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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-07 · Heft 3002 (7.7.1927) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3002 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Sette 4 Wien, Donnerstag Wiener Mvrgenzettnng 7. IM 19'. Nr. 8002 Wildwest in Wien. Raabaasall im Autotarl- Gestern nach Mitternacht spielte sich während der Fahrt irr einem Autotaxi ein Raubanfall ab, der stark an amerikanische Verhältnisse erinnert. Ter Verkäufer Leopold R u z i e k a, ein LOjähriger junger Mann, kam mit dem Tischlergehilfen Franz Marek aus einem Gasthause auf den Sechshausergürtel. Die beiden trafen dort den Kutscher Karl Mayer Hofer und den Garagemeister Leopold Ionisch, die sich alsbald dem Ruzicka anschlossen. In aufgeräumter Stimmung lud der junge Mann die ganze Gesellschaft zu einer Autofahrt ein. Sie mieteten ein Lohnauto, da kam noch der 42jährige Johann S t e p a n dazu, und so fuhren die Männer von oinem Nachtkasfee ins andere und überall spendete Ruzicka in freigebiger Laune Bier. Nach 2 Uhr morgens fuhr dann die Gesellschaft über die Gumpendorserstraße. Im Auto selbst saßen Ruzicka und Mayerhofer, auf den aufgeklappten Notsitzen ihnen gegenüber Ionisch und Marek. Stepan hatte sich zum Chauffeur gesetzt. Plötzlich spürte Ruzicka, daß Mayerhofer an seiner Revolvertasche, in der sich sein Geld befand, herumfingerte. Auf die erstaunte Frage, was er denn da wolle, rief Mayerhofer zurück: „K usch!" Ruzicka ahnte, was ihm drohe, und er rief aus Leibeskräften aus dem fahrenden Auto: „Hilfe! Wache!" Im nächsten Moment setzte Janisch ein Schnappmesser gegen de» Hals des Ruzicka und rief ihm zu: „Wenndu noch einmal rufst, schneid' ich dir den Schädel ab!" So satz Ruzicka regungslos, das Messer am Halse; inzwischen schnitt Mayerhofer gemütlich die Außenseite der Revolvertasche auf und zog die Brieftasche heraus. Plötzlich wurde dem Mayerhofer der Hut durch einen Windstoß vom Kopfe gerissen und flog auf die Straße. Der Chauffeur, der nicht wußte, was hinter ihm vorgegangen war, bemerkte den davonfliegenden Hut und hielt das Auto an. Aber auch ein Wachposten bemerkte den Hut auf der Straße und hob ihn auf. Mit einem Sprung war Mayerhofer aus dem Wagen, bedankte sich bei dem Polizisten, nahm den Hut und eilte mit Janisch im Grauen der ersten Morgenstunden davon. Jetzt erst wagte es Ruzicka, das Auto zu verlassen und dein Wachebeamten sein Abenteuer zu berichten. Inzwischen aber waren die beiden Flüchtlinge über alle Berge. Das Polizeikommissariat Mariahilf nahm sofort die Fahndung auf und eS gelang noch im Laufe des gestrigen Vormittags beide Männer fe st zunehmen. Als ein Kriminalbeamter die Wohnung des Mayerhofer betrat, schlief dieser im Bett. Der Beamte fragte nach der Brieftasche, da sprang Mayerhofer mit den Worten auf: „Ich werde Ihnen gleich zeigen, was ich aus der Hofe herausgeschnitten habe!" und zog blitzschnell einen scharfgeladenen Revolver hervor. Der Kriminalbeamte entwand mit einem Ii u- Jitsu-Griff dem Verbrecher die Waffe ' Alts das Kommissariat gebracht, gab Mayerhofer an, daß es im Auto zu einem Streit um den Gewinn des Kartenspiels gekommen war und daß Ruzioka gedroht hot: ,Mk>' mir Ruhe, oder ich schieße!" Der Komplize des Mayerhofer, Janisch, wurde vormittags in der Mollar dgarageverhastet. Auch er behauptet, daß er erst auf diese Worte des Ruzicka sein Messer