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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-10 · Heft 3005 (10.7.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3005 (10.7.1927)
Date
1927-07-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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u s Wien. Sonntag Wiener Morgenzerrung 10. Juki 1v27 Nr. ZOOS Lordunausrottbar fest, und sie wird noch viele jüdische Menschen treffen. Da-Geheimnis der Geheimnisse der Weisen von Zion ist es ja, daß sie für einen sehr greßen Teil der Jugend Europas und Armrikas tägliches Brot geworden sind, gerade für jene Jugend, die einmal zur Führung und Vcraritr^r.ung gelangen wird. Diese Jugend hat Ford mit seinem Geld korrumpiert, sie zum Meuchelmord und zur sittlichen Verwahrlosung gebracht. Sie sieht seinen Zusammenbruch. Cs ist immerhin ein Trost, daß für jeden dieses Gelichters einmal der Tag kommt und daß wir wieder so einen jämmerlichen Human auf der Strecke liegen sehe.'. Wie hat dock) Luegcr gesagt! Lieber feig als dumm. Ford ist beide-. Ter Nächste! Ne französische Wahlreform. Das neue Wahlrecht angenommen. Paris. 9. Juli. (Havas.) Die Kamnker hat heute -en ersten Artikel des Wahlrcformcntwurfcs, der das Arrondissementwahlrecht einführt, mit 335 gegen 120 Stimmen attgtito mmcn. # Paris, 9. Juli. In der Nachmittagssitzung der Kammer gelangte Artikel 2 des Ausschußentwurfes über die Wahlreform zur Beratung, der die Zahl der Abgeordneten für die nächste GcsetzgebungSperiode auf 611 festsetzt und bestimmt, daß für die WahlkreiScinterlung sowie für die Zuweisung der Sitze au die einzelnen Wahlkreise die Zahl der Gesamtbevölkerung, einschließlich der Fremden, zur Grundlage gn nehmen sei. Abg. Le Mohne (rechtes Zentrum) verlangte, daß die Wahlkreiseinteilung und die Zuweisung der Sitze nach der Zahl der französischen Bevölkerung, unter Ausschluß der Ausländer erfolge. Paul Boncour (Sozialist) hob hervor, der Minister des Inneren möge bedenken, daß die Negierung, wenn sie auch nur in einem Punkte gegen den Ausschußentwurf Stellung nehme, die Wahlreform auf das schwerste gefährde. Bei der sodann erfolgenden namentlichen Abstimmung über den Antrag Le Mohne stimmt Ilnterrichtsminister Herriot unter lebhaftem Protest der Rechten gegen den Antrag, der mit 244 gegen 210 Stimmen a b gelehnt wird. Schließlich wird noch ein kommunistischer Antrag, den Ausländern das Wahlrecht zu erteilen, mit 606 egen 27 Stimmen abgelehnt. Landtagswahlen in Finnland. Verluste der Bürgerlichen. HelfingforS, 8. Juli. (Wolff.) Nach den bisherigen Ergebnissen der f i n n i s ch e n L a n d t a g § w a h l e n verlieren die bürgerlichen Parteien eine Reihe von Mandaten. Dagegen gewinnt die finnische Agrarpartei vier, sic Sozialdemokraten und die Kommunisten je einen Sitz. PalWna dar dem Unterhaus. London, 8. Juli. (I. T. A.) Miß Lawrence richtete im Unterhaus an den Kolonienminist^r die Frage, ob er wisse, daß am 24. Juni anläßlich des Streiks in der Zündholzfabrik in Acre die Streikposten,unter ihnen 13 Mädchen, von der britischen Polizei verhaftet und mißhandelt wurden,' ob er wisse, daß die Fabrikanten versucht hatten, mit den jüdischen Arbeitern auf der Basis der Preisgabe der Interessen der arabischen Arbeiter zu verhandeln und daß die Juden ein solches Ansinnen abgelehnt haben, worauf allen jüdischen Angestellten mit Entlassung gedroht wurde. — Minister Amery erwiderte, er habe keine Kenntnis von diesen Dingen und werde Informationen einholen. Colonel Wedgwood richtete an den