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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-09 · Heft 3004 (9.7.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3004 (9.7.1927)
Date
1927-07-09
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Gelte 4 Wien, Samstag Wiener Mvrgenzettnng 9. Mi 19S7 Der Schattendorfer Prozeß. Hetterkeltidemonftrationen der FronMkmpfrr. Gestern wurde der vielgenannte Preschitz, der am 30. Jänner den Angriff der Schutzbündler auf das Tscharmannsche Gasthaus in Schattendorf geleitet haben soll, vernommen. Er erklärt die Erregung der Sozialdemokraten aus den unsicheren Verhältnissen an der u n g a r i s ch e n Grenze. Die Frontkämpfer hatten ihre Versammlung einborufen, um nach Ansicht des Zeugen die sozialdemokratischen Versammlungen zu sprengen. Diese Aussage erweckt im Auditorium, das aus Frontkämpfern besteht, die ihre Llbzeichen im Gerichtssaal tragen, schallende Heiterkeit. Der Vorsitzende droht mit der Räumung. Doktor Reichart, der Vertreter der erschossenen Opfer, bemerkt: „Das geht seit einigen Tagen so!" Der Vorsitzende u n t erbrich t i h n. P r e s ch i tz sagt weiter aus, er fei nicht der Kommandant der Schutzbund-Mteilung gewesen und erklärt es als Lüge, daß er gegen die Frontkämpfer beleidigende Rufe gebraucht habe. Es sei auch unwahr, daß eine Abteilung gerufen habe: „Nieder mit den christlichen Hunden!" Die Leute dieser Abteilung seien doch selb st Christen. Vors.: Na ja, es scheint ja jetzt Christen verschiedener Couleur zu geben! P r e s ch i tz kommt nunmehr auf die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen zu sprechen. Er erklärt, daß er den Pfarrer Nikics in Oedenburg nicht erschossen hat 1 und ihn auch nicht hat erschießen lassen. ' Eine Zuschrift des Oedenburger Gerichtes bestätigt diese Aussage. In der Nachmittagsverhandlung wurde Michael Bernhard vernommen, gegen dessen Einvernahme der Staatsanwalt protestierte, weil gegen den Zeugen wegen der Schattendorfer Vorfälle eine Strafuntersuchung läuft. Der nächste Zeuge Martin Grössing, ebenfalls ein Schutzbündler, sagt aus, er sei an der Spitze des Zuges marschiert und habe auf einmal einen Schutz gespürt. Ueber Aufforderung des Vorsitzenden zeigte der Zeuge den Geschworenen die Rarbe seiner Wunde an der Brust. Auch der nächste Zeuge Alois S ch m i e d l erklärt, eine Verwundung an einem Ohrläppchen erhalten zu haben, doch konnte er auf die Frage des Vorsitzenden nicht angeben, an welchem Ohre er die Verletzung erhalten hatte, was lebhafteHeiterk e i t im Auditorium erregte. Vors.: »Hat auch jemand von den Schutzbündlern geschossen?" Zeuge: „Nein, wir haben ja gar keine Waffen gehabt." Die Schutzbündler K r o i n und Sturm bestritten, daß Schutzbündler in das Gasthaus Tscharmann eingedrungen seien. Ebenso sagt der nächste Zeuge Josef Wagner aus. Er will aus dem Fenster des Gasthauses Tscharmann Gewehrläufe gesehen haben. Die Verhandlung wurde sodann abgebrochen und wird heute fortgesetzt. Las Schachturnier in Jteufemct. Kecskemet, 8. Juli. Berendtson schlägt Takäcs, Vukovic schlägt Colle. Remis itxtren die Partien WztalvS —Riemzowitsch, Gilg—Kmoch, Tartakoiver—Brinckmann, Grün seid—Dates, Ahnes—Vajda. Die Partie Steiner—Aljechin winde unterbrochen. Balbo in Men gelandet. Gestern nachmittags um 5 Uhr ist der italienische Untcrstaatssekretär für das Flugwesen, Balbo, vvn Berlin kommend, auf dem Flugfeld Aspern gelandet. Zu seiner Begrüßung hatten sich eingefunden: der italienische Gesandte! Auretti, Gesandte Junkar in Vertretung des