gezogen und gerufen habe: „Wenn du schießt, so steche ich!" Es ist klar, daß diese Verantwortung wenig glaubwürdig erscheint. Ruzicka bestreitet auch, je einen Revolver besessen zu haben. Dies wird auch von seinem Begleiter Marek bestätigt. Die Brieftasche ist spurlos verschwunden. Mayerhofer und Janisch werden nach Abschluß der Erhebungen wegen Raubes dem Landesgerichte eingeliefert. Sa» Schachturnier der sechzehn Rationen. Wie bereits berichtet, veranstaltet der britisch« Schach- Verband anläßlich des Kongresses des Weltschachbundes in London ein internationales Meisterschaftsturnier, in dem Mannschaften der einzelnen Nationen gegeneinander kämpfen. Sieger wird dasjenige Land, dessen Mannschaft die höchste Zahl von Partiezählern erringt.; «Dieses Turnier der Nationen, welches vom 18. bis 30. Juli stattfinden wird, hat bisher Mannschaften von 16 Staaten auf der Nennungsliste, unter denen sich ganz hervorragende, aus der internationalen Turnier- Praxis bekannte Spieler befinden. Oesterreich stellt folgende Mannschaft: Grünfeld, Kmoch, S. R. Wolf, Lokvenc, Dr. Grub er. Hervorragende Mannschaften stellen Deutschland (Dr. Tarasch, Mieses, Carls, H. Wagner), die Tschechoslowakei (Reti, Hromadka, Pokorny und Gilg), Ungarn (Maroci, Steiner, Bajda, Nagy), Jugoslawien (Vidmar, Kostic, Msztalos, Vukovic). Aus'Holl and nimmt der trotz seiner Jugend rasch zu Schachruhm gekommene utib insbesondere durch sein Match mit Aljechin bekannte Dr. Euwe teil, England selbst entsendet den bekannten Problemkomponisten Sir Thomas und den zähen Teilnehmer aller Turniere Dates. Aus Italien kommt u. a. der vom Meraner Turnier bekannte Monticelli. Ferner haben Argentinien, Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Schweden, die Schweiz und Spanien Mannschaften zu dem Turnier der Nationen entsendet. Lar Schachtumier in Kecskemet. Aus Budapest wird berichtet: Durch die Absolvierung ovn neun Runden des internatwnalen Schachmeisterturniers in Kecskemet ist die erste Hälfte des Turniers beendet und es konnte die Gruppierung in zwei Siegergruppen erfolgen, die je acht Teilnehmer umfassen. So sind vier Teilnehmer, und zwar Przepiorka (Warschau), Szekely (Ungarn), Müller (Wien) und Sarközy (Ungarn) aus geschieden. In die erste Siegergruppe kommen Aljechin und Steiner, die bisher je 8 Punkte erzielt haben, Niemzowitsch mit 6.5, Asztalos und Kmoch mit je 6, Gilg mit 5.5, Bajda und Ahnes mit je 5 Punkten. Dev zweiten Siegergruppe gehören an: Cvlle mit 6, Dr. Tartakower, Grünfeld und Takacs mit je 4.5, Bvinckmann mit 3.5, Dates mtt 3 und Berndtson mit 2.5 Punkten. Kecskemet, 6. Juli. (U. T. K. B.). Siegergrllppe erste Runde: Dates schlägt Takacs, Aljechin schlägt Kmoch, Asztalos schlägt Steiner, Grünfcld schlägt Bukovie, Berndtson schlägt Brinckmann, Bajda schlägt Gilg, Niemzowitsch schlägt Ahnes. Remis wurde die Partie Tartakower—Colle. >r>00<! 7ns lüdisdke Maus das iüdisdke Matt A A Z. .rtx 3. A Mit siedendem Wasser gegen einen Kriminalbeamten. Auf Grund eines Auftrages des Sträsbezirksgerichles Margareten hat gestern der Kriminalbeamte I v e n z den lAuftrag erhalten, die 40jährige Straßeubcchnersgattin und Hausbesorgerin Marie Ruck, Siebenbrunuengasse ’ 19, zur Verbüßung einer dreitägigen Arreststrafe vorzuftihreu, der sie sich seit September v.' I. zu entziehen gewußt hat. Die Frau, die als gewalttätig polizeilich bekannt ist, beschimpfte den Kriminalbeamten, als er