Kolonienminister die Frage, ob der Minister die Versicherung abgeben könne, daß der Uebergang der palästinensischen Eisenbahn vom Suez-Kanal bis zur Grenzau eine andere Administration nur nach vorausgegangener Befragung des Unterhauses erfolgen könne und ob die Palästinaregierung einen solchen Uebergang begünstigt. Minister Amery erwiderte: Ich ergreife die Gelegenheit, um auf die Sinai-Militäreise Abahn zu verweisen, die außerhalb des palästinensischen Territoriums liegt und dennoch von der palästinensischen Eisenbahnadministration im Namen der britischen Regierung verwaltet wird. Ich bin nicht in der Lage, mich zu dem Thema zu äußern; so weit ich unterrichtet bin, begünstigt die Palästinaregierung einen Übergang deS bezüglichen Teiles der Eisenbahn in Me andere Verwaltung nicht. Ein Uebergang von Teilen der Palästinaeisenbahn in ägyptische Verwaltung kann nur im Einverständnis beider Regierungen, erfolgen: das Kolonienminilerium gibt solche Anregungen nicht. Bto einziger Milcher Staatsbeamter ia Litauen. Aus Kowno wird gemeldet: Am 1. Juli tmw Dr. S. Rutenberg, bisher Rofek«nt für Völkerbundsangelegenheiten im litauischen Außenministerium, seines Amtes enthoben. Das Werk ber Säuberung der Staatsämter vvn Juden hat dazu geführt, daß gegenwärtig nur noch ein einziger Jude einen Staatsposten in Litauen bekleidet. Ser studentische Antisemitismus. Ae fienttaaet uimiOen. Warschau, 9. Juli, <g, X. 8t.) Ter Justizmmisier hat die Staatsanwaltschaft angewiesen, in Verbindung mit .en mehrtägigen Exzessen der alUi.eumisclM Stildmiu'chaft in Lemberg cim eingehende Untersuchung etnzuleiten und eine Liste aller Personen anfzustelten, die mt den Unruhen teilgenommen haben. Die Schuldigen sollen einer entsprechenden Strafe zugesührt iverden. Die Universitätsbehörden haben ihr Einverständnis zu dieser Untersuchung kundgcgeben. Die Vorgänge ln Bukarest. Bukarest, 9. Juli. Die Regierung hat, wie offiziös erklärt toird, bei den verschiedenen Fakultäten dahin interveniert, daß den j ü d i s ch e n Studenten, die durch Cuzisten von den Prüfungssälen gewaltsam serugehalten wurden, Gelegenheit gegeben werde, ihre Prüfunigens zu machen, damit sie nicht den Termin verlieren. Ehamberlin fliegt Mt mit. kr lehrt mit Byrd per Schiff zurück. Paris, 9. Juli. (Wolff.) Wie „Echo de Paris" bericytel, habe Chamberlin für seine Person auf den Rückflug nach Amerika mit dem Flugzeug „Columbia" verzichtet, weil der Aktionsradius dieses Flugzeuges nur 6000 Kilometer betrage. Unter Berücksichtigung der starken Windsträmungen bei dem Flug Paris—Ncwyork Im Jahre 1921 war in der öffentlichen Meinung Europas ein Umschwung in der Beurteilung der Vorgänge in Ungarn eingetreten. Eine Abordnung der englischen Arbeiterpartei hatte Budapest bestecht und eine Reist durch das Land unternommen. Ihre Erfahrungen begann sie nun zu publizieren. Es ergab sich nun, daß dev weiße Terror zu Unrecht als ein politisches Entwicklungsstadium angesehen worden war. Er war Nichts als eine mit Staatsmitteln und StaatSautorität ausgestatteto Räuberei, die sich des antisemitischen Instinktes bediente. Man begann nunmehr Ungarn mit ganz, anderen Augen zu betrachten. Die magyarische Propaganda mußte den Schlag parieren. Und so erschien eines Tages in Paris ein französischer Roman der Brüder Jerome uno Jean Tharaud unter dem Titel „Quand Israel est roi", eine recht flüssig geschriebene, historisch und sozial ausgepichte Verteidigung des „Kurses". Das Buch hat damals für den Augenblick seinen Zweck erfüllt. Es war wieder einmal