Bundeskanzleramtes und Ministerialrat Dr. Kraus in Vertretung des Bundesministeriums für Handel und Verkehr. « Rom, 8. Juli. Tie Blätter -berichten, daß vorgestern auf dem römischen Militärflughasen Centosella ein Flugzeug bei einem Uebungsflug abstürzte. Der Flieger und der Begleiter sind tot. f Umber»« mb Settlne in Sonton. London, 8. Juli. (Reuter.) Chamberlin und Levine sind heute im Flugzeug aus Paris hier eingetroffen. Also: Sie Herkunstöes Beinstumpfes ist ausgeklärt! Jetzt wird auch ofsiziell erklärt, daß das aufgefischte Frauenbein aus der Donau erstens kein Frauenbein ist, sondern einem Mann gehört hat, und zweitens kein Verbrechen vorliegt. Eine Wasserleiche ist unter die Räder eines Dampfers geraten und wurde von den scharfen Schaufeln zerfetzt. Wie wir bereits berichtet, haben, wurde am 2. Juli, also am gleichen Tage, da man das „linke" Frauenbern aufgeftscht hatte, in Maüthernbach bei Krems die Leiche eines Marrnes gefunden, deren rechtes Bein durch cincn Dampfer abgetrennt war. Man ließ nun die männliche Leiche nach Men bringen, setzte ihr im gerichtlich-medizinischen Institut das geheimnisvolle „Frauenbein" an und es paßte, wie nur ein Fuß zum dazugehörigen Körper passen kann. Also ist das „Verbrechen" aufgeklärt! Auch im Judentum spielen Kerze und Fackel bei Geburt, Hochzeit und Tod eine wichtige Rolle; allein die Vorstellung von der die Dämonen abwehrenden Kraft de§ Lichtes ist dort allmählich zurückgedrängt worden. Bei der Geburt und Hochzeit soll das Licht vielmehr die Freude und die festliche Feier erhöhen und bei dem Tode die Seele versinnbildlichen, denn „eine Leuchte des Ewigen ist des Menschen Seele". Spr. 20,27. In der Nacht, die dem Tage der Beschneidung vorangeht, bringen in Jerusalem Freunde und Verwandte in das Haus, in dem die Beschneidung stattfinden soll, eine Oellampe, die dort die ganze Nacht brennt. Bei den sephardischen Juden Jerusalems ist es Sitte, datz die Verwandten des Gevatters, der den Knaben bei dem Beschneidungsakte hält, unter Gesang und Posaunenschall einen mit Blumen bekränzten vielarmigen Leuchter bringen, dessen Lichter wahrend der Beschneidung brennen. In jedem jüdischen Hause oder Gotteshause, in dem die Beschneidung stattfindet, werden Lichter angezündet, um die Freude zu erhöhen und zugleich an die Worte zu erinnern: „denn eine Leuchte ist das Gebot." Spr. 6,23 und „bei den Juden war Licht und Freude und Wonne," Esch. 8,16,3. In Böhmen trägt der Pate bei der Taufe in einem Arm das Kind, im andern dagegen eine brennende Kerze; ebenso hält es die Mutter bei ihrem Kirchgang. Wie R. Salomo Duran (1400—1467) berichtet, war es auch in jüdischen Gemeinden Brauch, datz der Vater, wenn er seinen Sohn zum ersten Male in das Gotteshaus führte, eine Wachskerze für das Gotteshaus mitbrachte. Kerze und Fackel werden auch bei der jüdischen Hochzeit verwendet. In alter Zeit gingen dem Brautpaare junge Mädchen mit Fackeln entgegen. Wie der Verfasser des Aruch berichtet, bestand bei den arabischen Juden im Mttelälter die Mtte, datz dem Hochzeitszuge etwa zehn Stabe vorangetragen wurden, an deren Spitze ein Gefätz mit brennbarem, während des Zuges in Brand gesetztem Stoff angebracht war. In einem Erlasse Peters II. von Sizssien (1338), in dem den Hauptleuten der Stadt untersagt wurde, die Juden zu behindern, wenn sie bei Hochzeitsfeierlichkeiten in Aufzügen den Burgplatz passierten, heißt eS: es sei nich; nötig, daß bei dieser Gelegenheit jeder eine Fackel trage, wenn dies nur der vorausgehende Führer tue. Bei den singhälesischen Juden wird