in der Wohnung erschien, in der rüdesten Weise und wollte ihm einen Topf mit siedend ein Wasser iit das'Gesicht schleudern. Jvenz schlug ihr jedoch im letzten Moment den Topf aus der Hand. Much einen zweiten Topf, den sie ergriff, konnte er ihr entwinden. Unter Mithilfe von zwei herbeieilenden Wachebeamtcn konnte die sich wie rasend «gebärdende Frau schließlich auf die Straße getragen werden und mußte in einem requirierten Auto auf das Kommissariat gebracht werden. Die Ruck wird nach Verbüßung ihrer Strafe beim Bezirksgerichte Margareten wegen öffentlicher Gewalttätigkeit und Wachebeleidigung dem Landesgerichte eingeliefert werden. Kleine Nachrichten. Ein Maurer erkletterte in Mannheim auf Grund einer Wette um eine Kiste Flaschenbier elnen dreißig Meter hohen Schornstein, stürzte beim Abstieg ab und blieb tot liegen. Er hinterläßt seine Frau mit neun Kindern. * Vor einigen Tagen wurde in den Räumen der israelitischen KultuSgemeind« in Graz von unbekannten Tätern ein Kasseneinbruchsversuch unternommen, bet dem die Täter unverrichteter Dinge abziehen mußten. # Vom schiefen Turm von Pisa stürzte sich ein xunger italienischer Rechtshorer wegen unglücklicher Liebe auf die Straße unv blieb tot liegen. * Der bet der Firma Daniel u. Co. in der Springer- Nasse als Vertreter beschäftigt gewesene Emmerich Bilnoauer hat seiner Firma eine größere Anzahl zum kommissionsweisen Verkaufe anvertrauter Bilder veruntreut, die er dann in verschiedenen Gasthäusern zu Schleuderpreisen veräußerte. Bilnoauer wurde nunmehr verhaftet und dem LandeSgerichte eingeliefert. Der bisher festgestellte Schaden wird Mit 2000 Schilling beziffert. Bezugspreise der „Wiener Morgenzeitung": Monatlich Wien und Oesterreich'. ....... 8 5‘— Tschechoslowakische Republik.Kö 22'— Jugoslawien. Dinar 60'— Polen...Zloty 6 — Deutschland ... . Goldmark 4'— Palästina.*.sh 4'— England. sh 4'— Frankreich, Belgien. Frcs. 35*— Italien.Lire 20 — Rumänien .Lei 170- Buigarlen . Lewa 100 — Amerika.Dollar 1*— Schweiz und das Übrige Ausland . . . . , Banken 5*— Oesterr. Postsparkassenkonto;93. Ser xv. zionistenkongreß in Bafel. Das Bureau des XV. Zionistenkongresses teilt uns mtt: Die feierliche Eröffnung des XV. Zionistenkongresses findet am Dienstag, den 30. August 1927, abends, im Roten Saale des MeffegebäudeS in Bafel statt. Eine Verteilung der Gastkarten durch das Kongretzbureau an einzelne Personen findet nicht statt. Die Gastkarten werden für jedes Land lediglich durch die Zentralen derLandesverbände bezw. durch die LandeSbureaus der Sonderverbände ausgegeben. Wer also Gastkarten bestellen will, hat sich unverzüglich mit der in Betracht kommenden Landesorganisation in Verbindung zu setzen. Die Aufgabe von Bestellungen an das Kongreßbureau ist vollkommen zwecklos; sie würden vom Kongreßbureau an die Zentralen der Landesverbände zurückverwiesen. Wer sich zur Zeit der Bestellung nicht in seinem ständigen Wohnsitz, sondern im Ausland befindet, hat seine Kartenbestellungen an die zionistische Landesorganisation seines dauernden Aufenthalts' landes zu richten. DaS Kongretzbureau gibt an Gaftkarten diesmal nur Permanenzkarten aus, die den Inhaber zur Teilnahme als Zuhörer bei sämtlichen öffentlichen Sitzungen des Kongresses berechtigen, von der Eröffnungssitzung bis zur Schlußsitzung. Gastkarten für einzelne Sitzungen, Sitzungstage oder Gruppen von solchen werden nicht ausgegeben. Die genauen Preise für