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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-07 · Heft 3002 (7.7.1927) · p. Seite 7

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3002 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Wien, Donnerstag ite MorgenzeiLims 7. FM 1927 GeVe 7 5!r. 3002 Gerichtssaal. Shrfeigen, gut! - Aber lvoför? .Ern peinlicher Zwischenfall widerfuhr dem an der Klinik Finger angestelllcn Sekuudararzt Dr. Siegfried K. Auf dem Gange des Spitals trat ihm unvermutet ein junger üfötftm entgegen und versetzte ihm mit den Worten: „Sie haben sich wie ein Schuft 'benommen!" zwei schallende Ohrfeigen. Der schlagfertige Unbekannte, der sich auf der Polizei als der Student der Medizin Oskar P. legitimierte, verweigerte hartnäckig jede Angabe über das Motiv seiner sonderbaren Handlungsweise. Der geohrfeigte Arzt brachte nun. die Chrenbeleidigungsklage gegen den Studenten-ein und der staatsanwaltschaftliche Funktionär erhob die Anklage wegen Amtsehrenbeleidig kng, weil ein Spitalsarzt als öffentlicher Beamter anzusehen sei. Bei der gestrigen Verhandlung blieb der Beschuldigte bei seiner Verantwortung. Uebcr das Motiv seiner Tat befragt, erklärte P., er könne Nur soviel sagen, daß er zwei Tage vor dem! Vorfall erfahren habe, daß der Kläger seinerzeit eine dritte Person beleidigt und beschimpft habe. Auf die Aufforderung des Richters den Namen dieser Person zu nennen, erklärte ,P., daß er den Namen der D.a m e, um!, die es sich handle, absolut nicht nennen könne, da er durch Ehrenwort an Diskretion gebunden sei. Richter mußte schließlich die Verhandlung zur Klärung der Frage, ob der Sekundararzt als Amtsperson anzusehen sek, die Verhandlung vertagen. Ser Polizist als Preisbom. Vor dem Bezirksrichter Dr. Narz, Strafbezirksgrricht I, war gestern der Schwerinvalide Jakob Jung wegen Einmengung in eine Amtshandlung angeklagt. Nach dem Inhalt der vom OLerwachmann Johann N i e g l e r erstatteten Meldung soll der Beschuldigte am 16. Juni vor dem Vergnügungsetablissement Maxime, wo einer seiner Bekannten arretiert wurde, dem Wachmann zugerufen haben: „Lassen Sie den Mann aus, er hat ja nichts gemacht." Vor Gericht erklärte Jung, daß er lediglich dem Wachmann gesagt habe, er kenne den Arretierten, dieser habe ja nichts gemacht. Er selbst sei hierauf vom Wachmann Riegler nach Boxerart mißhandelt worden und habe er von ihm einen SchlaggegendierechteKinnlade erhalten und sei er noch heute wegen der Folgen dieses Schlages in Behandlung. Dann seien vier oder fünf Wachorgane auf ihn los und hätten ihn gepackt und auf die nächste Wachstube gebracht. Im Wachzimmer habe man ihn fesseln wollen. Zufällig sei der diensthabende Inspektor ein guter Bekannter von ihm gewesen und dieser habe veranlaßt, daß er mittels eines Autos auf das Kommissariat gestellt wurde. Ts hätten sich auf der Wachstube mehrere Personen als Zeugen für ihn angeböten, doch seien diese hinausgeworfen worden. Der als Zeuge vernommene Oberwachmann Johann Riegler bestätigte den Inhalt seiner Meldung und erklärte, daß der Beschuldigte, obwohl er eine F u tz - Prothese und einen schweren Kopfschuß habe, stch derart renitent benommen habe, daß er von mehreren Wachleuten auf die Wachstube geführt werden mußte. Staatsanwaltschaftlicher Funktionär: „Ist es richtig, daß der Angeklagte während der Eskorte einen Schlag gegen die Kinnlade erhalten hat?" Zeuge: „Das kann schon möglich sein, Wenn vier oder fünf Wachleute mit einem Arrestanten zu tun haben, so kann er leicht etwas abbekommen (!)