der Bräutigam in die Synagoge geführt und vor: dort unter Vorantragung von vier Wachsfackeln in das Haus der Braut von der ganzen Gemeinde zurückgeführt. In Jerusalem werden Braut und Bräutigam auf zwei Stühlen in der Mitte des Zimmers nebeneinandergesetzt. Beide halten in der Hand je eine brennend« Fackel, und die Hochzeitsgäste tanzen singend um sie herum und verlöschen dabei bald die Fackel des Bräutigams und bald die der Braut, wodurch sie jeden von Leiden zwingen, die ausgelöschte Fackel an der Fackel des Andern zu entzünden. Unter dem Baldachin, unter dem in Jerusalem das junge Ehepaar während der Hochzeitswoche zu sitzen pflegt, brennt föttdauernd eine Kerze; kein Fremder wagt es, sich unter den Baldachin zu setzen, denn der Platz gilt als heilig! In vielen Gegenden tragen die Paoanymphen, die Braut und Bräutigam unter den Trauhimmel führen, noch in der Gegenwart brennende Kerzen „zur Erinnerung an die Gesetzgebung am Sinai, die unter Donner und Blitz und Feuerflammen verkündet worden ist". Auch bei dem Tode finden Kerze und Fackel Verwendung. In älter Zeit wurden Lichter und 'Fackeln bei dem Leichenzuge getragen; das Gleiche geschieht jetzt in Jerusalem bei der Bestattung ausgezeichneter Gelehrter. In Mantua wurde, wie JsaaL Lampronti berichtet, für den Sterbenden eine Wachskerze in der Form eines siebenarmigen Leuchters verfertigt; sie sollte die Seele des Sterbenden versinnbildlichen und zugleich die Geister von ihm fernhälten. Nach jüdischer Sitte werden auch in der Gegenwart bei jedem Sterbenden Lichter angezündet. Nach einer vereinzelten Meinung sollen diese Lichter von dem Sterbender: die bösen Geister vertreiben, nach anderen Erklärungen jedoch sollen sie an die scheidende Seele oder an das ewige Leben mahnen oder die Herrlichkeit der göttlichen Schechina ehren, die in das Sterbegemach eingekehrt ist, um die Seele des Sterbenden in Empfang zu nehmen. So spielen auch im Judentum Kerze und Fackel bei Geburt, Hochzeit und Tod eine wichtige Rolle. Nur noch ganz vereinzelt taucht die Vorstellung auf, datz das Licht die Kraft und Bestimmung habe, die Geister äbzuwohren. Allein im großer: und ganzen ist diese Vorstellung als Aberglaube überwunden, und das Licht bei Geburt. Hochzeit und Tod ist aus einem magischen Schutzmittel zu einem stimmungsvollen religiösen Symbol geworden. Unwetter in Seftemich. Süßer, zelllchadea. Graz, S. Juli. Gestern nachmittagentluden sich über gary iObersteiermark mehrere überaus heftige Gewitter mit Hagekschlag, di« ln etnzelnen Gegenden großen Schaden anrichteten!. So Witt» au- Mürzzuschlag berichtet, daß nach S Uhr ein furchtbares Wetter loSbroch, das über zwei Stunden dauerte und sich über das ganze Semmeringgebiet erstreckte. Die von den Bergen herniederstürzenden Wassermassen und der Hagelschlag richteten an den Kulturen, Straßen und Wegen riesigen Schaden an. In Knittelfeld herrschte ein furchtbares Unwetter, durch das unter anderem 50 Telephonstellen gestött wurden. Auch eine Reihe von Blitzschlägen wird gemeldet, von denen einige zündeten. In Judenburg herrschte schweres Unwetter. Besonders aog wütete das Wetter im Gsölltal in der Gegerrd von Eisenerz. Auch auS Jugoslawien kommen Nachrichten über Gewitter, die gestern dort wüteten. So liegen Berichte aus Marburg und Umgebung vor, wo ein Gewitter mit furch tjbarem Hagelschlag niedevging und großen Schaden anrichtete. BerSndernnsen am Wir«« Wohnnngrmarktk Nach der Statistik des Zentralmeldungsamtes der Wiener Polizeidirektion find am Wiener Wohnungsmarkte insgesamt 66.766 