die Gastkarten werden noch bekanntgegeben. Es empfiehlt sich aber, daß alle Gastkartenbewerber zu einer vorläufigen Uebersicht eine kurze Mitteilung an ihre Landeszentrale, Lezw. Landesbureau ihres Sonderverbandes ergehen lassen, damit daS Kongreßbureau in der Lage ist, die Kontingentierung der deü einzelnen Ländern zugvwiesenen Plätze bereits jetzt vorz«. nehmen. Das offizielle Reisebureau des Kongreßes hat folgende Adresse: Reiseburvau deS XV. Zionisten-KongresseS, Hapag« Attenberger-Palestine-Lloyd, Basel, Messegebäude. DaS Reisebureau steht für Auskünfte jeder Art - über Bahn« und Schiffsverbindungen, Besorgung von Karten, Zusammenstellung von Touren durch die Schweiz usw. schon heute zur Verfügung. Pässe und Visa. Besucher des Kongresses müssen Wohl mit einem Passe ausgestattet sein, doch sind für die Angehörigen der folgenden Staaten Visa zur Einreise nach der Schweiz nicht nötig: Vereinigte Staaten von Nordamerika, Großbritannien, Belgien, Dänemark, Norwegen, Frankreich, Deutschland, Danzig, Oesterreich, Italien, Tschechoslowakei, Schweden. In den übrigen Staaten erfolgt die Vidierung des Passes kostenlos gegen Vorweis einer Bescheinigung des Kongreß- Bureaus. Der Quartierdienst des Kongretz-Bureaus ist in der Lage, Zimmer nachzuweifen. Anfragen sollen unverzüglich an das Bureau des XV. Zionisten-KongresseS, Quartlerdienst, gerichtet werden. Zimmer mit voller Pension in Hotels ersten Ranges sind von zirka 16.— Franc aufwärts zu haben, in gutbürgerlichen Hotels von Fr. 11.— aufwärts. Zimmer ohne Pension in Hotels ersten Ranges ab Fr. 6.—, in gutbürgerlichen Hotels ab Fr. 4.— (ohne Frühstück). Frühstück kostet in Basel von Fr. 1.— auswärts, Mahlzeiten in Restaurants sind von Fr. 2.60 an zu haben. Verband der Zionisten-Revisionisten Oesterreichs Heute, den 7. Juli, 8 Uhr abends, Diskussionsabend über den Vortrag Wladimir Motinskys Cafä Atlashof, Aspernplatz 4 Sie Stadt gsakr und Rebekkas. Im Londoner Universtty College wurde dieser Tage eine Ausstellung! von Altertümern eröffnet, die Sir Flieders Petrte am Stadlwall von Ge rer, 'südlich von Gaza, auSgegraben hat. Prof. Petrie sagte in der Ansprache bei der Eröffnung, daß Gerar die Stadt sei, die in der Bibel als diejenige bezeichnet ist, in d^vpieAhnen Israels, Jsak und Rebekka, gelebt haben. Gerer war ein wirtschaftlicher Üentralpuükt. Man habe die Lage ungeheurer Kornspeicher bloßgelegt, «sich große Wasfenarsenale befanden sich dort. Es handelt sich um einen wichtigen strategischen Punkt zwischen Aegypten und Palästina. Ser „Heiratstag". Der 23. Juni hat für die Bewohner der Ortschaft Plougastel in der Bretagne in Frankreich eine urrgeahute Bedeutung, die von einer merkwürdigen herrschenden Sitte herkommt. In diesem Orte ist nämlich schon seit uralten Zeiten das Heiraten nur an einen» einzigen Tage im Jahre erlaubt. Wenn auch das französische Gesetz wie für alle andere»» Orte deS ganzen ftanzösifchen Staates, so auch für Plougasiel gilt, so füge»» sich doch alle Heiratslustigen des TCeiueu Marktfleckens willig der alten kirchlichen Bestimmung, die anordiret, daß alle Frautpaare das Ortes zu gleicher Zeit am gleiche»» Tag« ihre Ehen schließen „»üsseu. Natürlich ist die alljährliche Mafsenhochzeit für die Bevölkerung der Ortschaft ein großes, allgemeines Volksfest. Zu fielet HoMitSAev find M WwchtH Lclccheu uch rS IJHB»/ft. **•*?*•?

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