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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-07 · Heft 3002 (7.7.1927) · p. Seite 5

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3002 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3002 Wien, Donnerstag Wiener Msrgen-eitnng 7. Juli 1927 Seite 8 Am besten sind doch die Ceschka-hüte VUn HaliaritnS» fll WIEN IX., AliintuSt Nr. gibt so leicht keinen, der sich von der Teilnahme ausschließt. Man freut sich auf den Hochzeitstag schon daS ganze Jahr und an ihm ruht alles berufliche Leben in Plougastel. Schon in früher Morgenstunde versammeln sich alle Paare, die an diesem Tage getraut werden sollen, in Anwesenheit der ganzen Bewohnerschaft auf dem Marktplatze. Sobald alle Brautpaare versammelt sind, ziehen sie in einer riesigen Prozession, der sich alle Bürger anschließen, zur Mairie, um dort die Ziviltrauung vollziehen zu lassen. Nach Beendigung dieser Handlung marschieren die Brautpaare mit ihren Angehörigen unter Vorantritt der Musikkapelle dreimal um den Ort, wobei der Zug natürlich wiederum von der ganzen Bevölkerung begleitet wird. Der Zug endet an der Kirche, in der der Priester die Trauung all« Brautpaare vollzieht. Daran schließt sich dann das große HochzeitSmahl, das öffmtlich unter freiem Himmel auf dem Marktplatze stattfindet. Die Zahl der Brautpaare erreicht manchmal eine ziemliche Höhe und eS ist schon vorgekommen, daß gleichzeitig gegen 70 Eheschließungen an dem Hochzeitstage von Plougastel stattgefunden habet:. An solchen Tagen ist das kleine Oertchen Plougastel oft die Stätte von Rekordschmausereien, denn der Tag gilt dort als allgemeiner Feiertag. Re „Mütter des BMerlmndes". Lange bevor der Völkerbund ins Leben trat, . hatte der „internationale Rat der Frauen" daS Licht der Welt erblickt, der gegründet worden war, um für die Ideale zu wirken, denen heute die Arbeit des Völkerbundes gilt. „Wir erheben Anspruch darauf, als die Mütter LeS Völkerbundes angesehen zu werden", erklärte Lady Aberdeen, die über ein Menschenalter lang das Amt der Präsidentin des RatS innchat. Dieser internationale Rat war im Jahre 1838' gegründet worden. Gr setzt sich aus Unterabteilungen zusammen, die in vierzig verschiedenen Ländern bestehen, und deren Mitgliederzahl nach niedrigster Schätzung 40 Millionen Frauen beträgt. „Unsere gemeinsame Arbeit gilt dem internationalen Frieden und dem Wirken für das Schiedsgericht," erklärte Lady Aberdeen, „und der Erziehung der Kinder im Geist der Grundsätze unseres Verbandes." An der letzten Ratsversammlung nahrn auch eine Inderin, Lady Dora Tath auS Bombay, teil. Die Burenfrauen hatten ebenfalls Vertreterinnen entsandt; unter den Delegierten befand sich neben zahlreichen Akademikern auch ein weiblicher Senator auS ^lolen. . f •! Wien. 7. Juli. Das Trerschützker. Von Vorarlberg geht eine nette Aktion auS. Sie richtet sich gegen das Schächten und knüpft an einen Bescheid des Magistrats von Bregenz an, der das Schächten nicht pepbieten konnte und dem lokalen Tierschuhverein den Rat erteilte, ein für das ganze Land geltendes gesetzliches Verbot anzustreben. Weshalb nur fiir Vorarlberg? dachten sich die Tierschützler, weshalb nicht fiir den ganzen Bund? ES wird also ein Volksbegehren propagiert. Ansonsten haben diese Schutzvereine wenig zu tun. Daß Hunde Karren ziehen. Pferde geprügelt und Vögel und Waldgetier in Schlingen gefangen werden, regt die Leute nicht jo stark auf, wie der geschlichtete Ochse, Die Aktion, die vorbereitet wird, ist ein Angriff auf die Gewissens srerhelitl. Die Ochsenfreunde wissen das sehr gut und das ist ja der Anlaß zu dom Getue. Sie wollen den Juden