vor dem internationalen Publikum nachgewiesen worden — allerdings nur für den flüchtigen Leser, daß das Unglück Ungarns von den Juden besorgt war, und es leuchtet« sogar durch, daß Ungarn nebst den Juden auch noch die Deutschen zu Beherrschern hatte. Das war eine raffinierte Spekulation auf die Empfindungen der Franzosen und erschien zugleich in puncto Juden als eine Bestätigung d?r so berüchtigten „Protokolle der Weifen von Zion", die ungefähr zur gleichen Zeit dank Henry Ford einen der vordersten Plätze in der internationalen pvlttischen Literatur errungen hatten. . j Die Wirkung des Tharaudschen Pamphlets dauerst aber nur kurze Zeit. Schon im Jahre 1922 antwortete Robert Tareali mit einer im Verlag „Asira", Paris, herausgekommenen gründlichen Studst, die er „Quand Horthy est roi" (Wo Horthy König ist) benannte. Er hatte den christlichnationastn Kurs und das Treiben! seiner Folterknechte im Detail geprüft und rollte in einer kurzen, knappen Darstellung das Martyrium der ungarischen Judenschaft auf. Der Roman der Brüder Tharaud verschwand aus den Auslagen der Buchhändler. Er ist jetzt wstber auferstanden, und der Wiener Amalthea-Verlag bringt ihn in deutscher Uebersetzung unter dem unrichtig gewählten Titel „Die Herrschaft Israels" wieder auf den Markt. Die Titelzeichnnng ist ungemM suggestiv. In einer Blutlache liegt das zerbrochene ungarische Königswappen und aus den Trümmern steigt blutbespritzt dev Davidschild auf. Das ist sicherlich der wirkungsvolle Gedanke eines Reklamefachmannes und entspricht dem Zweck des Buches. Weniger aber dem Inhalt. Denn wenn man von der antisemitischen Grundeinstellung sich nicht beeinflussen läßt, sondern die Angaben dev beiden Brüder (ivas übrigens unrichtig ist, da das Buch nur von einem geschrieben sein kann) kritisch liest, so'kommt man darauf, daß auch sie den „Juden" als einer gemeinsam handelnden Einheit nichts vorzuwersen haben. Es ist journalistische Mache mit französischer Sauce Übrrgossen. Viele Worte um einen sehr dürren und anfechtbaren Tatbestand. Der Gedankengang ist ungefähr der: Nach dxr Aufhebung der Leibeigenschaft hatten die Juden in Ungarn Fuß gefaßt, Land erworben umd schließlich Budapest erobert. Nach dem Weltkrieg hatten diese selben Juden die kommunistisch- Revolution gemacht und erlitten dann die Strafe der GeSRnAvplMim. Sie hab-n aber ihr Ziel. Ungar» zu Der Jugendverein „Erez Israel" gratuliert seinem V«eprasidenten Chawer NUCHIM ROSENTHAL anläßlich seiner Vermahlung mit Chawerah PNINA KORNER «tid wünscht herrlichsten müsse Man jedoch einen Aktionsradius von über 7000 Kilometern haben. Nach dem „Journal" wird sich Byrd heute vormittags nach London begeben, wo er sich am 12. d. M. auf dem „Leviathan" nach Amerika etnschisfen wird. Auf demselben Schiffe reist auch Chamberlin, der sich damit angeblich endgültig von Levine trennt. Rarria in Warschau. Die Polizei macht wertvolle Beute. » Warschau, 9. Juli. (Wolff.) Die Polizei unternahm gestern in den Warschauer Vorstädten und in der weiteren Umgebung der Stadt eine Razzia gegen Verbrecher. Insgesamt wurden hierbei 158 Personen mit krimineller Vergangenheit f e st g e n o m m e n. Achtzig von ihnen werden von den polnischen Geeichten gesucht. Unter anderem deckte die Polizei eine Folschmiinzerwerkstätte aus. die sich mit der Erzeugung von Zwoi-Zloty-Stücken befaßte. In Jablona fand man den schon in Verwesung begriffenen Leichnam eines unbekannten. Mannes. (beherrschen, trotzdem nicht aufgegeben, und sie sind trotz aller Verachtung, trotz alles