." Jung (zum Zeugen): „Sie waren doch derjenige, der mir den Schlag versetzt hat. Ein Inspektor hat mir gesagt, daß Sie ein Meisterboxer sind." Richter: „Cs stand Ihnen selbstverständlich frei und war Ihr gutes Recht, sich über das Vorgehen der Wache zu beschweren, das ändert aber nichts an Ihrer Strafbarkeit." Der Richter verurteilte schließlich den Beschuldigten wegen Einmengung in die Amtshandlung zu einer Geldstrafe von 10 Schilling, eventuell zu 24 Stunden Arrest. „BiMg in der Auslage — teuer im Geschäft." Zu unserem diesbezüglichen Gerichtssaalbericht vom 6. Juli ist nachzutragen, daß der verurteilte Schneidermeister Adolf Bürger, der keinerlei schädigende oder gar betrügerische Msichr mit der inkriminierten PreiSanschretbung gehegt haben will, gegen das Urteil die Berufung eingelegt hat. Von Professor Gustav Cassel .(Stockholm). Der kannte WirtschastStheoretiker Professor Cassel, der bei Der eben beendeten internationalen! Handelsrammerkonferenz in Stockholm energisch für die Anfhebung aller HandelShemmnisse ringetreten ist, veröffentlicht im QuartalSbsricht der „Skandinaviska Kredttaktiebolaget" den nachstehenden Aufsatz, der znM. Preisproblem [in interessanter Werse Stellung nimmt:' Bei einLm normalen wirtschaftlichen .Fortschritts etwa! drei Prozent im Jahre Mtsprechewd^ wird der jährliche Weltbedarf an Gold Um 1940 herum nahezu 3,75 Milliarden! Gvldsrancs betragen. Und es wird [aller Wahrscheinlichkeit Nach nicht möglich sein, auch snur die Hälfte dieses Bedarfes zu decken. . Eine solche Beschränkung der Goldvorsorgung muß natürlich einen fortschreitenden Rückgang des Preisniveaus zur Folge haben, einen Rückgang, von dem eigentlich ein Ende nicht avznsehen ist. Das Mittel, das wir zur Verftlguna haben, dies Unglück zu verhindern, besteht dariit, daß alle Länder zU einer systematischen UUü HiÄbÄvußten Einschränkung der monetären Nachfrage nach Gold Zusammenwirken. iEin solches Zusammenwirken wurde auch tatsächlich Durchsdi« Konferenz in Genua 1922 em'gMtet, Und die neue englische Goldwährung ohne Goldumlauf ist ein Faktumvvn grundlegender BedÄltuUg für die 'MÜNzgeschichte Edier nächsten Jahrzehnte. Der Erfolg der [ganzen Sparsamkeitspolitik würde indessen gefährdet worden feint, wenn Indien zUr Goldwährung in ihren: alten Sinne mit tatsächlichem Goldumlanf Übergegangen wäre. Obwohl dies« Gefahr nUn abgewehrt ist, stehen'wir doch Vor dev-Tatsache, daß. Indien sehr bedeutende GoldqUantitäten an sich-zielst, Um die Basis seiner neuen Goldwährung zu stärken. ^Es ist nicht Unwahrscheinlich, daß dieser Umstand bis zU einem gcüvissen Wade die >Asuffassmlg des Goldmarktes in der Welt beeinflußt und insbesondere den Wund für einein in den Vereinigten Staaten immer mehr hervortretenden Wunsch abgibt, den angesammelteu Goldvorrat zu behalten und ihn sogar zU vermehren. Eine mehr beharrliche Tendenz in dieser Richtung kann indessen nicht tritt Sicherheit von den zufälligen Schwankun-. gen des Preisniveaus unterschieden werden, bevor einigt Jahre verflossen sind. In Amerika läßt sich aber für die letzten zwei Jahre eine Senkung doS Preisniveaus um rund 10 Prozerrt feststellen, und der Preisfall in anderen Goldwährungsländern entspricht ungefähr dem amerikanischen. Es scheint auch mehr und mehr klar, daß dieser Preisfall mit einer steigenden! Nachfrage nach Gold für monetäre Zwecke zusmmuenhängt. Gyvnmt aber der Wettbetverb der verschiedenen Lärrder Um das Gold imrner weitere jAjusdehnung, so wird sicherlich die unausbleibliche Mge H: feist, daß die Goldknappheit äußerst aktuell und unter solchen Verhältnissen wird es unmöglich sein, ein sortschreitelrrdes Sinken des Preisniveaus zu verhindern. Nun ist der monetäre Woldbedarf in hohem Grade konventionell. Wenn dis WeÜ sich vorstellt, daß eine Zentralbank 'eine Golddeckung von 60 Prozent Wen muß) ,jb ist es kaum zweckmäßig, daß eine solche Bank viel weniger hat. Wenn aber die allgemeine Auffassung sich ändert, so >dah eine Golddeckung von beispjielsweife M oder 80 Wogerrt für völlig hinreichend gehalten wird, so ^virds jede einzelne Zentralbank sich ebenfogUt mit einer solchen Golddeckung -behelfen können.Es gilt, Terr-arn für die Auffassung izu gewinnen, baß die Zerrtralbanken sehr wohl mit Miniem niedrigeren Deckungsprozent, '!