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Wiener Morgenzeitung · 1927-07-07 · Heft 3002 (7.7.1927) · p. Seite 2

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
9 (1927)
Issue
Heft 3002 (7.7.1927)
Date
1927-07-07
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Dien, Donnerstag Wiener Morgenzeitung 7. Juli 1927 Nr. 8002 Kaufleute tm Osten durch die Sonntagsruheverordnungen, die neuerdings losgeürochene Hetze gegen das Schächten, diese Fragen greifen in das Bürger- und Menschenrecht ein. Auch hier kann nur eine organisierte Aktion Abhilfe schassen, und es ist zumindest unverständlich, wenn in Amerika Herr Marshall, einer der präsumtiven. Führer der am Ausbau des jüdischen Nationalheims arbeitenden Vertretung, gegen die Konferenz als unzeitgemäß Einspruch erhobt. Für ihn und für alle Gegner der öffentlichen Behandlung jüdischer Angelegenheiten bleibt immer nur die Haltung der anderen maßgebend. Was die Antisemiten dazu sagen werden, ist wichtiger als das Schicksal der Getretenen und Geächteten, wichtiger als die Zukunft des Judentums, das gegen die Drosselung nur auf Schleichwegen und in vertraulichen Bittgängen zu Mächtigen und Ministern protestieren soll. Das ist der Weg, der die jüdischen Interessen der Erpressung überliefert und das Selbstbewußtsein zerstört. Das Judentum, das vom Völkerbund anerkannt worden ist, ivird als Judentum verfolgt, und es muß seine Kräfte organisieren. Im hellen Licht des Tages, vor der ganzen Welt und einheitlich. Was die anderen sagen, kann fiir uns nicht entscheidend sein. Entscheidend darf nur die Sorge um jüdisches Leben und jüdische Existenz bleiben. Ser Prozeß sesen ZWM Schwarzbarth, Part s, 6. Juli. (I. T. A.) Die Verhandlung gegen den Uhrmacher ^Lchalom Schwarzbarth, der im Winter, des vorigen Jahres den Hetman P e t l j n r a in Paris erschossen hat, ist nun endgültig ausgeschrieben worden. Der Prozess ' beginnt am 17. Oktober. ßine Rathenait-ßriimerrmg. Gegen die Setze der Ieummtionaien. . . Berlin, 5. Juli. Im Reichstag hielt bei der Beratung des Gesetzes über die Kriegsgeräte der sozialdemokratische Abgeordnete Stampfer eine, bemerkenswerte Rede, in der.- er mit der Portefeuille-Politik der Deutschnalionalirn ... ab?. rechnete. Er führte unter anderem aus: Der Zweck des .Gesetzes ist die v.ollständige Entwaffnung Deutschlands. In der einseitigen Beschränkung auf Deutschland ist das Gesetz ungerecht, und wir Sozialdemokraten würden es / ablehnen, wenn nicht hinter uns die große politische' l Zwangslage stünde. ' . . I Aus dieser realpolitischen Einsicht heraus, stimmen.jetzt sogar die Deutschnationalen der Vorlage zu. Diese Einsicht war am 23. Juni 1982, einen Tag vor der Ermordung Walter Rathenaus, bei den Deutschnationalen noch nicht vorhanden. An diesem Tage hat der deutschnationale Redner Helsserich dem Minister Rathenau die Anklage ins Gesicht geschleudert, er habe freiwillig die deutsche Souveränität preksgegeben, weil er der Entente in seiner Note eine Verständigung in der Reparafionssrage angeboten habe. Am nächsten Tag war Rathenaü erschossen. Die jetzige Vorlage aber, der auch die Deutschnationalen zustimmen, bedeutet tatsächlich den Verzicht auf die Souveränität in militärischen Dingen. Nur weil wir auf dem Verhandlungswege die im Vertrag von Versailles versprochene Entwaffnung auch der anderen Staaten erreichen wollen, stimmen wir der Vorlage zu.. Wieder ein Attentat in Moskau. Warschau, 6. Juli. Wie aus Moskau gemeldet wird, wurde der Sekretär der Leningrader kommunistischen Partei Noinfki von unbekannten Tätern durch zwei Revolverschüsse schwerverletzt. Die Täter konnten flüchten. Zahlreiche Personen wurden wegen Verdachtes der Teilnahme an dem Attentat verhaftet. Im Falle des Ablebens Noinskis werden einige. Verhaftete erschossen. Die jüdische Rechtsschutz-Konferenz. 2er Kampf am die Minverheitsrechte. Die Einberufung der Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechte ist, wie wir bereits berich- Neu, vom Komitee der jüdischen Detegationon m Parts und vom «mexikanlsch-Mischm Komitee ■ erfolgt. Dieser Schritt hat ^nächst in Amerika zu einer scharfen Kontroverse zwischen Stephm M i s c, dem Präsidenten des amerikanisch-jüdischen Kongresses, und Hexen LoitiS Mars hall geführt, welch letzterer gegen die Konferenz jSttllling nahm- Auch der Großrabbiner von Frankreich, Dr. Lcvy, wendet sich gegen die Konferenz, die im Judentum zu schweren Konflikten 'Anlaß geben könne, wenn sie die Forderung nach nationalen Rechten für die jüdischen Minoritäten erheben sollte. Zn dieser Anschauung nimmt nun Herr Leo Mo tzkin, der Vorsitzende de- Komitees der jüdischen Delegationen, in einer von der jüdischen Tel.