einS versetzen. Wohin du schaust — überall Hakenkreuz. Gerade, während dies geschrieben wird, kommt auS Oslo die Meldung, daß der OdelSlhing (die Reichsversammlung Norwegens) den RcgierungSantrag auf Erlassung eines SchächtvervoteS abgelehnt hat. Adolf Epler gestorben: In Prag ist nach kurzem Leiden der Großindustrielle Adolf Epler im 70. LebenSjahr gestorben. Adolf Epler, ein Bruder des Wiener Bänkdirektors Siegmunv Epler, hat lange Zeit in Südafrika gelebt und war wegen seiner Hervorragenden fachlichen Fähigkeiten sowie seiner ausgezeichneten HerzenSeigenschaften allgemein verehrt. Crne angeschwemmte Lerche ohne linkeS Bein. Nach einer Mitteilung der GendarmerieausforschungSuifpektion Kremwurde dort am 2. d. M. bei HundSyelitt» GeMeindevezirk Mauternbach, die Leichs eines Mannes aus der Donau geborgen, deren linker Fuß und Arm WIR bitten unsere Leser und Freunde, in Kurorten u. Sommerstischen in allen Restaurants und Kaffeehäusern sowie in Lesehallen stetunser Blatt zu verlangen! ■4. Die Schlacht von Schattendorf. Set Beginn de» Sengenvechü«. — Sie magyarische grredenta im Bargenland. Das Auditorium war gestern stärker und seine Haltung weitaus nuancierter denn am Beginn. ES sind die auS allen einschlägigen Straßendemonstrationen bekannten Führer der Frontkämpfer und die nationalsozialistischen Burschen zugegen, und sie machen auS ihrer Stellung kein Hehl. Ihre Heiterkeit wird immer wieder während der Aussage des Bürgermeisters von Schattendorf laut, der dem Schutzbund angshört. Bemerkenswert ist, daß der Präsident gestern die Geschworenen deutlich an «ihre Pflicht der Unparteilichkeit mahnen mutzte. Gestern begann das Zeugenverhör. Die ersten zwei Aufgerufenen waren nicht erschienen, sie weilten beim Raseur. Bürgermeister Johann Graf! schilderte als Zeuge die Verhältnisse im Ort. Zwischen Sozialdemokraten und Christlichsozialen herrschten nur geringfügige Differenzen, die erst nach der Gründung der Frontkämpfer, gruppe in offene Feindseligkeit auSarteten. Die Bevölkerung war wegen der magyarischen Propaganda und der Drohungen der Banden in steter Erregung. Es gibt Leute im Ort, die zu Ungarn zurückwollen, der Großteil der burgenländischen Bevölkerung will aber von Ungarn nichtwissen. Der nächste Zeuge, der Frontkämpfer Josef G r a f l, erzählt ausführlich die Ereignisse des 30. Jänner. Ihm sei vor dem Gasthaus zugerufen worden: „Hund, heut' bist hin!" Während der Schubszene war der Zeuge davongegangen. Der Vorsitzende stellt fest, daß dieser Zeuge wegen Diebstahls ein Jahr gesessen ist. Die Konstatierung führt zu einer erregten Kontroverse zwischen dem Vertreter der Prtvatbeteilrgten Dr. Reichart und einem Verteidiger. Dr. Reichart erklärt sodann: Einer der Herren Geschwornen hat bei verschiedenen Stellen des Verhöres mit dem Zeugen voll und breit dazu gelacht. Ich wünsche nicht, daß die Geschwornen uns schon jetzt ihre Meinung darlegen. Das hat Zeit bis zum Verdikt. Besonders zwei Herren sitzen auf de« Geschwornenbank nebeneinander, die jedesmal miteinander tuscheln und lachen, wenn etwas gegen die Sozialdemokraten gesagt wird. Der Vorsitzende ermahnt die Geschwornen, während der Verhandlung keinerlei Zeichen der Zustimmung oder der Abneigung zu geben, sondern sich vollkommen ruhig und unparteiisch zu verhalten. Der Zeuge Jakob Grafl gibt dann an, er habe gesehen, daß zwei Leute aus langen Pistolen geschossen hätten. Der Landwirt Georg Guttmann, ein Frontkämpfer, erzählt, er sei um 3 Uhr nachmittags auf die Bahn gegangen und habe auf dem Wege erfahren, daß Grafl und Geßl blutig geschlagen, und in einen Abort eingesperrt wurden. Er sei daraufhin in das Wirtshaus