mörderische Hasses, vermöge ihrer Wurzellosigkeit und ihres Materialismus doch im Begriffe, den endlichen Sieg an sich zu reißen. Die schmutzigen Flüchtlinge im zerschlissenen Kaftan oder im schmutzigen Rock, das sind die künftigen Herren, die, als dev letzte Ansturm der Völker Asiens, das ungarische Volk, das Bollwerk des europäischen Christentums, niederWvorfeNi haben. Es sind, wie gesagt, verwehte Töne; eine! gewisse Aktualität ist dieser Darstellung auch heute nicht, abzusprechen, und. sie wäre ihr nicht abzusprechen gewesen, wenn sie so ungefähr vor tausend Jahren erschien«^ wäre. Denn das' antisemitische Geschirr hat, seitdem es begonnen hat, noch niemals ein völlig neues Argument gefunden. Es ist immer dasselbe, und es ergibt sich daraus di« absylute Sinnlosigkeit jeder Apologetik. Die Maffia, die doch nur hassen, morden und stehlen will, demaskiert sich selbst, indem sie das Wiederkauen zum System macht. Aber trotzdem hat auch dieses Buch der Brüder Tharaud und die, wie uns scheint, kaum mehr aktuelle deutsche Uebersetzung einen gewissen Wert. Man sieht die Mache, man merkt die Absicht, zugleich aber auch die Phantasiearmut. WaS haben, immet nach Tharaud, die . Juden gegen Ungarn getan? Genau dasselbe, was die Gallier in Frankreich. Sie haben im Land gelebt, gearbeitet und gestrebt. Einige von ihnen mögen den verfeinerten Ansprüchen französischer Kultur nicht genügen. Herr Jerome oder Jean Tharaud, Französischlehrer an der Budapester Universität, zieht die Nase kraus, wenn er an das „Drezysche Haus" mit seinem Kaffeehaus, seiner Synagoge und der koscheren Fleischbank sich erinnert. Aber er kann den Bewohnern dieses- Hauses nichts Schlimnws nachsagen. Er erzählt die Geschichte des Weltkrieges, von Budapest.aus gesehen, und er tut das durch zwei Drittel seine- Buch-Z hindurch, ohne einen Vorwurf gegen die Gesamtheit dev Juden erheben zu können. Erst dann tritt der Antisemitismus in sein Recht. Daß die Revolution von dem Grasen Michael Karolyi, einem Urmagyaven, inauguriert wurde und daß sie sich nicht hätte durchsetzen können, wenn nicht Hinter ihr die verzweifelten Massen der Soldaten und der Bauern gestanden wären, daS ist eine sehr mißliche Wahrheit. Aber zum Glück finden die Brüder Tharaud ein halbes Dutzend jüdischer Journalisten, deklassierter Bourgeois, und die haben alles angestellt. Im Kriege war es, wie man sich noch erinnert, Tisza, der „alles gemacht hat". Da es schief ausgegangen ist, liegt bk <3$iuÜ> an einer Handvoll jüdischer Snobs, denen man zudem noch die Verantwortlichkeit aller anderen, vor allem die derLxnin- Buben aufhalsen kann. Es ist alles längst als erlogen nachgewiesen worden, aber diese Lügen werden sich doch in eine weite Zukunft fortsetzeU und für fleißige Romanschriftsteller guten Verdienst liefern. Es wirkt nur heiter, wenn im Vorwort zur deutschen Uebersetzung der Verlag. sich zu saldieren sucht und die antisemitische Tendenz verleugnen will. DaS Titelblatt spricht deutlich, und wenn es die Absicht noch immer nicht genug erkennen lassen sollte, so geht sie aus der liebevollen Schilderung der KafLchausszeneN hervor, in denen der magyarische Feschak in Uniform an jüdischen Gästen seinen Heldenmut bewährt. ES gibt allerdings auch ein rot-weiß-grüneS Judentum in Ungarn, das sich solcher Behandlung als wert und würdig rrweist. Aber bas ist, -Ne Kipling sagt, ein« ander« Sache- Re Herrschaft Israels. Der Roman der Brüder Ltzarand in dentscher Uebersetzung. S&382B&3i(SU m

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