-Ag. verbreiteten Erklärung Stellung: Die Konferenz wurde einberufen gemäß einem Beschluß, der in einer Sitzung von Vertretern des Komitees der jüdischen Delegationen und des American Jewish Eon? greß gefaßt worden war. An dieser Sitzung nahmen u. «. Dr. Stephen S. W i s e, Oberrabbiner C h a j e S, Senator Ringel, Senator Rubinstein, die Sejmdeputierten I. G r ü n b a ü m und Dr. Thon teil. Im eigentlichen Sinne sollte die Konferenz der weitere Ausdruck jener Ideen fein, die in dem 1610 der Friedenskonferenz durch das Komitee der jüdischen Delegationen unterbreiteten Memorandum niedergelegt worden sind. Dieses Memorandum ist 'bekanntlich von Herrn Louis M a r s h a l l, Richter Julian Mack, Nahum S o k o l o w u. a. m. unterzeichnet worden. Die Konferenz hat zum Ziel, das Werk der Verteidigung der den jüdischen Minderheiten in einer Reihe von Verträgen gesicherten Rechte zu r e o r g a n i f i e r e n und auf eine geeignete Basis zu bringen. Die gegenwärtige Lage, da einige von früher her bestehende und einige neu gegründete Organisationen getrennte Aktionen unternehmen, die oft zu Konflikten führen und für die inan der Oeffcntlichkeit nicht verantwortlich zu sein glaubt, birgt reale Gefahren in sich, und macht die geplante Konferenz z u c in er S a ch e d er a b fo lu t k n No tw endig k e i t. Damit die Konferenz sich aus qualifizierten Vertretern zusammensetzt, wurden alle diejenigen Senatoren und Deputierten der verschiedenen Länder eingeladen, die ans e i n j ü d i s ch c s P r o g r a m m gewählt worden sind; ferner solche, die zwar nicht als Juden gewählt wurden, sich aber ernsthaft mit jüdischen 5 Problemen beschäftigen. Es wurden auch alle diejenigen territorialen und interterritorialen jüdischen Organisationen eingeläden, in deren Programm die Verteidigung jüdischer Rechte enthalten ist oder die schon Aktionen nach dieser Richtung unternommen haben, wie Alliance Jsraelite, Joint Foreign Committee, Agudas Jisroel, die Zionistische Weltorganisation, Misrachi, Poale Zion, die jüdisch-sozialistische Partei „Vnnä" Wtz As. verschiedenen jüdischen Völkerbundgesellschäften. So wird die Konferenz-verschiedene Richtungen vertreten, aber der g e m e i n s am en Aufgabe gegenüberftehen, eine Methode der Zusammenfassung der jüdischen Aktion, soweit sie sich auf die Abwehr der Unterdrückung von Juden und auf den Schutz der Rechte der jüdischen Minderheiten bezieht, zu finden. Wer nur Gelegenheit hatte, die Wirksamkeit der nichtsüdifchen Minderheitsvertret er, wie sie bei den internationalen Organisationen zum Ausdruck kommt, zu beobachten, der wird zngsben, datz die Juden i nfolgeihrereigenen Sch wache stets in den Hintergrund gedrängt sind, Sollte es auf der Konferenz nicht gelingen, eine gemeinsame Front für den Kampf um jüdische . Rechte zu bilden, so hoffen wir, daß es zumindest gelingen wird, ein Koordinationsorgan zu schaffen, auf dessen Basis die bestehenden Organisationen Seite an Seite arbeiten könnten. Daß Fehlen einesolchen Organs hat ja dazu geführt, daß Mionen unternommen werden, die miteinander konkurrieren und zeitweilig den Eindruck eine'; chaotischen Zustandes Hervorrufen müssen. Was den Kampf um die nationalen Rechte der jüdischen Minderheiten betrifft, so stelle ich vor allem fest, daß keinem Teil der Judenheit etwas aufgedrängt werden soll, wofür zu kämpfen er nicht in der Lage ist. Wo aber Juden in den Kampf für solche Rechte, in der Verteidigung solcher ihnen gewährter Rechte stehen, müssen sie d e r llnt e r stütz u n g d e r internationalen Welt sicher sein, in der aber zu gegenwärtiger Stunde die Juden sich in einer absoluten Isolierung befänden und jede Unterstützung entbehren müßten, wenn sie die Klauseln der Minoritätsverträge so auslegen würden, wie dies der Herr Grohrabbiner wünscht. Was die vom Großrabbiner Dr, L e v y ausgesprochene