zurückgelaufen. Als die Schutzbündler gegen daS Wirtshaus vorrückten, sei er geflohen. Auf einmal habe man Hornfigirale gehört, und es wurden Steine gegen das -Wohnhaus geschleudert. Bald darauf hörte man Schüsse. — Bors.: Wissen Sie bestimmt, daß es Schüsse waren, konnten es nicht auch Steine gewesen sein? — Zeuge: Es waren bestimmt Schüsse. Die Frontkämpfer fühlten sich von den Schutzbündlern umzingelt. Der nächste Zsuge Johann Müllner, gleichfalls Mitglied der Fronlkämpferverein-igung, will ähnliche Wahrnehmungen gemacht haben und erklärt mit Bestimmtheit, daß die ersten Schüsse von seiten der Schutzbündler gefallen seren. «eeoeeeeeeeeeeeeoeeeaeeeeeeeeeeeeeoe« eeeoeeQeeeoeeQQeeeeeeeeooQeeeeeeeoeQeQeeo abgetrennt waren. Der Tote war zirka 30 vis 60 Jahre alt mittelgroß, hatte rötlichen Schnurrbart und im> Unter- und Oberkiefer schadhafte Zähne, war nur mehr mit Stoffresten und ernem schwarzen Schnürschuh bekleidet. Ein Strupfen des Schuhes trägt die Firmenbezeichnung „Ludwig Tinnhoser Leonstein a. d. Thaya". Die Leiche muß schon längere Zeit tnt Wasser gelegen sein, da fte stark verwest ist. Man vermutet, daß der Mann Baden ertrunken ist. Die Erhebungen sind im Zug. Das Wetter. Die HundstagShitze hat auch gestern unvermindert angehalten. Die Voraussage läßt cm noch weiteres Ansteigen der Temperatur erwarten. Der Platz vor der Nationalbank wird verbaut. Die große Gartenanlage vor dem Gebäude der Nationalbank in der Alserstraße wird verbaut werden und das Nationalbankgebäude wird dann von der Alserstraße nicht mehr sichtbar in einem Häuserviertel verschwinden. Dies wurde in einer gestern vor dem Verwaltungsgerichtshof stattgehabten Verhandlung, in welcher die österreichische Nationalvank als Beschwerdeführerin gegen die Gemeinde Men wegen der Höhe der ihr vorgeschriebenen Wohnbausteuer austrat, als hauptsächlichster Grund für die Herabsetzung dieser Abgabe ins Treffen geführt. Dnrchiwanderung durch Oesterreich. Aus der Statistik über die Durchwanderuttg fremder Staatsangehöriger durch Oesterreich geht hervor, daß im ersten Quartal dieses Jahres 7947 Ausländer durch Oesterreich durchgewandert find. Von diesen Durchwanderern waren IM Reichsdeutsche, 128 Bulgaren, 227 Estländer, 126 Italiener, 2362 Jugoslawen, 88 Nordamerikaner, 1373 Polen, 1604 Rumänen, 432 Russen, 136 Tschechoslowaken und 849 Ungarn, während der Rest auf Angehörige anderer Staaten entfällt. Don den Durchwanderern waren 6947 männlichen, 1400 weiblichen Geschlechtes. 6279 Personen waren erwachsen, 1088 Kinder. Von den Durchiwianderern, unter denen sich 1290 Familien befanden, begaben sich 5378 nach Nord- und Südamerika, 163 nach Australien, 87 nach Frankreich, 35 nach Palästina, der Rest entfällt auf andere Zielländer. Der Kongreß für wissenschaftliche Bodenforschung. Der internationale Kongreß für wissenschaftliche Bodenforschung, über dessen Eröffnung und Verlauf wir wiederholt verichteten, wählte, wie uns aus Newyork geschrieben wird, den Führer der russischen Delegation Proß K. D. Klin- Low zum Kongreßpräsidenten. Prof. Klinkaw gilt heute als der bedeutendste Fachmann auf dem Gebiete wissenschaftlicher Bodenforschung, der ungeachtet der politischen Zustände in Sowietrutzland seine Forschungsarbeiten, wie er erklärte, ungestört vorzuführen vermag. Unter seiner Führung entsandte die russische Regierung 21 Delegierte zum Kongreß. Der Kongreß beschloß, seine nächste internationale Tagung in Leningrad abzuhalten, um auch hiedurch zu bekunden. welche Wichtigkeit die in Rußland im Zuge befindliche BodenkolonisationsbewWMg für die wissenschaftliche Agrikultur besitzt. Edison lobt die moderne Frauenkletdung. Go lautete