor, daß eine beliebige Anzahl von Kultnsgemeindm den Beschluß faßt, ganz bestimmte Einrichtungen nnd Institutionen zn errichten und ge- . meinsnm zn erhalten r es können auch zur Durchführung ganz bestimmter Aktionen Personen bevollmächtigt werden, nsw. rrstv. Es sei jedoch immer der Grundsatz zn beobachten, daß die gegründeten Etnrichtungen keine besondere Rechtspersönlichkeit Vorstollen dürfen und daß die gemeinsam behandelten Gegenstände von vovneherein der Beschlußfassung durch die KnttuSgemeindovertretungen nicht entzogen werden. Bei Beobachtung dieser Richtlinien, und bei Begutachtung deren Einhaltung durch das Ministerium in jedem einzelnen Falle ist es sicher, daß von Seite der Vorgesetzten Behörden dem gemeinsamen Arbeiten der Kultusgemeinden keine Schwierigkeiten gemacht werden. Es soll nun in der nächsten Zeit darangegangen werden, für die wichtigsten Aufgaben, welche dem in Aussicht genommenen Verband gestellt waren, diejenigen Organisationsformel: zu finden, welche den geforderten Bedingungen entsprechen. Bei dem allseits vorhandenen guten Millen ist es nicht zu bezweifeln, daß die äußer e F orm der zu schaffenden Organisationen auf deren Wirksamkeit ohne Einfluß sein wird. Die wichtigste Sache, welche einer Erledigung harrt, ist die Eindämuntng und Regelung dcS WanderbettelS sowie die Wanderfürsorge. Darüber soll demnächst mit einigen außerösterreichsschen Institutionen verhandelt werden, woraüf die mit diesen vereinbarten Detmlvorschläge den einzelnen Kultusgemein - den zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Gleichzeitig wird an die L ö s u n g des Problems der Wanderlehrer und des Nachwuchses geschritten werden, wozu einige Ansätze und Vorschläge vorhanden sind. Die bei diesen beiden Aktionen gemachten Erfahrungen werden die Erledigung der sonstigen Angelegenheiten, welche die KultusgemeinLen zusammerraeführt haben, erleichtern. . Eine Mitarbeit der Kultusg e m e i n b e W i e n ist, vielleicht mit Ausnahme der Wanderbettelfrage, nicht zu erwarten, weil sie auf dem Standpunkt steht, sie habe für sich selbst alle diejenigen Angelegenheiten schon geordnet, welche zur Bervandsgründung geführt haveu. Die vielen verhältnismäßig kleineir Kultnsgemeinden außerhalb Wiens müssen daher die ihnen durch das Gesetz, die äußeren Verhältnisse und die Religiousvorschrlsten gegebenen Pflichten ganz aus eigener Kraft und mit Hilfe deS Zusammenschlusses selbst mit Einhaltung der durch die Behörde gestellten schweren Bedingungen erfülle,:. Davon hängt die Erhaltung des Judentums in ihrem Bereiche vollständig ab, und es ist nur zu hoffen und zu wünsche,:, daß sie sich ihrer schweren Verantwortung voll bewußt sind. Die schweren Versäumnisse, welche ihre Ursache in der jahrzehntelangen Verzögerung deS Zusammenschlusses haben, Werder: ohnehin zum Teil nicht wieder gutgemacht werden können. Zumindest als interessant muß es bezeichnet werden, baß in der Frage der Organisationsform auf Grund eines und desselben Gesetzes die österreichischen und dif tschechoslowakischen Behörden zu gantz verschiedenen Beschlüssen gelangt sind. Während die letzteren die Gründung der Landesverbände und eines diesen übergeordneten Reichsverbandes begrüßt haben und sich dieser Organisation gerne bedienen, erklären unsere Behörden einen Verband der Kultusgemeinden als ungesetzlich, weil er im Gesetze nicht vorgesehen, und weil er die Autonomie der Kultusgemeinden zu beschränken geeignet sei. Man wird demnächst darüber schlüssig werden, ob eS zweckmäßig ist, den Verwaltungsgerichtshof anzurufen. Tatsächlich ist Oesterreich der einzige Staat, welcher den jüdischen Gemeilwen einen freiwilligen und offenen Zusammei:schluß untersagt. Vollständig aussichtslos aber wäre es, auf eine Gesetzesänderung hinzuarbeiten, einerseits, weil dazu die vollständige Einigkeit der Kultusgemeinden erforderlich wäre, Welche infolge der Haltung der Wiener und der orthodoxen vurgenländischen Kultusgemeinden nicht zu erreichen ist, anderseits wegen der unüberwindlichen Schwierigkeiten, welche die desolaten parlamen-. tarischenVerhältnrsse verursachen würden. Die Stabilisierung der Franr. Amerikanisches Dementi. New Hork, 9. Juli. (Havas.), In berufensten Kreisen wird in kategorischer Weise erklärt, die Nachricht, daß sich die Konferenz der Bankdircktoren in irgendeinem Augenblick mit dem Problem der Stabilisierung dev französischen Währung oder mit des Frage einer Regelung der Reparationen befaßt habe, sei vollständig Unrichtig.-!' Nie unerforschte krde. kMürnigen einer russischen krpedttlon. Leningrad, 6. Juli. (Tel. Ag. d. Sowjetunion.) Die Forschungsexpedition der Akademie der Wissenschaften hat in Kasakstan einen >bis jetzt völlig unbekannten See, Aral-KnI, entdeckt. Der neue See ist von der Expedition auf die Länderte eingetragen worden. Der Expedition ist es gelungen, im anliegenden Bezirk ungefähr WO RS jetzt unbekicmrfle Pflanzenarten zu sammeln. Wirbel bet einem Leichenbegängnis. Demonstrationen ner FronttSlnpser. » Mstern nachmittags fand in Favoriten das Leiche,^ begängnis eines Mitgliedes der Fvyntkä mpfevver- «inigtrntz statt. Das benützten die Ungehörigen dieser Vereinigung, um in voller Feldadjustiemng geschlossen durch den 10. Bezirk zu Mckrschieren. Die Musrückrmg war übrigens der Polizei nicht angezeigt worden. Die politischen Gegner der Frontkänipfer waren siöer das herausfordernde Benehmen derart empört, daß es, zu jAiusschreitungen kaut. Di« Frontkämpfer versuchten eine» StUrinan griff auf die Menge, her aber in sich -UsMnnenbrach, und die Frontkäinpfer mußten in das Sicherheitswachzimmer lAingeligasse flüchten. lAuch vor dem Zufluchtsort sammelten sich die Läute an Und schließlich mußte Mache die Demonstranten zeo strtzueu. Tob in der Liebesnacht. PelMe» Meitner eines Pensionisten. Ein pensionierter Staatsbeamter lernte vor wenigen Tagen in einem Gasthause am Althanplatz eine etwa 10jährige Frau keimen, von der er nur den Vornamen Franzi wußte. Die Frau besuchte nach einem gemeinsamen Ausenthalt im Gasthaus den Mau» i n d e r W o h u u n g und wurde dort von schwerem Unwohlsein befall«:. Der Liebhaber wußte sich keinen Rat und lief auf das nächste Poiizeikommissariat. Bon dort wurde ein Arzt in die Wohnung entsandt, der jedoch nur den inzivifchen «ingetretenen Tod der Frau konstatieren konnte. Zur Aufklärung der Todesursache wurde die gerichtliche veffnung der Leiche beantragt. Von der Toten weiß man nur, daß sie in der Brigittenau gewohnt lhaben soll. Ihre genau« Identität konnte noch nicht fsstges^llt werden^.

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