älZ tzs bisher WM gewesen, auskommeU könsten, und daß die meisten Zentralbanken in Wir..'! V;cit am besten damit bedient sind, daß sie in großer Ausdehnung anstatt Gold-- lassen Reserven in den großen lMxtzentveN London Und Newhork Wien. Man fragt sich vielleicht, ob W wirklich Notwendig ist, diese lAnstrerrgungen zu Machen, Mit anderen Worten, ob es wirklich so gefährlich wäre, wenn das Preisniveau eine fortschreitende Senkung erführe. Darauf kann die Antwort stur lauten, daß > ein ständig sinkendes Preisniveau unbedingt eine wirtschaftliche Depression prit sich bringen muß. Diese .Depression braucht nicht rrptwerrdigerweise zu einer Krise zU führen, sie kann aber auf lange Zeiten hin die Entwicklung der Wirtschaft hemmen, und dies ist bedenklich genug für eine Welt, dick nach all den unerhörten Verlusten, die sie erlitten, all« ihre Kräfte aufbieten sollte, um ihre Produktion arrf das höchstmögliche Maß zu steigern. Das Bewußtsein, daß das P-eisuiveau im Sinken begriffen ist, wirkt natürlich vor allem auf die Produktion ein, die auf längere Sicht gestellt ist, also stuf Bautätigkeit, Eisenbahnanlagen Und Konstruktionsarbeiten im allgemeinen, Überhaupt auf solche WoduktioN, diä die Festlegung großer Kapitalien auf lange Zeit erfordert. Es ist ganz klar, daß es eben diese Produktionszweige sind, die gegenwärtig unter der stärksten Depression leiden. (Die bedrückte Lage der Wfenindustrie ist ein hinvoicheicker Beweis dafür. Eine wichtige Ursache ist aller Wahrscheinlichkeit nach 'auch das fallende Preisniveau. Es ist zn befürchten, daß eine Depression, die durch 'diesen Faktor Hervorgerusen wird, an Stärke wachsen wird, je mehr das Publikum zu der Ueberseugung gelangt, daß der seit einigen Jahren stattfindende Preissatt von mehr dauernder Natur ist. Es liegen also ■ für die Vertreter des praktischen Erwerbslebens sehr triftige Gründe vor, eine eiugeherrde Aufmerksamkeit der Frage zu widmen, in welchem Maße eine üllgchntziM Absetzung des! bisher'chsprschendtzn konvtzntioMen Stairdards für die Goldbasis jdes Geldwesens möglich Ist, Mb welche Bedeutung eine solche Politik der Sparsamkeit mit Gold für die Stabilisierung des Preisniveaus besitzt. Ile SMMe ms »ee Sttnfetenj ttt Aottnlinnkn. Newyork, 6. Juli. Die -Besprechungen der Präsidenten der Notenbanken von Deutschlazch, England mH Frankreich mit dem Gouverneur Strvng der Meml Reserve-Bank nehuren guten Fortgang. Als H'auptprogrammpunkt wird von amerikanischer Sette KvntrVlle und Manipulation der Goldreserven der Welt ausgestellt, worin die einzige Möglichkett bestünde, den schweren Erschütterungen des internationalen Preis-' Niveaus vorzubeugen. Polens Amerika-Anleihe. (rin ArschiiK tun 15 Mimen sonnt. Aus Warschau wird uns berichtet: Die langen und wechselvollen Verhandlungen der polnischen Regierung mit dem amerikanischen Finanzkonsortium über die Aufnahme einer Anleihe sind nunmehr zu einem Abschluß gekommen, der die bisher undurchsichtige und zu allerlei Gerüchten Anlaß gebende Lage der Anleihefrage irgendwie klärt. Es wurde vertraglich prinzipiell die Gewährung einer Anleihe von 60-Millionen Dollar an Polen durch das amerikanische Konsortium festgesetzt, doch, ist der. Ausgabekurs und der Termin der Begebung der Anleihe noch nicht bestimmt. Auf diese Anleihe wird das Konsortium der polnischen Regierung sofort einen auf sechs Monate festgesetzten Vorschuß von 15 MillionenDollar zur Stabilisierung der Währung zur Verfügung stellen. Wie Ihr Vertreter erfährt, soll die erste Tranche der Anleihe, etwa 3 bis 4 Millionen Pfund, in London zur Zeichnung aufgelegt werden. Wie es heißt, sollen Rediskontmöglichkeiten bei verschiedenen Notenbanken der polnischen