An- und Abmeldungen von österreichischen Bundesbürgern erfolgt sowie 16.148 An- und Abmeldungen von Ausländern. Diese Beweguno bezieht sich sowohl auf Privatwohnungen im Haushalte, wie Pensionen, Sanatorien und Massenquactiere. Nur Bombenerplosioa. Rom, 8. Juli. In einem Haus von Mvnop oli explodierte eine Bombe, wodurch das Dach unjd die Fußböden mehrerer Stockwerke einstürzten. Girr Vater Und vier Kinder wurden als Leichen unter dem Gerölle hervorgezogen, die Frau ist schwer verletzt. ürdbebe» in Ungarn. Budapest, 8. Juli, (II- T K. SB.) Heute früh ist m der Gemeinde Varpalota im Komitat Beszprem ein Erdbeben verspürt worden, das auch einigen materiellen Schaden angerichtet hat. Kleine Nachrichten. Dienstag nachmittags badete der Fleischhauergehilfe AlaiS Schürgel rn der Alten Donau. Da er bis zum Einbruch der Nacht mcht zurüöttehrte, vermutet man, daß er beim Baden ertrunken ist. * In Men hat sich ein Komitee gebildet mit dem Zwecks einen Flug von Wien über New Dock, San Franziska und zurück zu veranstalten. Wien, 9. Juli. Ern Ziegelstein ansde» Kopf S" Herr ist gestern einem Passanten, als er vor 'dem pttelegraphenamt in der Börsegasse vorüberaina. DaS äude wird neu verputzt, bei den Arbeiten löste sich ein Stück der Fassade, poltette durch das Gerüst auf die Straße und verletzte den Spaziergänger so schwer, daß er mit einer blaffenden Kopfwunde von der RettungSgeseUschaft auf dre Unfallstation gebracht werden mußte. 6S mm yekßr Das Wetter entsprach in 'Men 'dem Marakter der Hund'stage. 'Mittags hätte es 29 Gväd Reaumur ssn der Sonne. ^Vorhersage: 'Wahrscheinlich vovrRegend heiter und heiß bei südöstlichen Winden. Todesfall. In einem Wiener Sanatorium ist der Czernowitzer Großindustrielle, Herr Fischet Geller, Gesellschafter der Firma Brüder Geller, im 39. Lebensjahr gestorben. Der Verblichene, ein bewußter Jude, war als fähiger Kaufmann in weiten Kressen geschätzt. Er hatte stets eine hilfreiche Hand und nahm an zahlreichen Instituten der jüdischen Wohlfahrtspflege opferfreudigen Anteil. Der Leichnam wurde nach Czernowitz überführt, wo morgen Sonntag die Bestattung stattfindet. In den Berge« vermißt. Me unS aus Schladrning gemeldet -iv-ird, wird seit Mttwoch der 19 Jahre alte Lichtdrucker Erwin Glaser aus Men, der eine Tour auf den HochgoMng bei Schladnnng unternahm, vermißt. Er ist um halb 5 Uhr nachmittags Von der Göttinger Hütte mit Schwester und Schwager auf den Grpfel des HochgoMngs gestiegen. Beim Abstieg zur Hütte ging er rvieder voraus, worauf man ihn plötzlich vermißte. Zwei RettungSexpedMonen sind auf der Suche nach ihm unterwegs, konnten ihn aber bisher nicht finden. Reiseverkehr. Die Generaldirektton der österreichischen Bundesbahnen teilt mit: Wegen des aus Anlaß de- Schulschlusses zu gewiärttgenden starken Reiseverkohres wird die Fahrkartenpvrverkaufsstelle der Oesterreichischen Bundesbahnen am Schwarzenbergplatz 3 ausnahmsweise auch Sonntag, den 10. d. M., in dev Zeit von 8 Uhr vormittagvis 19 Uhr mittags offen gehalten worden. Uhr verloren! Gestern rvurdo in einem Z. I. G.-Autotaxt auf dem Wege Hotel Regina—Blechturmgasse eine silberne Schweizer Uhr verloren. Da die Uhr ein teures Andenken ist, wird der Chauffeur gebeten, sie gegen gute Belohnung abzu- -leben 6er Redakteur F. K„ 4, Bez., Blechturmgasse .28. »»»»»U»»W>>W»»»»l»»»»W»> Die zionistische Bezirkssektion Leopoldstadt gratuliert ihrem Vorstandsmitglieds und Schriftführer, Herrn Jacques Singer, anläßlich seiner Verlobung mit Frl. Magda Kann.

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