laut einer amerikanischen Zeitung EdisonS Meinung Über die nroderne Frauenkleidung: „Die Toilette der Frau wird mit jedem Tag einfacher und schöner. ES macht sich hier offensichtlich der Fonschritt der Zivilisation bemerkbar. Die Tatsache ist ja wohl bekannt, baß sich die ersten Afrika forscher jungen Negerinnen gegenüber sahen, die Schmuckstücke im Gewicht von 50 Kilo auf dem Körper trugen, die ihr eigenes Körpergewicht überstiegen. Heutv wiegt eine Toilette, einschließlich des dazu getragenen Schmuckes, nicht mehr als ein paar Dutzend Gramm. Die Frau ist leichter geworden. Sie will nicht mehr gewichtig erscheinen und hat damit vollkommen recht!" Die Fermentiemng des Smuyisnms. Die „Frankfurter Zeitung" teilt das folgende mit: Heinrich Laufenberg und Walther Funder, die Herausgeber der „Harpune", Monatsschrift für KulturradiAlis-i .wd, WMW in HaMMW.MlWerp, den Löschungsantvag: „Der auS der „Freien Vereinigung zum Studium des deutschen Kommunismus, e. B., Sitz Hamburg" hervorgeaangene „Denksportring, e. V., Sitz Hamburg" beantragt hiemit laut Beschluß seiner Generalversammlung vom 28. Juni 1927 seine Löschung bei: der Abteilung für Vereins- und Güterrechtsregrster oes Amtsgerichts in Hamburg, da die iniellekbtnle Konseouenzr die Fermentierung des Smithismus und seines pseudorevoluttonären, hegelianistisch verbrämten Ausläufers, des Marxismus, philosophisch und historisch erreicht ist. Die russischen Kinderkrankheiten deS RadiakliSmuS Md durch die intensive Heil-Beeinflussung — mit relativrsttsch-westeuropäischen Ideen — sichtbar in ein Rekonvaleszenzstadium gedrängt worden, wie die russischen Staatskonturen, wenn auch vorläufig nur wie im Nebel, in der Entwicklung des. Zentralismus zum Föderalismus innerhalb Rußlands bereits Nachweisen. Außerhalb Rußlands haben sich die russischen lind österreichischen Nachfolgestaaten, die damals aus taktischen Gründen als „imperialistische Pufferstaaten" definiert lourden, als kulturnotwendig und dccher als lebensfähig erwiesen." — Staunend liest's der betroffene Amtsrichter. Der Sldvokat rn Kniehosen. Der Verfassungsgerichtshof beschäftigte sich gestern mit einer Beschwerde der Gemeinde Laxenburg gegen eine Entscheidung des niederösterreichischen Landesagrärsenates. Dem Vorfahren wollte sich auch das Kasino in Laxenburg als trivarbeteiligter anschließen und hatte seinen Beamten, r. Feichtner, zur Verhandlung entsandt. Dir. Feichtner präsentierte sich dem VerfassungsgerichMof in Kniehosen, was dein Vorsitzenden Präsidenten Dr. Vittorelli zu einer Rüge Anlaß gab. E sas neue PioNem: ein teures relegrmm oder ein billiger aiufWMec LnftvoMes? Ein Telegramm nach Polen kostet für zehn Worte 3.70 Schilling, ein Expreßbrief 1.10 Schilling; der Luftpostbrief, der in einigen Stunden nach Aufgabe in Wien dem polnischen 'Adressaten zugestellt wird, nur ■—.60 Schilling. Aufgabe bei allen Postämtern; am Abflugstage bis 7 Uhr 20 Min. morgens beim Hauptpostamt. Fiir S 3 — erhalten Sie in unser«« üSflcftergdiiynminr - Bücher bester Autoren in vornehmen Elnbäadefl, unter anderen: DOSTOJEWSKI: Aufzeichnungen aus einem Toten* hause DOSTOJEWSKI: Werdejahre (2 Baude) DE COSTER: Die Hochzeitsreise ZOLA: Nana ZOLA: Germinal ZOLA: Der Werk ZOLA: Zusammenbruch BERNARD SHAW: Der Amateuriozialist BERNARD SHAW: Cashei Byrons Beruf J. J. DAVID: Uebergang, Roman HANNS HEINZ EWERS: Der Geisterseher MAXIM GORKI: Drei Menschen A. DAUDET: Die wunderbaren Abenteuer des Tar* tarin von Tarascon KÜRNBERGER: Der Amerikamüde SSOLOGUB; Der kleine Dämon SSOLOGUB: Süßer als Gift BUCHHANDLUNG R. IÖWII, WIEN I., ROTENTURMSIB* '

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