Nationalbank für die nächsten Monate zur Verfügung stehen. Ne Anleiheverhandlungen zwischen Rumünieu und Deutschland. Wiederaufnahme bevorstehend. Bukarest, 6. Juli. Die Anleiheverhandkungen zwsschen Deutschland und Rumänien, welche von dem Finanzminister der Avarescu-Regierung, Lapedatu, begonnen und infolge der Demission seiner Regierung unterbrochen worden waren, werden in den nächsten Tagen wieder ausgenommen werden. Zu diesem Zwecke wird sich der Finanzminister Bintilla Bratiann nach Berlin begeben. ' Im Zusammenhang mit den Anleiheverhandlungen soll guch die Frage der während der deutschen Okkupation Rumäniens im Kriege ausgegebenen Noten der Banea Generals, die noch immer in Schwebe ist, einer Erledigung zugsführt werden. &.:> Schwache Lira, fester Leu. Die Lira hat sich auf den Devisenmärkten ziemlich stark gesenkt; sie ging m Zürich von 28.80 aus 28.42-Z zurück. Dagegen hat der Leu seine feste Tendenz der letzten Zeit jetzt ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht, indem er sich auf 3.17 Parität Zürich erhöhte; nachbörslich wurde auch ern Kurs von 3.20 bis 3.21 gegeben. -Die Devise Madrid ist von 89 auf 86.60 zurückgegangerr. Der Schilling notiert unverändert 73.10. Ein Preisausschreiben für die Hebung des Julandskonsmu-. Die unter der Parole ,Must österreichische Waren!" auS Vertretern der Handelskammern, der Kammern für Arberter und Angestellte, Landwirkschaftskammevn, Hauptvsvband der Jrchststvie, Hauptvevband der österreichischen Kausmaynschaft, Ge-. Werbeverbände ustv. ge-bilidete Arbevtsgemernschast hat «in Preisausschreiben mit etn-em 1. Preis vou 2 000 Schill-istg und 11 weiteren Preisen von 1600 bis 200 Schilling, insgesamt 7600 Schilling, für die Beantwortung folgender Frage beschlossen: ,Mrvum wird so häufig ausländische Ware der österreichlschen vorgezogen und warum soll österreichische Ware mehr als mÄher gekauft werden?" Oesterreichisches Kapital für eine ungarische Papierfabrik. Wie bererts berichtet, schweben zwischen der Oesterreichischen Bodenkreditanstalt oezw. der im Besitz dieses Instituts befindlichen Steyrermühl A.-G. und der Pester ungarischen Kommergialbank Verhandlungen über die Errichtung einer Papierfaovik in der Nähe von Budapest. Diese Verhandlungen stehen nun, wie wir erfahren, vor dem Abschluß. Die Errichtung der Fabrik wurde bereits prinzipiell beschlossen und es sim> noch die Fragen des Umfanges und der Art der Produktion zu regeln. Nach dem von der Steyrermühl ausgearbeiteten Plan soll die Fabrik, für deren Gründung von. den beiden Jnteressentengruppen insgesamt zirka 450 Millionen Schilling zur Verfügung gestellt werden, jährlich 600 bis 700 Waggons mittelfernen Papiers erzeugen, was etwa 65 Prozent oer ungarischen Papiereinfuhr entspricht. Insolvenzen. Das gerichtliche MSgleichsverfahren wurde eröffnet über: Wirth u. Weningsr, Wien, 1. Bez., Wrpplinaerstraße 16; Franz Josef L 0 va 10, Deichgräber, Men, 17. Bez., Weidmanngasse 31. iFellbietungen. AM 8. Juli, um 3 Uhr nachmittags, nnrd jm Donaukanal bei der Martenbrücke ein Schiff, am selben Tag, von 3 vis 7 Uhr, werden in der gerichtlichen AuktionShalle, 1. Bez., Jakovergasse 1, Pelzwaren, eine Geschäftseinrichtung, Reiserequisften, Silbersachen usw zwangsweise versteigert. Meuer Börse. Geringer Verkehr. — Ungleichmäßig. Ber andauernder Geschäftslostgkeit gaben die günstigen Berichte vom Berliner und Budapester Platze (Prag Hütte Feiertag) ln einzelnen Kulissen gebessert Kurse, so in Poldt, Felten, Trifailer, später zogen auch Rima 'sowie Kredttaktten zufolge von Deckungen an. IN Rima und Salgo war gegen Börfenschlujz zufolge von Budapester Arbitragekäufrn etwas lebhafteres Geschäft, sonst lag der Asttenmarkt ruhig und die Kurse -zeigten keine größeren Veränderungen. Auch im Schvankon war PWM

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