Befürchtung betrifft', daß die Konferenz eine schädigende Wirkung auf die Beziehungen zwischen Zionisten und Nichtzionisten in Sachen der „Jewish Agency" betrifft, so möchte ich betonen, daß, wenn in der Balfour-Deklaration dargelegt wird, dass der Bestand eines jüdischen NationalheimS in keiner Weife die Rechte und die Position der Inden in irgendeinem anderen Lande nachteilig berühren darf, diese Bedingung erst recht für die beiden Lager, die die Jewish Agency bilden, als obligatorisch zu gelten habe. Es lväre nur recht und billig, wenn diejenigen, die an .der Spitze der offiziellen jüdischen Welt stehen — bevor s i e ihxe Meinung zum Au S d r u ck b x in gen —, zuerst die Erklärungen jener Organisationen hören, die die Konferenz einberufen. AmMemm zwischen Italien und der Türkei.; Berlin, 6. Juli. Der „Börsenkurler" meldet aus .Smyrna, der Besuch einer Delegation italienischer. Politiker in Angora bedeute den Beginn einer A n n ä h e r u n g f ch e n I tal i e n un d d e r Türk e i. > ' Die durch englische Vermittlung geführten .Besprechungen fcvcn so weit gediehen, daß verbindliche Vet- . Handlungen für ein türkisch-italienisches A bkomm e n bevorstehen. 28 Jahre MiiitörWcht in Frankreich ‘ '' Par is, 6. Ju-i. "Das 'Hau» nahm' die ersten Ar 1 "• des Regierungsentwurfes an, der insbesondere ein? W - samtdienstzeit von 28 Jahren sestsetzt. Die aktive Dienstzeit beträgt ein Jahr, die Bereitschaft dauert drei Jahre, die Zugehörigkeit zur ersten Reserve' 16 und zur zweiten Reserve acht Jahre. Im Verlause der Debatte gab Kriegsminister Painl e ve die Versicherung ab, daß wegen pol itischev Berge he n Verurteilte künftighin nicht mehr als aus der >A)rmee ausgeschlossen betrachtet oder in besondere Wte^'ingen eingereiht werden sollen. Völkische Verleumdung. Dr. Livvert Mauert. Berltu, 6. Juli. (Wolfs.) Vor der. dritten großen Strafkammer sollte heute früh die Borufungsvechandlung gegen den früheren verantwortlichen Redakteur heim -/Deutschen Tageblatt" Dr. Lipvert stgttfinden, der wegen verleumderischer Beleidigung des preußischen WoylfaWSnnnisters Hirt fieser zu 2000 Matt verurteilt worden lvar. / Das „Deutsche Tageblatt" hatte bekanntlich Behauptungen mneS völkischen Abgeordneten im preußischen Landtag über ein angebliches nächtliches Erlebnis bei einem Besuche des Ministers in Men in sbavkl beleidigender Form wiederholt. Vor Eintritt in die Verhandlung erklärte der Angeklagte, daß . er sich von der Haltlosigkeit. der Beschuldigungen gegen den Minister überzeugt habe und bedauert, zu ihrer Meitewechreitung die Hand geboten zu haben. Daraufhin zogen der Staatsanwalt und die Vertreter des Nebenklägers die Berufulrg zurück. Da auch der Angeklagte seine Revision nicht auftschterhielt, wurtu die erstinstanzliche Strafe. rechtskräftig. 6fn Wirtlchastr-Maubuch der PaWlna- Regierung. Jerusalem, 5. Juli. (I. T- A.) Die Palästinareg'ierung bereitet die Herausgabe eines Bl au Luches über die Wirtschaftslage vor. Der Kongreb der MInorltSku. Genf, 6. Juli. Wie schon berichtet, ist der dritte europäische Nationalitätenkongreß für den 22, bis 24, August angesetzt. Die Tagesordnung ist bereits festgesetzt. Nach der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden Dr. W t lfan werden die Vertreter der nationalen Sektionen ihre Berichte erstatten. GS folgen Referate über die nationale Unduldsamkeit, über das Zusammenarbeiten de« Nationalitäten, das Sprachenproblem, Staatssouveränität und Mindecheitenrecht, Nattonalitätmkunde, Organisation und Propaganda. ES wird auch die Frage dev Presse vachandelt werden gemäß, einem Vorschlag de- Herrn Motzkin I (Komitee der jüdischen Delegationen), eS fei auf der internationalen PresseausMung in Köln 1938 ein« Ausstellung der Mtndecheitszeitungen zu veranstalten. Ae geftohlmen Mdbergh-Mmken. Paris^ 6. Juli.. Da der französische Militärattache der Washingtoner Botschaft, der sich augenblicklich in Paris befindet, und andere Personen darüber ^Klage geführt haben, daß die Glugpjostmarken mit dem Bilde Lindberg Hs, die die ,-America nach Frankreich gebracht W* von den Briefen entfernt wurden, ist.eine Unterst ch n n g angeordnet Modem . / "" fmibt:-_-‘m^:-'f^2^Ll2£Si£SS£Sä£iSmi£äSSilääiSiSSBi ■Mü

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